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Mirka Dickel
Mirka Dickel (* 1967 in Brilon) ist eine deutsche Professorin für Geographiedidaktik am Institut für Geographie der Friedrich-Schiller-Universität Jena …
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Person und Bedeutung
Mirka Dickel (* 1967 in Brilon) ist eine deutsche Professorin für Geographiedidaktik am Institut für Geographie der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Sachbuchautorin. Geographiedidaktik meint die wissenschaftliche Beschäftigung damit, wie Geographie gelehrt und gelernt wird.
Ihr Ansatz verbindet Geographiedidaktik mit Bildungsphilosophie. Dabei entwirft sie das Fach aus einer Perspektive, die Phänomenologie, Hermeneutik und Anthropologie situativ miteinander verschränkt. Phänomenologie meint die Beschreibung von Erfahrungen und Wahrnehmungen, Hermeneutik das Verstehen und Deuten von Bedeutungen, Anthropologie die Lehre vom Menschen. Dickels Arbeit zielt auf eine demokratiesensible Forschung, Lehre und Lehrerbildung. Sie befasst sich außerdem mit ethischen Fragen des Unterrichtens sowie mit kulturellen und visuellen Räumlichkeiten.
Akademischer Weg
Dickel studierte von 1987 bis 1994 Geographie, Germanistik, Anglistik und Pädagogik an der Universität Münster. Von 1994 bis 1996 absolvierte sie ihr Referendariat am Studienseminar in Bocholt. Danach arbeitete sie zehn Jahre im Schuldienst.
2004 schloss sie bei Tilman Rhode-Jüchtern ihre Promotion zur Exkursionsdidaktik ab. Exkursionsdidaktik beschäftigt sich damit, wie Lernen an außerschulischen Orten geplant und ausgewertet werden kann. Von 2006 bis 2008 war Dickel Akademische Rätin für Didaktik der Geographie am Geographischen Institut der Universität Mainz. Von 2008 bis 2011 war sie Professorin für Erziehungswissenschaft unter besonderer Berücksichtigung der Didaktik der Geographie an der Universität Hamburg. Seit 2011 ist sie Professorin für Didaktik der Geographie am Institut für Geographie der Universität Jena.
Geographieunterricht als Verstehen
Dickel versteht Geographieunterricht als Ort des Fragens in einem dialogischen Sinn. Sie knüpft an die sokratische Tradition an: Lernen soll als pädagogisch gerahmtes, forschend-entdeckendes Gespräch zwischen Lehrpersonen, Schülerinnen und Schülern und dem Unterrichtsgegenstand stattfinden.
Geographische Bildung soll nach diesem Verständnis eine lebendige Begegnung mit der Sache ermöglichen. Lernende entwickeln dabei eigene geographische Erfahrungs- und Verstehenshorizonte. Etwas zu verstehen und sich selbst zu verstehen sind dabei miteinander verbunden. Deshalb misst Dickel dem Erleben besondere Bedeutung bei, vor allem auch an außerschulischen Lernorten. Sie arbeitet hierzu theoretisch und unterrichtspraktisch, unter anderem in der Exkursionsdidaktik.
In ihren Publikationen reflektiert sie außerdem die Entwicklung der Geographiedidaktik vor dem Hintergrund gesellschaftlicher und ökologischer Zukunftsherausforderungen.
Demokratiebildung und Ethik
Dickel bezieht Position gegen Standardisierungen, die sie als Folge der Kompetenzorientierung beschreibt. Kompetenzorientierung meint eine Ausrichtung von Unterricht auf überprüfbare Fähigkeiten und Fertigkeiten. Dickel betont dagegen die Professionalisierung von Lehrpersonen durch eine reflektierte und forschende Haltung.
Lernen versteht sie als Bildung und Umbildung, also als offenen Prozess, in dem Menschen ihr Verständnis von Welt und von sich selbst verändern können. Solche Prozesse entziehen sich nach Dickels Auffassung einer Standardisierung, auch in der konkreten Arbeit mit Lernenden.
Eine hohe Bedeutung gibt sie der Reflexion normativer Rahmungen von Geographieunterricht. Normative Rahmungen sind Wertmaßstäbe und Grundannahmen, die Unterricht prägen. Dickel tritt allgemein dafür ein, ethische Positionen im unterrichtlichen Handeln einzunehmen und zugleich kritisch zu reflektieren.
Veröffentlichungen und Themenfelder
Dickels Buchpublikationen zeigen zentrale Themen ihrer Arbeit: Exkursionen, Reisen, Raumproduktion, neue Raumkonzepte, Vielperspektivität, Visualisierung von Räumen, Ethik, Verantwortung der Geographie und pädagogische Praxis im Geographieunterricht.
Zu den genannten Veröffentlichungen gehören unter anderem „Stadtexkursion Brilon“ (1996), „Reisen. Erkenntnistheorie, Praxis und Reflexion für die Geographiedidaktik“ (2012), „Raumproduktion verstehen lernen. Auf den Spuren von Erzählungen und Imaginationen“ (2012) sowie mehrere herausgegebene Sammelbände. Dazu zählen „TatOrte. Neue Raumkonzepte geographiedidaktisch inszeniert“ (2006), „Vielperspektivität und Teilnehmerzentrierung – Wegweiser der Exkursionsdidaktik“ (2009), „Räume visualisieren“ (2017), „Ethik für die Geographiedidaktik: Orientierungen in Forschung und Praxis“ (2022), „Die Verantwortung der Geographie. Orientierung für eine reflexive Forschung“ (2022) und „Geographieunterricht als pädagogische Praxis. Grundlagen, Bezüge und Perspektiven“ (2025). Ebenfalls genannt werden „Dialogphänomenologische Therapeutik. Wege aus der Entfremdung“ (2024) und „Exemplarität. Zur Planung von Geographieunterricht“ (2025).