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Kantonsschule
Kantonsschule ; Voraussetzung, Sekundarschulabschluss, Aufnahmeprüfung ; Dauer, 3–4 Jahre (KZG) bzw. 6 Jahre (LZG) Stufen: 11.–14. (12.–15.) bzw. 9.–13.
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Begriff und Aufgabe
Eine Kantonsschule ist in mehreren Schweizer Kantonen die Bezeichnung für ein Gymnasium beziehungsweise für ein Collège, Lycée oder Liceo. Sie ist eine weiterführende Schule auf ISCED-Ebene 3A und wird vom jeweiligen Kanton getragen. Der Abschluss ist die Maturität, die durch eine Maturitätsprüfung erworben wird. Sie berechtigt zum Studium an Schweizer Universitäten und Fachhochschulen; teilweise gilt dabei ein Numerus clausus, also eine Zulassungsbeschränkung.
Die Bezeichnung Kantonsschule wird unter anderem in den Kantonen Aargau, Appenzell Ausserrhoden, Glarus, Graubünden, Luzern, Obwalden, St. Gallen, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn, Thurgau, Zug und Zürich verwendet. Während der obligatorischen Schulzeit umfasst die Kantonsschule nur das Untergymnasium.
Für das Jahr 2003 nennt der Artikel 170 Kantonsschulen mit 63.400 Schülerinnen und Schülern. Die übliche Dauer beträgt beim Kurzzeitgymnasium 3 bis 4 Jahre beziehungsweise beim Langzeitgymnasium 6 Jahre. Als Stufen werden 11.–14. beziehungsweise 12.–15. Schulstufe beim Kurzzeitgymnasium und 9.–13. Schulstufe beim Langzeitgymnasium genannt. Das Regelalter liegt ungefähr bei 16–19 Jahren beziehungsweise 13–18 Jahren.
Aufnahme und Aufbau
Das Kurzzeitgymnasium schliesst an die zweite oder dritte Sekundarklasse an und dauert vier Jahre. Das Langzeitgymnasium beginnt direkt nach der 6. Primarschulklasse und dauert entsprechend sechs Jahre. Beide Wege führen zur Maturität.
Die Aufnahmebedingungen unterscheiden sich je nach Kanton. Teilweise wird eine Aufnahmeprüfung verlangt. Auch der gewählte Schwerpunkt kann die Bedingungen beeinflussen. Allgemein werden im Artikel als Voraussetzungen Sekundarschulabschluss und Aufnahmeprüfung genannt.
Das Gymnasium umfasst die vier beziehungsweise sechs Jahre vor der Matura. Schülerinnen und Schüler mit Matura sind beim Abschluss in der Regel zwischen 18 und 19 Jahren alt. Der Aufbau des Schweizer Schulsystems ist kantonal sehr unterschiedlich, weshalb sich Dauer, Beginn und konkrete Organisation der Kantonsschulen je nach Kanton unterscheiden können.
Kantonale Ausgestaltung
Die Kantonsschule ist nicht in allen Kantonen gleich organisiert. Der Artikel nennt als Beispiele Zürich, St. Gallen und Aargau.
Im Kanton Zürich sind die ersten zwei von sechs Jahren noch nicht in Richtungen unterteilt, anders als die letzten vier Jahre. Danach gibt es verschiedene Richtungen, die zu unterschiedlichen Schwerpunkten führen. Genannt werden unter anderem Gestalten, Musik, Griechisch, Latein, Spanisch, Italienisch, andere Sprachen, Physik und Mathematik-Anwendungen, Biologie und Chemie, Wirtschaft sowie Russisch.
Im Kanton St. Gallen muss bei der Anmeldung zur Aufnahmeprüfung das gewünschte Schwerpunktfach angegeben werden. Dieses Fach wird während der ganzen vier Jahre unterrichtet. Ein Wechsel ist höchstens einmal während der gesamten Schulzeit möglich. Die Klassen werden gewöhnlich nach Schwerpunktfächern getrennt gebildet; es gibt aber auch gemischte Klassen, zum Beispiel wenn nur wenige Schülerinnen und Schüler ein bestimmtes Schwerpunktfach wählen.
