Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Personalpronomina der germanischen Sprachen

Alle germanischen Sprachen haben ihr Inventar an Personalpronomen im Laufe der Geschichte vereinfacht und zum Teil stark umstrukturiert, deshalb sind sich die …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern und Zweck des Vergleichs
  2. 2. Aufbau der Tabelle
  3. 3. Wichtige Entwicklungslinien
  4. 4. Zeichen und Varianten
  5. 5. Hinweise zu einzelnen Sprachen
  6. 6. Englisch, Norwegisch und Gotisch

Kern und Zweck des Vergleichs

Der Artikel vergleicht Personalpronomina der germanischen Sprachen in Tabellenform. Personalpronomina sind persönliche Fürwörter wie ich, du, er, sie, es, wir, ihr und sie sowie dazugehörige Formen wie mein, mir oder mich. Der Vergleich soll sprachverwandtschaftliche Beziehungen und die geschichtliche Entwicklung dieser Formen sichtbar machen.

Die Darstellung beruht auf der Idee von Wortlisten wie dem „Sprachmuseum“ von Frederick Bodmer und den von Morris Swadesh angeregten Listen. Anders als diese berücksichtigt sie ausdrücklich Personalpronomina und frühere Sprachstufen. Die Sprachen sind möglichst so angeordnet, dass näher verwandte Sprachen nahe beieinanderstehen; weil auch ältere Sprachstufen einbezogen sind, wäre die Entwicklung eigentlich dreidimensional darzustellen.

Eine zentrale Aussage ist: Alle germanischen Sprachen haben ihr System der Personalpronomen im Lauf der Geschichte vereinfacht und teilweise stark umstrukturiert. Deshalb ähneln sich ältere Formen oft stärker als heutige Formen.

Aufbau der Tabelle

Die Tabelle stellt Formen aus vielen germanischen Sprachen und älteren Sprachstufen nebeneinander. Dazu gehören unter anderem Deutsch, mittel- und althochdeutsche Formen, Ostfälisch, nordniederdeutsche und ostfriesische Formen, Mittelniederdeutsch und Altsächsisch, Niederländisch, Mittel- und Altniederländisch, Altfriesisch, Englisch, Mittel- und Altenglisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Isländisch, Färöisch, Altnordisch und Gotisch.

Verglichen werden nicht nur die Grundformen wie ich, du, er, sie, es, wir, ihr und sie, sondern auch Kasus- und Besitzformen. Kasus sind grammatische Fälle: Genitiv zeigt oft Besitz oder Zugehörigkeit, Dativ und Akkusativ zeigen unterschiedliche Rollen im Satz. Beispiele aus der Tabelle sind mein/meine, mir/mich, dein/deine, dir/dich, sein/seine, ihm/ihn, ihr/ihre, uns, euch, ihnen sowie Reflexivformen wie sich.

Die Tabelle enthält außerdem Dualformen. Der Dual ist eine grammatische Zahl für genau zwei Personen, etwa „wir zwei“ oder „ihr zwei“. Solche Formen erscheinen zum Beispiel bei wir 2, unser 2, uns 2, ihr 2, euer 2er und euch 2. In manchen Sprachen sind diese alten Dualformen erhalten oder haben später andere Funktionen übernommen.

Wichtige Entwicklungslinien

Ein wichtiges Muster ist die Vereinfachung der Formen. In vielen Sprachen fallen Dativ und Akkusativ zusammen oder werden einander sehr ähnlich. Das ist besonders bei der ersten und zweiten Person Singular sichtbar, also bei Formen wie mir/mich oder dir/dich. Die Tabelle hebt deshalb ursprüngliche Dativformen und Akkusativformen farblich getrennt hervor.

Ein weiteres Muster ist die Umverteilung von Funktionen. Für die Vergleichbarkeit wurden vor allem verwandte Formen nebeneinandergestellt, nicht immer genau gleiche heutige Funktionen. Ein Beispiel nennt der Artikel beim Isländischen: In der Zeile für ihr in der zweiten Person Plural stehen die ursprünglichen Pluralformen, die heute als Höflichkeitsformen gelten, während ursprüngliche Dualformen die Funktion der Pluralformen übernommen haben.

