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Nationales Programm für nachhaltigen Konsum
Mit dem Nationalen Programm für nachhaltigen Konsum (NPNK) beschreibt die Bundesregierung einen Weg, wie der notwendige Strukturwandel in Wirtschaft und …
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Kern des Programms
Das Nationale Programm für nachhaltigen Konsum (NPNK) ist ein Programm der Bundesregierung, das beschreibt, wie Deutschland den notwendigen Strukturwandel in Wirtschaft und Gesellschaft in Richtung Nachhaltigkeit weiter voranbringen soll. Es soll dazu beitragen, die Ziele nachhaltiger Entwicklung, die Sustainable Development Goals (SDGs), national umzusetzen. Besonders wichtig ist dabei Ziel 12: „Für nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sorgen“.
Das NPNK konkretisiert die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie im Bereich Konsum. Es zeigt, wie nachhaltiger Konsum in Deutschland gestärkt und ausgebaut werden kann. Nachhaltiger Konsum bedeutet im Sinne des Programms, dass die Bedürfnisse heutiger und künftiger Generationen befriedigt werden, ohne die Belastbarkeitsgrenzen der Erde zu überschreiten.
Erstellt wurde das Programm vom damals federführenden Bundesumweltministerium (BMU), vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und vom damaligen Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV). Die Bundesregierung beschloss es am 24. Februar 2016. Eine Weiterentwicklung mit zuerst umzusetzenden Maßnahmen verabschiedete der Staatssekretärsausschuss für nachhaltige Entwicklung am 3. Mai 2021.
Leitideen und Verantwortung
Das Leitbild der Nachhaltigen Entwicklung ist in der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie festgelegt. Danach ist die Tragfähigkeit der Erde die absolute Grenze, innerhalb der politische Ziele verwirklicht werden müssen. Das NPNK überträgt diesen Grundsatz auf den Konsum.
Das Programm orientiert sich an fünf Leitideen. Erstens soll Verbraucherinnen und Verbrauchern nachhaltiger Konsum ermöglicht werden, etwa durch bessere Informationen, Anreizsysteme und Mindestanforderungen für bestimmte Produkte. Zweitens soll nachhaltiger Konsum von der Nische in den Mainstream gebracht werden, also von einem kleinen Spezialbereich in den Alltag vieler Menschen. Dafür sollen Initiativen und neue Techniken gefördert werden. Drittens soll die Teilhabe aller Bevölkerungsgruppen an nachhaltigem Konsum gewährleistet sein.
Viertens soll eine Lebenszyklus-Perspektive auf Produkte und Dienstleistungen angewendet werden. Das bedeutet, dass nicht nur Kauf und Nutzung betrachtet werden, sondern der gesamte Weg eines Produkts. Dazu gehören die Internalisierung externer Effekte, die Förderung von Umweltzeichen und ein recyclingfähiges Produktdesign. Externe Effekte sind Folgen eines Handelns, die nicht direkt im Preis enthalten sind, zum Beispiel Umweltbelastungen. Fünftens soll der Blick vom einzelnen Produkt stärker auf ganze Systeme gelenkt werden: Kaufentscheidungen entstehen in einem komplexen Umfeld aus Markt, Gesellschaft und Individuum. Vorhandene Ressourcen sollen nur in dem Maß genutzt werden, in dem sie sich regenerieren können.
Zentral ist das Prinzip der geteilten Verantwortung zwischen Politik, Wirtschaft und jedem Einzelnen. Je größer der Handlungsspielraum einer Gruppe ist, desto größer soll auch ihre Verantwortung für nachhaltigen Konsum sein. Produzenten sollen Produkte möglichst langlebig, reparaturfreundlich, ressourcen- und energieeffizient gestalten. Die Politik soll Rahmenbedingungen anpassen, Anreize schaffen, Innovationen fördern und den Strukturwandel begleiten. Das NPNK richtet sich vor allem an die Nachfrageseite. Ziel ist, dass nachhaltige Lebensstile zum Standard werden und nachhaltiger Konsum im Mainstream ankommt.
Themen und Handlungsansätze
Das Programm nennt sechs Themenbereiche, in denen besonders großes Potenzial für mehr Nachhaltigkeit gesehen wird: Mobilität, Ernährung, Wohnen und Haushalt, Büro und Arbeit, Bekleidung sowie Tourismus und Freizeit. Diese Bereiche betreffen viele alltägliche Entscheidungen, zum Beispiel wie Menschen sich fortbewegen, was sie essen, wie sie wohnen oder welche Kleidung sie kaufen.
Zusätzlich enthält das Programm neun übergreifende Handlungsansätze. Dazu gehören gesellschaftliche Diskussion, Bildung, Verbraucherinformation, Umwelt- und Sozialzeichen, umweltgerechte Produktgestaltung (Ökodesign), nachhaltige öffentliche Beschaffung, Forschung für nachhaltigen Konsum, soziale Innovation und Monitoring für nachhaltigen Konsum.
