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Mediendidaktik
Mediendidaktik beschäftigt sich mit der Verwendung und der Gestaltung von technischen Medien für Lehr- und Lernsituationen. Handlungs- und Forschungsfelder sind …
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Aufgabe und Gegenstandsbereich
Mediendidaktik ist eine Teildisziplin der Pädagogik beziehungsweise Erziehungswissenschaft. Sie verbindet Aspekte der Medienpädagogik und der Didaktik und untersucht, wie technische Medien für Lehr- und Lernsituationen verwendet und gestaltet werden können. Ihr Anwendungsbereich reicht von Schule und Hochschule bis zu non-formalen und informellen Lernkontexten, etwa der Erwachsenen- und Weiterbildung.
Im weiten Verständnis umfasst Mediendidaktik die didaktisch sinnvolle Gestaltung von Lehr- und Lernsituationen mit Medien. Medien entfalten ihre didaktischen Möglichkeiten und Wirkungen jedoch nicht unabhängig von ihrem Einsatz. Entscheidend ist vielmehr das Zusammenspiel von Medium, didaktischem Konzept und den jeweiligen Bedingungen der Lehr- und Lernsituation. Deshalb ist nicht grundsätzlich ein bestimmtes Medium wirksam, sondern seine Einbindung in ein passendes Lernarrangement.
Je nach Perspektive stehen unterschiedliche Fragen im Mittelpunkt:
- Die Unterrichtsforschung untersucht häufig, wie mediengestützte Lehr- und Lernsituationen fachliche Lernprozesse beeinflussen.
- Frühere, technikzentrierte Untersuchungen fragten vor allem nach der Lernwirksamkeit digitaler Medien. Heute wird stärker untersucht, welche methodischen Arrangements mit Medien wirksam sind und unter welchen Bedingungen Lernen stattfindet.
- Aus lerntheoretischer Sicht wird die Wirkmächtigkeit mediendidaktischer Entscheidungen betrachtet. Das Prinzip der kritisch-emanzipativen Prüfung dient dabei als Gegenentwurf zu einer einseitigen Ausrichtung auf empirische Ergebnisse.
- Die psychologische Perspektive fragt bei multimedialen Lerngegenständen, wie unterschiedliche Codierungsformen und Sinnesmodalitäten kombiniert werden können, um Lernprozesse zu unterstützen.
- Die gestaltungsorientierte Perspektive untersucht, wie Lehr- und Lernangebote konzipiert werden und wie Medien zur Bearbeitung von Bildungsproblemen beitragen können.
Mediendidaktik ist von verwandten Bereichen abzugrenzen. Medienerziehung vermittelt einen kompetenten Umgang mit technischen Medien, gegenwärtig besonders mit dem Internet. Informationstechnische Bildung konzentriert sich auf den praktischen Gebrauch von Hardware und Software. Mediendidaktische Konzepte müssen allerdings zunehmend berücksichtigen, welche Medienkompetenz Lernende bereits besitzen und welche Voraussetzungen sie für das Lernen mit Medien benötigen.
Gerhard Tulodziecki definiert Mediendidaktik als das Teilgebiet von Medienpädagogik und Didaktik, das alle potenziell handlungsanleitenden Sätze zur Verwendung und Gestaltung medialer Lernumgebungen beziehungsweise von Medien für das Lernen und Lehren sowie deren Reflexion umfasst. Dabei werden empirische Forschungsergebnisse, normative Vorstellungen sowie medienkundliche, medientheoretische, lern-, lehr- und bildungstheoretische Grundlagen einbezogen.
Entstehung und historische Grundlagen
Überlegungen zum sinnvollen Einsatz von Unterrichtsmedien gibt es, seit Medien im Unterricht verwendet werden. Bereits Comenius beschäftigte sich in Orbis sensualium pictus (1653/1658) mit der Frage, welche Hilfsmittel geeignet sind, um Lerninhalte Kindern und Jugendlichen zu vermitteln.
Eine wissenschaftlich und systematisch-theoretisch fundierte Mediendidaktik entstand jedoch erst in den 1960er Jahren. Paul Heimann stellte unter dem Eindruck der zunehmenden Bedeutung elektronischer Massenmedien die Medienwahl ausdrücklich als didaktische Entscheidung heraus. Sie sollte ebenso sorgfältig bedacht werden wie Entscheidungen über Lernziele, Inhalte und Methoden.
