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Alles im Zentrum⎥Holismus (Martin Gorke)
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 107 Zeilen
- Beim Holismus handelt es sich um eine Lehre, die das Ganze betrachtet bzw. eine Sache ganzheitlich zu begreifen versucht. Innerhalb der Umweltethik vertritt der Holismus
- die Position, dass das gesamte System der organischen und anorganischen Natur sowie alle Einzelwesen in der Natur direkt moralisch berücksichtigt werden müssen.
- Ökosysteme und Arten stehen damit ebenso im Fokus dieser Ethik wie Einzellebewesen und unbelebte natürliche Seinsarten. Wie die holistische Umweltethik begründet
- wird und was genau sie fordert, erfährst du in diesem Video. Der Begriff „Holismus“ (Adjektiv: holistisch) leitet sich ab von dem griechischen Wort „holos“
- = ganz, vollständig. Die Grundidee des Holismus wurde bereits von Aristoteles vertreten und seither immer wieder in verschiedenen Zusammenhängen aufgegriffen.
- Während die Begriffe Pathozentrismus bzw. Sentientismus, Biozentrismus und Ökozentrismus einen eindeutigen Bezug zur Umweltethik haben, ist der Begriff Holismus nicht auf umweltethische
- Fragestellungen begrenzt. In diesem Video soll es nur um den umweltethischen Holismus gehen. Die umweltethische Position des Holismus besagt,
- dass das gesamte System der organischen und anorganischen Natur sowie alle Einzelwesen in der Natur Rücksicht um ihrer selbst willen verdienen. Der Holismus schreibt also sowohl
- Individuen als auch Gesamtsystemen einen moralischen Status zu. Man könnte diese umweltethische Position auch als „Ethik der uneingeschränkten moralischen Berücksichtigung“ bezeichnen.
- Naturschutz ist damit Schutz überorganischer Ganzheiten (Ökosysteme/ Arten) sowie aller Teile der Natur. Im Unterschied zum Biozentrismus werden nicht
- nur Lebewesen, sondern auch unbelebte Materie und Ganzheiten wie Arten, Ökosysteme und die Biosphäre als Ganzes direkt moralisch berücksichtigt.
- Und im Unterschied zum Ökozentrismus berücksichtigt der Holismus neben Ganzheiten wie Arten und Ökosystemen auch alle einzelnen natürlichen Entitäten direkt moralisch. Individuelle
- Lebewesen und unbelebte natürliche Entitäten wie Berge oder Wasserfälle werden also ebenfalls direkt moralisch berücksichtigt. Nichts Natürliches existiert nämlich nur
- als Mittel für etwas anderes, sondern immer auch um seiner selbst willen und ist damit zumindest potenziell moralisches Objekt. Wichtige Vertreter eines umweltethischen Holismus
- sind Klaus-Michael Meyer-Abich (1936-1918), Ludwig Siep (1942) und Martin Gorke (*1958). Der deutsche Biologe und Umweltethiker Martin Gorke (*1958) argumentiert für die Aufhebung
- des vermeintlichen Gegensatzpaares Mensch – Umwelt. Seiner Ansicht nach müssen sämtliche Naturwesen zur Moralgemeinschaft gezählt werden. Nur dann werde man dem Anspruch einer
- universalistischen Ethik gerecht. Anthropozentristen, Pathozentristen und Biozentristen führen bestimmte Kriterien wie Sprachfähigkeit/ Rationalität, Empfindungsfähigkeit oder
- Zielgerichtetheit/ Leben ein und schließen damit bestimmte Wesen aus der moralischen Gemeinschaft aus. Es gibt ihrer Ansicht nach Wesen, die innerhalb der moralischen Gemeinschaft
- stehen und denen gegenüber direkte Pflichten bestehen, und es gibt Wesen außerhalb der moralischen Gemeinschaft, gegenüber denen wir keine direkten Pflichten haben. Laut Gorke
- ist eine solche Festlegung von Kriterien nicht legitim. Alles Existierende ist zunächst einmal moralisch direkt zu berücksichtigen, allen Entitäten sollte ein moralischer Selbstwert
- zugeschrieben werden. Doch wie kommt er zu dieser Auffassung? Gorke nimmt den Begriff der Moral als Ausgangspunkt. Man soll sich als Mensch zunächst ganz grundsätzlich
- die Frage stellen, ob man den Weg des Egoismus oder den Weg des Altruismus beschreiten will. Will man ein Machtmensch sein, der egoistisch handelt und andere Wesen nur benutzt? Oder
- will man ein moralischer Mensch sein, der altruistisch handelt und freiwillig, an Hand von verallgemeinerbaren, ethischen Prinzipien, Rücksicht auf andere nimmt?