Umwelt- und Sozialzeichen sollen Verbraucherinnen und Verbrauchern Orientierung geben. Ökodesign meint eine Produktgestaltung, die Umweltwirkungen berücksichtigt. Nachhaltige öffentliche Beschaffung bedeutet, dass öffentliche Stellen beim Einkauf ökologische und soziale Kriterien stärker einbeziehen. Monitoring bezeichnet die systematische Beobachtung und Auswertung von Entwicklungen, damit Fortschritte sichtbar und überprüfbar werden.
Umsetzung und Beteiligung
Für die Umsetzung des Nationalen Programms für nachhaltigen Konsum wurde beim Umweltbundesamt das Kompetenzzentrum Nachhaltiger Konsum (KNK) eingerichtet. Dort arbeiten Behörden mehrerer Ministerien zusammen. Beteiligt sind das Umweltbundesamt (UBA) für das BMUV als Geschäftsstelle, die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) für das BMEL, die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, der DLR Projektträger für das BMBF sowie die Kompetenzstelle für nachhaltige Beschaffung (KNB) für das Bundesministerium des Innern und für Heimat.
Außerdem wurde ein interministerieller Ausschuss (IMA) eingerichtet. Er wird vom BMUV, vom Bundesministerium der Justiz und vom BMEL geleitet. Interministeriell bedeutet, dass mehrere Ministerien zusammenarbeiten.
Um gesellschaftliche Gruppen einzubeziehen, wurde 2017 das „Nationale Netzwerk Nachhaltiger Konsum“ gegründet. Es wird vom Kompetenzzentrum Nachhaltiger Konsum und der ZUG gGmbH koordiniert. Das Netzwerk bietet verschiedene Veranstaltungsformate an, vor allem Webseminare, Vernetzungstreffen und Arbeitskreise. So sollen Akteure miteinander in Kontakt kommen und an Themen des nachhaltigen Konsums arbeiten.
Damit die Fortschritte des Programms bewertet werden können, soll das Kompetenzzentrum Nachhaltiger Konsum messbare Indikatoren entwickeln. Diese sollen die vorhandenen Indikatoren der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie ergänzen.
Kritik und offene Punkte
Das Programm wurde unterschiedlich bewertet. Renate Künast, ehemalige Verbraucherministerin von Bündnis 90/Die Grünen, bezeichnete es 2016 als „nette Prosa“, solange es nicht mit einem Budget hinterlegt sei. Sie forderte einen nachhaltigen Konsum, der für Verbraucherinnen und Verbraucher einfach ist.
Ingmar Streese vom Bundesverband Verbraucherzentrale begrüßte in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Rundschau, dass im NPNK die richtigen Ziele formuliert wurden. Er kritisierte jedoch, dass konkrete Maßnahmen schwer zu finden seien. Außerdem befürchtete er, das Programm werde nachhaltigem Konsum nur wenig „auf die Sprünge helfen“, weil ihm Verbindlichkeit fehle, wie sie zum Beispiel in Klimaschutzplänen festgeschrieben sei. Er sah zudem die Verantwortung zu einseitig bei den Verbrauchern. Aus seiner Sicht müssten Hersteller Menschenrechte, humane Arbeitsbedingungen und Umweltstandards auch bei Zulieferern beachten. Der Handel müsse nachhaltig hergestellte Produkte so platzieren, dass Kundinnen und Kunden sie finden. Die Politik müsse Rahmenbedingungen für nachhaltige Produkte schaffen. Insgesamt sah er Potenzial, das aber erst erschlossen werden müsse.
Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) begrüßte 2016, dass das Programm ressortübergreifend abgestimmt wurde und wichtige Bereiche wie Landwirtschaft sowie Justiz und Verbraucherschutz früh beteiligt waren. Zugleich kritisierte der Nabu, dass das Vergaberecht Kommunen nicht ausreichend helfe, öffentliche Aufträge mit mehr ökologischen und sozialen Anforderungen zu versehen. Außerdem vermisste der Verband messbare Indikatoren und einen fest definierten Zeitrahmen.
Die Tageszeitung Die Welt hielt es für wenig ausreichend, dass die Bundesregierung vor allem auf Nudging setze. Nudging bedeutet, Menschen durch kleine Anstöße zu einem bestimmten Verhalten zu bewegen, ohne es verbindlich vorzuschreiben. Eine vom Umweltbundesamt beauftragte Evaluation forderte 2020 unter anderem eine stärkere Berücksichtigung prioritärer Maßnahmen, eine Budgetierung des Programms und die Verankerung smarter Ziele. Bei der Weiterentwicklung solle außerdem auf eine bessere Integration wichtiger Umsetzungsakteure geachtet werden.