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Karl Schmidt-Rottluff

Karl Schmidt-Rottluff (* 1. Dezember 1884 in Rottluff als Karl Schmidt; † 10. August 1976 in West-Berlin) war ein deutscher Maler, Grafiker und Plastiker.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und künstlerisches Profil
  2. 2. Herkunft und die Gruppe Brücke
  3. 3. Zwischenkriegszeit und Verfolgung
  4. 4. Nach 1945, Reisen und späte Jahre
  5. 5. Nachlass, Museen und Auszeichnungen

Bedeutung und künstlerisches Profil

Karl Schmidt-Rottluff (* 1. Dezember 1884 in Rottluff als Karl Schmidt; † 10. August 1976 in West-Berlin) war ein deutscher Maler, Grafiker und Plastiker. Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter des Expressionismus, also einer Kunstrichtung, die Gefühle, innere Spannung und starke Ausdruckskraft wichtiger nahm als naturgetreue Darstellung.

Bekannt wurde er vor allem als Mitgründer der Künstlergruppe „Brücke“. Sein Werk umfasst Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Holzschnitte, Radierungen, Lithographien, Gebrauchsgrafik und Plastiken. Häufige Motive waren Landschaften, besonders an Nord- und Ostsee, außerdem Stillleben und Porträts. Zu seinen Porträts gehören Darstellungen der Kunsthistorikerin Rosa Schapire, mit der er eng befreundet war, und von Lyonel Feininger.

Seine künstlerische Entwicklung veränderte sich deutlich: Anfangs war sein Werk noch vom Impressionismus beeinflusst. Nach seinem Umzug von Dresden nach Berlin im Jahr 1911 nahmen geometrische Formen größeren Raum ein; ab 1923 traten runde, geschwungene Formen stärker hervor.

Herkunft und die Gruppe Brücke

Karl Schmidt wurde in Rottluff bei Chemnitz in Sachsen geboren. Sein Vater Friedrich Schmidt war Mühlenbesitzer. Das eigentliche Geburtshaus brannte 1892 ab; 1893 bis 1894 ließ der Vater die erhaltene Wohnmühle errichten, in der Schmidt-Rottluff Kindheit und Jugend verbrachte. Ab 1905 nannte er sich Schmidt-Rottluff. Von 1905 bis 1906 studierte er Architektur an der Technischen Hochschule Dresden.

Am 7. Juni 1905 gründete er zusammen mit Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl und Erich Heckel in Dresden die Künstlergruppe „Brücke“. Die Gruppe war für die Entwicklung des deutschen Expressionismus besonders wichtig. Bereits im November 1905 fand ihre erste Ausstellung in einer Kunsthandlung in Leipzig statt. 1907 bat die Hamburger Kunsthistorikerin Rosa Schapire um Aufnahme als passives Mitglied. Max Pechstein kam ebenfalls dazu, wurde aber ausgeschlossen, als bekannt wurde, dass er zugleich der Berliner Secession angehörte. 1913 löste sich die „Brücke“ auf.

Schmidt-Rottluff war auch in weiteren Künstlerzusammenhängen aktiv. Er beteiligte sich 1910 an Ausstellungen der Neuen Secession in Berlin, 1912 an der 2. Ausstellung des Blauen Reiters in München und an der Sonderbund-Ausstellung in Köln. 1914 wurde er Mitglied der Freien Secession in Berlin und hatte dort seine erste Einzelausstellung. Während des Ersten Weltkriegs war er von 1915 bis 1918 Armierungssoldat in Litauen und Russland.

Zwischenkriegszeit und Verfolgung

Nach dem Ersten Weltkrieg heiratete Schmidt-Rottluff 1919 Emy Frisch. Mit Rosa Schapire und Wilhelm Niemeyer gestaltete er die expressionistische Veröffentlichung „Die rote Erde“ und 1920/1921 die Zeitschrift für Kunst „Kündung“. 1931 wurde er als Mitglied in die Preußische Akademie der Künste berufen, musste aber zwei Jahre später durch Max von Schillings wieder austreten. 1932 zog er nach Rumbke am Lebasee in Hinterpommern.

Seit 1927 war Schmidt-Rottluff Mitglied des Deutschen Künstlerbundes, ab 1928 im engeren Vorstand und später auch Jurymitglied. 1936 nahm er an der letzten Jahresausstellung des Deutschen Künstlerbundes im Hamburger Kunstverein teil. Gezeigt wurden die Ölgemälde „Verschneiter Bach“ und „Abend am Bach“ von 1932.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden seine Werke verfolgt. 1937 wurden 608 Arbeiten aus deutschen Museen als „Entartete Kunst“ beschlagnahmt; einige wurden in der Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt. Bei der Gemäldeverbrennung am 20. März 1939 im Hof der Berliner Hauptfeuerwache wurden mehrere seiner Werke vernichtet. 1941 schloss Adolf Ziegler ihn aus der Reichskammer der bildenden Künste aus, was ein Berufsverbot bedeutete.

