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Philipp-Reis-Schule (Friedrichsdorf)

Die nach Philipp Reis (1834–1874) benannte Schule in Friedrichsdorf ist eine kooperative Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe (Klassen 5–13; …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Historische Entwicklung
  3. 3. Organisation und Schulzweige
  4. 4. Pädagogische Schwerpunkte
  5. 5. Projekte und Austausch
  6. 6. Unterstützung und bekannte Personen

Überblick

Die Philipp-Reis-Schule in Friedrichsdorf ist eine kooperative Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe. Sie umfasst die Klassen 5 bis 13 und ermöglicht den Hauptschulabschluss, den Realschulabschluss und das Abitur. Die Schule wurde 1836 als Institut Garnier gegründet und ist nach Philipp Reis (1834–1874) benannt, der dort zunächst Schüler und später Lehrer war. Während seiner Zeit als Lehrer am Institut Garnier entwickelte und erprobte er die Grundlagen des Telefons.

Die Schule liegt heute in der Färberstraße 10 in Friedrichsdorf, Hessen, und wird vom Hochtaunuskreis getragen. Sie gilt als größte Schule im Hochtaunuskreis. In der Infobox werden etwa 1900 Schülerinnen und Schüler und etwa 150 Lehrkräfte genannt; im Abschnitt zur Organisation heißt es, dass 2026 rund 1800 Schülerinnen und Schüler die Schule besuchten. Schulleiterin ist Frauke Piorreck.

Die Philipp-Reis-Schule nutzt als eine von bisher rund 650 Schulen in Hessen das „Schulportal Hessen“ als digitales Lehr-, Lern- und Organisationsprogramm. 2005 wurde sie zur Medienschule Hessen ernannt und für herausragende Medienarbeit ausgezeichnet.

Historische Entwicklung

Die heutige Schule wurde am 1. Mai 1836 von Louis Frédéric Garnier gegründet. Sie trug zunächst den französischen Namen „Maison d’Education à Friedrichsdorf, près Homburg-ès-Monts“, also „Haus der Bildung in Friedrichsdorf, neben Homburg“. Der Unterricht begann in der Neugasse. Wegen wachsender Schülerzahlen kaufte Garnier später ein Gebäude in der Hauptstraße und erwarb 1842 sowie 1853 weitere Häuser in der Nachbarschaft. Von 1856 bis 1858 ließ er einen Mittelbau errichten. Das frühere Gebäudeensemble des Institut Garnier ist heute ein Kulturdenkmal. Nach der Deutschen Reichsgründung 1871 geriet die private Lehranstalt durch neue staatliche Schulen unter Konkurrenzdruck.

Nach dem Schuljahr 1923/1924 endete die Nutzung des alten Gebäudes. Der Unterricht wurde 1924/1925 in ein benachbartes Gebäude verlegt; das alte Gebäude diente zeitweise als Lagerraum einer Lederfabrik. In dieser Zeit ging es vor allem darum, die Weiterführung der Lehranstalt zu sichern. Am 4. November 1944 wurde die Schule in Räume der Hölderlin-Schule in Bad Homburg verlegt. Nach Kriegsende begannen am 30. Oktober 1945 Verhandlungen mit der Militärregierung. Diese stimmte einem Neuanfang zum 1. Januar 1946 zu. Danach stiegen die Schülerzahlen wieder.

In den 1960er-Jahren entstanden Pläne für einen Neubau. Nach 15 Monaten Bauzeit wurde zum Jahreswechsel 1969/1970 ein neues Schulgebäude am Hohen Weg bezogen. Dort wurden auch Schülerinnen und Schüler der Volksschule Friedrichsdorf sowie aus Köppern, Burgholzhausen und Seulberg unterrichtet. Die Schulträgerschaft ging von der Stadt Friedrichsdorf an den Landkreis über. 1975 bestand die Absicht, die Schule in eine kooperative, also schulformbezogene, Gesamtschule umzuwandeln. Am 20. Mai 1977 erhielt sie die Urkunde mit dem Namen „Philipp-Reis-Schule – Gesamtschule des Hochtaunuskreises“. Ein eigenständiger Gymnasialzweig wurde eingeführt, 1983 folgte die gymnasiale Oberstufe, sieben Jahre später auch Gymnasialklassen in den Jahrgangsstufen 5 und 6.

