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Koopetition

Die Koopetition (auch Koopkurrenz; englisch Coopetition) ist sowohl ein Zustand als auch ein Verhalten von (Wirtschafts-)Akteuren, bei dem Kooperation und …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee der Koopetition
  2. 2. Wettbewerb und Kooperation
  3. 3. Auslöser und Anwendungsfelder
  4. 4. Chancen und Risiken
  5. 5. Typische Beispiele
  6. 6. Stand der Forschung

Grundidee der Koopetition

Koopetition, auch Koopkurrenz oder englisch Coopetition, bezeichnet einen Zustand und ein Verhalten, bei dem Kooperation und Konkurrenz in derselben Beziehung zusammenfallen. Wirtschaftsakteure können also in manchen Bereichen zusammenarbeiten und sich zugleich in anderen Bereichen als Wettbewerber gegenüberstehen.

Auf Ebene der gesamten Unternehmensbeziehung liegt Koopetition etwa vor, wenn Unternehmen beim Absatz konkurrieren, aber in der Forschung kooperieren. Sie kann auch nur einzelne Teilbeziehungen betreffen. Gemeint sind dann Verhaltensweisen und Zustände, die weder ausschließlich kooperativ noch ausschließlich kompetitiv sind. Deshalb gilt Koopetition manchen als ein realitätsnäheres Paradigma für Beziehungen zwischen Unternehmen.

Wettbewerb und Kooperation

Wettbewerb ist eine soziale Interaktionsform mit entgegengerichteter Verhaltensinterdependenz: Die Ziele des einen Wirtschaftsakteurs können nur auf Kosten des anderen erreicht werden. In der Spieltheorie wird dies als Nullsummenspiel modelliert, weil der Gewinn des einen Akteurs dem Verlust eines anderen entspricht. Wettbewerb zwischen Unternehmen soll ökonomische Effizienz sichern, optimale Ressourcenverteilungen fördern, Innovationsbereitschaft stärken und Transaktionskosten zwischen Wettbewerbern senken.

Kooperation ist dagegen eine soziale Interaktionsform mit gleichgerichteter Verhaltensinterdependenz. Die Zielerreichung eines Akteurs hängt dabei zumindest teilweise davon ab, dass auch die Ziele des anderen erreicht werden. Die Beteiligten bleiben außerhalb ihres vereinbarten Kooperationsbereichs eigenständig; Kooperation ist daher von einer Fusion zu unterscheiden.

Durch Kooperation können Unternehmen Ressourcen bündeln und ihre unternehmerischen Möglichkeiten erweitern. Sie können Skaleneffekte (Economies of Scale, Vorteile durch größere Mengen) und Verbundeffekte (Economies of Scope, Vorteile durch die gemeinsame Nutzung von Ressourcen für mehrere Leistungen) erzielen. In der Spieltheorie kann dies ein Positivsummenspiel ermöglichen: Beide Akteure profitieren und überwinden damit das klassische Nullsummenspiel.

Auslöser und Anwendungsfelder

Vor allem junge Technologieunternehmen kooperieren häufig mit Wettbewerbern, weil sie oft klein sind sowie über wenig Erfahrung, knappe Ressourcen und wenige stabile Marktbeziehungen verfügen. Auch kürzere Produktlebenszyklen, schneller Technologiewandel, lange und forschungsintensive Entwicklungsprozesse sowie steigende Entwicklungs- und Forschungskosten fördern solche Kooperationen.

Wettbewerber können zudem relativ einfach voneinander lernen, weil sie Ähnlichkeiten bei Ressourcen und Märkten aufweisen. Besonders bedeutsam sind Complex Product Systems (CoPS): Dies sind komplexe, knowhow- und kapitalintensive Produkte und Systeme. Ihre Produktion stellt wegen hochentwickelter Technologiebasen und hierarchisch aufgebauter Vielkomponentensysteme hohe Anforderungen. Selbst große global Player können die nötigen finanziellen, technologischen und organisatorischen Fähigkeiten oft nicht allein aufbringen. Solche Produkte werden daher häufig in interorganisationalen Beziehungen und industriellen Netzwerken realisiert.

Chancen und Risiken

Koopetition kann die Kräfte von Wettbewerbern bündeln und dadurch Innovationskraft sowie Produktionseffizienz erhöhen. Partner erhalten gemeinsamen Zugang zu Technologien, Märkten, Ressourcen und Informationen. Gemeinsam können sie Fähigkeiten, Wissen und Technologien entwickeln und sich dadurch Vorteile gegenüber weiteren Wettbewerbern verschaffen. Außerdem können Koopetitionen die Durchsetzung industrieller Standards beschleunigen sowie Projektkosten und Projektrisiken verringern.

Sie ist jedoch riskant, wenn eigene und gemeinsame Ziele auseinandergehen. Beide Unternehmen können versuchen, die gemeinsam größere Ressourcenausstattung zum Vorteil auf Kosten des Partners zu nutzen. Vertragliche Regelungen können diese Gefahr mindern. Ein Unternehmer kann sich auch opportunistisch verhalten, also vom langfristig vereinbarten Ziel abweichen, um kurzfristig den eigenen Nutzen zu maximieren. Mögliche Folgen sind Abhängigkeit vom Partner oder ein Wettrennen beim Lernen. Bei steigender Wettbewerbsintensität werden Unternehmenskooperationen seltener und scheitern öfter.

Typische Beispiele

Ein Beispiel in der Wirtschaft ist die gemeinsame Entwicklung von Standards wie der Blu-ray Disc durch konkurrierende Hersteller. Auch Unternehmen, die sich vor Gericht streiten, aber zugleich Komplementärprodukte herstellen, können in einer koopetitiven Beziehung stehen.

Wissenschaftler arbeiten in der Forschung zusammen, konkurrieren jedoch bei der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse oder beim Einwerben von Drittmitteln. Beim Bau der Hoover-Staumauer schlossen sich konkurrierende Bauunternehmen zusammen, weil einzelne Unternehmen die nötigen Sicherheitsrücklagen für das große Projekt nicht hätten übernehmen können.

In Castingshows konkurrieren Kandidaten um den meist einzigen Sieg, müssen aber etwa Aufgaben im Team lösen, Fotoshootings gemeinsam absolvieren oder das Zusammenleben organisieren. Bei Fußballclubs ist das Spiel ein Koprodukt zweier Teams: Sie konkurrieren um Punkte, Platzierungen, Abstieg und Meisterschaft, stellen aber gemeinsam Spiele bereit und erfüllen damit das Ligaziel. Auch Mitarbeiter können koopetitiv handeln, indem sie Wissen austauschen und zugleich untereinander konkurrieren.

Stand der Forschung

Koopetition wird besonders im strategischen Management und im industriellen Marketing als wissenschaftlich relevantes Phänomen betrachtet. Der Forschungsstand weist jedoch theoretische Unklarheiten auf. Es gibt wenige Veröffentlichungen, die speziell klären, inwiefern sich beteiligte Unternehmen tatsächlich im Spannungsfeld zwischen Kooperation und Wettbewerb verhalten.

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