Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Klaus Heizmann
Klaus-Helmut Heizmann (* 16. Mai 1944 in Haan) ist ein deutscher Komponist christlicher Popmusik, Musiker und Dirigent diverser Chöre.
Inhalt6 Abschnitte
Person und Bedeutung
Klaus-Helmut Heizmann, geboren am 16. Mai 1944 in Haan, ist ein deutscher Komponist christlicher Popmusik, Musiker und Dirigent verschiedener Chöre. Er gilt in dem Artikel als Pionier moderner geistlicher Musik in Deutschland. Besonders wichtig ist sein Beitrag zum Neuen Geistlichen Lied, also zu christlichen Liedern in zeitgemäßer, oft von Popularmusik geprägter musikalischer Form.
Sein Schaffen umfasst über 1000 Lieder und über 500 Kinderlieder. Diese Werke erschienen in über 120 Notenausgaben und auf über 350 Tonträgern. Dazu gehören Chorwerke, Oratorien, Kantaten, Musicals, Kinderlieder und Kindermusicals. Heizmann war außerdem Herausgeber zahlreicher Musikfachbücher.
Ausbildung und frühe Chorarbeit
Heizmann erhielt schon im Vorschulalter Klavierunterricht bei Hedwig Volk, die später auch seinen Klavier- und Orgelunterricht finanzierte und ihm half, ein Musikstudium gegen anfängliche Vorbehalte in seiner Familie durchzusetzen. Er studierte an der Evangelischen Landeskirchenmusikschule Düsseldorf, der heutigen Robert Schumann Hochschule. Auf Rat von Werner Bürklin, dem damaligen Leiter des Missionswerkes Jugend für Christus, absolvierte er danach ein zusätzliches Studienjahr in Fort Wayne, Indiana, in den USA.
Nach seiner Rückkehr wurde Heizmann 1966 der erste hauptamtliche Musiker bei Jugend für Christus. 1968 übernahm er die Leitung des Jugend-für-Christus-Chores. Unter seiner Leitung entwickelte sich dieser bereits bestehende Chor zum ersten progressiven Jugendchor der christlichen Musikszene in Deutschland. Die neuen geistlichen Lieder in von Popularmusik inspirierten Arrangements trugen Ende der 1960er Jahre wesentlich zur Entwicklung moderner geistlicher Musik in Deutschland bei. Durch die Veröffentlichung von Notenmaterial konnten Jugendliche diese Musik auch aktiv in Gemeinden einbringen. Daraus entstand bis in die frühen 1990er Jahre die Jugendchorbewegung.
Berufliche Stationen und Einrichtungen
1971 heiratete Klaus Heizmann die Sängerin, spätere Liedermacherin und Kindermusikproduzentin Hella Heizmann. Es folgten viele Plattenproduktionen, Konzerte, Schulungen, Seminare und Kindersingfreizeiten. Im selben Jahr ging er mit dem Jugend-für-Christus-Teen-Team auf Tournee nach Südafrika. Für Billy Grahams erste europaweite Großevangelisation Euro ’70 wurde Heizmann als Chorleiter des 1500 Stimmen starken Euro Chors ausgewählt.
1976 verließ Heizmann Jugend für Christus und gab die Leitung des Jugend-für-Christus-Chores ab. Danach arbeitete er als Musiklektor im Hänssler-Verlag und etablierte Die Brückenbauer als neuen Jugendchor. 1981 gründete er in Sankt Goar das Musische Bildungszentrum (MBZ). Es sollte Jungtalente fördern und die künstlerische Arbeit in Kirchen und Gemeinden durch Weiterbildung professionalisieren. Mit etwa 40 Referenten bot das MBZ Kurse unter anderem für Musik, Malerei, Gestaltung, darstellende Kunst, Dirigieren, Instrumente, Pantomime und Harmonielehre an. Ende der 1980er Jahre musste das MBZ seine Arbeit einstellen, nachdem der Hauptsponsor WERSI die finanzielle Unterstützung nicht mehr leisten konnte.
1993 wurde die Ehe von Klaus und Hella Heizmann geschieden. 1994 eröffnete Heizmann nach Aufgabe des Standorts St. Goar das Haus der Musik in Wiesbaden. Es ist Verlag, Bildungseinrichtung und organisatorisches Zuhause des Wiesbadener Studiochores, des Frauenensembles Farbenfroh und des Kinderchors Die Mini-Maxis. Ab 1994 war Heizmann mit Dagmar Heizmann-Leucke verheiratet, die im Januar 2020 starb. Sie haben drei Kinder. Heizmann lebt in Wiesbaden.
Werke und musikalische Formen
Heizmanns Werk besteht vor allem aus Kompositionen des Neuen Geistlichen Liedes, umfasst aber auch abendfüllende Oratorien, Kantaten und Musicals. Ein Oratorium ist ein größeres musikalisches Werk für Solisten, Chor und Orchester, meist mit religiösem oder erzählendem Inhalt. Eine Kantate ist ein mehrteiliges Vokalwerk, oft für Chor und Instrumente. Zusammen mit Dagmar Heizmann-Leucke entstanden auch Musicals und Kantaten für Kinder.
