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Physische Geographie Chiles

El Niño. Bearbeiten. El-Niño-Ereignis. Ein auch für Chile bedeutendes Klimaphänomen ist das El-Niño-Phänomen. Dabei handelt es sich eigentlich nicht, wie oft …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Lage und Grundstruktur
  2. 2. Anden und Übergangsraum
  3. 3. Küstengebirge, Vulkanismus und Erdbeben
  4. 4. Klimafaktoren und Niederschläge
  5. 5. Klimazonen und Vergletscherung
  6. 6. El Niño und seine Folgen

Lage und Grundstruktur

Chile erstreckt sich über 4300 Kilometer in Nord-Süd-Richtung entlang der Anden und des Pazifischen Ozeans, ist aber durchschnittlich nur 180 Kilometer breit. Seine Ausdehnung über mehr als 39 Breitengrade sowie die großen Höhenunterschiede von West nach Ost erklären die große Vielfalt von Klima- und Vegetationszonen.

Das Relief gliedert sich geotektonisch in drei Hauptbereiche: die Anden im Osten, den Übergangsbereich in der Mitte und das Küstengebirge im Westen. Diese Gliederung prägt zugleich Klima, Gewässerformen und Besiedlungs- beziehungsweise Anbaumöglichkeiten.

Anden und Übergangsraum

Die chilenischen Anden liegen fast überall über 2000 m; nur an wenigen Stellen im Süden unterschreiten sie diese Höhe. Von Norden nach Süden lassen sie sich in vier Blöcke einteilen:

  • Die chilenisch-bolivianischen Anden im Norden bestehen über mehr als 1000 km aus einer perlschnurartigen Kette rezenter, also geologisch junger, Stratovulkane. Sie reicht bis zum Ojos del Salado südlich des 27. Breitengrades; dieser ist mit 6.880 m der höchste Berg Chiles. Kennzeichnend sind hochexplosiver, eher basischer Vulkanismus und ausgedehnte Ignimbrit-Flächen.
  • Zwischen 27° und 33° südlicher Breite folgt die Hochkordillere mit Gipfeln bis 5000 m. Auf der argentinischen Seite, der Cordillera Frontal, liegt zwischen 32° S und 33° S der Aconcagua als höchste Erhebung der Anden. Mesozoisch-känozoische Sedimente und Vulkanite werden dort von granitischen Intrusionen durchbrochen. Bei Vallenar (29° S) tritt altes Grundgebirge aus Gneisen und Glimmerschiefern hervor. Junger Vulkanismus fehlt in diesem Block.
  • Südlich von 33° S beginnt mit dem 6800 m hohen Tupungato eine etwa 1000 km lange Kette hochexplosiver Stratovulkane mit andesitischen bis basaltischen Laven. Sie verliert südwärts rasch an Höhe und reicht ungefähr bis 42° S südlich von Puerto Montt. Dieser Bereich wird teils Cordillera Principal genannt.
  • Ab 42° S dominieren in den Patagonischen Anden mesozoische und tertiäre Sedimentdecken über metamorphem Grundgebirge. Es gibt nur wenige isolierte Vulkane, und Höhen über 3000 m sind selten. Pleistozäne Vergletscherung formte zahlreiche Gletscherseen, Kare und Fjorde.

Zwischen Anden und Küstenkordillere liegen zwei ausgeprägte Graben-Systeme: die Pampa de Tamarugal und das Valle Longitudinal. Die Pampa de Tamarugal liegt im Mittel 1000 m ü. M. und reicht von der peruanischen Grenze bei 17° S bis etwa Copiapó bei 27° S. Das Valle Longitudinal, auch Valle Central, beginnt ungefähr bei Santiago (32° S), taucht bei Puerto Montt (41° 30' S) ins Meer ab und setzt sich unterseeisch über Chiloé bis zur Halbinsel Taitao (43° S) fort. Sein südlicher Abschnitt zwischen Temuco und Puerto Montt zeigt vielfältige glaziale Formen.

Küstengebirge, Vulkanismus und Erdbeben

Die Küstenkordillere (Cordillera de la Costa) erstreckt sich mit einer kurzen Unterbrechung südlich von Chiloé über den Westen Chiles. Zwischen Arica und Chañaral (26° S) steigt sie als Steilküste stellenweise über 2000 m an. Wegen des extrem ariden Klimas haben die wenigen Flüsse dort meist nicht genug Kraft, das Gebirge zu durchbrechen; deshalb gibt es nur wenige Täler. Südlich von Chañaral häufen sich Talsysteme. Nach Süden wird das Gebirge niedriger und übersteigt im Kleinen Süden nur selten 1000 m. Ab 47° S bei der Halbinsel Taitao setzt es sich als Inselkette fort, die teilweise Cordillera Patagónica insular heißt.

