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Kurt Edelhagen

Kurt Ludwig Edelhagen (* 5. Juni 1920 in Börnig (jetzt Herne); † 8. Februar 1982 in Köln) war ein deutscher Jazz-Musiker und führender Bigband-Leader der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und musikalisches Profil
  2. 2. Ausbildung und Aufstieg
  3. 3. Künstlerische Höhepunkte und pädagogische Arbeit
  4. 4. Aufnahmen und Erfolge
  5. 5. Erinnerung

Bedeutung und musikalisches Profil

Kurt Ludwig Edelhagen (5. Juni 1920 in Börnig, heute Herne; 8. Februar 1982 in Köln) war ein deutscher Jazzmusiker und einer der führenden Bigband-Leader der 1950er und 1960er Jahre. Eine Bigband ist ein großes Jazzorchester, das meist aus Bläsergruppen und einer Rhythmusgruppe besteht. Edelhagen wurde vor allem für den präzisen, ausdrucksstarken Klang seiner Orchester und für die Verbindung von Jazz mit Neuer und sinfonischer Musik bekannt.

Sein wichtigstes Vorbild war Ende der 1940er Jahre der amerikanische Bandleader Stan Kenton. Dessen „Progressive Jazz“ verstand die Bigband als Klangkörper für anspruchsvolle und neuartige Kompositionen. Auch Edelhagen ordnete Jazz bereits 1949 der „neuen Musik“ zu. Obwohl amerikanische Vorbilder zunächst deutlich hörbar blieben, ließ er eigene Stücke und Arrangements schreiben und entwickelte so ein selbstständiges deutsches Jazzrepertoire. Später nahm er auch Third Stream – eine Verbindung von Jazz und komponierter Konzertmusik – sowie gelegentlich Free Jazz in sein Programm auf. Damit trug er wesentlich dazu bei, Jazz in der jungen Bundesrepublik als ernst zu nehmende Kunstform bekannt und anerkannt zu machen.

Ausbildung und Aufstieg

Edelhagen studierte ab 1937 an der Folkwangschule in Essen Klavier und Klarinette, besuchte außerdem die Dirigentenklasse und schloss sein Studium 1941 mit Auszeichnung ab. Wegen des Krieges konnte er seine Dirigentenausbildung in Wien nicht fortsetzen. Als Klarinettist eines Musikkorps der Wehrmacht wurde er in Frankreich eingesetzt und begegnete dort professionellen Jazzmusikern. Jazz hatte er bereits während seiner Studienzeit heimlich gehört und gespielt.

Im Sommer 1945 gründete er in Herne eine kleine Combo, die mit Unterstützung des Schlagzeugers Bobby Schmidt bald zur Bigband erweitert wurde. Zunächst spielte sie in britischen Soldatenclubs; am 25. März 1946 trat sie in der Herner Schauburg erstmals vor deutschem Publikum auf. Es folgten Auftritte in amerikanischen Clubs in Bad Kissingen, Heidelberg, München und Frankfurt am Main. Seit Mai 1948 spielte das Orchester täglich im I.G.-Casino des I.G.-Farben-Hauses, dem europäischen Hauptquartier der US-Streitkräfte, und wurde als „best Band of the European Command“ gelobt. 1948 entstanden beim American Forces Network (AFN) die ersten Rundfunkaufnahmen. Die Band war bald auch bei britischen und deutschen Sendern zu hören.

Ende 1948 übernahm Edelhagen mehrere bedeutende Musiker aus dem aufgelösten Orchester von Joe Wick. Zu ihnen gehörten Fred Bunge, Hanne Wilfert, Bubi Aderhold, Paul Biste, Otto Bredl und Erich Well. Ihr präzises Zusammenspiel prägte den Klang des Orchesters. Eigenkompositionen wie Erich Bechts Unison Bop, Paul Bistes Infection und Fred Bunges Progressive Studie verbanden Einflüsse des Bebop – eines schnellen, harmonisch anspruchsvollen Jazzstils – mit dem großorchestralen Klang Stan Kentons.

Am 1. Juli 1949 wurde die Band beim Bayerischen Rundfunk in Nürnberg als Jazz- und Unterhaltungsorchester verpflichtet. Dort entstanden bis 1951 Jazz- und Tanzmusikaufnahmen. Am 1. Januar 1952 wechselte Edelhagen zum Südwestfunk nach Baden-Baden. Um die hohen Anforderungen des modernen Bigband-Jazz zu erfüllen, tauschte er häufig Musiker aus: Innerhalb von sieben Jahren gehörten 151 Musiker zum Orchester.

Künstlerische Höhepunkte und pädagogische Arbeit

Der Auftritt beim Salon du Jazz 1954 in Paris machte Edelhagens Orchester international bekannt. Ab März 1954 wirkte es regelmäßig in Joachim-Ernst Berendts Sendereihe Jazztime Baden-Baden mit. Dort spielte Edelhagen mit internationalen Jazzgrößen wie Lionel Hampton, Mary Lou Williams und Chet Baker; bei der 1000. Jazz-Sendung des Südwestfunks 1956 traten auch das Modern Jazz Quartet und Miles Davis auf. 1953 entdeckte Edelhagen die Sängerin Caterina Valente und trat mit ihr 1954 beim Salon du Jazz in Paris sowie beim Deutschen Jazzfestival in Frankfurt am Main auf.

