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Der Prozess (Oper)

Originalsprache: Deutsch ; Musik: Gottfried von Einem ; Libretto: Boris Blacher und Heinz von Cramer ; Literarische Vorlage: Gleichnamiger Roman von Franz Kafka.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Werk und Grundlage
  2. 2. Figuren und Besetzung
  3. 3. Beginn des Prozesses
  4. 4. Suche nach Hilfe
  5. 5. Ende im Dom und Steinbruch
  6. 6. Musikalische Gestaltung

Werk und Grundlage

Der Prozess ist eine Oper in zwei Teilen und neun Bildern von Gottfried von Einem. Das Libretto schrieben Boris Blacher, der frühere Lehrer des Komponisten, und Heinz von Cramer. Die Oper beruht auf dem gleichnamigen Roman von Franz Kafka. Sie wurde am 17. August 1953 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt.

Die Originalsprache ist Deutsch. Die Spieldauer beträgt ungefähr 2 ½ Stunden. Ort und Zeit der Handlung sind unbestimmt angegeben: „Irgendwo, 1919“. Im Mittelpunkt steht Josef K., ein Prokurist, also ein leitender Angestellter mit besonderer Vollmacht in einer Firma oder Bank. Er wird ohne erkennbare Begründung verhaftet und gerät danach immer tiefer in einen undurchsichtigen Prozess, dessen Regeln, Schuldvorwurf und Ausgang ihm verborgen bleiben.

Figuren und Besetzung

Die Hauptfigur Josef K. ist als Tenor besetzt. Weitere wichtige Rollen sind unter anderem Fräulein Bürstner als Sopran, Frau Grubach als Mezzosopran, Albert K. als Bass, der Advokat als Bariton, Leni als Sopran, Titorelli als Tenor, die Frau des Gerichtsdieners als Sopran sowie mehrere Gerichts- und Nebenfiguren.

Einige Rollen sind ausdrücklich als Doppel- oder Mehrfachrollen angelegt. Der Aufseher, der Passant, der Fabrikant und der Geistliche sollen von derselben Person dargestellt werden. Der Untersuchungsrichter und der Prügler bilden eine Doppelrolle, ebenso Willem und der Gerichtsdiener. Daneben treten stumme Gestalten wie Zuschauer, Soldaten, Mädchen und andere Statisten auf. Diese Anlage verstärkt den Eindruck einer Welt, in der verschiedene Autoritätsfiguren und Begegnungen ineinander übergehen.

Beginn des Prozesses

Der erste Teil zeigt, wie Josef K. in den Prozess hineingezogen wird. Am Morgen wird er von zwei Männern für verhaftet erklärt. Einen Grund erfährt er nicht. Zugleich teilt man ihm mit, dass er vorerst weiter arbeiten und sich frei bewegen darf. Die Verhaftung ist deshalb äußerlich nicht wie eine gewöhnliche Gefangennahme, belastet ihn aber seelisch stark, weil er nicht weiß, was er getan haben soll.

Nach Feierabend besucht Josef K. seine Nachbarin Fräulein Bürstner und erzählt ihr von der seltsamen Verhaftung. Er macht sich Notizen in ihrem Zimmer. Als jemand an die Tür klopft, möchte sie ihn zum Gehen bewegen. Dabei küsst Josef K. sie leidenschaftlich.

In der Nacht fühlt Josef K. sich auf der Straße von unsichtbaren Mächten bedroht. Ein Fremder kündigt ihm an, dass am kommenden Samstag eine kleine Untersuchung in seiner Angelegenheit stattfinden werde. Den Termin dürfe er keinesfalls versäumen.

Die erste Untersuchung findet auf einem Dachboden statt. Josef K. kommt nur mühsam und eine Stunde verspätet dorthin. Er protestiert wütend, weil das Gericht ihn nur oberflächlich behandle. Währenddessen bedrängt ein Student die Frau des Gerichtsdieners. Der Untersuchungsrichter unterbricht die Verhandlung. Die Frau verspricht Josef K. Hilfe, wird aber kurz darauf vom Studenten weggetragen. Als die Untersuchung fortgesetzt werden soll, verflucht Josef K. das Hohe Gericht und flieht.

