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Marsch (Musik)
Ein Marsch ist ein Musikstück, das durch gleichmäßige metrische Akzente in meist geradem (zweiteiligem) Takt das Gehen oder Marschieren im Gleichschritt …
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Grundidee und musikalische Merkmale
Ein Marsch ist ein Musikstück, das durch gleichmäßige metrische Akzente das Gehen oder Marschieren im Gleichschritt erleichtern soll. Er steht meistens in einem geraden, also zweiteiligen Takt. Deshalb wurde der Marsch besonders wichtig in der Militärmusik. Marschmusik ist die entsprechende Musikgattung. Sie ist mit Schreittänzen wie Intrada, Pavane und Polonaise verwandt.
Typisch ist ein festes, deutlich betontes Schreiten. Die Musik unterstützt dabei einen gemeinsamen Bewegungsrhythmus. Schon in der Antike wurde Musik für Aufzüge und für militärisches Vorrücken verwendet. Thukydides berichtet, dass die Spartaner in der Schlacht von Mantineia unter dem Spiel vieler Auleten vorrückten, damit die Krieger „gleichmäßig und im Takt marschierten“. Auleten waren Spieler des Aulos, eines antiken Blasinstruments.
Entwicklung
Festliche Aufzüge wurden bereits im Altertum mit Musik begleitet. In der griechischen Tragödie erhielt der Marsch eine künstlerische Form, wenn der Chor in gemessener Bewegung auftrat und abtrat, allerdings singend und nicht mit Instrumentalbegleitung.
Der moderne Militärmarsch wird manchmal fälschlich auf den Dreißigjährigen Krieg zurückgeführt. Vorformen gab es früher: Trommeln, Pauken, Trompeten und Schweizerpfeifen waren schon zu Beginn des 16. Jahrhunderts im Gebrauch, etwa wenn ein Fürst in eine Stadt einritt oder ins Feld zog. Auch spätmittelalterliche Prozessionsgesänge sowie Kreuzfahrer- und Landsknechtslieder gelten als Vorläufer des modernen Marsches.
Eine indirekte Quelle für militärische Marschpraktiken der Renaissance ist William Byrds Werk The Battle für Virginal oder Cembalo aus My Ladye Nevells Booke von 1591. Es enthält mehrere Stücke, die ausdrücklich als „marche“ bezeichnet sind, darunter Märsche im 3/2-Takt und ein Irish marche im 12/4-Takt. Andere Sätze ahmen typische Besetzungen militärischer Marschmusik nach, etwa Dudelsack, Flöte und Trommel.
Form und Aufbau
Marschmusik steht überwiegend in geradem Takt. Eine Sonderform bilden Märsche mit punktierten Rhythmen, zum Beispiel Märsche der Französischen Revolution wie die Marseillaise. Punktierte Rhythmen sind Rhythmen, bei denen eine Note durch einen Punkt verlängert wird und dadurch ein markanter, oft spannungsvoller Bewegungsimpuls entsteht. Ballettsätze können auch in dreiteiligen Taktarten stehen.
Die Form des Marsches entwickelte sich aus älteren Tanzformen. In der Kunstmusik erscheint sie zuerst in Opern, etwa bei Jean-Baptiste Lully, und später als Klavierstück, etwa bei François Couperin. Dabei bestanden Märsche aus zwei Reprisen, also wiederholten Abschnitten, von jeweils 8 bis 16 Takten.
Auch der heutige Marsch besteht in der Regel aus zwei Teilen von je 8 bis 16 Takten in Liedform. Der zweite Teil kann länger sein. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts wird häufig ein Trio als Mittelteil ergänzt. Ein Trio ist hier ein meist melodischer Mittelabschnitt, der gewöhnlich in der Subdominante steht. Die Subdominante ist die vierte Stufe einer Tonart und bildet einen wichtigen harmonischen Gegenpol zur Grundtonart. Vor die Form kann außerdem ein Generalauftakt von 4 bis 16 Takten gesetzt werden.
Marsch in Kunstmusik und Kirche
Seit dem 17. Jahrhundert ist der Marsch als Musikstück in Liedform belegt. Er besteht aus zwei kurzen Phrasen, die wiederholt und einander gegenübergestellt werden. Im 18. Jahrhundert wurde diese Form durch ein melodisches Trio erweitert. Deutsche Märsche stehen durchweg im geraden Takt, während viele ältere französische Märsche auch ungerade Taktarten verwenden. Lully komponierte etwa Ballettmärsche im ungeraden Takt.
In der Oper des 17. und 18. Jahrhunderts diente der Marsch nicht nur militärischen oder kriegerischen Szenen. Er konnte auch Aufzüge anderer Gruppen darstellen, zum Beispiel von Priestern und Priesterinnen, Schäfern, Matrosen oder exotisch dargestellten Volksgruppen wie Persern. Charakter, Tempo und Instrumentierung wurden dem jeweiligen Sinn angepasst. Rameaus Marche des Prêtresses de Diane aus Hippolyte et Aricie von 1733 ist etwa ein sanftes Stück mit Traversflöten und Streichern. Märsche konnten auch komisch oder parodistisch eingesetzt werden, etwa Lullys Marche pour la cérémonie des Turcs für Molières Der Bürger als Edelmann von 1670.
