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Rikuzentakata
Rikuzentakata ; Fläche: 232,27 km² ; Einwohner: 18.153 (1. März 2021) ; Bevölkerungsdichte: 78 Einwohner je km² ; Gemeindeschlüssel: 03210-7.
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Lage und Bedeutung der Stadt
Rikuzentakata (japanisch 陸前高田市, -shi) ist eine Stadt in der Präfektur Iwate auf Honshū, der Hauptinsel Japans. Sie liegt in der Tōhoku-Region an der Pazifikküste, südlich von Morioka und nördlich von Sendai. Die Stadt umfasst 232,27 km² und hatte am 1. März 2021 18.153 Einwohner; die Bevölkerungsdichte betrug 78 Einwohner je km².
Rikuzentakata liegt am Ende einer etwa 3 km breiten Bucht an der Mündung des Flusses Kesen. Im Norden grenzt die Stadt an Ōfunato, im Süden an Kesennuma in der Präfektur Miyagi; weitere Nachbargemeinden sind Ichinoseki und Sumita. Die Küste gehört zur Ria-Küste des Sanriku-Gebiets. Vor der Küste zwischen der Karakuwa- und der Hirota-Halbinsel weist der Meeresboden abrupte Tiefensprünge auf. Dadurch können Tsunamiwellen verstärkt werden.
Vor 2011 prägten der Küstenschutzwald Takata-Matsubara, der Takata-Strand und der Brackwassersee Furukawa-numa das Stadtbild. Takata-Matsubara war 1927 vom japanischen Umweltministerium als „Ort landschaftlicher Schönheit“ anerkannt worden und galt als eine der „100 Landschaften Japans“ der Shōwa-Zeit. Die Stadt war außerdem ein bedeutender Fischerei- und Tourismusort. In Kesen, Hirota, Otomo und Yonezaki wurden unter anderem Austern und Jakobsmuscheln gezüchtet; die Austernzucht erzielte 2010 einen Umsatz von 40 Millionen Yen.
Geschichte und wirtschaftliche Entwicklung
1933 erreichte die Eisenbahn das Berggebiet von Takata. 1955 entstand die Stadt Rikuzentakata durch die Zusammenlegung der früheren Städte Takata, Kesen, Hirota und Otomo sowie der Dörfer Yonesaki, Yahagi, Takekoma und Yokota. Takata und Kesen entwickelten sich zu kommerziellen und industriellen Zentren.
Nach dem Chile-Tsunami von 1960 wuchs das Innenstadtgebiet von Takata besonders rasch. Während die Gesamtbevölkerung Rikuzentakatas zwischen 1980 und 2010 um 21 % zurückging und die Bevölkerung von Kesen zwischen 1995 und 2010 von 3.818 auf 3.287 sank, stieg die Bevölkerung im Gebiet Takata zwischen 1950 und 2005 von 6.461 auf 7.711, also um 19 %. Zur Volkszählung 2010 hatte Rikuzentakata 23.300 Einwohner auf einer Fläche von etwa 232 km².
2009 wurde die Nationalstraße 45 als küstennahe Takata-Umgehungsstraße eröffnet. Dadurch verlagerten sich wirtschaftliche und administrative Zentren weiter in die Küstenregion. Diese Entwicklung erhöhte später die Gefährdung, weil viele wichtige Gebäude und ein großer Teil der Bevölkerung im tief gelegenen Küstenland konzentriert waren. Zum Verkehrssystem gehört die JR Ōfunato-Linie.
Historische Tsunamis und Schutzmaßnahmen
Rikuzentakata wurde in den letzten 150 Jahren mehrfach von Tsunamis getroffen: vom Meiji-Tsunami 1896, vom Shōwa-Tsunami 1933, vom Chile-Tsunami 1960 und vom Tōhoku-Tsunami 2011. Die Zahl der völlig zerstörten Häuser und Todesopfer entwickelte sich dabei folgendermaßen: 1896 wurden 245 Häuser zerstört und 818 Menschen getötet, 1933 waren es 242 Häuser und 106 Todesopfer, 1960 148 Häuser und 8 Todesopfer. 2011 wurden 3159 Häuser völlig zerstört und 1763 Todesopfer gezählt. Die Zahl von 1763 wurde aus Gesamtzahlen des 153. FDMA-Schadensberichts vom 8. März 2016 abzüglich katastrophenbedingter Todesfälle der Wiederaufbaubehörde berechnet.