Bei den Reflexivpronomina, also rückbezüglichen Fürwörtern wie sich, sind nur formal verwandte Formen eingetragen. Ersatzformen ohne formale Verwandtschaft, etwa englisch himself, wurden nicht berücksichtigt. Für einige weitere germanische Sprachen, zum Beispiel neuzeitliche friesische Sprachen, fehlten ausreichende Informationen.

Zeichen und Varianten

Die Tabelle unterscheidet mehrere Arten von Varianten. Hauptvarianten sind im Original fett markiert, unbetonte oder nachgestellte Formen kursiv. Veraltete Formen, die nur noch in besonderen Zusammenhängen gebraucht werden, stehen in ‹ ›. Dialektale Varianten stehen in { }, aber nur in Auswahl.

Die farbige Gestaltung der Spalten hat eine inhaltliche Funktion: Gleiche Farbe der Spaltenköpfe bedeutet gleiche Untergruppe; eine dunklere Färbung innerhalb derselben Grundfarbe zeigt eine ältere Sprachstufe. In den Zeilen zu Dativ und Akkusativ markieren verschiedene Farben die ursprünglichen Fallformen.

Der Artikel weist darauf hin, dass die Tabelle in ihrer damaligen Fassung einer grundsätzlichen Überarbeitung bedurfte. Die Angaben sind daher als vergleichende Übersicht zu verstehen, nicht als vollständig abgeschlossene Darstellung aller Formen und Varianten.

Hinweise zu einzelnen Sprachen

Für das Ostfälische zeigt die Tabelle Formen des nördlichen Ostfälisch, die aber auch in vielen anderen Regionen gelten. Die Markierung {HI} bedeutet, dass die in geschweiften Klammern gesetzten Varianten im Hildesheimer Platt üblich sind. Formen mit e statt i gelten außerdem in der gesamten Südwesthälfte des ostfälischen Sprachraums, dem sogenannten mek-Gebiet; von Braunschweig bis zur Elbe und Bode gilt jüch beziehungsweise jich statt jük.

Beim Mittelniederdeutschen sind Formen in { } ostfälisch. Die Formen mik und dik gab es bereits, sie waren aber deutlich weniger verbreitet als heute. Beim Niederländischen sind auf -ch endende Formen limburgisch und gelten auch am Niederrhein zwischen der Uerdinger und Benrather Linie, dort entsprechend als üch oder öch statt uch.

Zum Mittel- und Altniederländischen merkt der Artikel an, dass beim Mittelniederländischen noch etliche Formen fehlen. Altniederländisch wird auch Altniederfränkisch genannt und ist zugleich die älteste Sprachform des Niederrheinischen.

Englisch, Norwegisch und Gotisch

Beim Englischen zeigen die Dialektformen, dass die Standardsprache bereits zu einer starken Zusammenlegung der Formen tendiert: pro Person bleiben nur noch ein bis zwei Formen, teils sogar mit Einbeziehung des Plurals, wie bei you und your. In den Midland-Dialekten ist diese Zusammenlegung laut Artikel noch weiter fortgeschritten, sodass fast jede Form eines Personalpronomens für Formen anderer Fälle eintreten kann.

Für Mittel- und Altenglisch weist der Artikel auf Lücken und Schreibungsprobleme hin. Im Mittelenglischen fehlen noch etliche Formen, und auch zu angegebenen Formen gibt es zahlreiche weitere Varianten. Das Zeichen ȝ steht für altenglisches g oder i, wenn es heutigem y entspricht. Beim Altenglischen ist die wissenschaftliche Schreibung nicht einheitlich, unter anderem weil die Aussprache der Zwielaute teilweise umstritten ist; außerdem können im Anlaut þ und ð wahlweise gebraucht werden.

Beim Norwegischen bezeichnet (BM | NN) die beiden gleichberechtigten Schriftsprachen Bokmål und Nynorsk. Ein Gleichheitszeichen nach dem Trennzeichen bedeutet, dass die Bokmål-Form auch im Nynorsk gilt. Die gotische Spalte hätte nach Angabe des Artikels ebenso gut neben mittel- und althochdeutschen Formen wie neben dem Altnordischen eingeordnet werden können.

Weiterlesen