- Letztere Haltung nennt man den „moralischen Standpunkt“. Entscheidet man sich für diese Haltung, ist die Frage nach der Reichweite der moralischen Berücksichtigung für Gorke
- im Grunde genommen schon entschieden. Dann nämlich muss man alle Wesen in die Moralgemeinschaft miteinschließen. „Der universale Charakter der Moral verbietet es, irgendwelche Naturwesen
- aus der Moralgemeinschaft auszuschließen.“ Denn streng genommen ist jedes gewählte Kriterium willkürlich und entspricht einer „Attitüde der Macht“. Eine Ethik, die moralisches
- Handeln nur gegenüber bestimmten, selbst definierten Gruppen von Wesen einfordert, ist auf Willkür begründet und widerspricht dem moralischen Standpunkt. Dieser erfordert
- die moralische Rücksicht auf alles Existierende. Laut Gorke folgt aus dem moralischen Standpunkt eine Umkehrung der Begründungslast. Nicht Holisten müssen begründen, warum welche
- Naturwesen auf Grund welcher Eigenschaften einen Eigenwert haben und direkt moralisch berücksichtigt werden müssen. Sondern Vertreter nicht-holistischer Ethikkonzepte müssen begründen,
- warum eine ganz spezielle Eigenschaft notwendig ist, um in die Moralgemeinschaft aufgenommen zu werden. Gorke zu Folge besitzen alle Entitäten zunächst
- einmal den gleichen Eigenwert. Er lehnt eine Hierarchisierung des Eigenwertes von Wesen ab. So wie wir heutzutage allen Menschen prinzipiell den gleichen Eigenwert zuerkennen – unabhängig
- davon, ob jemand schwarz oder weiß, gesund oder krank, groß oder klein, arm oder reich ist -, so sollten wir auch allen anderen Wesen den gleichen Eigenwert zuerkennen und zunächst
- einmal alle Wesen gleichermaßen moralisch berücksichtigen. Gorke vertritt damit eine grundlegend egalitaristische Sichtweise. Er geht - im Hinblick auf den moralischen Eigenwert
- - von der vollkommenen Gleichheit aller Wesen aus. Und welche moralischen Forderungen folgen aus einer solchen Sichtweise?
- Gorke vertritt zwar eine grundlegende, egalitaristische Sichtweise, ist sich jedoch durchaus bewusst, dass es zwischen den unterschiedlichen Wesen Differenzierungen oder Unterschiede geben
- muss, was die Stärke der Gebote und Verbote anbelangt: „Das Zermahlen eines Kieselsteines ist nicht von gleicher moralischer Signifikanz (= Bedeutung)
- wie die Tötung eines Fischotters. Beide sind zwar gleichermaßen Formen einer prinzipiell rechtfertigungspflichtigen Instrumentalisierung aber Ausmaß und Qualität der dabei verursachten
- Zerstörungen sind unterschiedlich. Während sich das Schadensausmaß beim Kieselstein auf seine mineralogische Struktur beschränkt und damit praktisch vernachlässigt werden
- kann bzw. muss, stehen beim Fischotter zusätzlich ein hochorganisiertes Leben, ein differenziertes Bewusstsein, eine komplexe Sozialstruktur und eine bedrohte Art auf dem Spiel.“
- In diesem Zusammenhang spielt der Gleichheitsgrundsatz eine wichtige Rolle: Gleiches ist gemäß seiner Gleichheit gleich zu behandeln, Verschiedenes je nach Art der Verschiedenheit verschieden.
