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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Politiknetzwerk

Politiknetzwerk ist ein Begriff aus der Politikwissenschaft zur Erforschung von Lobbyismus und politischen Interessen.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Gegenstand
  2. 2. Entstehung des Ansatzes in den USA
  3. 3. Subgovernments und „iron triangles“
  4. 4. Funktionsweise und politische Bedeutung
  5. 5. Abgrenzung und Modelle

Begriff und Gegenstand

Ein Politiknetzwerk ist ein Begriff aus der Politikwissenschaft. Er dient dazu, Lobbyismus und politische Interessen zu untersuchen. Im Mittelpunkt stehen Beziehungen und Interaktionen zwischen organisierten Akteuren im Politikprozess, insbesondere zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren.

Netzwerkkonzepte gehen davon aus, dass Personen und Organisationen miteinander verbunden sind. Ihre Beziehungen bilden ein Geflecht wirtschaftlicher, sozialer und politischer Verbindungen. Dadurch können auch die fließenden Grenzen zwischen öffentlichem und privatem Raum berücksichtigt werden. Der klassische Paradigmenstreit zwischen Pluralismus und Korporatismus wird durch Netzwerkkonzepte nicht erreicht.

Die Wurzeln politischer Netzwerke liegen in der Elitenforschung und in der Untersuchung interorganisationeller Beziehungen, also der Beziehungen zwischen verschiedenen Organisationen. Außerdem beziehen sie sich auf die neuere Institutionenökonomie.

Entstehung des Ansatzes in den USA

In den USA begann die Untersuchung politischer Netzwerke bereits in den 1950er- und 1960er-Jahren. Harry S. Truman beschrieb in einer Untersuchung des US-amerikanischen Regierungsprozesses ein „web of relationships“, also ein Beziehungsgeflecht.

Truman entwickelte daraus noch keine eigenständige Netzwerktheorie. Seine Beschreibung war lediglich ein Baustein der Pluralismustheorie. Sie machte jedoch bereits netzwerkartige Strukturen im politischen Prozess sichtbar.

Subgovernments und „iron triangles“

Als Vorstufe der Netzwerkanalyse gelten Vorstellungen über sogenannte „subgovernments“. Ein „subgovernment“ ist ein „cluster“, also eine Gruppe von Akteuren, die sich innerhalb eines abgegrenzten politischen Sachbereichs bewegen. Die Beteiligten sind durch enge und dauerhafte Beziehungen miteinander verbunden.

Zu ihnen gehören unter anderem Parlamentsabgeordnete, deren Mitarbeiter, Ministerialbeamte und Verbandsvertreter. Solche Beziehungsgeflechte werden im US-amerikanischen Regierungssystem auch als „iron triangles“ bezeichnet.

Ein „iron triangle“ besteht aus einem Kongressausschuss, einer Interessengruppe und einer Bundesbehörde. Ihre Beziehungen sind so eng, dass kein Akteur ohne die Zusammenarbeit mit den beiden anderen politische Entscheidungen durchsetzen kann. Aus der Weiterentwicklung der Idee des „subgovernment“ entstand die Netzwerktheorie.

Funktionsweise und politische Bedeutung

Der Netzwerkansatz erklärt, warum und wie politische Akteure miteinander interagieren. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Informationsaustausch, der für politisches Handeln notwendig ist. Gesellschaftlich relevante Maßnahmen werden zunehmend im Zusammenspiel staatlicher und nichtstaatlicher Akteure diskutiert.

Dieses Zusammenspiel beruht auf wechselseitigen Ressourcenabhängigkeiten. Politische Akteure sind bei der Gestaltung von Politik auf die Kooperation mit Akteuren angewiesen, die über Machtpotentiale verfügen. In der Regel handelt es sich dabei um Informationen.

Der Ansatz kann Abhängigkeiten und Interdependenzen, also gegenseitige Abhängigkeiten, zwischen Akteuren abbilden. Außerdem lässt sich untersuchen, wie sich diese Beziehungen im Zeitverlauf verändern. Art und Ausmaß der Vernetzung können bestimmt werden, indem eine Policy zu einem bestimmten Zeitpunkt betrachtet wird.

Abgrenzung und Modelle

Politiknetzwerke sind weitestgehend von verfassungsrechtlichen und organisationsrechtlichen Strukturen unabhängig. Der Netzwerkansatz geht nicht von einer einzigen zentralen politischen Bühne aus. Regierungshandeln steht daher nicht mehr allein im Mittelpunkt der Untersuchung politischer Prozesse.

Das Konzept der Policy-Netzwerke beschreibt nach dem heute überwiegenden Verständnis eine tatsächliche Veränderung der politischen Entscheidungsstrukturen. Netzwerkkonzepte treten in verschiedenen Varianten auf. Zu den bekanntesten Modellen gehören „policy communities“, „policy networks“ und „issue networks“.

Auf diesen Modellen baut die Differierende Netzwerktheorie, kurz DFN-Theorie, nach Bockstette auf. Sie soll ermöglichen, den gesamten Kontext auch internationaler Interessenvermittlung und damit des Lobbyismus zu erfassen.

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