Wegen steigender Schülerzahlen wurde die Schule am Hohen Weg mehrfach erweitert, unter anderem durch Pavillons und zusätzliche Gebäude. Bis zum Umzug 2012 wurde in drei Gebäuden und drei Pavillons unterrichtet. Die Gebäude am Hohen Weg wurden 2020 abgerissen. Der Neubau an der Färberstraße war spätestens seit den 1990er-Jahren geplant, weil eine Sanierung der alten, teils mit umweltgefährlichen Baumaterialien errichteten Gebäude als unwirtschaftlich galt und die auf mehrere Gebäude verteilte Struktur ungünstig war. Der neue Standort liegt zwischen Färberstraße, Schäferborn und Spießwald an der Bahnstrecke Friedrichsdorf–Friedberg. Das neue Gebäude wurde unter ökologischen Gesichtspunkten geplant und besitzt unter anderem eine große Mensa, Sportanlagen und Theaterbühnen.

Organisation und Schulzweige

Die Philipp-Reis-Schule wird von Kindern und Jugendlichen aus den Friedrichsdorfer Stadtteilen, aus Bad Homburg und aus einigen Gemeinden im Hintertaunus besucht. Im Schuljahr 2006/2007 gab es 42 Klassen, zusätzlich fünf 11. Klassen sowie den 12. und 13. Jahrgang; den 13. Jahrgang besuchten damals 115 Schülerinnen und Schüler. Im Schuljahr 2007/2008 gab es 44 Klassen, also zwei mehr als im Vorjahr, zusätzlich wiederum fünf 11. Klassen und die Jahrgänge 12 und 13.

Die Schule ist in mehrere Schulzweige gegliedert. Der Gymnasialzweig umfasst mit G9 die Jahrgangsstufen 5 bis 13 und führt zur gymnasialen Oberstufe. Daneben gibt es einen Realschulzweig für die Klassen 7 bis 10 und einen Hauptschulzweig für die Klassen 7 bis 9. Für die Jahrgangsstufen 5 und 6 besteht eine Förderstufe. Eine Förderstufe ist eine gemeinsame Orientierungsphase, bevor Schülerinnen und Schüler in unterschiedliche Bildungsgänge wechseln.

Im Gymnasialzweig gibt es durchschnittlich fünf Klassen pro Jahrgang, im Realschulzweig drei und im Hauptschulzweig zwei. In der Oberstufe werden die Gruppen als Kurse organisiert; ihre Zahl hängt davon ab, welche Leistungskurse zustande kommen. Pro Jahrgang existieren dort fünf bis sieben Klassen beziehungsweise Kurse.

Der Unterricht findet hauptsächlich in der ersten bis sechsten Schulstunde statt. Diese Kernzeit dauert von 08:00 Uhr bis 13:15 Uhr. Insgesamt umfasst der Stundenplan der Schule zwölf Schulstunden; die letzte endet um 18:10 Uhr. Arbeitsgemeinschaften und weitere Veranstaltungen finden nach der Mittagspause ab 14:00 Uhr statt.

Pädagogische Schwerpunkte

Ein wichtiges organisatorisch-pädagogisches Merkmal ist das Teamkonzept, das seit 2002 besteht. Dabei bildet jeder Jahrgang eines Schulzweiges ein Team. Ziel ist ein verändertes Arbeitsklima und ein freier Austausch von Informationen unter den Lehrkräften.

Die Schule nimmt an der Bund- und Länder-Initiative „Leistung macht Schule“ teil. Dieses bundesweite Projekt begann im Februar 2018, ist auf zehn Jahre angelegt und richtet sich an leistungsstarke und potentiell leistungsfähige Schülerinnen und Schüler. In den ersten Jahren entwickelten und erprobten 21 beteiligte hessische Projektschulen gemeinsam mit Forschungsgruppen verschiedene Konzepte und Strategien. Die Philipp-Reis-Schule wurde dabei in zwei Teilprojekten durch die PH Karlsruhe angeleitet und unterstützt.

Zu den besonderen Unterrichtsfächern gehören Darstellendes Spiel, Spanisch und Grundlagen der Kochkunst. Diese Fächer gehören zum Wahlpflichtunterricht, also zu Angeboten, aus denen Schülerinnen und Schüler wählen können. Sie richten sich an die 9. und 10. Klassen des Gymnasial- und Realschulzweiges. In den Jahrgangsstufen 7 bis 10 wird außerdem jeweils ein Sachfach aus Erdkunde, Politik und Wirtschaft, Biologie und Geschichte in einer Klasse bilingual unterrichtet. Bilingual bedeutet, dass ein Fach überwiegend in einer Fremdsprache, hier Englisch, stattfindet; ein Teil des Unterrichts wird zur fachlichen Vertiefung auf Deutsch gehalten.

