Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Mondnacht (Eichendorff)

Mondnacht ist ein Gedicht des Dichters Joseph von Eichendorff, das in der deutschen Spätromantik um 1835 entstand und 1837 erstmals veröffentlicht wurde.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Inhalt
  2. 2. Gedichttext
  3. 3. Aufbau und Versmaß
  4. 4. Entstehung, Überlieferung und Wirkung

Überblick und Inhalt

„Mondnacht“ ist ein Gedicht von Joseph von Eichendorff aus der deutschen Spätromantik. Es entstand um 1835, wurde 1837 erstmals veröffentlicht und gehört zur Naturlyrik, also zur Lyrik, in der Natur besonders wichtig ist.

Das Gedicht verbindet eine nächtliche Landschaft mit dem Erleben eines lyrischen Ichs. Zunächst erscheint der Himmel, als habe er die Erde „still geküßt“, sodass die Erde im „Blütenschimmer“ von ihm träumen müsse. Danach werden Luft, Felder, Ähren, Wälder und die sternklare Nacht beschrieben. In der letzten Strophe richtet sich der Blick auf die Seele des Ichs: Sie spannt ihre Flügel aus, fliegt durch stille Lande und scheint „nach Haus“ zu fliegen.

Gedichttext

Es war, als hätt’ der Himmel Die Erde still geküßt, Daß sie im Blütenschimmer Von ihm nun träumen müßt’.

Die Luft ging durch die Felder, Die Ähren wogten sacht, Es rauschten leis’ die Wälder, So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte Weit ihre Flügel aus, Flog durch die stillen Lande, Als flöge sie nach Haus.

Aufbau und Versmaß

Das Gedicht hat drei Strophen mit jeweils vier Versen. Es verwendet den Kreuzreim: Die zweite und vierte Zeile einer Strophe reimen sich; in der ersten und dritten Zeile steht kein echter Reim, sondern eine Assonanz. Eine Assonanz ist der Gleichklang von Vokalen, nicht ein vollständiger Reim.

Das Versmaß ist alternierend und beginnt jeweils mit einem Auftakt. Jeder Vers hat drei jambische Hebungen. Ein Jambus ist eine Folge aus einer unbetonten und einer betonten Silbe. Die Kadenzen wechseln: Der erste und dritte Vers enden klingend, also mit einer unbetonten Schlusssilbe; der zweite und vierte Vers enden stumpf, also betont. Diese Strophenform heißt Hildebrandsstrophe, genauer halbe Hildebrandsstrophe.

Entstehung, Überlieferung und Wirkung

Das Manuskript befindet sich nach zahlreichen Umwegen in der Staatsbibliothek zu Berlin. Es ist ein Blatt, auf dem Eichendorff zwischen 1835 und 1840 auch Ideen zu „An meinen Bruder“ und „Der Glücksritter“ notierte. Eichendorff lebte damals in Berlin und blickte wohl sehnsüchtig auf seine oberschlesische Heimat zurück. Martin Hollender, Mitarbeiter der Bibliothek, untersuchte das Blatt und rekonstruierte daran Eichendorffs schriftstellerische Arbeit.

Robert Schumann vertonte das Gedicht 1840 und stellte es in den Mittelpunkt seines Liederkreises op. 39. Johannes Brahms schuf 1853 eine weitere bekannt gewordene Vertonung; Ende des 19. Jahrhunderts gab es bereits über 40 Vertonungen. Das Gedicht ist weiterhin populär. Besonders die letzte Strophe wird häufig als Spruch in Todesanzeigen verwendet.

Weiterlesen