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Ohrenschmalz
Ohrenschmalz (medizinischer Fachausdruck Zerumen oder Cerumen; von altgriechisch κήρωμα kēroma, deutsch ‚Wachssalbe', lateinisch Sordes auricum), …
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Was Ohrenschmalz ist und wozu es dient
Ohrenschmalz, medizinisch Zerumen oder Cerumen, ist eine gelb-bräunliche, fettige und bittere Absonderung der Ohrenschmalzdrüsen im äußeren Gehörgang. Diese Drüsen heißen Glandulae ceruminosae und sind modifizierte apokrine, tubuläre Knäueldrüsen. Ohrenschmalz kommt bei allen Säugetieren vor.
Es befeuchtet die Haut des Gehörgangs und hilft dabei, Staub, Schmutz, abgestorbene Hautzellen und andere Fremdmaterialien aus dem Ohr zu entfernen. Außerdem enthält es Lysozym und weitere Stoffe, die Bakterien bekämpfen und Insekten davon abhalten sollen, in den Gehörgang einzudringen. Wird dieser Schutz beispielsweise durch häufiges Waschen oder Schwimmen vermindert, können starke Ohrenschmerzen auftreten.
Zusammensetzung und wissenschaftliche Untersuchung
Die Inhaltsstoffe werden unter anderem mithilfe chromatographischer Trennverfahren untersucht. Dazu gehören die Säulenchromatographie und die Gaschromatographie, an die sich eine Massenspektrometrie anschließt. Dabei wurden neben Kohlenwasserstoffen, Squalen, Wachsestern, Triglyceriden, Cholesterin, Cholesterinestern, freien Fettsäuren und Hydroxysäuren weitere lipophile, also fettlösliche, Bestandteile festgestellt.
Bisher konnten etwa 1000 Substanzen identifiziert werden. Ein Forschungsschwerpunkt waren 2011 antimikrobielle Substanzen auf Peptidbasis. Ohrenschmalz kann außerdem für forensische Untersuchungen auf lipophile Arzneimittel verwendet werden. 2019 erstellte eine brasilianische Arbeitsgruppe mithilfe der Headspace-Gaschromatographie in Verbindung mit Massenspektrometrie Cerumenogramme. Diese ermöglichten eine sichere Unterscheidung zwischen Krebspatienten und gesunden Studienteilnehmern. Weitere Untersuchungen wurden 2021 veröffentlicht und zeigten erneut die Vielzahl der Bestandteile des Ohrenschmalzes.
Trockene und feuchte Formen
Ohrenschmalz gehört neben der Galle zu den beiden stark bitter schmeckenden Sekreten des Menschen. Beim Menschen gibt es genetisch bedingt eine trockene und eine feuchte Form. Die trockene Form enthält Triglyceride mit einem hohen Anteil gesättigter Fettsäurereste. Die feuchte Form enthält Triglyceride mit einem hohen Anteil ungesättigter Fettsäurereste.
Der feuchte Typ ist gelblich, hellbraun oder dunkelbraun und ölig-klebrig. Er wird genetisch dominant gegenüber der trockenen Variante vererbt. Die trockene Variante ist weißlich. Sie kommt in Europa und Afrika mit unter 3 Prozent sehr selten vor, während sie in Ostasien mit 80 bis 95 Prozent am weitesten verbreitet ist. Eine mittelhäufige Verbreitung findet sich in Süd-, Zentral- und Kleinasien, auf pazifischen Inseln, bei den Ureinwohnern Nordamerikas und bei den Inuit.
Die Zusammensetzung wird durch das Gen ABCC11 gesteuert. Mögliche Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Formen und dem Auftreten von Brustkrebs wurden 2009 und 2011 erforscht. Die Farbe des Ohrenschmalzes kann außerdem auf gesundheitliche Probleme wie Infektionen oder Blutungen hinweisen.
Gehörgangsverschluss und Wattestäbchen
Bei einer Überproduktion kann Cerumen den äußeren Gehörgang vollständig verschließen. Ein solcher Ohrenschmalzpfropf wird auch Ceruminalpfropf oder Cerumen obturans genannt und kann plötzlich auftretende Schwerhörigkeit verursachen. In der ICD-10 ist der Zeruminalpfropf unter H61.2 klassifiziert, in der ICD-11 unter AA42.
Ein Pfropf wird durch einen Hausarzt oder Hals-Nasen-Ohren-Arzt entfernt, beispielsweise mit einem Ohrlöffel oder durch Absaugung. Falls nötig, kann er mit warmem Wasser herausgespült werden. Sitzt der Pfropf zu fest, kann ein Arzt ihn mit einigen Tropfen Wasserstoffperoxid in einer Konzentration von 3 % anlösen und anschließend ausspülen.
Von handelsüblichen Wattestäbchen zur Reinigung des Gehörgangs wird abgeraten. Wenn die Watte nicht ausreichend Platz hat, kann sie das Ohrenschmalz tiefer in das Ohr drücken. Dort kann es zu einem Pfropf verhärten, Druck auf das Trommelfell ausüben und Schwerhörigkeit verursachen. Zur Reinigung eines gesunden Ohrs reicht es aus, die Ohren mit klarem Wasser auszuspülen, etwa beim Duschen oder mit einer Ohrenspritze. Bei einer Überproduktion soll die tiefere Ursache beseitigt werden. Ein bereits verhärteter Pfropf muss ärztlich entfernt werden.