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Longevity
Der Begriff „Longevity“ hat seinen Ursprung im lateinischen Begriff „longaevitas“ und bedeutet „Ewigkeit, unvergängliche Zeit oder lange Dauer“.
Inhalt5 Abschnitte
Bedeutung und biologischer Alterungsprozess
Longevity bedeutet Langlebigkeit. Gemeint sind Erkenntnisse und Empfehlungen, die menschliche Lebenszeit zu verlängern, den Alterungsprozess zu verlangsamen, altersbedingte Beschwerden zu vermeiden und die Lebensqualität bis ins hohe Alter zu erhalten oder zu verbessern. Dabei sollen sowohl die Anzahl als auch die Qualität der Lebensjahre steigen. Häufig wird Longevity weiter gefasst und mit der Verbesserung und Erhaltung von Gesundheit und Vitalität verbunden. Ein wichtiges Ziel ist die Gesundheitsspanne (englisch: healthspan), also die möglichst lange Zeit eines gesunden und vitalen Lebens.
Der Alterungsprozess ist ein hochkomplexer und vielfach noch ungeklärter Vorgang. Beim gesunden Menschen wird er durch zelluläre und molekulare Mechanismen bestimmt, die von genetischen und biologischen Voraussetzungen abhängen. Der Einfluss der Gene wird auf etwa 10–30 Prozent geschätzt. Lebensstil und äußere Einflüsse spielen dem Artikel zufolge eine deutlich größere Rolle.
Zu den bekannten Mechanismen gehören DNA-Schädigungen und Mutationen (genomische Instabilität), der Verschleiß der Telomere als Schutzkappen der Chromosomen, Veränderungen des Epigenoms und die Anhäufung geschädigter oder nicht funktionsfähiger Proteine (Verlust der Proteostase). Außerdem können die Autophagie, also der Abbau nicht benötigter oder kranker Zellbestandteile, die Nährstoffsensorik, die mitochondrialen Stoffwechselvorgänge und die Zellteilung beeinträchtigt werden. Weitere Mechanismen sind zelluläre Seneszenz, also ein Rückgang der Zellteilung, die Erschöpfung von Stammzellen, eine veränderte Kommunikation zwischen Zellen, zunehmende chronische Entzündungen (Inflammaging) und eine gestörte Darmflora (Dysbiose).
Der deutsch-amerikanische Forscher Steve Horvath unterscheidet biologisches und kalendarisches Alter. Seine epigenetische Uhr wertet DNA-Methylierungsstellen mithilfe eines Algorithmus aus und soll das biologische Alter eines Menschen bestimmen können. Weil biologische und biochemische Vorgänge beeinflussbar sind, werden sie im Rahmen der Longevity untersucht.
Ernährung als Einflussfaktor
Eine ausgewogene Ernährung gilt als Kernelement eines langen und gesunden Lebens. Sie sollte reich an pflanzlichen Lebensmitteln und arm an hochverarbeiteten Produkten sein. Die Kalorienzufuhr sollte insgesamt maßvoll bleiben; körperliches Übergewicht sollte vermieden werden.
Wissenschaftliche Übersichtsarbeiten bringen Ernährungsmuster der mediterranen Ernährung mit einer niedrigeren Gesamtsterblichkeit und einer niedrigeren ursachenspezifischen Sterblichkeit in Verbindung. Sie deuten außerdem auf eine längere Gesundheitsspanne und Lebensdauer hin. Welche Bestandteile der mediterranen Ernährung besonders vorteilhaft sind, ist noch Gegenstand der Forschung. Ernährungsumstellungen werden als ein möglicher Faktor für nationale relative Anstiege der durchschnittlichen Lebensdauer genannt. Alkoholkonsum jeglicher Art auf ein Minimum zu beschränken, scheint in Studien ebenfalls mit längeren Lebensspannen verbunden zu sein.
Ob eine bestimmte Form des Fastens oder der Ernährung den menschlichen Alterungsprozess verzögert, lässt sich nicht allein aus kontrollierten Tierversuchen ableiten. Moderater Kaffeekonsum und moderater Konsum von Olivenöl sind in Studien mit einer geringeren Sterblichkeit verbunden. Spermidin kommt unter anderem in Pilzen und Hülsenfrüchten, insbesondere Erbsen, vor; Studien deuten darauf hin, dass es die Lebensdauer verlängern könnte. Eine im Artikel erwähnte Studie vergleicht für 20-Jährige in den USA die durchschnittlich erwarteten zusätzlichen Lebensjahre bei einem Wechsel von einer typischen westlichen Ernährung zu einer optimierten Ernährung. Die Veränderungen werden nach Lebensmittelklassen in Gramm angegeben, konkrete Ergebnisse nennt der Artikeltext jedoch nicht.