Zu seinen besonders erfolgreichen Werken zählen zwei Oratorien mit Texten von Johannes Jourdan. Beide sind von biblischer Geschichte und Musik Israels inspiriert. „Israel Schalom“ behandelt Israel als Volk und Land. Es erschien 1988 beim Hänssler-Verlag, wurde 1989 in Wuppertal uraufgeführt und 1988 bei Hänssler Music als Gesamteinspielung veröffentlicht. „Jerusalem Schalom“ widmet sich der Stadt Jerusalem und ihrer Geschichte. Es erschien 1994 bei Gerth Medien Musikverlag, wurde 1995 in Basel uraufgeführt und 1994 bei Gerth Medien als Gesamteinspielung veröffentlicht.
Weitere größere Oratorien, die als Notenausgabe und CD erschienen, sind „Jesus Oratorium (Aus der Finsternis ins Licht)“ von 1998, „David-Oratorium (König, Sänger und Poet)“ von 2009, „Macht hoch die Tür (Adventsoratorium)“ von 2016 und „Paulus-Oratorium“ von 2018. Im Bereich der Kindermusicals nennt der Artikel unter anderem „Ein unvergesslicher Advent“, „Das Geheimnis von Zelle Zehn“, „Der Stern von Bethlehem“, „Der verlorene Sohn“, „David und Goliath“, „Das Wunder von Jericho“, „Zachäus Zastermann“, „Gesprengte Ketten“ und „Der barmherzige Samariter“. Insgesamt schrieb Heizmann bisher 14 Musicals für Kinder und gehört damit zu den meistgespielten Komponisten von Kindermusicals im deutschsprachigen Raum.
Auszeichnungen
Heizmann erhielt mehrere Auszeichnungen für Lieder, Kinderkantaten, Kindermusicals und Fachbücher. Im Jahr 2000 bekam er den 1. Preis in einem Kinderliedwettbewerb der Hochschule für evangelische Kirchenmusik Bayreuth und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern für „Alle Zeit der Welt schenkt mir Gott an jedem Tag“.
2002 erhielt er jeweils den 1. Preis des Kirchenchorwerkes der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens für die Kinderkantate „Lichtblicke“ und für das Kindermusical „Das Wunder von Jericho“. 2003 wurde sein Buch „So spreche ich richtig aus“ mit dem Deutschen Musikeditionspreis ausgezeichnet. Dieses Buch erschien im Rahmen seiner Zusammenarbeit mit Schott Music in Mainz; seine Noten- und Fachbücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt, darunter Englisch, Französisch, Spanisch, Tschechisch und Chinesisch.
2013 erhielt das Kindermusical „Gesprengte Ketten“ den 1. Preis vom Landesverband der evangelischen Kirchenchöre in Baden. Ebenfalls 2013 wurde „Dein Tisch für uns gedeckt“ Siegertitel beim Liederwettbewerb der Hochschule für Kirchenmusik Heidelberg. Sein Lied „Meine Seele ist stille in dir“ wurde 2013 in das „Neue Gotteslob“, das Gesangbuch der Katholischen Kirche Deutschlands, Österreichs und Südtirols, aufgenommen.
Diskografie im Überblick
Die Diskografie zeigt, dass Heizmanns Arbeit über mehrere Jahrzehnte in vielen Formen veröffentlicht wurde. Bei den Chorprojekten stehen zunächst Singles und Alben des Jugend-für-Christus-Chores und des Jugend-für-Christus-Teen-Teams aus den späten 1960er und 1970er Jahren. Später folgen Produktionen mit Die Brückenbauer, dem Studiochor des Musischen Bildungszentrums St. Goar, Resonanz, dem Wiesbadener Studiochor, Selected Sound und dem Frauenchor Farbenfroh.
Neben einzelnen Chor-Alben gibt es Gesamteinspielungen größerer Werke, darunter „Leben“ von 1975, „Mein Geist wird euch leiten“ von 1978, „Israel Schalom“ von 1989, „Jerusalem Schalom“ von 1994, „Das Licht leuchtet in der Finsternis“ von 1998, „Zachäus Zastermann“ von 2008 und „David – Sänger, König und Poet“ von 2009. Die Diskografie enthält außerdem Kantatenreihen wie „Die neue Kantate“ und „Die kleine Kantate“, Demo-Aufnahmen, Kinderprojekte, Kindermusicals, Kinderkantaten, Instrumentalprojekte, Orchesterprojekte, Compilations und ein Wort-Musik-Konzept.
Im Kinderbereich werden unter anderem Veröffentlichungen mit dem Kinderchor Die Mini-Maxis genannt, etwa „Klein, aber oho!“, „Spitzenmäßig“, „Gott liebt dich und mich“, „Lieder sind wie Himbeereis“ und „Weihnachtsfreude riesengroß“. Bei den Instrumentalprojekten erscheinen das Soloprojekt „Portrait in Tönen“ von 1980 sowie Orchesterprojekte wie „Festival der Töne“, „Hevenu schalom alejchem: Lieder aus Israel – instrumental“, „Ein Himmel voller Geigen“, „Orchesterträume“ und „Symphonic Praise“. Die Compilations bündeln frühere Alben und Lieder, zum Beispiel „Lieder zum Leben“, „Die schönsten Lieder von Klaus Heizmann“ und „Die beliebtesten Lieder aus ‚Lieder zum Leben‘“.