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Kloster Allerheiligen (Schaffhausen)

Das Kloster Allerheiligen oder Salvator-Kloster in Schaffhausen war eine Benediktinerabtei und wurde von Eberhard VI. von Nellenburg 1049 gestiftet.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Gründung
  2. 2. Macht, Reform und Entwicklung im Mittelalter
  3. 3. Münster: Bau, Ausstattung und Glocken
  4. 4. Auflösung, Erhaltung und Museum
  5. 5. Äbte und archäologische Befunde

Überblick und Gründung

Das Kloster Allerheiligen, auch Salvator-Kloster, in Schaffhausen war eine Benediktinerabtei, also ein Kloster nach der Regel des heiligen Benedikt. Es wurde 1049 von Eberhard VI. von Nellenburg gestiftet; das Münster dient heute als evangelisch-reformierte Pfarrkirche.

Am 10. Juli 1045 erhielt Graf Eberhard von Kaiser Heinrich III. das Münzrecht in der villa Scâfhusun. Am 22. November 1049 weihte Papst Leo IX., Eberhards Onkel, einen Altar der Auferstehung Christi, die Urständs- oder Erhardskapelle. Dies galt wohl zugleich als Weihe des künftigen Bauplatzes. Bereits 1050 war das Kloster im Bau.

1064 war die erste Anlage unter Baumeister und Hofkaplan Luitpald vollendet. Eberhard und seine Frau Ita weihten sie dem Salvator mundi, dem heiligen Kreuz, Maria und allen Heiligen. Vorbilder waren Sakralbauten des cluniazensischen Burgund. Bischof Rumald von Konstanz weihte das Münster; Papst Alexander II. stellte es unter den Schutz des römischen Stuhls. Zum Kloster gehörte von Beginn an ein siechhus, also ein Haus für Kranke.

Macht, Reform und Entwicklung im Mittelalter

Nach Eberhards Tod berief sein Sohn Burkhard 1079 Abt Wilhelm von Hirsau zur Reform und verzichtete auf die Rechte eines Eigenklosters, also eines Klosters unter besonderem Einfluss der Stifterfamilie. Nach einer Annahme Heinz Gallmanns war das Kloster ohnehin ein eigenes Rechtssubjekt unter päpstlichem Schutz; der Familie blieben vor allem die erbliche Vogtei und die Bestellung des Abtes.

Im Investiturstreit von 1075 bis 1122, dem Konflikt zwischen Kirche und weltlicher Macht über die Einsetzung von Geistlichen, gehörte Allerheiligen mit Hirsau zur gregorianischen Partei. Es zählte neben St. Blasien zu den grossen Reformklöstern der cluniazensischen Reform im Heiligen Römischen Reich.

Die vom Grafen übertragenen Hoheitsrechte über Schaffhausen – Münz-, Zoll-, Markt-, Fähr- und Stapelrecht – brachten dem Kloster hohe Einnahmen. Da Schaffhausen an zwei Fernhandelsachsen lag und Waren wegen des Rheinfalls umgeladen werden mussten, wuchs jedoch die Bedeutung der Stadt. Die Mönche konnten die wirtschaftlichen und Verwaltungsaufgaben zunehmend nicht mehr allein bewältigen und gaben Rechte an Stadtbürger, Geschäftsleute oder Beamte weiter. Im 12. Jahrhundert geriet das Kloster in Abhängigkeit von der Stadt; im 13. Jahrhundert konnte es keine selbstständige politische Rolle mehr spielen und verlor auch als religiöses Zentrum an Bedeutung.

Im Februar 1120 überfiel Konrad von Zähringen das Kloster und verwüstete die Umgebung, obwohl sich Abt Adalbert und die Einwohner ergeben hatten. Besitzungen bei Lipporn, die 1117 durch Graf Dudo von Laurenburg geschenkt worden waren, führten zum Bau des Klosters Schönau um 1126–1145. Weitere Güter in Oberschwaben erhielt Allerheiligen um 1122; dort wurde später Kloster Langnau gegründet. Misswirtschaft und Geldmangel führten 1389 dazu, dass diese Anwesen schliesslich an die Pauliner gelangten. Kaiser Friedrich befahl 1179 Graf von Veringen als Vogt, die Rechte des Klosters zu achten und dessen Bedrückung zu unterlassen.

Münster: Bau, Ausstattung und Glocken

Über älteren Fundamenten begann ab etwa 1090 der Bau des heutigen Münsters. Ein zunächst geplantes fünfschiffiges Münster kam nicht über die Fundamente hinaus; verwirklicht wurde eine dreischiffige Basilika. Angaben im Artikel nennen einen Abschluss der Chorarbeiten 1095 beziehungsweise eine Weihe kurz nach 1100; dendrochronologische Daten, also Altersbestimmungen anhand von Holzringen, bestätigen die Fertigstellung zu Beginn des 12. Jahrhunderts. Das Münster gilt als grösster romanischer Sakralbau der Schweiz.