Bewegung, Schlaf und psychisches Wohlbefinden
Regelmäßige Bewegung wirkt über Gewichtsmanagement und Muskelaufbau hinaus auf den gesamten Organismus. Sie setzt Endorphine frei, die das emotionale Wohlbefinden steigern und Stress, Angstzustände sowie Depressionen reduzieren können. Empfohlen wird eine moderate und nicht einseitige Aktivität mit regelmäßigem Konditions- und Krafttraining.
Ausreichender Schlaf ermöglicht die Regeneration von Körper und Geist. Er unterstützt die Reparatur und Erneuerung von Zellen, die Stärkung des Immunsystems sowie die Konsolidierung von Gedächtnis und Lernen. Chronischer Schlafmangel wurde dagegen mit einem höheren Risiko für verschiedene Erkrankungen in Verbindung gebracht, darunter Herz-Kreislauf-Probleme, Diabetes und neurodegenerative Störungen.
Für ein langes und erfülltes Leben sind auch psychisches Wohlbefinden, emotionale Stabilität, der Umgang mit Stress, positives Denken und soziale Kontakte bedeutsam. Ein aktiver Lebensstil, geistige Herausforderungen und soziale Interaktionen bleiben nicht nur in den frühen Lebensjahren wichtig, sondern spielen auch in der zweiten Lebenshälfte eine zentrale Rolle für Gesundheit und Wohlbefinden.
Umwelt und Lebensbedingungen
Als sogenannte blaue Zonen werden Regionen bezeichnet, in denen Menschen statistisch besonders alt werden. Genannt werden die italienische Insel Sardinien, die griechische Insel Ikaria, das japanische Okinawa und die Nicoya-Halbinsel in Costa Rica. Es ist jedoch umstritten, ob diese statistische Besonderheit tatsächlich auf Umwelteinflüsse oder auf andere Ursachen zurückzuführen ist.
Schlechte Luftqualität durch Schadstoffe erhöht das Risiko ernsthafter Erkrankungen. Der Kontakt mit schädlichen Chemikalien oder Schwermetallen kann ebenfalls schwere Gesundheitsprobleme verursachen und die Lebenserwartung erheblich verkürzen. Regelmäßiger Aufenthalt an der frischen Luft, besonders bei Sonnenschein, sowie die Nähe zu Natur und grünen Bereichen können dagegen die körperliche und geistige Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden fördern.
Weitere wichtige Bedingungen sind der Zugang zu guter medizinischer Versorgung und angemessene Hygiene bei der eigenen Person sowie im persönlichen Umfeld.
Arzneistoffe und Nahrungsergänzungsmittel
Derzeit sind keine Medikamente oder Behandlungen bekannt, die nachweislich die Lebensspanne von Menschen verlängern. Klinische Studien sind wegen der langen menschlichen Lebensspanne schwierig durchzuführen. Bei Versuchstieren wie Würmern, Fliegen und Mäusen konnte die Lebensspanne durch verschiedene Eingriffe bereits verlängert und die Gesundheit verbessert werden. Gleichzeitig wächst das Geschäft mit Mitteln, Ratgebern und Veranstaltungen zur Longevity rasch.
Untersucht werden unter anderem folgende Wirkstoffe:
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Rapamycin ist ursprünglich ein Immunsuppressivum zur Verringerung von Organabstoßungen nach Transplantationen. Es enthält einen mTOR-Inhibitor und aktiviert damit die Autophagie. Dadurch sollen Zellwachstum und Alterungsprozess günstig beeinflusst werden; Tierversuche waren bisher vielversprechend.
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Metformin wird zur Behandlung von Diabetes eingesetzt und hemmt unter anderem die Neubildung von Glukose in der Leber. Es wird auch gegen Adipositas verwendet. Mit Metformin gefütterte Mäuse lebten länger; eine klinische Studie am Menschen ist in Bearbeitung.
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Senolytika sind Wirkstoffe, die die Zellseneszenz beeinflussen können. Tierversuche waren bisher vielversprechend. Fisetin ist ein in Früchten und Gemüse vorkommendes Flavonoid, das die Zellseneszenz positiv beeinflussen soll. Auch Quercetin, das in geringer Dosis etwa in Zwiebeln enthalten ist, wird untersucht.