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Positive Nebeneffekte von Klimaschutz-Strategien
Verbesserte Energieeffizienz von Kraftwerken, der Aufschwung erneuerbarer Energien und der Wechsel von Kraftstoffen kann eine Vielzahl von positiven …
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Begriff und Bedeutung
Positive Nebeneffekte, auch „Co-benefits“ genannt, sind positive Zusatznutzen, die durch die Reduktion von Treibhausgasen entstehen. So lautet die Definition im 4. Report des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC). Sie treten zusätzlich zum eigentlichen Ziel des Klimaschutzes auf. Verbesserte Energieeffizienz von Kraftwerken, der Ausbau erneuerbarer Energien und der Wechsel von Kraftstoffen können beispielsweise die Luftqualität verbessern, technologische Innovationen fördern, die Versorgungssicherheit und Energiediversität erhöhen, Kraftstoffkosten senken und zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen.
Positive Nebeneffekte können wirtschaftliche, soziale, ökologische, gesundheitliche und politische Vorteile umfassen. Dadurch wird Klimaschutz nicht nur als Maßnahme gegen die Erderwärmung betrachtet, sondern auch als Möglichkeit, andere gesellschaftliche Ziele gleichzeitig zu erreichen.
Bedeutung für politische Entscheidungen
In der Volkswirtschaftslehre und Umweltökonomik werden positive Nebeneffekte meist als positive externe Effekte bezeichnet. Sie können politischen Entscheidungsträgern als Auswahlkriterium dienen, wenn sie über Klimaschutz-Strategien entscheiden. Häufig werden sie jedoch vernachlässigt, weil Wirtschaft und Politik sie nicht ausreichend identifizieren, quantifizieren und monetarisieren, also nicht in messbare oder finanzielle Größen übersetzen.
Eine angemessene Berücksichtigung dieser Zusatznutzen kann beeinflussen, wann Klimaschutzmaßnahmen eingeführt werden und wie intensiv sie ausfallen. Positive Nebeneffekte können der nationalen Wirtschaft und technologischen Innovationen einen signifikanten Vorteil bringen. Zu den im Artikel genannten Vorteilen gehören eine verbesserte Arbeitsumgebung, Abfallreduzierung, gesundheitliche Vorteile und ein geringerer Kapitalaufwand.
Der IPCC erwähnte positive Nebeneffekte erstmals 2001. In seinem vierten und fünften Bewertungsbericht wurden weitere Zusatznutzen betont. In den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts unternahm auch die OECD weitere Anstrengungen, diese Vorteile darzustellen. In den 2010er Jahren beschäftigten sich mehrere internationale Organisationen damit: Die Internationale Energieagentur (IEA) entwickelte den „multiple benefits approach“ zur Energieeffizienz, und die Internationale Organisation für erneuerbare Energien (IRENA) erstellte eine Liste positiver Nebeneffekte des Erneuerbare-Energien-Sektors.
Die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) erkannte positive Nebeneffekte von Klimastrategien im Pariser Klimaabkommen vom Dezember 2015 an. Danach wurden sie in offizielle politische Zielvorgaben aufgenommen, unter anderem in Indiens Aktionsplan für den Klimawandel und in Vietnams Klimastrategien im Rahmen des Pariser Klimaabkommens.
Forschungsansätze und untersuchte Wirkungen
Positive Nebeneffekte von Klimaschutz- und Anpassungsstrategien werden in der Literatur seit den 1990er Jahren erwähnt. Der Begriff „Co-benefits“ bezeichnet mehrere gleichzeitig auftretende Interessen oder Ziele, die aus einer politischen Handlung, wirtschaftlichen Investitionen oder beidem entstehen. Strategische Co-benefits entstehen, wenn eine Handlung gezielt genutzt wird, um wirtschaftliche, betriebswirtschaftliche, soziale oder ökologische Möglichkeiten auszuschöpfen.
Die frühe wissenschaftliche Forschung konzentrierte sich vor allem auf niedrigere Treibhausgasemissionen, bessere Luftqualität und die damit verbundene Verbesserung der Gesundheit. Später wurde die Untersuchung auf ökonomische, soziale, ökologische und politische Auswirkungen ausgeweitet. Aus ökonomischer Sicht können Einnahmen aus CO2-Steuern und der Einsatz erneuerbarer Energien die Beschäftigung fördern. Ein höherer Anteil erneuerbarer Energien kann außerdem die Versorgungssicherheit erhöhen.