Heimann ging davon aus, dass Medium, Ziel, Inhalt und Methode eng miteinander verknüpft sind. Diese Interdependenzthese wurde zu einer Grundlage des für den deutschsprachigen Raum besonders einflussreichen Berliner Modells. Medienwahl ist danach kein nachträglicher Zusatz zum Unterricht, sondern steht in Beziehung zu den übrigen didaktischen Entscheidungen.
In den frühen 1970er Jahren verwendeten einige Erziehungswissenschaftler, darunter Dieter Baacke, den Ausdruck Mediendidaktik teilweise als allgemeine Bezeichnung für Medienpädagogik. Dieser Sprachgebrauch wurde Mitte der 1970er Jahre wieder aufgegeben. Danach setzte sich Mediendidaktik zunehmend als Bezeichnung für den speziellen Bereich der Verwendung und Gestaltung von Medien in Lehr- und Lernprozessen durch.
Internationale Entwicklung
Außerhalb des deutschsprachigen Raumes wurde die Annahme einer engen Abhängigkeit zwischen Medienwahl und anderen didaktischen Entscheidungen teilweise bestritten. Richard E. Clark, ein Vertreter des Instruktionsdesigns an der USC Rossier School of Education, vertrat die Ansicht, dass zwischen Medienwahl und den übrigen Entscheidungsfeldern keine notwendige Abhängigkeit bestehe. Nach seiner Auffassung könne bei genauer Analyse jeder Inhalt, jedes Ziel und jede Methode mit jedem Medium vermittelt werden.
Robert B. Kozma widersprach dieser Position in einer später bekannten Debatte. Er betonte, dass zwischen der Medienwahl und didaktischen Kontextvariablen ein enger Zusammenhang bestehe. Damit standen sich zwei Grundpositionen gegenüber: Clark sah Medien eher als austauschbare Übertragungsmittel, während Kozma die Bedeutung ihrer Eigenschaften und ihres didaktischen Zusammenhangs hervorhob.
In den USA entstanden Ende der 1960er und in den 1970er Jahren Medientaxonomien. Das sind Ordnungsschemata, die Medien nach bestimmten Kriterien klassifizieren. Sie sollten Lehrkräften helfen, für einen bestimmten Unterrichtszweck ein geeignetes Medium auszuwählen. Einige Taxonomien beruhten auf Edgar Dales 1946 entwickeltem „Erfahrungskegel“. Eine weitere einflussreiche Taxonomie führte Robert Gagné 1969 ein. Gagné war in den 1960er Jahren maßgeblich an der Entwicklung des Instruktionsdesigns beteiligt.
Im englischsprachigen Raum werden mediendidaktische Ansätze heute insbesondere unter dem Begriff Educational Technology behandelt.
Schülerzentrierte und konstruktivistische Ansätze
Im deutschsprachigen Raum entstand gegen Ende der 1960er Jahre eine schülerzentrierte Mediendidaktik. Sie bildete eine Gegenbewegung zum damals vorherrschenden lehrerzentrierten Unterrichtsverständnis und wird gelegentlich auch als handlungs- und teilnehmerbezogene Mediendidaktik bezeichnet.
Die Medien sollten nicht mehr ausschließlich vom Lehrer eingesetzt werden. Auch die Schüler sollten sie aktiv als Lernmittel nutzen und möglichst selbst Lernmedien beziehungsweise eigene Lernmittel erschaffen. Damit verlagerte sich der Schwerpunkt von der bloßen Aufnahme medial vermittelter Informationen auf eigenes Handeln, Erproben und Gestalten.
Anfang der 1990er Jahre entwickelte sich eine konstruktivistische Mediendidaktik. Sie ging ebenfalls von den Lernenden aus, stützte sich aber theoretisch auf die konstruktivistische Lernpsychologie, die von Jean Piaget begründet wurde. Ihr Hauptvertreter Kersten Reich verstand Lernen nicht als bloßes Sammeln und Speichern von Informationen, sondern als aktive gedankliche Konstruktion.
