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ORF Radio-Symphonieorchester Wien
Das ORF Radio-Symphonieorchester Wien des Österreichischen Rundfunks ist ein bedeutendes österreichisches Orchester. Logo des ORF Radio-Symphonieorchester …
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Überblick und Bedeutung
Das ORF Radio-Symphonieorchester Wien, kurz ORF RSO Wien, ist ein bedeutendes österreichisches Orchester des Österreichischen Rundfunks. Es ist im Funkhaus Wien beheimatet und verbindet typische Aufgaben eines Rundfunkorchesters mit einem besonderen Schwerpunkt auf zeitgenössischer Musik. Seit 1969 erweitert es sein Repertoire kontinuierlich von der Vorklassik bis zur Avantgarde.
Für die österreichische Musiklandschaft ist das Orchester vor allem wichtig, weil es neue und selten gespielte Musik aufführt, aufnimmt und einem breiten Publikum zugänglich macht. Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer bezeichnete das RSO 2023 als „Orchester von Weltrang“ und betonte seine tragende Rolle für die zeitgenössische Musik in Österreich. Außerdem wurde sein hoher Frauenanteil als beispielhaft für die klassische Musik hervorgehoben.
Entstehung und Entwicklung
Die Vorgeschichte des Orchesters beginnt nach dem Zweiten Weltkrieg. 1945 stellte Max Schönherr für die Radioverkehrs-Aktiengesellschaft „RAVAG“, den späteren Österreichischen Rundfunk, ein Orchester mit etwa 50 Musikern zusammen. Am 7. März 1947 spielte dieses Ensemble gemeinsam mit dem Chor des Wiener Schubertbundes die Uraufführung der neuen österreichischen Bundeshymne. Schönherr leitete das Wiener Funkorchester, aus dem später das „Große Wiener Rundfunkorchester“ wurde, 23 Jahre lang. Als das Orchester zunehmend symphonische Musik spielte, erhielt es den Namen „Großes Orchester des Österreichischen Rundfunks“.
Das heutige Radio-Symphonieorchester Wien ging 1969 aus diesem Großen Orchester des ORF hervor. Bis 1996 hieß es zunächst ORF-Symphonieorchester. Nach der Rundfunkreform 1967 wurde Otto Sertl 1969 Musikchef des Österreichischen Rundfunks und sollte Rundfunkorchester nach deutschem und englischem Vorbild formen. Der erste Dirigent Milan Horvat entwickelte das Orchester zu einem großen Ensemble für zeitgenössische Musik.
1975 übernahm der damals 31-jährige Leif Segerstam die Leitung. In seiner Amtszeit bis 1982 lag ein Schwerpunkt auf nordischen Komponisten wie Jean Sibelius. Danach folgte Lothar Zagrosek, der besonders Musik aus dem 20. Jahrhundert dirigierte. Aus dieser Zeit stammen wichtige Aufnahmen, darunter Werke von Gottfried von Einem, Karl Amadeus Hartmann, Josef Matthias Hauer, Ernst Krenek, Frank Martin, Olivier Messiaen, Franz Schmidt und Alexander Zemlinsky. Frank Martins Der Cornet wurde mit dem Grand Prix du Disque ausgezeichnet.
1989 wurde Pinchas Steinberg Nachfolger. Unter ihm erweiterte das Orchester sein Repertoire, unter anderem durch konzertante Aufführungen seltener Opern und populäre Faschingskonzerte. 1996 wurde das Orchester in RSO Wien umbenannt, und Dennis Russell Davies übernahm die Leitung. Er brachte besonders Werke des amerikanischen Komponisten Philip Glass zur Aufführung. Von 2002 bis 2010 war Bertrand de Billy Chefdirigent; unter ihm entwickelte sich das Orchester zu einem der führenden Klangkörper Österreichs.
Im Februar 2009 erhielt das Orchester den Namen ORF Radio-Symphonieorchester Wien beziehungsweise ORF RSO Wien. 2010 wurde Cornelius Meister der bis dahin jüngste Chefdirigent. Er knüpfte mit preisgekrönten Aufnahmen von Gottfried von Einems Der Prozess und den Symphonien von Bohuslav Martinů an die Tradition seiner Vorgänger an. Seit 2019 steht Marin Alsop als erste Frau am Pult des Orchesters. Ihr Vertrag wurde bis 2025 verlängert; nach Ende ihrer Amtszeit wurde sie zur Ehrendirigentin ernannt.
Ein besonderes Aufnahmeprojekt verbindet das ORF RSO Wien mit dem Bruckner Orchester Linz: Unter der Gesamtleitung von Markus Poschner spielen beide Orchester bis zum 200. Geburtstag Anton Bruckners 2024 alle Sinfonien Bruckners erstmals in allen Fassungen ein. Bisher erschienen die Nullte von 1869, die Dritte von 1873, die Vierte von 1876 sowie 1878–1880, die Sechste von 1881 und die Achte von 1887 sowie 1890 beim Label Capriccio.