Suche nach Hilfe

Im zweiten Teil versucht Josef K. auf verschiedene Weise, mit dem Prozess umzugehen, wird aber immer verwirrter und verzweifelter. In einem schlecht beleuchteten Raum im Hausflur sieht er die beiden Männer wieder, die ihm die Verhaftung mitgeteilt hatten. Sie werden geprügelt. Josef K. vermutet, dass dies mit seiner Beschwerde über sie zusammenhängt. Der Passant befiehlt ihm daraufhin, sofort in die Gerichtskanzlei zu gehen.

Josef K.s Onkel Albert bringt ihn zu einem angesehenen alten Rechtsanwalt. Dieser spricht jedoch lieber mit dem Onkel, statt Josef K. wirklich zu befragen. Josef K. wendet sich im Nebenzimmer Leni zu, dem Dienstmädchen des Advokaten. Beide kommen sich näher und küssen sich.

Auch in der Bank kann Josef K. sich kaum noch auf seine Arbeit als Prokurist konzentrieren. Ein Fabrikdirektor bemerkt seine Belastung und empfiehlt ihm, den Maler Titorelli um Hilfe zu bitten. Titorelli habe fast alle Honoratioren der Stadt porträtiert und dadurch wichtige Beziehungen. Im Atelier erklärt Titorelli Josef K. drei mögliche Ausgänge des Verfahrens: den echten Freispruch, den scheinbaren Freispruch oder die Verschleppung. Nach seiner Darstellung wäre die Verschleppung besser als der scheinbare Freispruch. Josef K. soll sorgfältig abwägen und keine Zeit verlieren, ist danach aber verwirrter als vorher.

Ende im Dom und Steinbruch

Als letzter Ausweg sucht Josef K. Hilfe bei der Kirche. Im Dom spricht er mit einem Kaplan, findet dort aber keinen Trost. Der Geistliche wirft ihm vor, dass er zu viel Hilfe bei Fremden suche, besonders bei Frauen. Außerdem sagt er, Josef K. könne nicht einmal selbst zwei Schritte weit sehen.

Danach verwandelt sich das Bühnenbild in einen Steinbruch. Zwei elegante Herren mit Zylindern nehmen Josef K. in ihre Mitte. Einer von ihnen zieht ein riesiges Fleischermesser aus seinem Gehrock. Das Messer ist auf beiden Seiten geschärft. Mit ausgesprochener Höflichkeit reicht er es über Josef K.s Kopf hinweg dem anderen Mann. Danach wird es vollkommen dunkel. Die Oper endet damit in einer bedrohlichen, offenen Bildwirkung, ohne dass Josef K. eine klare Erklärung seines Prozesses oder seiner Schuld erhalten hat.

Musikalische Gestaltung

Die Oper verzichtet vollständig auf einen Chor. Die Solostimmen sind stark deklamierend geführt. Deklamierend bedeutet hier, dass der Gesang nahe an der gesprochenen Sprache bleibt und den Text deutlich hervortreten lässt.

Die Harmonik ist gemäßigt modern. Harmonik bezeichnet die Gestaltung von Zusammenklängen und Akkorden. In der Musik erscheinen viele Ostinati, also wiederholte musikalische Figuren oder Muster. Teilweise bewegt sich die Komposition im Bereich der Zwölftontechnik, einer modernen Kompositionstechnik, bei der die zwölf Töne der chromatischen Tonleiter gleichberechtigt organisiert werden können. Hin und wieder klingen auch Rhythmen der Tanzmusik aus den frühen 1950er Jahren an.

Das Orchester besteht aus drei Flöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotten, vier Hörnern, zwei Trompeten, drei Posaunen, einer Pauke, einem Schlagzeug, einem Klavier und Streichern.

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