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Französischer Revolutionskalender

Monate ; Vendémiaire (Weinmonat, Herbstmonat), lateinisch vindemia „Weinlese“, 22. September bis 21. Oktober ; Brumaire (Nebelmonat), französisch brume „Nebel“ …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kernidee und Geltung
  2. 2. Politischer und praktischer Hintergrund
  3. 3. Aufbau des Jahres
  4. 4. Tage, Monate und Ergänzungstage
  5. 5. Namenssystem
  6. 6. Dezimale Uhrzeit

Kernidee und Geltung

Der Französische Revolutionskalender, auch republikanischer Kalender, wurde infolge der Französischen Revolution von 1789 geschaffen. Er galt offiziell vom 22. September 1792 bis zum 31. Dezember 1805. Er sollte die neue Republik sichtbar machen und den Kalender von christlichen Bezügen lösen. In Darstellungen der Revolution werden einzelne Daten bis heute als historische Kurzbezeichnungen verwendet, etwa der 9. Thermidor für das Ende der jakobinischen Schreckensherrschaft am 27. Juli 1794 oder der 18. Brumaire für die Machtergreifung Napoleons am 9. November 1799.

Vor dem eigentlichen republikanischen Kalender gab es bereits revolutionäre Jahreszählungen: Mit dem 15. Juli 1789 wurde das „Jahr Eins der Freiheit“ ausgerufen, am 10. August 1792 das „Jahr I der Gleichheit“. Am 22. September 1792 schaffte der Nationalkonvent die Monarchie ab und ließ zugleich das „Jahr I der Republik“ beginnen. Am 5. Oktober 1793 beschloss der Nationalkonvent außerdem eine neue Zählung der Tage und Monate. Dieser zweite republikanische Kalender trat am 24. November 1793 rückwirkend ab dem 22. September 1792 in Kraft.

Der Kalender war nicht proleptisch: Für Daten vor dem 22. September 1792 wurde weiterhin der gregorianische Kalender verwendet. Alte Datierungen konnten mit E.V. für ère vulgaire, also die „übliche Ära“, gekennzeichnet werden. Napoleon I. führte 1806 den gregorianischen Kalender wieder ein. In französischen Staatsgebieten der napoleonischen Zeit war der Revolutionskalender in öffentlichen Angelegenheiten verbindlich. 1871 wurde er während der Pariser Kommune noch einmal verwendet.

Politischer und praktischer Hintergrund

Der neue Kalender gehörte zur Entchristianisierungspolitik der Revolution. Er sollte keinen Bezug mehr auf Christi Geburt oder christliche Feiertage enthalten. Stattdessen sollte das Prinzip der „Vernunft“ auch für den Kalender gelten. Dazu passte die Einführung von Einheiten nach dem Dezimalsystem, also einer Ordnung in Zehnerstufen. Am 1. August 1793 wurden mit Wirkung zum 1. Juli 1794 auch dezimal orientierte Maß- und Währungseinheiten eingeführt: Meter und Gramm, Liter und Franc.

Wirtschaftlich war der Kalender unpopulär, weil er die Zahl der Arbeitstage erhöhte. Statt eines Ruhetags alle sieben Tage gab es nur noch alle zehn Tage einen Ruhetag. Außerdem fielen viele kirchliche Feiertage weg.

Aufbau des Jahres

Das Jahr hatte 12 Monate zu je 30 Tagen. Jeder Monat war in 3 Dekaden eingeteilt; eine Dekade hatte 10 Tage. Dazu kamen am Jahresende fünf Ergänzungstage, in Schaltjahren sechs. Damit ähnelte der Revolutionskalender dem koptischen Kalender.

Der Jahresbeginn war während der gesamten Geltungsdauer auf den Tag der Tag-und-Nacht-Gleiche im Herbst festgelegt, genauer auf Mitternacht vor dem wahren Herbstäquinoktium, bezogen auf Paris. Weil zukünftige Daten dadurch nur mit Himmelsbeobachtung sicher festgelegt werden konnten, wurden am 7. Fructidor III, dem 24. August 1795, Schaltjahresregeln vorgeschlagen. Die Kommission stand unter Vorsitz des Mathematiklehrers Gilbert Romme. Die Regeln orientierten sich am gregorianischen Kalender und am Maréchal-Kalender von Sylvain Maréchal.

Vorgesehen war, Schalttage an das Ende der durch vier teilbaren republikanischen Jahre zu setzen. Außerdem sollte die gregorianische Ausnahme für normale Jahre übernommen werden; zusätzlich sollte entweder jedes 3600. oder jedes 4000. Jahr kein Schaltjahr sein. Das hätte eine durchschnittliche Jahreslänge von 365 Tagen 5 Stunden 48 Minuten 48 Sekunden beziehungsweise 50,4 Sekunden ergeben. Zum Vergleich nennt der Artikel für den gregorianischen Kalender 365 Tage 5 Stunden 49 Minuten 12 Sekunden. Ein Vier-Jahres-Zyklus sollte Franciade heißen.

Das Dekret über die Regulation der Schaltjahre wurde jedoch nie erlassen oder umgesetzt. Tatsächlich waren die Jahre III, VII und XI „sextile Jahre“, also Schaltjahre. Das Jahr XV war ebenfalls als Schaltjahr vorgesehen, wurde aber durch die Abschaffung des Systems zum Jahresbeginn 1806 nicht mehr erreicht.

