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Littoralisation
Littoralisation bezeichnete ursprünglich nur die Urbanisierungs- und Suburbanisierungsprozesse im Mittelmeerraum, der Fachbegriff hat sich inzwischen aber auch …
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Begriff und Bedeutung
Littoralisation, auch Littoralisierung oder Litoralisierung, bezeichnet die seit den 1970er-Jahren verstärkte Besiedlung der Meeresküsten. Der Fachbegriff stammt aus der frankophonen Geographie und bezog sich ursprünglich nur auf Urbanisierungs- und Suburbanisierungsprozesse im Mittelmeerraum. Urbanisierung bedeutet das Wachstum von Städten und städtischer Bevölkerung; Suburbanisierung ist die Ausbreitung der Bevölkerung und Bebauung aus einer Kernstadt in ihr Umland.
In der englischsprachigen Geographie und Regionalwissenschaft beschreibt der Begriff heute vor allem die weltweiten Küstenbesiedlungsprozesse im Rahmen des Globalen Wandels. In der französischen Presse bleibt seine Bedeutung dagegen meist auf den Mittelmeerraum beschränkt. Im Deutschen wird der Ausdruck außerhalb von Fachveröffentlichungen bisher kaum verwendet.
Weltweite Konzentration an den Küsten
Seit einigen Jahrzehnten findet das urbane Wachstum überwiegend in Städten statt, die nahe an einer Meeresküste liegen. 2012 lebten 80 Prozent der Weltbevölkerung höchstens 60 Meilen von der Küste entfernt. Unter den 25 größten Städten der Welt mit jeweils mehr als 10 Millionen Einwohnern lagen nur vier nicht in Küstennähe: Peking, Moskau, Delhi und Teheran.
Ein Beispiel für starke Zuwanderung ist Mumbai. Die Stadt liegt in einer Küstenregion, ist von Meer umgeben und nimmt besonders viele Menschen aus ländlichen Gebieten auf. Die Konzentration von Bevölkerung und Infrastruktur an Küsten bringt jedoch besondere Risiken durch Naturkatastrophen, den steigenden Meeresspiegel, Angriffe und Kriminalität mit sich.
Naturgefahren und das Beispiel Dhaka
Küstennahe Großstädte sind besonders durch Naturkatastrophen und einen infolge des Klimawandels steigenden Meeresspiegel gefährdet. Zugleich erhöht starkes Bevölkerungswachstum das Schadensrisiko, weil zunehmend niedrig liegende Flächen besiedelt werden.
Dies zeigt Dhaka, die Hauptstadt Bangladeschs und eine der am schnellsten wachsenden Großstädte der Welt. Ähnlich schnell wachsen nur Lagos, das ebenfalls an einer Meeresküste liegt, und die chinesische Stadt Chongqing. In Dhaka stieg die Einwohnerzahl von lediglich 400.000 um 1950 auf 12 Millionen um die Jahrtausendwende und fast 15 Millionen im Jahr 2013.
Viele Menschen ziehen aus ländlichen Gebieten zu, die unter extremer Armut, Versalzung der Böden und Wasserverschmutzung leiden. Dadurch entstanden überbevölkerte und marginalisierte Slumgebiete, in denen Wasser, sanitäre Anlagen und Elektrizität fehlen. Da der größte Teil Dhakas nur wenig über dem Meeresspiegel liegt, ist die Stadt stark hochwassergefährdet. 1998 wurden 60 Prozent des Stadtgebietes überflutet. Mehr als 1000 Menschen starben; der Schaden betrug mehr als 4 Milliarden USD. Auch ohne Klimawandel wächst die Gefahr für Menschenleben und Wirtschaft, weil der Bevölkerungsdruck die Besiedlung tiefer gelegener Gebiete verstärkt.
Angriffe, Kriminalität und schwer kontrollierbare Zugänge
Küstenstädte können stärker durch feindliche Angriffe gefährdet sein als Städte weit im Landesinneren. Offene Meeresflächen sind schwieriger zu kontrollieren als Landgebiete und können als Aufmarschgebiet dienen. Durch moderne Waffentechnik ist die sogenannte littorale Zone, also der vom Meer aus erreichbare Gefahrenraum, größer geworden. Im Krieg in Afghanistan errichteten US-Militärs beispielsweise eine Basis im Landesinneren mithilfe von Marineschiffen und truppentransportierenden Hubschraubern, die teilweise in der Luft betankt wurden. Dabei überwanden sie 689 Kilometer.
Als besonders problematisch gilt, dass die Sicherheitsaufgaben einer Stadt mit Straßen, Flughafen und langer Küstenlinie exponentiell zunehmen. San Pedro Sula in Honduras gilt als gefährlichste Stadt der Welt. Dies hängt auch mit ihrer Nähe zu Puerto Cortés zusammen, dem einzigen wesentlichen Seehafen des Landes, der nur 45 Fahrminuten vom Stadtzentrum entfernt liegt. Schwache staatliche Macht und die Verbindungen über Hafen, Flughafen und Straßen machten die Stadt zu einem großen Umschlagplatz des internationalen Drogenhandels.
Die Anschläge von Mumbai
Bei den Terroranschlägen vom 26. November 2008 in Mumbai erleichterte die unübersichtliche Küstenlinie zehn bewaffneten Terroristen das Eindringen in die Stadt. Am 23. November hatten sie ein indisches Fischereischiff gekapert. Damit gelangten sie in die Nähe Mumbais und fuhren anschließend mit zwei Schlauchbooten auf die dicht besiedelte Halbinsel.
Beide Boote landeten in Slumgebieten. Anwohner bemerkten die Ankunft jeweils, erkannten die Gefahr aber nicht rechtzeitig. Eine Gruppe auffallend gut gekleideter Männer erklärte, sie seien Studenten. Im zweiten Fall bedrohten die Terroristen Fischer mit Waffen. Diese hielten sie vermutlich für Schmuggler oder Mitglieder einer kriminellen Bande. Das Beispiel zeigt, wie eine schwer überwachbare Küste und dicht besiedelte, marginalisierte Stadtteile Sicherheitskontrollen erschweren können.