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Māori-Musik
Die Musik der Maori in Neuseeland zeichnet sich durch mehrere Gesangsstile aus. Eine grobe Einteilung erfolgt nach gesungenen oder rezitierten Stilen.
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Grundzüge der Musik
Die Musik der Māori in Neuseeland ist vor allem durch Gesang geprägt. Eine grobe Einteilung unterscheidet gesungene Formen und rezitierte Formen. Kennzeichnend ist außerdem ein großer Reichtum an Synkopen, also rhythmischen Verschiebungen gegen den regelmäßigen Takt. Viele traditionelle Elemente wurden durch westliche Einflüsse verändert oder ersetzt; deshalb lassen sich nur begrenzt sichere Aussagen über besondere Merkmale der ursprünglichen Melodik machen.
Der Gesang gilt als wichtigstes Element. Die Klangfarbe wird als grell und scharf beschrieben. Frauen singen häufig im Falsett, einem hohen Gesangsregister, während Männerstimmen als etwas geschmeidiger gelten. Der Vortrag kann durch Gutturale, also Kehllaute, kurzes Ausatmen, Seufzen oder Schluchzen unterbrochen werden. Die Stimme wird dabei bewusst als musikalisches Mittel eingesetzt, unabhängig vom Wortsinn.
Zur Authentizität des traditionellen Singens gibt es unterschiedliche Einschätzungen. Victor Segalen meinte, der klassische Gesang sei „von allzu europäischen Elementen infiziert“ worden. Mervyn McLean und Margarett Orbell hielten dagegen traditionelle Māori-Gesänge noch heute für ebenso existent wie im 18. Jahrhundert, als die ersten europäischen Entdecker an Land gingen. Zugleich schrumpft das Liedgut: Immer weniger Lieder können von immer weniger Māori vorgetragen werden.
Instrumente und Klangmittel
Traditionelle Musikinstrumente dienen vor allem der Unterstützung des gesanglichen Vortrags. Es handelt sich überwiegend um Melodieinstrumente, besonders Flöten und Naturtrompeten. Ein besonderes Blasinstrument ist die pūtōrino, die wahlweise als Flöte oder Trompete angeblasen werden kann. Rhythmusinstrumente, vor allem hölzerne Idiophone, werden seltener verwendet. Idiophone sind Instrumente, deren eigener Körper den Klang erzeugt.
Die nguru ist eine Flöte aus Holzrohr oder Knochen. Sie ist 5 bis 20 cm lang, hat ein Anblasloch an einem Ende, ein kleineres Loch am anderen Ende und zwei bis vier Grifflöcher. Ihr Ton entsteht durch einen flachen Luftstrahl, der auf die Kante des Anblaslochs trifft. Wegen Material und Anblastechnik klingt sie warm, aber auch kratzig und rau. Die kōauau ist eine an beiden Enden offene Längsflöte aus Holz oder Knochen. Um Flöten gemeinsam auf einen Grundton zu stimmen, rollen die Māori ein Blatt zusammen, stecken es in die kürzeste Flöte und verschieben es, bis der gewünschte Ton erreicht ist.
Das Schneckenhorn pūtātara besteht aus einer spiralförmigen Meeresschnecke als Resonanzkörper. Das abgeschnittene Ende erhält ein Bambusrohr als Mundstück. Durch kräftiges Blasen entsteht ein rauer Signalton, sofern die Lippen ausreichend gespannt sind. Ursprünglich kündigte das pūtātara das Kommen eines Häuptlings an. Das pahu ist ein Schlagholz, vergleichbar mit einer Schlitztrommel. Es wird aus dem Totara-Baum gefertigt und besteht aus einem teilweise ausgehöhlten Baumstamm. Pahu und pūtātara hatten zunächst keine primär musikalische Funktion, sondern dienten der Kommunikation über weite Strecken; später wurden sie auch zum Musizieren genutzt.
Weitere Idiophone halten den Takt oder verzieren den Rhythmus. Dazu gehören tete, kleine Perlmuttplättchen, die wie Kastagnetten gegeneinandergeschlagen werden, sowie ofe, ein längs aufgeschlitztes Bambusrohr, das mit zwei Stöcken geschlagen wird. Auch Bambusstampfrohre kommen vor. Insgesamt spielen solche Instrumente eine geringe Rolle, weil die Māori Rhythmen bevorzugt mit dem Körper erzeugten, etwa durch Stampfen oder Klatschen.