Tage, Monate und Ergänzungstage

Die zehn Tage einer Dekade wurden durchgezählt und erhielten eigene Namen: Primidi, Duodi, Tridi, Quartidi, Quintidi, Sextidi, Septidi, Octidi, Nonidi und Decadi. Der Decadi war als Ruhetag vorgesehen.

Die 12 Monate wurden nach einem Namenskatalog des Abgeordneten Fabre d’Églantine in vier jahreszeitliche Gruppen eingeteilt. Die Herbstmonate endeten auf -aire: Vendémiaire, der Weinmonat, vom 22. September bis 21. Oktober; Brumaire, der Nebelmonat, vom 22. Oktober bis 20. November; Frimaire, der Reif- oder Frostmonat, vom 21. November bis 20. Dezember. Die Wintermonate endeten auf -ôse: Nivôse, der Schneemonat, vom 21. Dezember bis 19. Januar; Pluviôse, der Regenmonat, vom 20. Januar bis 18. Februar; Ventôse, der Windmonat, vom 19. Februar bis 20. März.

Die Frühlingsmonate endeten auf -al: Germinal, der Sprossen- oder Keimmonat, vom 21. März bis 19. April; Floréal, der Blütenmonat, vom 20. April bis 19. Mai; Prairial, der Wiesenmonat, vom 20. Mai bis 18. Juni. Die Sommermonate endeten auf -idor: Messidor, der Erntemonat, vom 19. Juni bis 18. Juli; Thermidor, der Hitzemonat, vom 19. Juli bis 17. August; Fructidor, der Früchtemonat, vom 18. August bis 16. September.

Am Jahresende standen die Sansculottiden, also Übergangstage. Sie waren Feiertage: Jour de la Vertu, Tag der Tugend; Jour du Génie, Tag des Geistes; Jour du Travail, Tag der Arbeit; Jour de l’Opinion, Tag der Meinung; Jour des Récompenses, Tag der Belohnung. In Schaltjahren kam der Jour de la Révolution, Tag der Revolution, hinzu. Die Datumsangaben verschoben sich ab 1800 jeweils um einen Tag; der zusätzliche Revolutionstag fiel auf den 22. September 1795 und 1799 sowie auf den 23. September 1803.

Namenssystem

Im ersten Entwurf wurden Tage und Monate zunächst einfach durchgezählt. Fabre d’Églantine schlug am 24. Oktober 1793 ein einheitlicheres Namenssystem vor. Die Tage sollten nach dem Vorbild und als Ersatz für christliche Tagesheilige eigene Namen bekommen. Die Decadis wurden nach landwirtschaftlichen Arbeitsgeräten benannt, die Quintidis nach Haustieren und die übrigen Tage, außer im Nivôse, nach Pflanzen.

Auch die Monatsnamen sollten nicht nur nummeriert sein. Fabre d’Églantine schlug Namen vor, die typische Aspekte des Klimas oder wichtige Zeitpunkte des landwirtschaftlichen Lebens bezeichneten, zum Beispiel Nivôse für den verschneiten Monat oder Vendémiaire nach vindemia, der Weinlese. Obwohl der Kalender universell gedacht war, waren die Namen deshalb stark am französischen Klima orientiert. Für die Ergänzungstage schlug Fabre d’Églantine den Namen Sansculottides und eigene Tagesnamen vor. Am 24. November 1793 wurden diese Vorschläge mit kleinen Änderungen angenommen.

Dezimale Uhrzeit

Das Kalendergesetz vom 4. Frimaire II, dem 24. November 1793, sah ab dem Beginn des Jahres III am 22. September 1794 auch eine dezimale Tageseinteilung vor. Ein Tag sollte in 10 Dezimalstunden eingeteilt werden, jede Dezimalstunde in 100 Dezimalminuten und jede Dezimalminute in 100 Dezimalsekunden. Eine neue Sekunde wäre 13,6 Prozent kürzer als die alte gewesen, eine neue Minute 44 Prozent länger. Die Revolutionsstunde hätte das 2,4-Fache einer alten Stunde gedauert.

Die Umsetzung hätte alle vorhandenen Uhren unbrauchbar gemacht. Neue Maßstäbe und Gewichte waren leichter herzustellen als neue Uhren, die teuer gewesen wären. Deshalb setzte der Konvent am 18. Germinal III, dem 7. April 1795, das Gesetz zur dezimalen Tageseinteilung aus; es trat nie in Kraft.

Die Umrechnung wurde mit der Formel angegeben: (Stunden × 3600 + Minuten × 60 + Sekunden) ÷ 0,864 = Dezimalsekunden des Tages. Beispiel: 19:12 Uhr ergibt 80.000 Dezimalsekunden und entspricht damit 8:00:00, also 8 Uhr der Revolutionszeit. 20:15 Uhr ergibt 84.375 Dezimalsekunden, also 8 Dezimalstunden, 43 Dezimalminuten und 75 Dezimalsekunden. Einige Uhrenhersteller, darunter Berthoud, Firstenfelder, Lenoir und Perrier, bauten Dezimaluhren; viele zeigten die alte und neue Tageseinteilung nebeneinander.

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