Das Erschaffen eigener Lernmittel sollte diese Konstruktion anregen und unterstützen. Wie die schülerzentrierte Mediendidaktik stellte auch die konstruktivistische Didaktik kreative und aktive Prozesse über eine rein rezeptive Mediennutzung. Lernende sollen Medien demnach nicht nur wahrnehmen, sondern mit ihnen handeln, Bedeutungen entwickeln und eigene Lernprodukte hervorbringen.
Empirische Ansätze und Konzepte der Medienverwendung
Empirische Forschungsansätze helfen zu klären, welche Konzepte der Medienverwendung in Lehr-Lernprozessen unterschieden werden können und welche Überlegungen jeweils mit ihnen verbunden sind. Untersucht werden unter anderem allgemeine Medieneffekte, spezielle Medienmerkmale, interaktionsorientierte Fragestellungen und Evaluationen.
Diese Forschungsansätze stehen mit unterschiedlichen theoretischen Annahmen und Gestaltungsansätzen in Verbindung. Medientaxonomische Ansätze ordnen Medien nach ihren Eigenschaften und danach, für welche Lehraufgaben sie geeignet sein können. Lerntheoretische Ansätze beziehen sich auf unterschiedliche grundlegende Vorstellungen darüber, wie Lernen abläuft und wie Lehr-Lernprozesse gestaltet werden sollten.
Insgesamt werden fünf Konzepte der Medienverwendung unterschieden:
- Das Lehrmittelkonzept versteht Medien vor allem als Mittel, mit denen Lehrende Inhalte vermitteln.
- Das Arbeitsmittelkonzept rückt Medien als Werkzeuge für die Bearbeitung von Aufgaben und Lerninhalten in den Mittelpunkt.
- Das Bausteinkonzept fasst Medien beziehungsweise mediale Elemente als einzelne Bausteine eines umfassenderen Lehr-Lernangebots auf.
- Das Systemkonzept betrachtet Medien im Zusammenhang mit einem strukturierten didaktischen Gesamtsystem.
- Das Lernumgebungskonzept versteht Medien als Bestandteile einer Lernumgebung, in der Lernende aktiv und möglichst selbstständig arbeiten können.
Die fünf Konzepte verdeutlichen, dass Medien nicht nur als technische Geräte betrachtet werden. Ihre Bedeutung hängt davon ab, welche Funktion sie im Lernprozess übernehmen und wie sie in ein didaktisches Arrangement eingebunden sind.
Forschung und Lehre
Mediendidaktik wird an Hochschulen sowohl erforscht als auch gelehrt. Die Themen reichen vom Einsatz digitaler Medien in Schulen und Hochschulen bis zur Erwachsenen- und Weiterbildung, zur digitalen Transformation, zur Higher Education und zur Medienkompetenz in einer digital geprägten Welt.
Beispiele für entsprechende Einrichtungen und Angebote sind:
- An der TU Braunschweig befasst sich das Projekt teach4TU unter anderem mit mediendidaktischen Fragen.
- Das Learning Lab der Universität Duisburg-Essen untersucht den Einsatz digitaler Medien in Schule, Hochschule sowie Erwachsenen- und Weiterbildung.
- Die Universität Erlangen-Nürnberg bietet den Weiterbildungsstudiengang Multimedia-Didaktik an.
- An der Fernuniversität in Hagen ist Mediendidaktik mit Bildungstheorie und Medienpädagogik verbunden.
- Die Universität Hamburg forscht auf einer Professur mit Schwerpunkt Mediendidaktik zur digitalen Transformation und zur Higher Education.
- An der Universität Paderborn besteht das LearnLab Medienpädagogik.
- Die Universität Zürich verfügt über einen Lehrstuhl für Allgemeine Didaktik und Mediendidaktik.
- An der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich gibt es ein Learning Lab zu Mediendidaktik sowie ein Learning Lab zur informatischen Bildung.
- An der Universität Vechta unterstützt ein Medienkompetenzzentrum mit integriertem LearningLab die Bildung in einer digital geprägten Welt.
Damit ist Mediendidaktik sowohl ein Forschungsfeld zur Wirkung und Gestaltung von Medien in Lernprozessen als auch ein Studien- und Praxisbereich für die Entwicklung von Lehr- und Lernangeboten.