Waiata und Pao
Zu den gesungenen Formen zählen waiata, pao, poi, oriori und karanga. Waiata bezeichnet nicht alle Lieder, sondern einen bestimmten Liedtyp. Grundsätzlich handelt es sich um Liebeslieder, die weiter unterschieden werden. Waiata tangi sind Klagelieder über Tod oder andere Unglücksfälle. Sie beginnen oft mit einem Naturzeichen wie Blitz und Donner, das Unheil ankündigt. Trauer wird häufig mit Regen oder dem Tosen des Meeres verbunden. Oft nennen die Texte Todesumstände; bei Krieg oder Hexenkraft können auch Rachepläne vorkommen. Wiederkehrend ist das Thema Einsamkeit.
Waiata tangi haben eine gesellschaftliche Funktion: Beim gemeinsamen Singen erfahren die Menschen, dass sie in ihrer Trauer nicht vom Rest der Gruppe isoliert sind. Sie vermitteln Zusammenhalt und Sicherheit. Unter den Māori sind sie am häufigsten und umfassen etwa die Hälfte des gesamten Liedgutes, auch weil sie bei Begräbnissen gesungen werden, die zu den wichtigsten sozialen Zeremonien zählen.
Weitere Formen sind waiata whaiaaipo und waiata aroha. Waiata whaiaaipo beschäftigen sich mit dem Innenleben einer Person und ihrer Beziehung zu einer anderen. Waiata aroha sind allgemeiner und können auch Liebe zum Land oder zur Natur behandeln. Waiata werden unisono, also einstimmig, von einer Gruppe gesungen. Ein Vorsänger beginnt und singt am Ende jeder Zeile kurze Soli, während die Gruppe Luft holt. Diese Soli verbinden die Zeilen und bestehen oft aus bedeutungslosen Silben, hianga, die als Verzierungen zur Schönheit des Liedes beitragen. Lange Soli werden vermieden, weil dabei das Atmen hörbar würde. Häufig wird gesungen, bis einem die Luft ausgeht, sogar mitten im Wort.
Pao sind im Vergleich zu waiata weniger ernste Lieder, eher Unterhaltungs- oder Themensongs. Pao whaiaaipo sind Liebeslieder mit offenen und direkten Texten. Pao poroporoaki dienen der Verabschiedung und werden oft am Abend vor einer Beerdigung gesungen. Pao whakautu reagieren auf Spott oder Sticheleien und können Beleidigungen enthalten. Pao werden oft improvisiert. Ihre kurzen Strophen bestehen meist aus zwei Zeilen: Der Vorsänger singt eine Strophe, der Chor wiederholt sie, und währenddessen denkt sich der Vorsänger die nächste aus. Pao besitzen im Vergleich zu anderen Stilen mehr Noten, ein größeres Notenspektrum und viele rhythmische Verzierungen; die melodische Bewegung ist meist abwärts gerichtet.
Poi, Oriori und Karanga
Poi werden heute meist zusammen mit dem Poi-Tanz gesungen; früher wurden die Texte rezitiert. Der Tanz wird mit Poi-Bällen ausgeführt, die an Schnüren befestigt sind und von den Interpretinnen um den Körper geschwungen werden. Er wird von Frauen getanzt und wurde ursprünglich bei Versammlungen verschiedener Stämme aufgeführt. Beim Poi gibt es keine Soli: Die Gruppe singt das Lied gemeinsam von Anfang bis Ende. Es gibt keine Pausen, Unterbrechungen oder hianga. Die Melodien sind einfach, oft mit höchstens drei verschiedenen Noten, die meist nicht weiter als eine große Sekunde auseinanderliegen. Diese Melodie wird ständig wiederholt. Die Poi-Bälle schlagen gegen das vorherrschende Metrum der Melodie und geben ein schnelles Tempo vor.
Oriori werden von Eltern und Großeltern für Kinder aus Häuptlings- oder Kriegerfamilien geschrieben, für Jungen wie für Mädchen. Sie sind nicht mit europäischen Wiegen- oder Schlafliedern gleichzusetzen, denn sie haben eine erzieherische Funktion. Sie sollen dem Kind Aufgaben und Pflichten vermitteln, die zu seinem Stand gehören. Deshalb enthalten die Texte viele Bezüge auf Mythen und Traditionen der Abstammungsgruppe. Kinder verstehen diese Inhalte oft erst später. Musikalisch sind oriori aber ähnlich einfach wie Kinderlieder: klare Melodieverläufe erleichtern das Einprägen. Die Rhythmen sind additiv und ähnlich schnell wie bei poi. Anders als bei waiata fehlen typische Verzierungen am Zeilenende. Gesungen wird ohne Pausen am Zeilenende; Soli können am Anfang oder Ende stehen und sind melodisch anspruchsvoller als der Rest.
