Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Konfessionsbild
Ein Konfessionsbild, auch Bekenntnisbild, ist ein zur Zeit der Konfessionalisierung geschaffenes Bild, das die Geschlossenheit der sich entwickelnden …
Inhalt3 Abschnitte
Bedeutung und Aufgabe
Ein Konfessionsbild, auch Bekenntnisbild, ist ein während der Konfessionalisierung geschaffenes Bild. Es sollte die Geschlossenheit der sich entwickelnden protestantischen Konfession unterstützen. Sein wesentliches Merkmal ist die Darstellung eines Bekenntnisses (lateinisch: confessio) zum Leben in der Kirche nach Martin Luther.
Die Bilder dokumentieren und veranschaulichen lehrhaft den protestantischen Glauben der Zeitgenossen im 16. bis 18. Jahrhundert. Dabei greifen sie besonders das Augsburger Bekenntnis bildlich auf und bekräftigen es. Als Visualisierung des Wortes vermitteln sie – vergleichbar mit einer liturgischen Zeremonie – die Heilsgeschichte Christi. Sie dienten der Überlieferung wichtiger Glaubenselemente und der Stabilisierung der durch die Reformation neu entwickelten Konfession. Konfessionsbilder waren in Sachsen und Thüringen sowie in Süddeutschland weit verbreitet und bilden eine eigene Iconclass.
Bildtypen und Darstellungsweisen
Es werden zwei Formen unterschieden. In beiden stehen Repräsentanten der Reichsstände als markante Personen im Mittelpunkt. Ein Typ erinnert an die Übergabe der Urkunde an Karl V. im Jahr 1530 in Augsburg und zeigt zugleich Szenen eines praktischen Gottesdienstes. Der andere Typ ordnet sich um das Heilswerk Christi und zeigt biblische Szenen.
Solche Bilder waren unter Luthers Anhängern trotz des reformatorischen Bildersturms zulässig, weil sie reformatorische Glaubensinhalte darstellten. Der Kupferstich von Johann Dürr von 1630 wurde später zur Vorlage für viele Konfessionsbilder.
Beim Fränkisch-Nürnberger Typus, besonders bei Bildern der Herneisen-Werkstatt, ist die Komposition diagonal angelegt; die Übergabe der Confessio Augustana befindet sich seitlich. Der Sächsisch-Thüringische Typus zeigt diese Übergabe zentral: Die Bekennerfürsten knien, während der Kaiser eine Prunkrüstung trägt. Beim Württembergisch-Hannoverschen Typus stehen die Bekennerfürsten; der Kaiser trägt ein Barett.
Beispiele und erhaltene Ausführungen
Zu den Tafelbildern gehören Werke von Andreas Herneisen in der Johanneskirche Kasendorf und in St. Nikolaus und Ulrich in Mögeldorf, beide von 1602. Weitere Beispiele sind das Konfessionsbild in der Stadtkirche St. Blasius in Bopfingen (um 1600), das Bild in der Stadtkirche Schorndorf (ca. 1660) nach einem Kupferstich von Johann Dürr sowie das Bild in der Peter-und-Paul-Kirche Jungingen (Ulm) von 1711.
Als Wandgemälde nennt der Artikel das Weltgericht in der St.-Laurentius-Kirche in Dassel (ca. 1577) und ein Fresko an Schloss Parz (ca. 1572). Das Fresko in Schloss Parz zeigt das protestantische Gottesvolk, das vom Pharao in Gestalt des Papstes verfolgt wird; ihn begleiten Bischof, Kardinal, feindliche Türken und Franzosen.