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Ne me quitte pas

Ne me quitte pas ist ein Chanson in französischer Sprache des belgischen Chansonniers Jacques Brel. Es wurde erstmals am 11. September 1959 aufgenommen …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Entstehung und musikalischer Aufbau
  3. 3. Text und Deutung
  4. 4. Fassungen und Übersetzungen
  5. 5. Bedeutung und Rezeption

Überblick

„Ne me quitte pas“ ist ein französischsprachiges Chanson des belgischen Chansonniers Jacques Brel. Es wurde am 11. September 1959 erstmals aufgenommen und noch im selben Jahr bei Philips auf Brels vierter Langspielplatte veröffentlicht, die auf CD den Namen „La valse à mille temps“ trägt.

Das Lied zeigt einen Mann, der eine Frau zunehmend verzweifelt bittet, ihn nicht zu verlassen. Es wurde zu einem der bekanntesten und erfolgreichsten Chansons Brels und liegt in vielen Cover- und Übersetzungsfassungen vor. Die zentrale, im Lied 23-mal wiederholte Bitte „Ne me quitte pas“ bedeutet „Verlass mich nicht“.

Entstehung und musikalischer Aufbau

Brel schrieb den Text selbst; die Musik entstand zusammen mit seinem Pianisten Gérard Jouannest. Registriert wurde das Lied jedoch nur unter Brels Namen, weil Jouannest damals noch nicht bei der französischen Verwertungsgesellschaft SACEM eingeschrieben war. Nach Suzanne Gabriello, die zu dieser Zeit Brels Geliebte war, schrieb Brel das Lied für sie. Brel erklärte später dagegen, es sei „die Geschichte eines Arschlochs und Versagers“ und habe nichts mit einer bestimmten Frau zu tun.

François Rauber arrangierte das Chanson. Es beginnt mit den Ondes Martenot, einem elektronischen Instrument mit singendem Klang, danach setzt das Klavier ein. Marc Robine beschreibt dessen Spiel als „déliée et poignante“ („klar und pointiert“) und erkennt im Anfangsmotiv „mi-mi fa-mi-mi“ (E-E F-E-E) ein Zitat aus dem zweiten Satz von Franz Liszts Sechster Ungarischer Rhapsodie. France Brel und André Salée führen die Entstehung dagegen auf Brels Eindruck von Maurice Ravels Bearbeitung von „Bilder einer Ausstellung“ zurück.

Das Lied hat fünf Strophen. Die ungeraden Strophen wiederholen fast denselben Takt und bewegen sich insgesamt Ton für Ton abwärts. Die geraden Strophen haben denselben Rhythmus, aber eine stark veränderte, aufsteigende Melodie. Jede Strophe endet mit vier Wiederholungen von „Ne me quitte pas“; die letzte wirkt jeweils besonders schwach und flehend. Der Gesang wechselt zwischen Depression in den ungeraden und Euphorie in den geraden Strophen. Die Begleitung steigert sich vom Klavier allein über Geigen und ein Klarinetten-Crescendo bis zu zitternden Ondes Martenot und Klaviertrillern am Schluss.

Text und Deutung

Stéphane Hirschi bezeichnet das Lied nicht einfach als Liebeslied, sondern als Charakterstudie einer „l’amour lâche“, einer „feigen Liebe“. Der Mann erhält keine Antwort; die Frau schweigt. Seine Bitte, die Beziehung zu erhalten, wird zur Selbsterniedrigung. Brel wollte nach eigenen Worten zeigen, „jusqu’où il ne faut pas aller“: „bis wohin es nicht kommen darf“.

In der ersten Strophe wehrt sich der Mann gegen die Niederlage. Seine Sätze brechen mehrfach in einem Anakoluth ab, also in einem Satzabbruch. „Oublier le temps“ („die Zeit vergessen“) meint nicht nur, frühere Konflikte zu vergessen, sondern den zerstörerischen Ablauf der Zeit anhalten zu wollen. In der zweiten Strophe flüchtet er sich in unmögliche Wunder wie „perles de pluie“ („Perlen aus Regen“). Liebe wird zum „roi“ und zur „loi“, die Angebetete zur „reine“ überhöht.

Die dritte Strophe ist melancholisch und lässt die Hoffnungslosigkeit erkennen. In der vierten Strophe kehrt die Schwärmerei mit Naturbildern wie dem Vulkanausbruch als Bild der Leidenschaft wieder, doch die Sicherheit ist verloren: Aus „creuserai la terre“ („die Erde umgraben“) werden „terres brûlées“ („verbrannte Erden“). Das „je“ („ich“) verschwindet zunehmend hinter unbestimmten Pronomen wie „on“, „il“ und „ils“.

In der fünften Strophe löscht sich das Ich vollständig aus. Der Mann möchte nur noch Tanz, Gesang und Lachen der Frau beobachten und zum „ombre de ton ombre“ („Schatten deines Schattens“), schließlich zum „ombre de ton chien“ („Schatten deines Hundes“) werden. Für Hirschi überdeckt der Mann die Wirklichkeit in den geraden Strophen mit einer imaginären Welt. Das Gegenüber könne am Ende auch das Leben selbst meinen, das dem einsamen Menschen keine Antwort gibt.

Fassungen und Übersetzungen

Brel nahm mehrere Fassungen auf: auf die französische Originalaufnahme von 1959 folgten 1961 die flämische Übersetzung „Laat me niet alleen“ und eine Live-Version aus der Pariser Music Hall Olympia; 1972 entstand eine neu instrumentierte Aufnahme bei Barclay. Bereits 1988 gab es in den Vereinigten Staaten 270 und in Japan 38 Fassungen des Liedes.

Besonders verbreitet wurde Rod McKuens englische Version „If You Go Away“. Damita Jo erreichte damit 1966 Platz 68 der Billboard Hot 100 und Platz 10 der Adult Contemporary chart; Terry Jacks kam mit dem Lied in die britischen Top 10. McKuens Text unterscheidet sich deutlich vom Original: Die flehende Bitte bis zur Selbsterniedrigung wird rationaler und verständnisvoller. Thomas Weick nennt dies den „süßlichen Charakter einer fast banalen ‚Lovestory‘“. Manche Fassungen, etwa von Tom Jones, lassen die letzte Strophe weg.

Die erste deutsche Übertragung war Max Colpets „Bitte geh’ nicht fort“, 1963 von Marlene Dietrich gesungen. Hier spricht eine Frau zu einem Mann; zudem fehlt die letzte Strophe und damit die Ebene der Selbstauslöschung. Heinz Riedel übertrug das Lied 1970 als „Geh nicht fort von mir“, unter anderem gesungen von Klaus Hoffmann. Gottfried Schlögl schuf 1987 die bairische Fassung „Laß mi net alloa!“.

Bedeutung und Rezeption

Thomas Weick bezeichnet „Ne me quitte pas“ als den „berühmtesten und weltweit erfolgreichsten Brel-Chanson“. In einer IFOP-Untersuchung für France Inter zum schönsten französischen Liebeslied erreichte es unter 40 auswählbaren Chansons mit 20 % der Stimmen und deutlichem Abstand den ersten Platz. Frédéric Brun nannte es 1988 in „Paroles et Musique“ „peut-être la chanson d’amour du siècle“ („vielleicht das Liebeslied des Jahrhunderts“).

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