Das Langhaus ruht auf 12 monolithischen Säulen aus grauem Rorschacher Sandstein. Ein Querhaus mit Vierung – dem Kreuzungspunkt von Längs- und Querhaus – führt zu einem dreischiffigen Altarraum mit rechteckigen Chorabschlüssen. Die Aussenmauern bestehen aus unverputzten Kalksteinquadern. Der um 1150 romanisch errichtete Nordturm besitzt einen spätgotischen Spitzhelm; seine Kapelle dient heute als Taufkapelle und Ort stillen Gebets.

Erhalten sind Wandmalereien, darunter im südlichen Nebenchor ein Credo-Fries des 15. Jahrhunderts mit den Hauptglaubenssätzen des Credo in Medaillons. Im südlichen Querschiff liegen Repliken der Grabplatten Eberhards VI., seiner Gattin und seines Sohnes. Im nördlichen Querschiff befinden sich die Grabplatte eines unbekannten Abtes und die gotische Platte Abt Berchtold I. von Wiechser († 1361). Vor dem südlichen Querschiff steht die beschädigte Schillerglocke von 1486 aus Basel: Sie wiegt 4500 kg, hing bis 1898 im Turm und trug die Inschrift „Vivos voco - Mortuos plango - Fulgura frango“.

Das heutige sechs­stimmige Geläut wurde 1898 von H. Rüetschi in Aarau gegossen. Die Grosse Glocke wiegt 5263 kg und hat den Schlagton As°, die Taufglocke 2583 kg und c′, die Abendglocke 1498 kg und es′, die Morgenglocke 1072 kg und f′, die Hochzeitsglocke 618 kg und as′ sowie die Kinderglocke 325 kg und c″. Seit 2004 hängt auch die Protestglocke von 1605 wieder im Turm, wird aber nur zu besonderen Anlässen geläutet.

Die Metzler-Orgel von 1958 ist ein Schleifladen-Instrument mit 45 Registern auf drei Manualwerken und Pedal; ihre Spieltrakturen sind mechanisch. Eine ebenfalls von Metzler gebaute Chororgel von 1955 besitzt 16 Register auf zwei Manualen und Pedal.

Auflösung, Erhaltung und Museum

1524 wurde die Abtei in ein Chorherrenstift umgewandelt, und das Münster wurde zur zweiten städtischen Hauptkirche. Nach der Durchsetzung der Reformation in Schaffhausen 1529 wurde das Kloster aufgelöst. Die bereits im 11. Jahrhundert reich ausgestattete Klosterbibliothek wurde Teil der Stadtbibliothek Schaffhausen.

1763–1764 stockte Kirchen- und Brückenbaumeister Johann Ulrich Grubenmann den Münsterturm auf und gab ihm einen neuen Spitzturmhelm. Beim Bombardement von Schaffhausen durch US-Bomber am 1. April 1944 wurden Teile der Anlage, darunter die neue Abtei, zerstört und danach wieder aufgebaut. Von 1950 bis 1973 wurde das Münster innen und aussen umfassend renoviert und unter den Schutz der Eidgenossenschaft gestellt.

Zur Anlage gehören die Johanneskapelle (1049–1064), das Münster (1090–1095), die Münsterkapelle beziehungsweise frühere Marien- oder Annakapelle (1049, 12. Jahrhundert, 1522), die Erhardskapelle mit dem Grab des Stifters (um 1250), die Michaelskapelle (um 1250) und die Oswaldskapelle (1524).

Das Museum zu Allerheiligen entstand 1921 bis 1938 auf dem ehemaligen Klosterareal. Es bewahrt und zeigt grosse kunst- und kulturhistorische Sammlungen, zum Teil in historischen Klosterräumen. Seine Ausstellungen behandeln Archäologie, Geschichte, Kunst und Naturkunde; dazu gehören eine Nachbildung der prähistorischen Wohnhöhle Kesslerloch und Funde aus dem Abri Schweizersbild. Die 2010 vollendete Dauerausstellung „Schaffhausen im Fluss: 1000 Jahre Kulturgeschichte“ behandelt die Stadtgeschichte von der Gründung bis in die Neuzeit.

Äbte und archäologische Befunde

Die Äbte prägten die Entwicklung des Klosters, besonders während seiner mehr als hundertjährigen Blüte zwischen geistlicher und weltlicher Tätigkeit. Als letzter Abt gilt Michael Eggenstorfer, der von 1501 bis 1524 amtierte und am 25. Januar 1552 starb. Er wird als ultimus abbas, letzter Abt, bezeichnet. Erhalten ist ein spätgotischer Abtsstab mit Maria und Jesuskind im Rankenwerk sowie dem springenden Schaffhauser Bock.

Archäologische Untersuchungen zum 950. Jahr der als „Gründung des Klosters am 22. September 1049“ bezeichneten Stiftung zeigten, dass von der ersten Klosteranlage nur wenige Teile erhalten sind. Wiederentdeckt wurde jedoch die einzigartige Memorialanlage mit dem Kreuzhof der nellenburgischen Stifterfamilie. Nachgewiesen wurden ausserdem die Fundamente des nicht vollendeten fünfschiffigen Münsters, das Doppelkloster St. Agnes, die Stadtkirche St. Johann und Teile der Stadtbefestigung aus nellenburgischer Zeit. Nach dem Niedergang konnten erst die letzten fünf Äbte mit spätgotischen Neubauten wieder an die Bedeutung der Frühzeit anknüpfen.

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