Chile ist fast über seine gesamte Nord-Süd-Ausdehnung stark von Vulkanismus geprägt. Bedeutende Vulkane sind der Nevado Ojos del Salado (6880 m), Tupungato (6800 m), Llullaillaco (6739 m), Parinacota (6342 m), Licancábur (5916 m), Descabezado Grande (3830 m), Villarrica (2840 m), Osorno (2652 m) und Cerro Hudson (1905 m).

Das weltweit stärkste bislang registrierte Erdbeben war das Erdbeben von Valdivia 1960 mit 9,5 Mw auf der Momenten-Magnituden-Skala. Am 27. Februar 2010 ereignete sich nördlich von Concepción ein Erdbeben der Stärke 8,8 Mw.

Klimafaktoren und Niederschläge

Das Klima Chiles wird besonders durch den kalten Humboldtstrom im Pazifik und durch die Anden bestimmt. Der Humboldtstrom verläuft nordwärts an den Küsten Chiles und Perus und bringt kühles Tiefenwasser an die Oberfläche. Dadurch kühlen die küstennahen Luftschichten ab. Es entsteht eine Inversionswetterlage, also eine stabile Schichtung der Atmosphäre: Luftpakete steigen durch Erwärmung nicht auf, Niederschlag kann deshalb nicht auskondensieren.

Die Folge ist ein stationäres Hochdruckgebiet, das im Südsommer und Südwinter vorherrscht. Bodennah kann die Luft dennoch ihr Kondensationsniveau erreichen; an den Küsten bildet sich daher häufig Nebel. Das stabile Hoch begünstigt im Norden küstennahe Wüsten und kann mehrere Jahrzehnte anhaltende Trockenheit verursachen. Die Atacama-Wüste zählt zu den trockensten Gebieten der Erde; örtlich fiel dort seit Jahrhunderten kein Regen.

Südchile steht unter dem Einfluss zyklonaler Kaltfronten. Sie entstehen durch das Druckgefälle vom Hoch vor Chiles Küste zu polaren Tiefdruckregionen. In Patagonien stauen sie sich an der westlichen, dem Wind zugewandten Luvseite der Anden. Dabei entsteht advektiver Stauniederschlag: Sehr feuchte, hypermaritime Luftmassen regnen sich an den Bergen aus. Im Lee, der windabgewandten Seite, herrscht dagegen Trockenheit mit möglichem Föhn. Dabei sinken ausgeregnete Luftmassen ab und erzeugen einen warmen, trockenen Wind.

Wenn sich die Fronten im Südwinter nach Norden verlagern, werden Zentral- und Südchile von Winterniederschlägen geprägt. Im zentralen Chile treten diese episodisch, im Kleinen Süden periodisch auf. Die Südsommermonate des Kleinen Südens sind subtropisch warm und trocken.

Klimazonen und Vergletscherung

Chile wird in vier Klimaräume gegliedert:

  • Der Große Norden (17°–28° S), Wüstenchile, besitzt dauerhafte stabile Hochdruckwetterlagen, keinen Niederschlag sowie ausgedehnte Wüsten und in Hochlagen Hochgebirgshalbwüsten.
  • Der Kleine Norden und die Zentralzone (28°–38° S), Flussoasenchile, sind subtropisch warm und trocken. Episodischer Winterniederschlag ist möglich. Wein und Obst werden dort mit künstlicher Bewässerung angebaut.
  • Der Kleine Süden (38°–42° S), Waldrodungschile oder Chilenische Schweiz, hat periodische Winterniederschläge und hohe Lufttemperaturen. Hier liegt der gemäßigte valdivianische Regenwald.
  • Der Große Süden (42°–55° S), Urwaldchile, erhält ganzjährig hohe Niederschläge und besitzt ebenfalls große temperierte Regenwälder.

Im zentralen und südlichen Chile sind die höchsten Berge vergletschert, weil periodische Niederschläge und in großer Höhe entsprechend tiefe Temperaturen zusammentreffen. In Patagonien kommen Gletscher wegen extremer Niederschläge und teils kalter Temperaturen häufig vor; manche kalben sogar ins Meer. In den patagonischen Anden haben sich Überreste der quartären Vereisung als 20.000 km² großer Patagonischer Eisschild erhalten.

El Niño und seine Folgen

El Niño ist ein für Chile wichtiges ozeanisches, nicht eigentlich klimatisches Phänomen. Dabei reißen die Kaltwasserströme vor Südamerika ab, und Warmwasser sammelt sich vor der südamerikanischen Küste. Dadurch wird die normalerweise stabile Hochdrucksituation aufgehoben und die Walker-Zirkulation zwischen Südamerika und Indonesien, längenkreisparallel, kehrt sich um.

Das Warmwasser führt zu einem drastischen Absterben kaltwassergewöhnter Meeresbewohner. An Land können Starkniederschläge auftreten. In sonst trockenen Landschaften verursachen diese Ereignisse schwere Schäden durch Schlammlawinen und Hangrutsche.

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