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Normalkosten
Normalkosten sind in der Betriebswirtschaftslehre und insbesondere in der Kostenrechnung eine Kostenart, die als Durchschnittskosten aus den Istkosten …
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Grundgedanke und Definition
Normalkosten sind eine Kostenart der Betriebswirtschaftslehre und besonders der Kostenrechnung. Sie werden als Durchschnittskosten aus den Istkosten vergangener Rechnungsperioden abgeleitet. Istkosten sind die tatsächlich entstandenen Kosten einer zurückliegenden Abrechnungsperiode. Normalkosten sollen dadurch eine geglättete Grundlage für die Kalkulation bilden.
In der Fachliteratur gibt es keinen vollständig einheitlichen Begriffsinhalt. Albert Schnettler bezeichnete Normalkosten 1949 als „aus den Durchschnittskosten früherer Abrechnungszeiträume mit Korrekturen rationaler Wirtschaftsführung“ abgeleitete Kosten. Erich Kosiol verstand darunter 1979 „mittlere durchschnittliche oder nivellierte Kosten, die aus anderen Kosten abgeleitet werden“. Günter Wöhe fasste den Gedanken so, dass „bestimmte Kosten nicht mit ihren tatsächlichen, sondern mit durchschnittlichen Mengen und Preisen angesetzt werden“.
Gemeinsam ist den Auffassungen, dass Normalkosten grundsätzlich aus vergangenen Istkosten hergeleitet werden. Die Aussagekraft kann verbessert werden, wenn nur Istkosten aus Perioden mit einem ähnlichen Beschäftigungsgrad berücksichtigt werden. Der Beschäftigungsgrad beschreibt dabei, wie stark eine Kostenstelle oder ein Produktionsprozess ausgelastet war.
Ermittlung der Normalkosten
Normalkosten Kₙ ergeben sich aus dem Produkt der Ist-Beschäftigung Bᵢ und einem konstanten Normalkostensatz Nᵢ:
Kₙ = Bᵢ · Nᵢ.
Der Normalkostensatz wird aus geeigneten vergangenen Istkosten abgeleitet. Die Kosteneinflussgrößen dürfen dabei keinen starken Schwankungen unterliegen. Deshalb werden bei der Erhebung Extremwerte ausgesondert, beispielsweise Werte aus Überbeschäftigung oder Unterbeschäftigung. Optimal ist die Auswahl von Istkosten, die bei Normalbeschäftigung entstanden sind.
Außerdem müssen Kosten periodengerecht aufgeteilt werden. Das betrifft Kosten, die nicht dauerhaft im Produktionsprozess anfallen, sondern nur in bestimmten Zeitabschnitten auftreten. Im Artikel werden Urlaubsgeld, Reparaturkosten und Abgaben als Beispiele genannt. Dadurch sollen solche einmaligen oder unregelmäßig anfallenden Kosten nicht das durchschnittliche Kostenniveau unangemessen beeinflussen.
Verwendung und Grenzen
Normalkosten werden der Kalkulation zugrunde gelegt, wenn die Istkosten stark schwanken. Ohne eine solche Glättung müsste die Preiskalkulation häufig angepasst werden. Die Kalkulation kann mit einem konstanten Normalkostensatz arbeiten und dadurch weniger unmittelbar auf einzelne Kostenschwankungen reagieren.
Eine Normalkostenrechnung in ihrer reinen Form gibt es in der Praxis jedoch nicht. Stattdessen wird in der Istkostenrechnung mit Normalkosten gerechnet. Normalkosten sind damit eine aus vergangenen tatsächlichen Kosten abgeleitete Rechengröße, die in der praktischen Kostenrechnung verwendet wird, obwohl die zugrunde liegenden Kosten ursprünglich Istkosten sind.
Wirtschaftliche Einordnung
Ursprünglich wurden Normalkosten für eine Kostenstelle so ermittelt, dass zunächst der Durchschnittswert der Istkosten vergangener Rechnungsperioden berechnet wurde. Dieser Durchschnittswert wurde anschließend durch die Summe der Bezugsobjekte geteilt, zum Beispiel durch die geleisteten Fertigungsstunden. Änderungen der Kostenstruktur blieben bei diesem ursprünglichen Verfahren zunächst unberücksichtigt. Adolf Müller definierte Normalkosten deshalb als „statische Werte aus den Istkosten vergangener Abrechnungsperioden“.
Sind die Istkosten höher als die Normalkosten, liegt eine Kostenüberdeckung vor. Sind die Istkosten niedriger als die Normalkosten, handelt es sich um eine Kostenunterdeckung. Für die Kostenkontrolle eignen sich nach den Angaben des Artikels weder Istkosten noch Normalkosten.
Von Plankosten unterscheiden sich Normalkosten dadurch, dass bei Plankosten sowohl die benötigten Mengen als auch die Preise der Produktionsfaktoren für eine geplante Ausbringung Plangrößen sind. Sollkosten sind Kostenvorgaben für die jeweilige Ist-Beschäftigung in einer Kostenstelle. Plan- und Sollkosten stimmen nur überein, wenn Ist-Beschäftigung und Plan-Beschäftigung identisch sind. Istkosten bezeichnen die tatsächlich während des Produktionsprozesses innerhalb einer Rechnungsperiode entstandenen Kosten. Standardkosten sind Plankosten, die sich auf einen standardisiert hergestellten Kostenträger der Serienfertigung beziehen.