Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Michaelis-Menten-Theorie

Die Michaelis-Menten-Kinetik beschreibt die Enzymkinetik nach folgendem vereinfachendem Mechanismus: Das freie Enzym bindet zuerst reversibel an sein …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundprinzip der Michaelis-Menten-Kinetik
  2. 2. Fließgleichgewicht als Voraussetzung
  3. 3. Geschwindigkeit, Michaeliskonstante und Wechselzahl
  4. 4. Vereinfachte Herleitung
  5. 5. Sättigung und Auswertung der Kurve

Grundprinzip der Michaelis-Menten-Kinetik

Die Michaelis-Menten-Kinetik beschreibt vereinfachend, wie Enzyme Reaktionen beschleunigen: Ein freies Enzym E bindet sein Substrat S zunächst reversibel. Es entsteht der Enzym-Substrat-Komplex ES. In diesem gebundenen Zustand wird das Substrat zum Produkt P umgewandelt; anschließend liegt das Enzym wieder frei vor.

Der ausführlichere Reaktionsweg lautet: E + S ⇌ ES ⇌ EP ⇌ P + E. Die Geschwindigkeitskonstanten k₁ und k′₁ beschreiben die Zusammenlagerung von E und S beziehungsweise den Zerfall von ES. k₂ und k′₂ stehen für Produktbildung beziehungsweise Rückreaktion zum Substrat. k₃ und k′₃ beschreiben die Dissoziation und Assoziation eines Enzym-Produkt-Komplexes.

Unter Bedingungen der Enzymkinetik ist die Produktkonzentration [P] klein; die Rückreaktion vom Produkt wird daher vernachlässigt. Meist ist außerdem k′₂ viel kleiner als k₃. Das Schema wird dann zu: E + S ⇌ ES → P + E. Das System kann durch gewöhnliche Differentialgleichungen beschrieben werden. Unter [E] >> [S] oder [S] >> [E] ist es näherungsweise analytisch lösbar, sonst numerisch.

Fließgleichgewicht als Voraussetzung

Die Michaelis-Menten-Kinetik gilt unter der Annahme eines Fließgleichgewichts („steady state“). Enzyme können schwankende Substratkonzentrationen sehr schnell ausgleichen, indem sie ihre Tätigkeit dem Angebot anpassen.

Im Fließgleichgewicht bleibt die Konzentration des Enzym-Substrat-Komplexes [ES] auf der langsameren Zeitskala der Produktbildung konstant. Mathematisch gilt: d[ES]/dt = 0. Die Annahme des Fließgleichgewichts mit konstantem [ES] wurde von G. E. Briggs und John Burdon Sanderson Haldane entwickelt.

Geschwindigkeit, Michaeliskonstante und Wechselzahl

Die initiale Reaktionsgeschwindigkeit v₀ bei einer Substratkonzentration [S] wird durch die Michaelis-Menten-Gleichung beschrieben:

v₀ = (vmax · [S])/(Km + [S])

vmax ist die maximale Reaktionsgeschwindigkeit. Km, die Michaeliskonstante, ist eine Kenngröße der jeweiligen enzymatischen Reaktion. Sie gibt die Substratkonzentration an, bei der die Umsatzgeschwindigkeit halbmaximal ist: v = ½ · vmax. Dieser Zustand heißt Halbsättigung.

In der Briggs-Haldane-Situation gilt, wenn k₂ gegenüber k₁ nicht vernachlässigt werden kann: Km = (k′₁ + k₂)/k₁. Im Spezialfall der Michaelis-Menten-Situation mit k₂ << k′₁ vereinfacht sich dies zu Km = k′₁/k₁. Dann entspricht Km der Dissoziationskonstante des Enzym-Substrat-Komplexes und kann als Maß für die Affinität des Enzyms zum Substrat betrachtet werden.

Die Wechselzahl kcat, auch molekulare Aktivität oder „turnover number“, fasst die Geschwindigkeit aller Schritte vom Enzym-Substrat-Komplex zu freiem Enzym und Produkt zusammen. Bei nur einem chemischen Schritt zur Produktbildung entspricht kcat dem Wert k₂. Es gilt: v = d[P]/dt = kcat[ES] sowie kcat = vmax/([E] + [ES]).

Vereinfachte Herleitung

Die Gleichung kann aus dem Massenwirkungsgesetz und dem Fließgleichgewicht hergeleitet werden. Dabei werden verwendet:

  • Km = [E][S]/[ES]
  • [E] = [E]₀ − [ES], wobei [E]₀ die als konstant angenommene Gesamtkonzentration des Enzyms mit oder ohne gebundenes Substrat ist.
  • vmax/v = [E]₀/[ES]

Setzt man diese Beziehungen in die Formel für Km ein und formt um, erhält man: v = (vmax · [S])/(Km + [S]). Die Herleitung benötigt weder die Lösung von Differentialgleichungen noch die ausdrückliche Betrachtung aller Geschwindigkeitskonstanten ki und k′i.