2023 geriet die Finanzierung des Orchesters in die Diskussion. ORF-Generaldirektor Roland Weißmann teilte im Februar 2023 mit, dass das Radio-Symphonieorchester nicht mehr vom Sender finanziert werden könne, weil das RSO nicht gesetzlich als Aufgabe des ORF festgelegt sei. Andrea Mayer setzte sich dagegen für den Weiterbestand des Orchesters ein.
Programm, Vermittlung und Auftritte
Das Programm des ORF RSO Wien umfasst die Aufgaben eines Rundfunkorchesters und besonders die Pflege zeitgenössischer Musik. Seit 1969 reicht das Repertoire von der Vorklassik bis zur Avantgarde. Damit deckt das Orchester Musik aus sehr unterschiedlichen Epochen ab: Vorklassik bezeichnet Musik vor der Wiener Klassik, während Avantgarde für besonders neue, experimentelle Kunstformen steht.
Zur Musikvermittlung gehören seit 2004 Gesprächskonzerte. Ein Gesprächskonzert verbindet Musik mit erklärenden Gesprächen, sodass Zuhörerinnen und Zuhörer besser verstehen können, wie ein Werk aufgebaut ist oder in welchem Zusammenhang es steht. Zunächst fanden diese Konzerte sechsmal pro Saison mit dem Musikkritiker Wilhelm Sinkovicz statt: vormittags für Schulklassen und abends für die Öffentlichkeit. In der Saison 2019/2020 gab es drei Abendkonzerte, moderiert von Christoph Becher und Teresa Vogl. Unter dem Titel my RSO bündelte das Orchester Angebote für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.
Das ORF RSO Wien tritt regelmäßig in wichtigen Wiener Konzertsälen und bei Festivals auf. Es spielt Konzertzyklen im Wiener Konzerthaus und im Wiener Musikverein und ist ständiger Gast bei Festivals wie den Salzburger Festspielen, dem Carinthischen Sommer Villach, musikprotokoll/Steirischer Herbst Graz, den Wiener Festwochen, Wien Modern, Osterklang und dem KlangBogen. Außerdem wirkt es als Opernorchester im Theater an der Wien. Auslandstourneen führten das Orchester unter anderem in die USA, nach Südamerika, China, Korea und Japan sowie in verschiedene europäische Länder.
Kammermusik und Filmmusik
Neben großen Orchesterkonzerten spielt auch Kammermusik eine Rolle. Kammermusik ist Musik für eine kleinere Besetzung, oft ohne Dirigentin oder Dirigenten. 1976 gründete die Konzertmeisterin Annemarie Ortner-Kläring das Kläring-Quartett, ein Streichquartett. Dieses Quartett war bis zur Reform des ORF 1996 aktiv. Infolge dieser Reform wurden auch die kammermusikalischen Aktivitäten des Orchesters eingeschränkt. Seit 2017 führen Musikerinnen und Musiker des Orchesters wieder einen Kammermusikzyklus im ORF RadioKulturhaus und im Arnold Schönberg Center durch.
Auch Filmmusik gehört zum Aufgabenbereich des Orchesters. Seit 2007 spielt das ORF RSO Wien bei der jährlichen Filmmusik-Gala Hollywood in Vienna im Großen Saal des Wiener Konzerthauses zeitgenössische Filmmusik. Zusätzlich kamen in den letzten Jahren Soundtracks für Filmproduktionen hinzu: 2012 Die Vermessung der Welt unter der Regie von Detlev Buck, 2016 Kater unter der Regie von Händl Klaus und 2016 Die Geträumten unter der Regie von Ruth Beckermann.
Leitung und Auszeichnungen
Die Chefdirigenten prägten jeweils das Profil des Orchesters. Die Liste beginnt mit Milan Horvat von 1969 bis 1975. Danach folgten Leif Segerstam von 1975 bis 1982, Lothar Zagrosek von 1982 bis 1987, Pinchas Steinberg von 1989 bis 1996, Dennis Russell Davies von 1996 bis 2002, Bertrand de Billy von 2002 bis 2010, Cornelius Meister von 2010 bis 2019 und Marin Alsop von 2019 bis 2025. Ab 2025 ist Alsop Ehrendirigentin. Markus Poschner soll ab 2026 Chefdirigent werden.
Zu den ausgewählten Auszeichnungen gehören mehrere Preise für Aufnahmen des Orchesters. 2018 wurde die Aufnahme Bohuslav Martinů: The Symphonies unter Cornelius Meister ausgezeichnet: mit den International Classical Music Awards in der Kategorie Symphonic und mit dem Opus Klassik in der Kategorie Dirigent des Jahres für Cornelius Meister. 2019 wurde die Live-Aufnahme von Gottfried von Einems Der Prozess bei den Salzburger Festspielen unter HK Gruber mit dem Diapason d’or und dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. 2024 erhielt das Orchester beim Österreichischen Musiktheaterpreis den Sonderpreis Orchester.