- Gorke ist sich außerdem der Tatsache bewusst, dass unser eigenes Leben ohne Schädigung oder Beeinträchtigung von anderen Wesen und ohne deren teilweise Instrumentalisierung
- unmöglich ist. Keine ernstzunehmende Ethik kann und will eine grundsätzliche Selbstaufopferung des eigenen Lebens zugunsten anderer Menschen oder um der Natur willen verlangen. Dies widerspräche
- auch der im Holismus ebenfalls geforderten moralischen Achtung gegenüber der eigenen Person. Der Holismus erklärt also nicht jegliche
- Nutzung der moralischen Umwelt für moralisch verwerflich. Die grundlegenden menschlichen Bedürfnisse nach physischer Unversehrtheit können durchaus ein Eingreifen in die Natur
- und die Schädigung anderer Wesen legitimieren. Gorke erweitert Kants Kategorischen Imperativ und formuliert ihn um: „Handle so, dass du alles Seiende niemals nur als Mittel, sondern
- immer zugleich als Selbstzweck gebrauchest.” Oder präziser und ausführlicher ausgedrückt: „Du kannst als Handelnder um des eigenen Lebens und Überlebens willen zwar nicht umhin,
- andere Wesen und Gesamtsysteme immer wieder für deine Zwecke zu instrumentalisieren, aber tue dies wenigstens so wenig und schonend wie möglich!”
- Das oberste Moralprinzip der holistischen Ethik Gorkes besagt also: „Instrumentalisiere andere Wesen und Gesamtsysteme so wenig und schonend wie möglich!“ (Gorke 2010, 113)
- Doch wie genau kann dieses Moralprinzip umgesetzt werden? Gorke entwickelt ein zweistufiges holistisches Ethikkonzept, um in Entscheidungssituationen
- gut handeln zu können. Er stellt zunächst auf einer ersten Stufe, der Stufe der absoluten Ethik, vier Grundregeln auf, die einzuhalten sind: das Prinzip des
- Nicht-Schadens, das des Wohltuns, das des Nicht-Einmischens und das der wiederherstellenden Gerechtigkeit. Dennoch kommt es immer wieder zu Konfliktsituationen
- zwischen Mensch und Natur. Auch der rücksichtsvollste Mensch kann eine Beeinträchtigung oder gar Tötung nichtmenschlicher Lebewesen nicht vollständig vermeiden. In solchen Konfliktsituationen
- ist laut Gorke ein Handeln zu Lasten der Natur ethisch umso weniger rechtfertigbar, je weniger es sich auf grundlegende menschliche Bedürfnisse und existenzielle Notwendigkeiten berufen
- kann. Man darf im Holismus ein Cholerabazillus aus Notwehr bzw. zur Nothilfe abtöten, jedoch keinen Froschtümpel planieren, um dort einen
- Fußballplatz zu errichten. Luxusinteressen des Menschen dürfen gegenüber den existenziellen Interessen anderer Arten keinen Vorrang haben. Jede moralische Pflicht gilt zunächst nur
- prima facie, also auf den ersten Blick. Sie wird erst dann zu einer tatsächlichen Pflicht, wenn sie sich nach Abwägung mit konfligierenden Pflichten als vorrangig erwiesen hat.
- Da ein menschliches (Über-)Leben nicht ohne die Schädigung und die Nutzung unserer Umwelt möglich ist, schlägt Gorke im Falle von Pflichtenkollisionen und zu deren fairer Lösung
- auf der zweiten Ebene - der Ebene der relativen Ethik - vier Vorrangregeln vor: das Prinzip der Selbstverteidigung, das der Verhältnismäßigkeit, das des kleinsten moralischen Übels und das
- der Verteilungsgerechtigkeit. Es geht hier darum, die eigene „Schuld“ gegenüber der Natur möglichst gering zu halten. Jeder Eingriff in die Natur muss daraufhin überprüft
- werden, ob er nicht auch unterbleiben oder auf schonendere Art durchgeführt werden könnte. Nach dem Prinzip der Selbstverteidigung darf man beispielsweise einen gefährlichen Aggressor
- abwehren oder sogar vernichten, wenn es keine andere Möglichkeit gibt, das eigene oder fremdes Leben zu retten. Nach dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit
- sollten Belange anderer Naturwesen und Gesamtsysteme nur dann verletzt werden, wenn existenzielle menschliche Interessen dies unumgänglich machen. Randständige Interessen oder „Luxusinteressen"
- sollten gegenüber existenziellen Belangen dagegen grundsätzlich zurückstehen. Nach dem Prinzip des kleinsten moralischen Übels muss vor jeder Durchsetzung grundlegender
- und erst recht nicht grundlegender, aber für das menschliche Selbstverständnis zentraler Interessen sichergestellt sein, dass das dabei in Kauf genommene moralische Übel so klein
- wie möglich gehalten wird. Und nach dem Prinzip der Verteilungsgerechtigkeit muss bei einem Konflikt zwischen den grundlegenden Interessen des Menschen und den grundlegenden
- Interessen anderer Arten um Lebensraum und Ressourcen allen Parteien ein Anteil zugesprochen werden, der nach Anwendung des Gleichheitsgrundsatzes als gerecht einzuschätzen ist.