Bedeutende Komponisten wie Johann Sebastian Bach, Joseph Haydn, Mozart und Beethoven verwendeten Märsche. Mozart schrieb zahlreiche Orchestermärsche für Serenaden und Divertimenti, darunter KV 214, 215, 248, 335 und 445. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert blühte der Marsch besonders im Zusammenhang mit Nationalismus, Militarismus und Revolutionen auf. Beispiele sind Opernmärsche von Gioachino Rossini, der Radetzky-Marsch von Johann Strauss Vater und zahlreiche Märsche von Johann Strauss Sohn.
Im 19. Jahrhundert gelangten marschartige Elemente auch in die kirchliche Musik, besonders in Italien und Frankreich. Es entstanden Märsche für Orgel, oft für feierliche Prozessionen sowie den Einzug und Auszug des Priesters. Stücke mit Titeln wie Entrée oder Sortie können deshalb marschähnlichen Charakter haben. Besonders charakteristisch ist der Trauermarsch, lateinisch Marcia funebre. Daneben gibt es Festmärsche, Huldigungsmärsche, kirchliche Märsche und Lieder in Marschform.
Militärische Formen und Instrumente
Der deutsche Militärmarsch entwickelte sich besonders in der Zeit Friedrichs II. und der Befreiungskriege. Es entstanden verschiedene Formen, darunter Parademärsche, auch Pas ordinaires genannt, Präsentiermärsche, Geschwindmärsche, auch Pas redoublés oder Quick march genannt, Sturmmärsche, auch Pas de charge genannt, sowie Reiter- und Regimentsmärsche.
In Preußen gab es das „Kleine Spiel“, das auf die Trommler- und Pfeiffermusik der Landsknechtfähnlein zurückgeht. Es umfasste Querflöte und Triangel. Mit der Einführung des reglementierten Gleichschritts im 17. Jahrhundert kamen weitere Instrumente hinzu: Holzblasinstrumente, Blechblasinstrumente, Schlagzeug und Schellenbaum. Diese größere Besetzung wurde als „Großes Spiel“ bezeichnet.
Bei Marschmusik werden neben den üblichen Instrumenten der Blasmusik besonders solche eingesetzt, deren Schalltrichter beim Spielen eher nach vorne gerichtet ist. Dazu gehören sogenannte Substitutionsinstrumente, also Ersatzinstrumente, die in voll-symphonischen Orchestern selten oder nie verwendet werden. Meist handelt es sich um Blechblasinstrumente. Beispiele sind das Mellophon statt des Waldhorns sowie Helikon und Sousaphon statt der Tuba. Im englischen Sprachraum werden solche Instrumente oft als „marching brass“-Version bezeichnet.
Preußische und französische Militärmärsche wurden im Rheinland auch parodistisch weiterverarbeitet, etwa in Karnevalsmärschen. Militärmarsch und Konzertmarsch, besonders Jubel- und Triumphmarsch, lassen sich nicht streng voneinander trennen.
Typische Beispiele
Der Artikel nennt viele Beispiele aus Kunstmusik und militärischer Marschmusik. Zu den Priestermärschen gehören Rameaus Marche des Prêtresses de Diane aus Hippolyte et Aricie, Glucks Alceste, Mozarts Die Zauberflöte und Wagners Parsifal. Bekannte Trauermärsche finden sich bei Lully, Purcell, Händel, Beethoven, Chopin, Verdi, Wagner, Gounod und Mahler. Hochzeitsmärsche werden unter anderem mit Jeremiah Clarkes The Prince of Denmark’s March, Mendelssohns Sommernachtstraum und Wagners Lohengrin verbunden.
Als exotisch gefärbte Märsche nennt der Artikel unter anderem Lullys Marche pour la Cérémonie des Turcs, Mozarts „Türkischen Marsch“ aus der Klaviersonate Nr. 11 A-Dur KV 331 und den „Janitscharenmarsch“ aus Die Entführung aus dem Serail KV 384 sowie Johann Strauss Sohns Persischen Marsch op. 289, Egyptischen Marsch op. 335 und Russischen Marsch op. 426.
Bei der militärischen Marschmusik werden Beispiele aus vielen Ländern genannt. Für Deutschland erscheinen unter anderem Beethovens Yorckscher Marsch, der Badonviller-Marsch von Georg Fürst, Preußens Gloria und Königgrätzer Marsch von Gottfried Piefke, Alte Kameraden von Carl Teike und der Marsch der Bundeswehr. Aus Österreich-Ungarn werden etwa der Radetzkymarsch, der Deutschmeister-Regimentsmarsch, Unter dem Doppeladler und Einzug der Gladiatoren genannt. Für die USA nennt der Artikel John Philip Sousas Stars and Stripes Forever, The Washington Post March, Sousa Medley und Hands Across the Sea.