Nach dem Shōwa-Tsunami von 1933 lag der Schwerpunkt zunächst auf der Rettung von Menschenleben durch Evakuierung und Umsiedlung. Das Dorf Osabe, das 1896 und 1933 besonders stark zerstört worden war, wurde auf höher gelegenes Terrain verlegt. Nach dem Chile-Tsunami von 1960, der 3–4 m hoch war und den Kesen-Fluss hinaufströmte, setzte Japan verstärkt auf technische Schutzmaßnahmen und ein Meldewarnsystem.
Zwischen Strand und Wald entstand zunächst eine 3 m hohe Ufermauer, deren Höhe in T.P. angegeben wurde. 1966 wurde zwischen dem Wald und dem Marschland des Furukawa-numa eine zweite Ufermauer mit 5,5 m T.P. errichtet. Sie sollte die tiefer gelegenen Gebiete, besonders Takata, schützen. Diese Mauer hielt den Tsunami von 1968 vollständig ab und vermittelte der Bevölkerung ein Gefühl der Sicherheit. Gefahrenkarten sagten für das Gebiet vor 2011 allerdings eine Überflutung von 0,5 bis 1,0 m voraus.
Ab 1972 wurden Buhnen und Wellenbrecher gebaut. 1988 wurde der Takata-Strand als Entwicklungsgebiet der Küstengemeinschaftszone (coastal community zone, CCZ) ausgewiesen. Zwischen 1990 und 2001 entstanden unter Berücksichtigung des Landschaftsschutzes drei Unterwasserwellenbrecher. Der rund 5 m hohe Küstenschutzdamm war im Vergleich zu anderen Regionen niedrig, weil man zusätzlich auf den Sandstrand und die 70.000–80.000 Kiefern von Takata-Matsubara als natürliche Puffer vertraute.
Die Tōhoku-Katastrophe von 2011
Der durch das Tōhoku-Erdbeben vom 11. März 2011 ausgelöste Tsunami traf Rikuzentakata besonders schwer. Die durchschnittliche Überflutungshöhe betrug etwa 13 m, die maximale Auflaufhöhe über 20 m. Andere Angaben nennen eine Wellenhöhe von über 15 m und eine höchste Auflaufhöhe von etwa 39 m. Für das Stadtgebiet wird außerdem eine Überflutungshöhe von 15,8 m angegeben. Der Tsunami überflutete 13 km² beziehungsweise 43 % der Wohngebiete; in diesem Gebiet lebten 71,8 % der 23.243 Einwohner. Andere Angaben sprechen von 80 % des Stadtgebiets beziehungsweise etwa 5000 überfluteten Haushalten. Die Zahl der völlig zerstörten Wohngebäude wird mit 3807 angegeben.
Die Küstenwälder und Dünen konnten bei geringeren Wellenhöhen in anderen Regionen schützen, in Rikuzentakata wurden sie jedoch von der fast 20 m hohen Welle vollständig zerstört. Von dem 1,7 bis 2 km langen Sandstrand blieb nur eine Kiefer stehen. Die mitgerissenen Bäume verstärkten die Schäden, weil sie Gebäude zerstörten. Der Kesen-Fluss leitete die Welle mehr als 5 km landeinwärts. Seine geringere Oberflächenrauheit und die Lage zwischen Deichen ermöglichten eine schnelle Ausbreitung. Die aktive Flussrinne verbreiterte sich durchschnittlich von 79 auf 88 m. Entlang von 4,8 km wurden alle Uferbäume entwurzelt oder fortgetragen.
Besonders betroffen war das flache Land bis 3 km von der Küste. Holz- und Metallgebäude wurden bis 3,5 km Entfernung völlig zerstört. Erdbebensichere, leichte Häuser waren für die aufwärts und seitwärts wirkenden Kräfte der Tsunamiwellen ungeeignet. Stahlbetongebäude hielten meist besser stand, konnten aber durch Unterspülung ihrer Fundamente ebenfalls umstürzen. Ein Krankenhaus und sieben der neun Kliniken wurden beschädigt; zwei mehrstöckige Stahlbetonbauten stürzten um.