- Gorke ist einer der wenigen Umweltethiker, der einen konkreten Kriterienkatalog mit 15 Abwägungskriterien erarbeitet hat, um sich in Konfliktsituationen für die am wenigsten
- schlechte Variante entscheiden zu können. Hierzu werden handlungsbezogene, objektbezogene und kontextbezogene Kriterien herangezogen, anhand derer sich die Verhältnismäßigkeit
- und das kleinste moralische Übel ermitteln lassen. Mit Hilfe dieser Kriterien kann sich die handelnde Person für jene Handlungsoption entscheiden, welche die geringste moralische
- Schuld bedeutet. Diese Abwägungskriterien ermöglichen moralisch richtige Entscheidungen bei Pflichtenkollisionen und ein verantwortliches Handeln im Alltag.
- Gorke versteht seine Ethik in Anlehnung an Albert Schweitzer als eine Art ‘Kompass’, der dem verantwortungsbewussten Menschen zwar die Richtung weist, ihm aber nicht die Pflicht
- abnimmt, im Alltag selbst immer wieder neue Einzelentscheidungen zu treffen und zu verantworten. Der Holismus steht im krassen Gegensatz zum Anthropozentrismus und versteht sich auch
- explizit als dessen Gegenposition. Die Natur hat im klassischen anthropozentrischen Weltbild einen rein instrumentellen Wert und dient dem Menschen nur als Lieferant von Ressourcen.
- Der Holismus möchte diese Weltsicht ändern und einen grundlegenden Einstellungswandel bewirken. Indem die holistische Umweltethik der gesamten
- Natur einen moralischen Eigenwert zubilligt, relativiert sie die klassische Ressourcenperspektive. Zwar muss der Mensch Naturwesen wie Tiere, Pflanzen, Mineralien, Wälder und Meere auch
- weiterhin als Ressource nutzen, aber sie sind nicht mehr ausschließlich Ressourcen, sondern gleichzeitig Subjekte mit einer eigenen Wirklichkeit, die aus sich heraus Rücksicht und Respekt
- verdienen. Durch diese veränderte Perspektive möchte der Holismus einen grundlegenden Bewusstseinswandel anregen, welcher seiner Ansicht nach angesichts
- der ökologischen Krise nötig ist. Eine anthropozentrische Argumentation für Naturschutz ist laut Gorke kontraproduktiv. Denn argumentiert man in Naturschutzfragen
- ständig mit dem Eigennutz für den Menschen, so verfestigt sich die Haltung, dass die Natur einen rein instrumentellen Wert für den Menschen hat.
- Ein ohnehin schon exzessives Nutzendenken wird damit in der Gesellschaft noch weiter verstärkt. Mit dem Appell an den individuellen Eigennutz
- lassen sich im Naturschutz langfristige Anliegen wie etwa die Schonung der tropischen Regenwälder nicht besonders überzeugend oder motivierend rechtfertigen.
