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Papierformat

Papierformate standardisieren die Abmessungen (Breite und Höhe) von Briefbögen, Kopierpapier, Karten und gedruckten Dokumenten.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Entwicklung
  2. 2. Das Prinzip der DIN- und ISO-Reihen
  3. 3. Reihen und typische Anwendungen
  4. 4. Abgeleitete und technische Formate
  5. 5. Formate außerhalb der ISO-Reihen

Grundidee und Entwicklung

Papierformate legen Breite und Höhe von Briefbögen, Kopierpapier, Karten und gedruckten Dokumenten fest. Der wichtigste internationale Standard ist ISO 216. Er beruht auf DIN 476, die das Deutsche Institut für Normung am 18. August 1922 festlegte; in Deutschland wurde die von Walter Porstmann erarbeitete Norm 1923 eingeführt.

Früher gab es zahlreiche, je nach Hersteller unterschiedliche Bogenformate. Im 14. und 15. Jahrhundert waren im Gebiet des heutigen Italien, der Schweiz und Deutschlands Bogen von 30 × 43 cm verbreitet. Aus einem Bogen entstanden durch Falten unter anderem Quartformate (ein Viertel) und Oktavformate (ein Achtel). Bei einem Bogenverhältnis von 3∶4 ergaben sich abwechselnd Formate mit 3∶4 und 2∶3. Diese Verhältnisse finden sich noch bei manchen Büchern und Taschenbüchern.

Das Verhältnis 1∶√2 wurde 1786 von Georg Christoph Lichtenberg vorgeschlagen. Wilhelm Ostwald entwickelte 1911 eine darauf beruhende „Weltformat“-Reihe, die sich wegen ihrer Unvereinbarkeit mit vorhandenen Formaten nicht durchsetzte. Porstmann übernahm jedoch das mathematische Prinzip für DIN 476. Der große praktische Vorteil zeigte sich besonders beim Kopieren: Vergrößern oder Verkleinern bleibt verzerrungsfrei, und die Seitenränder bleiben proportional.

Das Prinzip der DIN- und ISO-Reihen

Alle Formate der Reihen A, B und C besitzen dasselbe Seitenverhältnis von Breite zu Höhe: 1∶√2. Wird ein Blatt mittig entlang der langen Seite gefaltet, ist das kleinere Blatt dem ursprünglichen geometrisch ähnlich, hat also wieder dasselbe Verhältnis.

Mit Breite bᵢ und Höhe hᵢ gilt beim Übergang zur nächsten Größe: hᵢ/bᵢ = hᵢ₊₁/bᵢ₊₁ = bᵢ/(½hᵢ). Daraus folgt hᵢ² = 2bᵢ² und daher hᵢ/bᵢ = √2 ≈ 1,414. Das DIN-Verhältnis ist nicht der Goldene Schnitt: Dieser beträgt 1∶1,618.

Die Reihen sind nach abnehmender Größe von 0 bis 10 nummeriert; jede folgende Klasse hat die halbe Fläche der vorherigen. A0 besitzt nominell genau 1 m². A1 hat ½ m², A2 ¼ m², A3 ⅛ m² und A4 1/16 m². Deshalb wiegt ein A4-Bogen mit 80 g/m² rechnerisch 5 g. Durch Rundung auf ganze Millimeter ist die reale Fläche jedoch leicht abweichend.

Die üblichen Bezeichnungen verbinden Reihe und Klasse, etwa A4 (210 × 297 mm) oder C6 (114 × 162 mm). Wichtige Beispiele sind A3: 297 × 420 mm, A5: 148 × 210 mm, B4: 250 × 353 mm und C4: 229 × 324 mm. Es gibt auch größere Formate wie 2A0 (1189 × 1682 mm) und 4A0 (1682 × 2378 mm). Zulässige Maßtoleranzen betragen ±1,5 mm bis 150 mm, ±2 mm bis 600 mm und darüber ±3 mm.

Reihen und typische Anwendungen

ISO 216 umfasst die A- und B-Reihe; die C-Reihe ist in Deutschland weiterhin als DIN 476-2:2008-02 geregelt. Die B-Reihe liegt größenmäßig zwischen benachbarten A-Formaten. Die C-Reihe ist vor allem für Umschläge bestimmt: Ein Inhalt im A-Format passt typischerweise in den entsprechenden C-Umschlag, dieser wiederum in einen Umschlag der B-Reihe. Auch Höchstmaße von Briefsendungen orientieren sich an der B-Reihe.

A0 und A1 werden etwa für technische Zeichnungen, Karten, Druckbogen und Plakate verwendet. A2 und A3 eignen sich für Zeichnungen, Diagramme, große Tabellen, Kalender und Karten. A4 ist das typische Format für Briefpapier, Formulare, Hefte, Zeitschriften, technische Zeichnungen und Druckerpapier. A5 wird für Notizblöcke, Schulhefte und Prospekte genutzt; A6 unter anderem für Flyer, Postkarten, Taschenbücher und Notizhefte. B5, A5, B6, A6 und A4 kommen als Buchformate vor. C4, C5 und C6 sind gebräuchliche Umschlaggrößen.