Auch das kulturelle Erbe wurde schwer getroffen. Rund 560.000 Objekte aus vier Kultureinrichtungen wurden verstreut, beschädigt, verschmutzt oder fortgespült. Etwa 460.000 Objekte konnten durch das Programm „Kulturgutrettung“ der Agency for Cultural Affairs gerettet werden. Bis März 2012 waren daran 4.900 Experten beteiligt. Restauriert wurde unter anderem ein 9,7 m langer Schwarzwal aus dem Meeresmuseum, das größte Exponat dieser Art in Japan. Die berühmten Austernfarmen wurden ebenfalls zerstört.
Evakuierung, Opfer und Wiederaufbau
Die Katastrophe zeigte die entscheidende Bedeutung einer sofortigen Evakuierung. Einer Untersuchung zufolge starb von 33 Menschen, die Rikuzentakata unverzüglich verließen, nur eine Person. Von 147 Menschen, die nicht unverzüglich evakuierten, kamen 42 ums Leben. Das medizinische Personal und die Patienten eines Krankenhauses, insgesamt 164 Menschen, retteten sich auf das Dach.
Mehr als die Hälfte der ausgewiesenen Evakuierungs-Schutzstätten wurde selbst überflutet. In der städtischen Sporthalle von Takata starben rund 80 Menschen; nur drei überlebten die Überflutung. Auch die Stadthalle wurde zerstört. Dort hatten sich etwa 70 bis 80 Personen aufgehalten, von denen nach Augenzeugenberichten nur 10 überlebten. Ein eigens als vertikaler Evakuierungsschutz gebautes Betongebäude überstand die Welle; dort retteten sich drei, nach anderen Angaben fünf Menschen. Die frühere Raststätte Takata-Matsubara Tapic 45 wurde bis zu 13,7 m, nach anderer Angabe bis T.P. 14,5 m, überflutet. Sie rettete drei Menschen. Alle 86 Schüler und Lehrer der Kesen-Junior-Highschool evakuierten innerhalb von fünf Minuten zunächst auf den Schulparkplatz und anschließend auf höheres Gelände; sie überlebten.
Die Opferzahlen unterscheiden sich je nach Erhebungsstand. Im 124. FDMA-Schadensbericht vom 19. Mai wurden 1492 Tote und 699 Vermisste genannt. Im 157. Bericht waren es 1604 Tote und 202 Vermisste. Die bereinigte Zahl von 1763 Toten und Vermissten entspricht 7,57 % der Gemeindebevölkerung und 10,59 % der Bevölkerung im Überflutungsgebiet. Mit 1.757 Toten und Vermissten (Stand 2024) wurde Rikuzentakata weiterhin als der am stärksten betroffene Ort der Präfektur Iwate bezeichnet. Von 295 städtischen Beschäftigten starben 68; Opfer und Flüchtlinge zusammen machten 80 % der Gesamtbevölkerung aus.
Der Wiederaufbauplan wurde im Dezember 2011 beschlossen und im März 2015 überarbeitet. Nagoya unterstützte Rikuzentakata bis März 2012 mit 144 entsandten Beamten, darunter Stadtplaner, Gesundheitsfachleute und Statistiker; im März 2014 arbeiteten noch 13 Beamte aus Nagoya dort. Die Küste und der Wald Takata-Matsubara sollten wiederhergestellt und ein Tsunami-Gedenkpark errichtet werden.
Die einzige erhalten gebliebene, 27 m hohe und etwa 250 Jahre alte Kiefer wurde als „Wunderkiefer“ zum Symbol für Opfer, Hoffnung und Wiederaufbau. Ihr Wurzelwerk starb durch das Salzwasser ab; im September 2012 wurde sie entfernt und bis Juni 2013 mit einem Metallgerüst sowie künstlichen Ästen, Zweigen und Blättern konserviert. Die Stadt erhielt dafür mehr als 150 Millionen Yen an Spenden. 2013 begann außerdem die künstliche Wiederherstellung des Strandes. Geplant war eine Aufschüttung auf 1,75 km Länge, 30 bis 60 m Breite und mit Sandkörnern von über 0,26 mm; ausgewählt wurde Sand aus Taiwa mit einer Korngröße von 0,51 mm.
Ein 3 km langes Förderbandsystem transportierte täglich 40.000 Tonnen Erde und Schotter, um das Küstengebiet um etwa 10 m anzuheben. Das Projekt kostete 118,2 Milliarden Yen und sollte ein 124,2 ha großes Areal für eine neue Innenstadt schaffen. Zusätzlich wurden zwei 1,8 km lange Schutzwälle mit Höhen von 3 m und 12,5 m geplant.