- Erkennt man jedoch der Natur selbst einen moralischen Status zu und rechtfertigt damit aus sich heraus ihren Schutz, so ist kein komplizierter, theoretischer Gedankengang
- nötig. Dass man die Natur schützen muss ist unmittelbar einsichtig. Gegen eine anthropozentrische Betrachtungsweise sprechen auch heutige wissenschaftliche Einsichten
- über die Stellung des Menschen im Kosmos. Die anthropozentrische Ethik entstand in einer Zeit, in der ein aus heutiger Sicht überholtes Weltbild herrschte: Der Mensch war das Zentrum
- der Welt und die Natur war für seine Zwecke konzipiert. Heute wissen wir durch die Astronomie, dass der Mensch nicht im Zentrum des Universums
- steht, sondern der Planet Erde im äußeren Bereich einer 100 Milliarden Sonnen umfassenden Spiralgalaxie kreist, die selbst nur eine von schätzungsweise 100 Milliarden Galaxien
- ist. Die Evolutionsbiologie hat uns gezeigt, dass alle Lebewesen, einschließlich des Menschen, nicht in 6 Tagen getrennt voneinander erschaffen wurden, sondern durch Evolution über die
- Mechanismen der zufälligen Erbgutänderung (Mutation) und Auslese (Selektion) aus gemeinsamen Vorfahren hervorgegangen sind. Durch die Ökologie wissen wir, dass die Menschheit keine ‘geschlossene
- Gesellschaft’ darstellt, sondern mit Tieren, Pflanzen, Ökosystemen, Gewässern und Böden in enger Wechselwirkung steht. Die Welt ist also ganz offensichtlich nicht
- nur für den Menschen gemacht und die Natur ist nicht nur zum Nutzen und zur seelischen Erbauung des Menschen konzipiert. Der moralische Standpunkt verlangt von uns,
- der gesamten Natur in gleichem Maße gerecht zu werden. Der Holismus möchte die Egoperspektive verlassen, in der uns andere Naturwesen nur als „Umwelt“
- erscheinen und nicht als sie selbst. Betrachten wir die Welt mit Hilfe unserer Vernunft aus einer „absoluten“ Perspektive, so relativiert sich unsere Egozentrik und
- wir erkennen, dass andere Objekte – genauso wie wir selbst – eigenständige Subjekte und damit auch Gegenstände moralischer Verantwortung sind.
- Es ist nicht verwunderlich, dass eine solch umfassende Ethik wie der Holismus für viele Menschen eine Zumutung darstellt. Schließlich war unser abendländisches Denken mehr als
- 2500 Jahre lang vom Anthropozentrismus geprägt: Moralische Pflichten konnte es nur gegenüber Menschen (oder Gott) geben. Es erscheint zunächst kontraintuitiv, dass
- selbst Steine (oder Laub, Wasserfälle usw.) direkt moralisch berücksichtigt werden sollen. Die Idee, dass eine unbelebte individuelle natürliche Entität wie ein Stein oder ein
- Wasserfall moralischen Eigenwert haben könnte, erscheint vielen absurd. Lebewesen ohne Bewusstsein oder gar unbelebten Seinsarten wie Wanderdünen und Steinen oder Ganzheiten wie Ökosystemen
- und Arten kann man nach Meinung dieser Kritiker kein Unrecht tun. Eine Ethik, in welcher alle natürlichen Seinsarten in die Moralgemeinschaft aufgenommen werden und die auch Rücksicht
- gegenüber Naturobjekten einfordert, die keine Interessen im weitesten Sinne haben, ist ihrer Ansicht nach rational nicht zu rechtfertigen. Ein moralisches Kriterium, welches auf allem
- Existierendem basiert, ist derart umfassend, dass es praktisch nichts mehr aus der Moralgemeinschaft ausschließt. Eine solch allumfassende umweltethische Konzeption
- läuft damit auf eine Vielzahl von nahezu unauflösbar erscheinenden moralischen Konflikten hinaus. Dies erscheint vielen Menschen, zumindest auf den ersten Blick, fragwürdig und löst
- das Gefühl einer moralischen Ohnmacht aus. Eine weit verbreitete Kritik am Holismus besagt, dass eine solche umfassende umweltethische Position gar nicht notwendig ist. Nach der
- so genannten Konvergenzhypothese lässt sich nämlich jedes wichtige Naturschutzziel auch anthropozentrisch - über einen aufgeklärten Eigennutz - begründen. Eine wirklich relevante
- Schädigung der Natur bringt immer auch Nachteile für den Menschen mit sich und sollte daher ganz einfach aus Eigeninteresse unterlassen werden. Der Holismus ist nach dieser Auffassung
- überflüssig. Was hältst du persönlich vom Holismus? Ist tatsächlich ein grundlegender Einstellungswandel nötig? Und: Findest du Gorkes zweistufige
- holistische Ethik praktikabel? Scheibe deine Meinung sehr gerne unten in die Kommentare. Mit dem Quizlet-Lernset „Holismus“ kannst
- du dein Wissen jetzt überprüfen und vertiefen. Viel Spaß beim Lernen und bis bald!