Beim Kopieren entspricht ein Schritt zur nächstgrößeren beziehungsweise nächstkleineren Formatklasse einem Längenskalierungsfaktor von 141 % ≈ √2 beziehungsweise 71 % ≈ √(1/2). Die Einstellungen 200 % und 50 % überspringen jeweils eine Formatklasse.

Abgeleitete und technische Formate

Streifenformate entstehen durch weitere Teilungen eines A-Formats, beispielsweise ⅓ A4 mit 99 × 210 mm oder ¼ A4 mit 74 × 210 mm. Das Format DL („DIN lang“) misst 110 × 220 mm und hat das Verhältnis 2∶1; es ist mit ⅓ A4 vergleichbar. C6/C5 misst 114 × 229 mm und kann mehr Blätter aufnehmen als DL.

Für Druck und Weiterverarbeitung werden Rohformate verwendet, weil beim Falzen und Beschneiden Material verloren geht. ISO 217 definiert RA und SRA: RA0 hat prinzipiell 1,05 m², SRA0 1,15 m²; ihre Maße sind auf halbe Zentimeter gerundet. Beispiele sind RA0 860 × 1220 mm und SRA0 900 × 1280 mm.

A4+ und A3+ sind nicht normierte Überformate für Tintenstrahl- und Laserdruck, damit beispielsweise randloser Druck oder Beschnitt möglich wird. A4+ wird teils mit 216 × 303 mm, teils mit 241 × 330 mm angegeben. A3+ heißt auch Super A3 oder Super B. A2+ misst 432 × 648 mm und hat beim Fotodruck das Verhältnis 2∶3. Ein als E/A0 oder A0 big bezeichnetes Format misst 917 × 1189 mm.

Weitere spezielle Systeme bestehen für Druckmaschinen, Verpackungen, Zeitplaner und Notendruck. Maschinenformate reichen beispielsweise vom Kleinformat 350 × 500 mm bis zum Supergroßformat 1620 × 2240 mm. Verpackungsbogen leiten sich vom Ballenformat 750 × 1000 mm ab; dabei entsteht jede kleinere Größe durch Halbierung der langen Seite. Die Angaben zu Verpackungsbogen, Zeitplansystemen und Notendruck sind im Artikel als nicht hinreichend belegt gekennzeichnet. Für Bibliothekskataloge ist das Internationale Bibliotheksformat 75 × 125 mm üblich.

Formate außerhalb der ISO-Reihen

Nordamerikanische Formate folgen keinem einheitlichen √2-Prinzip. Die ANSI-Reihe A bis E verdoppelt jeweils das vorherige Format, aber die Seitenverhältnisse wechseln ungefähr zwischen 1∶1,29 und 1∶1,55. Das wichtigste Format ist Letter (ANSI A): 8½ × 11 Zoll beziehungsweise 216 × 279 mm. Es ist etwa 6 mm breiter, 18 mm kürzer und mit 602,7 cm² etwas kleiner als A4 mit 625 cm². Bei aus Zoll umgerechneten Millimeterwerten können Rundungsdifferenzen entstehen, die Software beim Erkennen von Standardformaten berücksichtigen muss. Letter ist außer in den USA und Kanada auch als „Carta“ in Teilen Mittel- und Südamerikas sowie auf den Philippinen verbreitet.

Japan übernimmt die ISO-A- und C-Reihe, verwendet aber eine eigene JIS-B-Reihe. JIS B0 hat 1,5 m² und ist daher etwas größer als DIN/ISO B0 mit 1000 × 1414 mm; JIS B0 misst 1030 × 1456 mm. Daneben gibt es traditionelle japanische Buch- und Postkartenformate, etwa Hagaki mit 100 × 148 mm und Hagaki 2 mit 200 × 148 mm.

China verwendet zusätzlich zu A und B eine eigene D-Reihe nach GB/T 148-1997, auch kāi („Bogen“) genannt. Beispiele sind 1 kāi mit 764 × 1064 mm, 16 kāi mit 188 × 260 mm und 32 kāi mit 130 × 184 mm. Die internationale A-Reihe wird dort als „groß“, die chinesische D-Reihe als „klein“ bezeichnet.

Historische europäische sowie britisch-amerikanische Formate sind teilweise noch im Bibliothekswesen vorhanden, ihre Maße haben sich aber über die Zeit teils um mehr als einen Zoll verändert. Für Karten nach ISO 7810 gilt ID-1 mit 86 × 54 mm, etwa für Bank- und Kreditkarten, deutsche Personalausweise, EU-Führerscheine sowie viele Visitenkarten.

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