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Gutturaler Laut

Umgangssprachlich werden vornehmlich besonders „kehlig“ klingende Laute als guttural bezeichnet, unabhängig von der genauen Artikulationsstelle. Als …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Verwendung
  2. 2. Unterschiedliche fachliche Definitionen
  3. 3. Beispiele aus dem Deutschen
  4. 4. Umgangssprache und gutturaler Gesang

Begriff und Verwendung

Ein Guttural oder Kehllaut ist eine traditionelle Bezeichnung für Sprachlaute, deren Bildungsort früher anatomisch ungenau in der „Kehle“ lokalisiert wurde. In der modernen Phonetik wird der Begriff wegen dieser Ungenauigkeit nicht mehr verwendet. In verschiedenen Philologien, also sprach- und literaturwissenschaftlichen Fachgebieten, ist er jedoch weiterhin gebräuchlich.

Welche Laute als guttural gelten, hängt vom jeweiligen Fachgebiet und von der verwendeten Definition ab. Im Hebräischen wurde die Bezeichnung ursprünglich auf uvulare, pharyngale und glottale Laute angewendet. Diese entstehen am Gaumenzäpfchen, im Rachen oder an der Stimmritze. In der Hebraistik ist „guttural“ daher eine Sammelbezeichnung für mehrere in der Kehle gebildete Lautgruppen und kein eindeutig festgelegter Artikulationsort.

In der Indologie, der Wissenschaft von den Sprachen und Kulturen Indiens, bezeichnete man dagegen Laute mit velarem Artikulationsort als guttural. Velare Laute werden am weichen Gaumen gebildet. Diese Verwendung folgt der Tradition der alten indischen Grammatiker, welche solche Laute als „कण्ठ्य“, auf Deutsch „Halslaute“ oder „Kehllaute“, bezeichneten. Im Devanagari-Alphabet stehen die entsprechenden Konsonanten am Anfang der nach Artikulationsorten geordneten Konsonantenreihe.

Unterschiedliche fachliche Definitionen

Die Angaben darüber, welche Artikulationsorte unter den Begriff „guttural“ fallen, schwanken deutlich. Ein Artikulationsort ist die Stelle im Mund- oder Rachenraum, an der ein Sprachlaut gebildet wird.

Hadumod Bußmann zählt postalveolare, palatale und velare Laute dazu sowie „bisweilen auch“ uvulare Laute. Postalveolare entstehen hinter dem Zahndamm, palatale am harten Gaumen, velare am weichen Gaumen und uvulare am Gaumenzäpfchen. Helmut Glück fasst den Bereich weiter und nennt Artikulationsorte von postpalatal bis glottal, also vom hinteren Gaumen bis zur Stimmritze. Otto von Essen definiert den Begriff 1979 als „postpalatal, velar, uvular“.

Diese Unterschiede zeigen, weshalb „guttural“ keine eindeutige phonetische Kategorie ist. Besonders bei palatalen Lauten widersprechen sich die Definitionen: Nach Bußmann können sie dazugehören, nach von Essen nicht. Auch Glücks Bereich beginnt erst postpalatal.

Beispiele aus dem Deutschen

Nach Otto von Essens Definition gehören im Deutschen folgende Laute zu den Gutturalen: [k], [g], der Ach-Laut [x], der uvulare Vibrant [R], der Knacklaut oder Kehlkopfverschlusslaut [ʔ] und [h]. Der uvulare Vibrant [R] ist eine am Gaumenzäpfchen gebildete Form des r-Lauts. Beim Knacklaut [ʔ] wird der Luftstrom an der Stimmritze kurz vollständig verschlossen.

Als Phoneme ausgedrückt sind /k/, /g/ und /h/ guttural. Ein Phonem ist die kleinste lautliche Einheit, die in einer Sprache Bedeutungen unterscheiden kann. Der Ach-Laut [x] ist dagegen ein Allophon: eine konkrete Aussprachevariante eines Phonems. Er gehört zusammen mit dem Ich-Laut zu einem gemeinsamen Phonem. Ebenso ist [R] ein Allophon, das gemeinsam mit anderen Aussprachevarianten das Phonem /R/ verwirklicht.

Ob der deutsche Ich-Laut als guttural gilt, hängt unmittelbar von der Definition ab. Nach Bußmanns Einteilung gehört er dazu, weil sie auch palatale Laute umfasst. Nach den Definitionen von Glück und von Essen ist er kein Guttural.

Umgangssprache und gutturaler Gesang

Umgangssprachlich nennt man vor allem Laute guttural, die besonders „kehlig“ klingen. Ihre genaue Artikulationsstelle ist dabei weniger wichtig. Das Oxford English Dictionary nennt den deutschen Ach-Laut als Beispiel.

Die Phoneme /g/ und /k/ werden zwar nahezu an derselben Stelle wie manche als guttural wahrgenommenen Laute gebildet, wirken wegen des fehlenden Reibegeräuschs jedoch gewöhnlich nicht „guttural“. Auch im Hebräischen zählen /g/ und /k/ nicht zu den Gutturalen. Deshalb unterliegen sie dort nicht den für Gutturale geltenden Lautgesetzen, beispielsweise der Verdunklung von Vokalen im Umfeld eines Gutturals.

Die umgangssprachliche Bedeutung „kehlig klingend“ bestimmt außerdem den Ausdruck „gutturaler Gesang“. Diese Gesangsweise wird insbesondere von Metal-Bands eingesetzt.

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