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Redewendungen aus der griechischen Mythologie

Die folgende Aufstellung der Redewendungen aus der griechischen Mythologie bietet einen Überblick über Wortschöpfungen und Redewendungen, die aus der …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee
  2. 2. Menschen und Eigenschaften
  3. 3. Schwierige Lagen und Aufgaben
  4. 4. Täuschung, Streit und Folgen
  5. 5. Verlangen, Eitelkeit und Psychologie
  6. 6. Weitere Bilder und feste Wendungen

Grundidee

Die Aufstellung erklärt deutsche Redewendungen und Wortbildungen, die aus der griechischen Mythologie stammen. Solche Ausdrücke verwenden Namen von Göttern, Helden, Ungeheuern oder mythischen Situationen, um Eigenschaften, Probleme oder Lebenslagen knapp zu beschreiben. Wichtig ist dabei meist nicht die ganze Sage, sondern ein einzelnes Merkmal: Achilles steht für eine einzige verwundbare Stelle, Argus für höchste Wachsamkeit, Sisyphos für endlose Mühe und das Trojanische Pferd für Täuschung.

Viele Ausdrücke sind bildlich gemeint. Eine „Achillesferse“ ist eine Schwachstelle an einem ansonsten starken oder scheinbar schwächenlosen Menschen oder System. „Mit Argusaugen“ bedeutet, etwas so aufmerksam zu beobachten, dass einem nichts entgeht; der Bezug ist der hundertäugige Riese Argos, der als „Allesseher“ gilt. Ein „Ariadnefaden“ ist ein Hilfsmittel, mit dem man aus einer schwierigen Lage herausfindet, wie Theseus mithilfe von Ariadnes Faden aus dem Labyrinth des Minotaurus fand. Ein „Augiasstall“ bezeichnet einen Ort voller Schmutz und Unordnung, der dringend gereinigt werden muss.

Menschen und Eigenschaften

Mehrere Redewendungen bezeichnen Menschen nach auffälligen Eigenschaften. Ein „Adonis“ ist ein hübscher junger Mann; „aphroditische Schönheit“ oder „schön wie Aphrodite“ meint sprichwörtliche Schönheit. Eine „Amazone“ bezeichnet ein kriegerisches oder streitsüchtiges Weib nach dem Volk der Amazonen. Ein „Gigant“ ist ein körperlich oder leistungsmäßig herausragender Mensch; davon leiten sich auch „gigantisch“ und „Gigantomanie“ ab. Ähnlich bezeichnet „Titan“ einen Menschen, der durch Leistungen oder Körpergröße hervorragt; dazu gehören „titanisch“ und „Titanic“.

Andere Ausdrücke beziehen sich auf Weisheit, Alter oder Gerechtigkeit. Ein „Mentor“ ist ein älterer, väterlicher Freund, nach Mentor, der sich in der Ilias um Odysseus’ Sohn Telemachos annahm. „Nestor“ ist ein sprichwörtlicher Name für den Ältesten oder Weisesten einer Gruppe. „Gerecht wie Rhadamanthys“ bedeutet „im höchsten Maße gerecht“, weil Rhadamanthys wegen seines Gerechtigkeitssinns und seiner Weisheit selbst in der Unterwelt zum Richter erhoben wurde. „Kunstfertig wie Dädalus“ beschreibt jemanden, der besonders im Handwerk vollendete Meisterschaft erreicht hat.

Schwierige Lagen und Aufgaben

Viele mythologische Redewendungen beschreiben Gefahren, Belastungen oder schwierige Entscheidungen. Eine „Herkulesaufgabe“ oder „Herkulesarbeit“ ist eine gewaltige Aufgabe, deren Bewältigung einen Menschen vom Format eines Herkules verlangt. Eine „Sisyphosarbeit“ ist eine scheinbar aussichtslose Arbeit, weil sie niemals fertigzustellen ist; Sisyphos musste einen Felsblock immer wieder einen steilen Hang hinaufrollen. Der „Sisyphosfels“ oder „Felsblock des Sisyphos“ steht deshalb für eine Bürde oder schwer zu bewältigende Last.

Wenn jemand „zwischen Skylla und Charybdis“ steht, muss er zwischen zwei Übeln wählen, wie Odysseus zwischen den beiden Ungeheuern hindurchsegeln musste. „Zwischen den Symplegaden sein“ bedeutet, von einer großen Gefahr bedroht zu sein, wie die Argonauten zwischen Felsen, die sie zu erdrücken drohten. Das „Damoklesschwert“, das über jemandem schwebt, bedeutet, dass sein Glück bald zu Ende geht. Eine „Odyssee“ ist eine Irrfahrt mit Umwegen. „Eulen nach Athen tragen“ heißt, etwas Überflüssiges zu tun, weil die Eule in der Antike als Symbol der Weisheit galt und Athen als Stadt der Weisheitsgöttin Athene bereits mit Weisheit verbunden war.

