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Michael Zürn (Politikwissenschaftler)
Michael Zürn (* 14. Februar 1959 in Eßlingen am Neckar) ist ein deutscher Politikwissenschaftler. Er ist seit 2004 Direktor der Abteilung „Global Governance …
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Person und akademische Laufbahn
Michael Zürn (* 14. Februar 1959 in Eßlingen am Neckar) ist ein deutscher Politikwissenschaftler. Seit 2004 leitet er die Abteilung „Global Governance“ am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und ist Professor für Internationale Beziehungen an der Freien Universität Berlin. Bis 2024 war er Sprecher des DFG-Exzellenzclusters Contestations of the Liberal Script.
Er erwarb 1984 einen Master in Internationalen Beziehungen an der University of Denver, legte 1987 in Tübingen das erste Staatsexamen in Politikwissenschaft und Germanistik ab und wurde 1991 an der Universität Tübingen promoviert. Seine Dissertation behandelte Spieltheorie, Funktionalismus und Internationale Politik; betreut wurde sie von Volker Rittberger.
Nach Tätigkeiten in Tübingen und Denver war Zürn seit 1993 Professor an der Universität Bremen. Dort leitete er unter anderem von 1995 bis 2004 das Institut für Interkulturelle und Internationale Studien. 2004 wechselte er nach Berlin. Parallel war er von 2004 bis 2009 Gründungsdirektor und Dekan der Hertie School of Governance. Er war außerdem an der Berlin Graduate School for Transnational Studies beteiligt und von 2015 bis 2018 deren Direktor.
Zürn gehört seit 2007 der Sozialwissenschaftlichen Klasse der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften an und ist seit 2013 deren Vorstandsmitglied. 2014 wurde er in die Academia Europaea gewählt. 2021 erhielt er den Berliner Wissenschaftspreis vom Regierenden Bürgermeister Berlins und war Fellow im Thomas Mann Haus in Los Angeles.
Forschung zu Weltpolitik und Global Governance
Zürns Forschung untersucht vor allem, wie internationale Politik jenseits einzelner Nationalstaaten geregelt wird. Seine Arbeiten reichen von der Regimetheorie zur Governanceanalyse. Ein internationales Regime bezeichnet dabei Regeln und Institutionen, die das Handeln von Staaten in einem bestimmten Bereich ordnen. Governance meint Formen des Regierens und der Steuerung, die nicht allein von einem Staat ausgehen.
Er entwickelte den akteursorientierten Institutionalismus für die Internationalen Beziehungen weiter. Dieser Ansatz erklärt politische Ergebnisse durch das Handeln von Akteuren innerhalb von Institutionen. Zürns situationsstruktureller Ansatz soll dabei eine Handlungstheorie liefern, die Anerkennungsverhältnisse und ideelle Grundlagen der Weltpolitik berücksichtigt. Seine Theorie der Global Governance führt diesen Forschungsstrang fort.
Ein zweiter Schwerpunkt ist die Verbindung normativer und empirischer Forschung. Normative Konzepte betreffen Fragen danach, was gerecht, legitim oder rechtmäßig sein soll; empirische Analyse untersucht beobachtbare politische Vorgänge. Zürn erforschte insbesondere die Bedeutung des demokratischen Prinzips und des Rule of Law in der Weltpolitik. Rule of Law bezeichnet die Bindung politischen Handelns an Recht und rechtsstaatliche Regeln. Damit trug er zum Feld der International Political Theory bei.
Weiter untersucht er Politisierung und Legitimationskonflikte in internationalen Organisationen sowie deren Rückwirkungen auf nationale Politik. Politisierung bedeutet, dass Themen öffentlich umstritten werden und politische Aufmerksamkeit erhalten. Seine neueren Arbeiten behandeln zudem den Konflikt zwischen Kosmopolitismus und Kommunitarismus: Im Mittelpunkt stehen Grenzen, Globalisierung und der zunehmende Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit.
Schließlich beschäftigt sich Zürn mit dem Verhältnis von Internationalen Beziehungen und Recht. Dabei fragt er, wodurch sich rechtlich verfasste Normen von anderen sozialen Normen unterscheiden und ob Rechtsnormen beziehungsweise das Rule of Law Legitimität erzeugen können.
Publikationen und zentrale Themen
Zürn veröffentlichte nach dem Artikel über 300 Arbeiten in wichtigen Fachzeitschriften, darunter World Politics, International Organization, International Theory, European Journal of International Relations, Politische Vierteljahresschrift und Leviathan. Viele Arbeiten entstanden in Ko-Autorenschaft. Eine Analyse deutscher politikwissenschaftlicher Publikationen bezeichnet ihn als „the center of the German political science universe“.
Wichtige Bücher verdeutlichen seine Forschungsthemen: Interessen und Institutionen in der internationalen Politik. Grundlegung und Anwendungen des situationsstrukturellen Ansatzes (1992) behandelt seinen theoretischen Ansatz. Regieren jenseits des Nationalstaates. Globalisierung und Denationalisierung als Chance (1998) und Verrechtlichung – Baustein für Global Governance? (mit Bernhard Zangl, 2004) befassen sich mit politischer Steuerung über den Nationalstaat hinaus. A Theory of Global Governance. Authority, Legitimacy, and Contestation (2018) verbindet Autorität, Legitimität und politische Anfechtung in der globalen Ordnung.
Zu weiteren zentralen Themen gehören Grenzen, Kosmopolitismus und Kommunitarismus in The Struggle Over Borders, Cosmopolitanism and Communitarianism (mit Pieter de Wilde, Wolfgang Merkel, Ruud Koopmans und Oliver Strijbis, 2019) sowie autoritärer Populismus und demokratische Regression in Die demokratische Regression. Die politischen Ursachen des autoritären Populismus (mit Armin Schäfer, 2021). Die englische Ausgabe The Democratic Regression erschien 2023.
Die neueren Publikationen behandeln unter anderem globale Governance, Formen internationaler Hierarchie, Krisen des liberalen Skripts, Populismus, Autoritarismus, Wahrheit in der Demokratie und die Folgen globalen Populismus für internationale Beziehungen.