Zu den sozioökonomischen Nebeneffekten zählen ein besserer Zugang zu Energie in ländlichen Regionen und dadurch verbesserte Lebensgrundlagen. Weitere ökologische Vorteile neben dem Klimaschutz sind eine verbesserte Biodiversität, Naturschutzgebiete, Bodenschutz und eine höhere Bodenfruchtbarkeit.
COBENEFITS-Projekt
Ein Forschungsprojekt zu den Wirkungen von Klimaschutzstrategien ist das COBENEFITS-Projekt des Institute for Advanced Sustainability Studies in Potsdam, Deutschland. Es ist Teil der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI). Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) unterstützt die Initiative auf Grundlage eines Beschlusses des Bundestags.
Das Projekt arbeitet eng mit Ministerien, Agenturen, Forschungsinstituten und Thinktanks als politischen und wissenschaftlichen Partnern zusammen. Es ist in Indien, Südafrika, der Türkei und Vietnam tätig. Dort kooperiert das Projektteam mit nationalen Entscheidungsträgern und wissenschaftlichen Partnern. Ziel ist es, Erkenntnisse über positive Nebeneffekte zu gewinnen, diese Zusatznutzen zu mobilisieren und Prozesse zu beschleunigen, damit internationale Klimavereinbarungen eingehalten werden können.
Gesundheit und saubere Luft
Ein aktiver, klimafreundlicher Lebensstil kann gleichzeitig der Gesundheit nutzen. Fahrradfahren reduziert Treibhausgase und verringert die Folgen von Bewegungsmangel. Nach PLoS Medicine können bei einem Wandel zu klimaneutraler Mobilität, zu der Zu-Fuß-Gehen und Fahrradfahren gehören, Fettleibigkeit, Herzerkrankungen, Diabetes und Krebs reduziert werden, soweit diese Krankheiten mit körperlicher Betätigung zusammenhängen.
Klimaschutzstrategien können außerdem die Luftverschmutzung vermindern, weil weniger fossile Stoffe verbrannt werden. Methan und rußhaltige Abgase tragen sowohl zur Erderwärmung als auch zur Luftverschmutzung bei. Maßnahmen des Klimaschutzes können daher die Luftqualität verbessern und einen geringeren Anstieg der globalen Temperatur unterstützen.
Die Umsetzung der Klimaforderungen aus dem Pariser Klimaabkommen könnte deshalb erhebliche Vorteile für Gesundheit und Luftqualität bringen. Wenn Kohleenergie durch erneuerbare Energien ersetzt wird, kann die Zahl vorzeitiger Todesfälle durch Luftverschmutzung sinken. Unter sonst gleichen Bedingungen verringert ein höherer Anteil erneuerbarer Energien außerdem die Zahl der durch Emissionen verursachten Atemwegserkrankungen und damit die Kosten im Gesundheitssystem.
Wirtschaft, Energieversorgung und Bildung
Der Ausbau erneuerbarer Energien kann Beschäftigungsmöglichkeiten, industrielle Entwicklung, Energieunabhängigkeit und den Eigenverbrauch von Energie fördern. Je nach Land und Ausbauszenario kann das Ersetzen von Kohlekraftwerken durch erneuerbare Energien die Zahl der Arbeitsplätze pro installierter MW-Kapazität mehr als verdoppeln. Investitionen in Solar- und Windenergie erhöhen den Produktionswert.
In Ländern, die stark von Energieimporten abhängig sind, können erneuerbare Energien die Energieunabhängigkeit und Versorgungssicherheit verbessern. Eine nationale Energieerzeugung aus erneuerbaren Energien senkt die Nachfrage nach fossilen Brennstoffimporten und erhöht dadurch die nationalen Ersparnisse. Auch Haushalte und Unternehmen können profitieren: Solaranlagen auf Gebäuden und ein höherer Photovoltaik-Eigenverbrauch schaffen insbesondere für Haushalte mit geringerem Einkommen Anreize zu investieren und können jährliche Ersparnisse im Wohnsektor erzeugen.
In abgelegenen und ländlichen Regionen ist der Energiezugang durch zentrale Energiesysteme teilweise von häufigen Stromausfällen geprägt. Nicht vollständig elektrifizierte Regionen können vom Ausbau erneuerbarer Energien profitieren. Solarbetriebene Mini-Anlagen können wirtschaftlich ertragfähig und konkurrenzfähig sein und die Zahl der Stromausfälle senken. Eine zuverlässige Energieversorgung hat weitere soziale Vorteile: Ein stabiler Zugang zu Energie verbessert die Qualität der Bildung.