Darstellendes Spiel, abgekürzt DSP, wurde 1996 auch als Unterrichtsfach für die 11. bis 13. Klassen aufgenommen. Damit nahm die Philipp-Reis-Schule laut Artikel eine Vorreiterrolle in Hessen ein. In der gymnasialen Oberstufe kann DSP als drittes künstlerisches Fach gewählt werden. Es wird dort als Grundkurs mit zwei oder drei Wochenstunden unterrichtet.

Projekte und Austausch

Die Philipp-Reis-Schule ist vom Hessischen Kultusministerium als Schule mit Schwerpunkt Musik zertifiziert. Für die 5. und 6. Klassen gibt es das Projekt der Bläserklassen. Dabei erhalten teilnehmende Schülerinnen und Schüler erweiterten Musikunterricht: vier statt zwei Unterrichtsstunden. In Zusammenarbeit mit der Musikschule Friedrichsdorf und den Musiklehrkräften der Schule entstanden ein Blasorchester und eine Jazz-Band. Die Musikschule stellt Lehrkräfte für Einzel- und Gruppenunterricht zur Verfügung.

Ein weiterer Schwerpunkt ist soziales Lernen. 2002 nahm die Schule am BLK-Projekt „Demokratie lernen und leben“ teil, das eine demokratische Schulkultur fördern sollte. Die Bausteine werden heute als Konzept des sozialen Lernens fortgeführt. Im Mittelpunkt steht Partizipation, also die Beteiligung von Schülerinnen und Schülern am Schulleben. Dazu gehören Klassenprogramme und Peerprojekte wie Streitschlichtung, Medien- und Lerncoaching sowie Klassenrat. Ältere Schülerinnen und Schüler unterstützen jüngere bei der Gestaltung ihres Schulalltags und bei konstruktiver Konfliktbewältigung. Eine Steuergruppe aus Lehrkräften, Eltern sowie Schülerinnen und Schülern koordiniert Weiterentwicklung und Evaluation.

Im Bereich Digitalisierung wurde die Philipp-Reis-Schule als eine von insgesamt 12 hessischen Schulen vom hessischen Kultusministerium ausgewählt, das neue Fach „Digitale Welt“ als Pilotprojekt zu erproben. Das Fach verbindet Informatik mit sozialen, ökonomischen und ökologischen Problemstellungen sowie mit den Zielen für nachhaltige Entwicklung. Seit Beginn des Schuljahres 22/23 wird es für alle Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 5 mit zwei Wochenstunden angeboten; ab dem Schuljahr 23/24 wird es auf die Jahrgangsstufe 6 ausgeweitet. Zunächst ist das Fach nicht versetzungsrelevant. Lehrkräfte der Schule wirken im Pilotversuch an der Entwicklung des Fachcurriculums mit.

Internationale Kontakte bestehen zu Schulen in Frankreich und Ungarn. Seit 1998 organisiert die Schule regelmäßig einen projektorientierten Austausch mit der Sainte-Marie Bastide in Bordeaux. Für Schülerinnen und Schüler der Philipp-Reis-Schule gibt es einen Austausch mit dem Collège und ab der 10. Jahrgangsstufe mit dem Lycée der Partnerschule. In Ungarn ist das kőrösi csoma sándor gimnázium in Budapest Partnerschule. Am Ungarnaustausch können Jugendliche der Jahrgänge 9 bis 11 aller Schulzweige teilnehmen.

Unterstützung und bekannte Personen

Der Förderverein der Schule heißt „Förderverein der Philipp-Reis-Schule Friedrichsdorf/Ts. e. V.“ und existiert seit den 1960er-Jahren. Früher hieß er „Verein der Freunde und Förderer der Philipp-Reis-Schule“. 1990 erhielt er die Anerkennung der Gemeinnützigkeit. Er unterstützt die Schule vor allem bei der Ausstattung mit Lehrmitteln.

Die bekannteste mit der Schule verbundene Person ist Philipp Reis (1834–1874), deutscher Physiker und Erfinder des Telefons. Er war zunächst Schüler und später Lehrer am Vorgängerinstitut. Weitere genannte Schulangehörige sind Martin Geisz, ehemaliger Lehrer und Mitgestalter des Lernbereichs Globales Lernen, der 2010 das Bundesverdienstkreuz am Bande erhielt, sowie ehemalige Schüler wie der Politiker Mathias Wagner, der frühere Zehnkämpfer Jan Felix Knobel, der Jodel-Gründer Alessio Avellan Borgmeyer und der Radiomoderator und Buchautor Raphael Gensert.

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