Trotz dieses Berufsverbots malte Schmidt-Rottluff im September 1942 auf Schloss Kreisau in Niederschlesien zahlreiche Landschaften, vor allem den Blick über Park und Ackerflächen zum Berg Zobten. Nur wenige dieser Aquarelle blieben erhalten; die übrigen wurden 1945 vernichtet. Von 1943 bis 1946 zog er sich nach Chemnitz zurück, nachdem seine Berliner Wohnung und sein Atelier durch Bombardierung zerstört worden waren.

Nach 1945, Reisen und späte Jahre

1947 wurde Schmidt-Rottluff Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin-Charlottenburg. Zu seinen Meisterschülerinnen gehörten unter anderem Jeane Flieser, Ingeborg Leuthold und Meret Eichler. Im 1950 wiedergegründeten Deutschen Künstlerbund war er Zweiter Vorstandsvorsitzender. Zwischen 1951 und 1976 nahm er noch fünfmal an dessen Jahresausstellungen teil. 1955 beteiligte er sich an der documenta 1 in Kassel.

In der DDR gerieten seine Werke, wie die anderer Expressionisten, ab Ende der 1940er Jahre in die Formalismus-Debatte, die von der Ideologie des Sozialistischen Realismus bestimmt war. Seine Bilder wurden kaum noch angekauft, und bis 1982 gab es in der DDR nur sehr wenige Ausstellungen. Freunde und Gönner unterstützten ihn in dieser Zeit mit Aufträgen.

Wichtige Impulse erhielt Schmidt-Rottluff immer wieder an Nord- und Ostsee. Dort malte er Landschaften in leuchtenden Farben und mit großzügiger Abstraktion. Stationen waren unter anderem 1906 die Ostseeinsel Alsen, 1907 bis 1912 Dangast an der Nordsee, 1913 Nidden auf der Kurischen Nehrung, 1914 und 1919 Hohwacht, 1919 bis 1931 Jershöft in Hinterpommern, 1932 bis 1943 Rumbke am Lebasee und 1951 bis 1973 Sierksdorf an der Lübecker Bucht. In Sierksdorf entstanden Motive wie Steilküste und Strand sowie Plastiken.

Nach seiner Emeritierung 1954 hielt er sich häufig in Hofheim am Taunus, am Lago Maggiore und an der Ostsee auf. Emy Schmidt-Rottluff starb 1975, Karl Schmidt-Rottluff 1976 in West-Berlin. Er wurde auf dem Waldfriedhof Dahlem in Berlin-Dahlem beigesetzt; die Grabstätte ist ein Ehrengrab des Landes Berlin.

Nachlass, Museen und Auszeichnungen

An seinem achtzigsten Geburtstag 1964 schlug Schmidt-Rottluff vor, in Berlin ein „Brücke“-Museum zu errichten. Das Museum in Berlin-Zehlendorf wurde am 15. September 1967 eröffnet. Erich Heckel und Schmidt-Rottluff übergaben dem Haus mehrere Werke. Heute verwahrt das Brücke-Museum über 300 Werke Schmidt-Rottluffs, darunter Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Postkarten, Holzschnitte, Radierungen, Lithographien, Gebrauchsgrafik und Plastiken.

Auch Chemnitz spielt für seinen Nachlass eine wichtige Rolle. Die Kunstsammlungen Chemnitz besitzen insgesamt 490 Werke des Künstlers, darunter Gemälde, Skulpturen, Arbeiten auf Papier und angewandte Kunst. Das Elternhaus in Chemnitz wurde als Projekt der Kulturhauptstadt Europas 2025 für rund 3,5 Millionen Euro restauriert. Seit dem 6. April 2025 ist es als Karl Schmidt-Rottluff Museum öffentlich zugänglich. Zu sehen sind Kunstwerke, Faksimiles, Dokumente, Holz-, Stein- und Schmuckobjekte sowie private Gegenstände.

Schmidt-Rottluff erhielt zahlreiche Ehrungen, darunter 1929 den Villa-Romana-Preis des Deutschen Künstlerbundes, 1930 den Rompreis der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo, 1946 die Ehrenbürgerwürde der Stadt Chemnitz, 1955 den Cornelius-Preis der Stadt Düsseldorf, 1956 die Aufnahme in den Orden Pour le Mérite, 1967 die Ernst-Reuter-Plakette des Landes Berlin, 1970 die Ehrenbürgerwürde von Berlin und 1974 den ersten Lovis-Corinth-Preis. Nach ihm wurden Straßen, Wege, eine Brücke in Chemnitz und das Karl-Schmidt-Rottluff-Gymnasium in Chemnitz benannt.

Seit 2018 vergibt die 2015 gegründete Stiftung zu Ehren von Karl Schmidt-Rottluff Chemnitz alle zwei Jahre den Kunstpreis zu Ehren von Karl Schmidt-Rottluff Chemnitz. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert und wird von einer unabhängigen fünfköpfigen Jury vergeben. Preisträger waren bisher Michael Morgner (2018), Max Uhlig (2021) und Nuria Quevedo (2023).

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