Im Kanton Aargau ist Voraussetzung für die Aufnahme, dass in der Bezirkschule ein Durchschnitt von 4,7 erreicht wird. Vor dem Eintritt in die letzten beiden Jahre wählen die Schülerinnen und Schüler ihr Schwerpunktfach aufgrund ihrer schulischen Interessen, Leistungen und Vorstellungen über spätere Studienziele. Die Wahl des Schwerpunktfachs hat dort keinen Einfluss auf die Aufnahme in ein bestimmtes Studium. Die Schwerpunktfächer sind an allen sechs Aargauer Kantonsschulen gleich.
Schwerpunkte und Ergänzungsfach
Seit 2004 gilt das neue Maturreglement MAR. Es sieht verschiedene Schwerpunktfächer am Gymnasium vor. Nicht jedes Gymnasium bietet alle Schwerpunkte an, und auch hier bestehen kantonale Unterschiede.
Als Schwerpunktfächer nennt der Artikel: P: Physik und Anwendungen der Mathematik; N: Biologie und Chemie; F: Französisch; G: Griechisch; I: Italienisch; L: Latein; M: Musik; R: Russisch; S: Spanisch; W: Wirtschaft und Recht; PPP: Pädagogik, Psychologie und Philosophie; Z oder G: Bildnerisches Gestalten.
Zusätzlich gibt es je nach Kanton im letzten oder ab dem zweitletzten Jahr vor der Maturitätsprüfung ein Ergänzungsfach. Ein Ergänzungsfach ist ein weiteres frei wählbares Fach, zum Beispiel Psychologie oder Philosophie. Es zählt für den Maturerfolg gleich viel wie Deutsch, Französisch, Englisch, Mathematik und das Schwerpunktfach.
Maturität und Bewertung
Die Maturität ist der Abschluss der Kantonsschule. Um zur Maturaprüfung zugelassen zu werden, muss in den meisten Kantonen eine Maturaarbeit geschrieben werden. Sie umfasst in der Regel 20 Seiten. Sowohl die schriftliche Arbeit als auch die mündliche Präsentation der „Forschungsergebnisse“ müssen mindestens als genügend benotet werden.
Die Maturaprüfung umfasst in der Regel den Schulstoff der vorherigen zwei Jahre. In jedem Schwerpunkt werden Deutsch, Englisch, Französisch, Mathematik und das Schwerpunktfach geprüft. Diese Fächer werden schriftlich geprüft, wobei die Prüfungen unterschiedlich lange dauern. Zusätzlich gibt es kurze mündliche Prüfungen in Deutsch, Englisch, Französisch, Mathematik und im Schwerpunktfach. In Deutsch, Englisch und Französisch beziehen sich die mündlichen Prüfungen jeweils auf Literatur.
Für den Prüfungserfolg zählt in jedem Prüfungsfach sowohl der Mittelwert der Noten der letzten zwei Semester als auch der Durchschnitt aus schriftlicher und mündlicher Prüfung. Diese beiden Werte heissen Erfahrungsnote und Prüfungsnote. Aus ihnen wird die Maturitätsnote gebildet. In anderen Fächern wie Geschichte oder Geografie zählen nur die Erfahrungsnoten.
Jede Kandidatin und jeder Kandidat erhält dreizehn Maturnoten. Davon dürfen höchstens vier ungenügend sein. Ungenügende Noten müssen doppelt kompensiert werden: Eine 3.5 wird zum Beispiel durch einmal 5 oder zweimal 4.5 ausgeglichen.
Weitere Bildungsgänge und Frauenanteil
Kantonsschulen sind nicht immer reine Gymnasien. An einigen werden auch Lehrgänge angeboten, die nicht zur Matura führen. Dazu gehört die Fachmittelschule, abgekürzt FMS, die bis 2005 Diplommittelschule genannt wurde. Weitere Beispiele sind die Wirtschaftsmittelschule, abgekürzt WMS, beziehungsweise Handelsmittelschule, abgekürzt HMS, sowie die Informatikmittelschule, abgekürzt IMS.
Der Frauenanteil an Schweizer Gymnasien ist seit 1993/1994 grösser als der Männeranteil. Im Schuljahr 2003/2004 lag er bei 56 Prozent. Im Jahr 2004 wurden rund 16'000 Maturitätszeugnisse ausgestellt. 2018 betrug die gymnasiale Maturitätsquote der Frauen 26 %, die der Männer 18 %.