Täuschung, Streit und Folgen

Einige Ausdrücke warnen vor Streit, Täuschung oder unbeabsichtigten Folgen. Der „Erisapfel“ ist der Grund eines Streits oder der Anstoß zu einer Auseinandersetzung. Er geht auf den Apfel mit der Aufschrift „der Schönsten“ zurück, den Eris, die Göttin der Zwietracht, unter die Göttinnen warf, um Streit auszulösen. Das „Trojanische Pferd“ steht für eine heimtückische Täuschung. Wer „die Büchse der Pandora“ öffnet, richtet durch eine Handlung viel Leid an und öffnet dem Übel Tür und Tor.

Ein „Prokrustesbett“ ist ein striktes Schema, das schmerzhafte Anpassung nötig macht, oder eine Lösung, die keinem der Betroffenen gerecht wird; Prokrustes brachte Menschen durch Strecken oder Verstümmeln auf die Größe seines Bettes. Ein „Lichasdienst“ ist eine gut gemeinte Leistung, die dem Empfänger schadet: Lichas brachte Herakles im Glauben an einen segensreichen Dienst das vergiftete Hemd des Nessos. Wer einen „Kassandraruf“ ausstößt, warnt vergeblich vor etwas, weil ihm nicht geglaubt wird. „Der Hydra den Kopf abschlagen“ beschreibt den Fall, dass jeder Versuch, ein Problem einzudämmen oder zu bekämpfen, nur weitere Probleme hervorbringt.

Verlangen, Eitelkeit und Psychologie

Mehrere Begriffe beschreiben Liebe, Sexualität, Selbstbild oder psychologische Deutungen. Ein „Aphrodisiakum“ ist ein Mittel zur Steigerung des Liebesempfindens und der Aktivität der Sexualorgane; der Name verweist auf Aphrodite. „Bezirzen“ bedeutet, jemanden durch Liebreiz zu betören, nach der Zauberin Kirke. „Narzissmus“ ist Selbstverliebtheit oder übermäßige Eitelkeit, nach Narziss, der sich in sein eigenes Spiegelbild verliebte und daran zugrunde ging. „Pygmalion“ bezeichnet jemanden, der von seinem eigenen Werk übermäßig beeindruckt ist, wie der Bildhauer, der sich in eine selbst geschaffene Statue verliebte.

Der „Ödipuskomplex“ ist eine von Sigmund Freud geprägte Bezeichnung für das Verlangen, mit einem Elternteil, vor allem der Mutter, eine sexuelle Beziehung einzugehen; er verweist auf Ödipus, der unwissentlich seine Mutter Iokaste heiratete. Das Gegenstück dazu ist der „Elektrakomplex“, benannt nach Elektra, der Tochter des Agamemnon. „Nymphomanie“ bedeutet gesteigerter Sexualdrang bei Frauen, „Satyrismus“ die männliche Nymphomanie oder übermäßiges sexuelles Verlangen beim Mann. „Priapismus“ ist eine krankhafte Dauererektion des Penis nach dem Gott Priapos.

Weitere Bilder und feste Wendungen

Weitere Ausdrücke stehen für besondere Situationen oder anschauliche Vergleiche. „Wie Castor und Pollux“ beschreibt zwei unzertrennliche Freunde. Eine „Kopfgeburt“ ist eine mühsam entwickelte Idee, nach der Geburt der Athene aus dem Haupt des Zeus. „Reich sein wie Krösus“ verweist auf den lydischen König Krösus, der unbeschreiblich reich gewesen sein soll. Eine „Midasberührung“ ist nach König Midas benannt; die Liste nennt jedoch keine genauere Erklärung.

„Tantalosfrüchte“ sind eine scheinbar erreichbare, aber niemals zu gewinnende Verlockung. „Tantalosqualen“ sind Qualen, die entstehen, wenn verlockende Dinge scheinbar in Reichweite sind, praktisch aber unerreichbar bleiben. Die „Äpfel der Hesperiden“ und die „Äpfel der Atalante“ stehen jeweils für große Kostbarkeit; Atalante wurde im Wettlauf durch goldene Äpfel abgelenkt. Ein „Ikarusflug“ bedeutet: „Hochmut kommt vor dem Fall“; jemand will zu hoch hinaus. Eine „Sphinx“ ist eine rätselhafte Person oder jemand, der sich schwer verständlich ausdrückt. Ein „Zerberus“ ist ein aufmerksamer Wächter, an dem es kein Vorbeikommen gibt, nach dem dreiköpfigen Höllenhund an der Pforte zur Unterwelt.

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