Karanga stehen zwischen rezitiertem und gesungenem Vortrag. Es sind Rufe von Frauen zur Begrüßung von Besuchern, poowhiri, oder zur Verabschiedung, poroporoaki. Sie sind normalerweise kurz und haben keine feste musikalische Form. Am Ende steht eine Lautäußerung, die einem lauten Seufzen ähnelt. Karanga sind oft improvisiert. Wenn mehrere Frauen gleichzeitig rufen, überlappen sich die Stimmen, wodurch die Worte schwerer verständlich werden.
Rezitation und Haka
Zu den wichtigsten rezitativen Formen gehören karakia und tau, paatere und kaioraora sowie haka. Karakia sind schnell gesprochene Zaubersprüche und können bis zu knapp 400 Silben in der Minute umfassen. Musikalisch bestehen sie aus schnellen, monotonen Noten, die langgezogen werden und am Ende einer Phrase absteigen. Die Texte stammen häufig von verstorbenen Urahnen und Priestern und behandeln viele Themen. Viele karakia dienen der Kriegsführung: Sie sollen Gegner schwächen, eigene Krieger stärken, feindliche Waffen zerstören oder den Kampfgeist beeinflussen. Andere beziehen sich auf die Natur, etwa zur Beruhigung des Wellengangs oder zur Abwendung eines Sturms.
Karakia kommen in allen Altersstufen und Lebensbereichen vor, zum Beispiel bei Geburt, Krankheit, Heirat, Scheidung und Begräbnis. Anders als viele andere Māori-Gesänge werden sie nicht im Chor, sondern von einzelnen Personen rezitiert. Mehrere hundert beziehen sich auf Magie und das Abwenden von Bannkräften. Es gibt mindestens 130 verschiedene Termini für Formen der karakia. Da karakia als besonders heilig gelten, also viel tapu besitzen, werden sie ungern aufgenommen oder veröffentlicht; deshalb gibt es wenige publizierte authentische karakia.
Paatere und kaioraora sind schnelle, ausdrucksstarke Gesänge, meist als Reaktion auf Spott und Hohn. Gestik und Mimik werden improvisiert eingesetzt. Paatere ähneln pao whakautu, reagieren aber nicht direkt mit Beleidigungen. Stattdessen verweisen die Autorinnen auf ihre eigene Verwandtschaft und verstorbene Häuptlinge der Abstammungsgruppe, um die Vorwürfe als unglaubwürdig erscheinen zu lassen. Paatere werden grundsätzlich von Frauen geschrieben. Kaioraora werden ähnlich vorgetragen, sind aber aggressiver und direkter gegen den Spottenden gerichtet; sie können tödliche Rache androhen. Elemente aus kaioraora können in paatere einfließen, meist im letzten Teil.
Haka bezeichnet sowohl einen Tanzstil als auch die Lieder zu diesem Tanz. Heute denkt man dabei meist an Kriegstänze, ursprünglich gab es aber verschiedene Formen, auch zur Unterhaltung oder Begrüßung von Besuchern. Haka taparahi meint ein Lied ohne Waffen, peruperu eines mit Waffen. Haka können von Männern, Frauen oder gemeinsam rezitiert werden. Es gibt keine festen Regeln für Chor oder Solo: Manchmal trägt die Gruppe alles gemeinsam vor, manchmal beginnt ein Vorsänger allein, manchmal wechseln Solo und Chor. Zur rhythmischen Verstärkung stampfen die Ausführenden, schlagen sich auf die Oberarme oder klatschen. Körperbewegungen wie Augenverdrehen, Grimassen und heftige Gesten tragen zur oft furchteinflößenden Wirkung bei. Der Gesang wirkt wie Brüllen und Kreischen. Das Tempo ist niedriger als bei anderen rezitativen Stilen, aber höher als bei gesungenen Liedformen. Regelmäßiges Stampfen ist das wichtigste Element, kann aber durch weitere Muster synkopische Effekte erhalten.