Besondere Bedeutung hatte der Auftritt bei den Donaueschinger Musiktagen im Oktober 1954. Edelhagen dirigierte Igor Strawinskis Ebony Concerto und war mit seinem Orchester an der Uraufführung von Rolf Liebermanns Concerto for Jazzband and Symphony Orchestra beteiligt. Dieses Werk verband Jazz und sinfonische Musik auf Grundlage der Zwölftontechnik, einer Kompositionsmethode, bei der alle zwölf Töne der chromatischen Tonleiter nach festen Regeln geordnet werden. Das Zusammenspiel mit dem Sinfonieorchester des Südwestfunks unter Hans Rosbaud wurde begeistert aufgenommen. Bereits am Vorabend hatte die Band Heinz Kiesslings Scales vorgestellt, das als „erstes streng zwölftöniges, swingendes Werk für Jazz Big Band“ bezeichnet wurde. 1955 folgte die Uraufführung von Bill Russos Ballettmusik The World of Alcina.

Am 1. April 1957 wechselte Edelhagen zum WDR nach Köln. Dort stellte er erstmals im europäischen Jazz eine internationale Bigband zusammen, die keine Verpflichtung zur Tanzmusik hatte und sich vollständig auf Jazz konzentrieren konnte. Arrangements von Francy Boland, Jimmy Deuchar und Ernie Wilkins sorgten für einen neuen Klang. Zum Repertoire gehörten später unter anderem Kompositionen von Pavel Blatný, Carla Bley und Manfred Schoof. 1958 gründete Edelhagen an der Musikhochschule Köln die erste Jazzklasse Europas und unterrichtete dort fünf Jahre. Sein Vertrag mit dem WDR endete 1972.

Edelhagen trat bei zahlreichen europäischen Jazzfestivals auf und unternahm internationale Tourneen, darunter 1964 durch die UdSSR und die DDR sowie 1965/1966 durch Nordafrika. Daneben begleitete sein Orchester viele Unterhaltungskünstler, etwa Peter Alexander, Bill Haley, Hildegard Knef, Freddy Quinn und Caterina Valente.

Einen großen Publikumserfolg erzielte er 1972 mit der Musik zum Einmarsch der Nationen bei den Olympischen Spielen in München. Das dabei gespielte Medley gehörte zu den längsten der Musikgeschichte. Für Idee, Durchführung und Gesamtleitung der Begleitmusik erhielten Edelhagen und seine Arrangeure Dieter Reith, Jerry van Rooyen und Peter Herbolzheimer 1973 das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse. Edelhagen starb nach langer schwerer Krankheit im Alter von 61 Jahren in Köln.

Aufnahmen und Erfolge

Edelhagens erste Schallplatten erschienen 1949 für den amerikanischen Markt beim Label Empire. Die reinen Jazzarrangements stärkten auch im Ausland den Ruf seines Orchesters als führende deutsche Bigband. Weitere Aufnahmen veröffentlichte er bei Austroton, Philips, Brunswick und Polydor. Die ersten deutschen Studioaufnahmen entstanden 1950 und 1951 in Nürnberg, Hamburg und Köln. In den 1950er Jahren benutzte Edelhagen bei der Begleitung von Unterhaltungskünstlern und Schlagersängern außerdem Decknamen wie Frank Folken, Mike Firestone, Heinz Hagen und Johnny Kern.

Zu den wichtigen Veröffentlichungen zählen Rhapsody in Jazz – Ein Kurt-Edelhagen-Konzert (1954), Jazz from Germany (1956), Kurt Edelhagen Presents (1957), A Toast to the Bands (1959), Kurt Edelhagen plays Jim Webb (1970) und Olympia Parade (1972). Später erschienen zahlreiche Wiederveröffentlichungen und Sammlungen, darunter 2021 The Unreleased WDR Jazz Recordings 1957–1974.

Den größten kommerziellen Erfolg brachte die Olympiamusik. Das Album Olympia Parade erreichte in Deutschland Platz 1, blieb 32 Wochen in den Charts und verkaufte sich mehr als 250.000-mal. Olympia Parade 2 erreichte Platz 31, Einzug der Nationen Platz 16. Zu den erfolgreicheren Singles gehörten Eventuell mit Caterina Valente und Peter Alexander auf Platz 5 sowie Glenn Miller Parade auf Platz 11. Die 2021 veröffentlichte Sammlung 100 – The Unreleased WDR Jazz Recordings 1957–1974 kam auf Platz 73 der deutschen Album-Charts.

Erinnerung

Nach Edelhagens Tod wurden in Köln-Rath/Heumar eine Straße und 1992 im Herner Stadtbezirk Sodingen ein Platz nach ihm benannt. Zum zehnten Todestag fand am 15. Februar 1992 in der Kölner Philharmonie das Konzert Hommage à Kurt Edelhagen statt, an dem frühere Orchestermitglieder und Caterina Valente mitwirkten.

2016 widmete das Bundesjazzorchester Edelhagen unter dem Titel Edelhagen Remembered sein 500. Konzert und würdigte ihn als „wichtigen Wegbereiter des Jazz in der jungen Bundesrepublik“. Zu seinem 100. Geburtstag erinnerten im Juni 2020 mehrere ARD-Hörfunksender mit historischen Aufnahmen und Würdigungen an ihn. Der WDR zeigte am 5. Juni 2020 außerdem Tobias Kremers Dokumentation Präzision mit Seele – 100 Jahre Kurt Edelhagen. Am 13. November 2020 spielte die WDR Big Band unter Florian Ross das Konzert A Tribute to Kurt Edelhagen mit Werken aus dem Repertoire der 1960er und 1970er Jahre; wegen der Corona-Pandemie wurde es ohne Publikum als Video-Livestream übertragen.

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