Sie macht auch deutlich: Bei gegebenem Zähler [E][S] bedeutet ein größerer Nenner [ES] einen kleineren Km-Wert. Deshalb steht ein kleiner Km-Wert für eine hohe Affinität des Enzyms zum Substrat. Zudem hat Km die Dimension einer Konzentration.

Sättigung und Auswertung der Kurve

Anders als bei unkatalysierten Reaktionen kann die Umsatzgeschwindigkeit enzymatischer Reaktionen bei sehr hoher Substratkonzentration nicht unbegrenzt steigen. Sie nähert sich dem Maximalwert vmax an; das Enzym ist gesättigt. Die Beziehung v = (vmax · [S])/(Km + [S]) ist die Gleichung einer Hyperbel. Ihre waagerechte Asymptote hat den Wert vmax.

Bei [S] = Km gilt v = ½vmax. Dann liegt die Hälfte des insgesamt vorhandenen Enzyms als ES und die andere Hälfte frei vor: [ES] = [E] = ½[E]₀.

Allgemein gilt bei [S] = a · Km mit 0 < a: v beträgt den Anteil a/(a + 1) von vmax; [ES] beträgt ebenfalls a/(a + 1) von [E]₀, während freies Enzym [E] den Anteil 1/(a + 1) von [E]₀ ausmacht. Da die Sättigung asymptotisch erreicht wird, sind dafür Substratkonzentrationen von mehr als dem zehnfachen Km-Wert erforderlich. Aus einer gemessenen Sättigungshyperbel lassen sich vmax als Aktivität und Km als reziproke Affinität ableiten.

Inhibitoren hemmen enzymatische Reaktionen, Aktivatoren erhöhen die Enzymaktivität. Kompetitive Inhibitoren erhöhen Km, ohne vmax zu verändern. Unkompetitive Inhibitoren binden spezifisch an ES und senken vmax sowie den scheinbaren Km-Wert. Inhibitoren vom Mischtyp erhöhen Km und verringern vmax. Nichtkompetitive Inhibitoren sind ein Sonderfall: Sie senken nur vmax, während Km unverändert bleibt; bei Einsubstrat-Enzymen kommt dieser Typus nicht vor.

Lernvideos zu Michaelis-Menten-Theorie

Weiterlesen

Enzymkinetik Die Enzymkinetik ist ein Teilgebiet der biophysikalischen Chemie. Sie beschreibt, wie schnell enzymkatalysierte chemische Reaktionen verlaufen. Reaktionsmechanismus In der organischen Chemie können die meisten Schritte eines Reaktionsmechanismus bekannten Elementarreaktionen zugeordnet werden. In der Kernphysik sind die … Enzym Ein Enzym, auch Ferment genannt, ist ein Stoff, der aus biologischen Großmolekülen besteht und als Katalysator bestimmte chemische Reaktionen beschleunigen … Substrat (Biochemie) Durch eine Verfärbung oder durch Fluoreszenz kann eine Enzymaktivität detektiert werden. Mittels der Intensität der Färbung oder Fluoreszenz kann die … Massenwirkungsgesetz Das Massenwirkungsgesetz (Abkürzung „MWG“) definiert das chemische Gleichgewicht für chemische Reaktionen. Dem Massenwirkungsgesetz zufolge ist im … Kinetik (Chemie) Die Kinetik ist ein Teilbereich der physikalischen Chemie, der unterteilt wird in: die Makrokinetik; sie betrachtet den Einfluss makroskopischer Wärme- und … Konzentration (Chemie) Die Konzentration ist nach DIN 1310 eine Gehaltsangabe, die auf das Volumen des Gemisches bezogen ist. Die Konzentration gibt also an, wie viel von einem … Geschwindigkeitskonstante Nach der Theorie des Übergangszustandes hängt die Geschwindigkeitskonstante einer Elementarreaktion von deren freier Aktivierungsenthalpie ab, also der freien … Dissoziationskonstante Die Dissoziationskonstante K d ist in der Chemie ein Maß dafür, wo sich in einer Dissoziationsreaktion ein Gleichgewicht einstellt. Hyperbel (Mathematik) In der ebenen Geometrie versteht man unter einer Hyperbel eine Kurve, die aus zwei zueinander symmetrischen, sich ins Unendliche erstreckenden Ästen besteht … Asymptote Eine Asymptote (altgr. ἀσύμπτωτος asýmptōtos „nicht übereinstimmend“, von altgr. πίπτω pípto „ich falle“) ist in der Mathematik eine Kurve, häufig eine …