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Justus Haucap
Justus Haucap (* 24. März 1969 in Quakenbrück) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler. Er ist seit 2009 Professor für Volkswirtschaftslehre und war …
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Person und wissenschaftliche Bedeutung
Justus Haucap (* 24. März 1969 in Quakenbrück) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler, dessen Arbeit sich vor allem mit Wettbewerb, Regulierung und Wirtschaftspolitik beschäftigt. Seit dem Wintersemester 2009/10 ist er Professor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Wettbewerbstheorie und -politik, an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Dort ist er Gründungsdirektor des Düsseldorf Institute for Competition Economics (DICE). Daneben ist er Inhaber der privatwirtschaftlichen, von der Universität unabhängigen Unternehmensberatung Düsseldorf Competition Economics.
Haucap studierte Volkswirtschaftslehre an der Universität des Saarlandes und an der University of Michigan in Ann Arbor. 1997 promovierte er bei Rudolf Richter über die ökonomische Theorie der Werbung aus Sicht der Neuen Institutionenökonomik. Während seines Promotionsstudiums war er Visiting Scholar bei Oliver Williamson an der University of California, Berkeley. Danach arbeitete er beim neuseeländischen Schatzamt in Wellington und war dort unter anderem für Telekommunikation, Wasserwirtschaft, Post, Funkfrequenzen und wettbewerbspolitische Grundsatzfragen zuständig.
Im November 2003 habilitierte er sich bei Jörn Kruse an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg mit Arbeiten zu Wettbewerb, Regulierung und Institutionen. Von 2004 bis 2007 lehrte er an der Ruhr-Universität Bochum, anschließend bis 2009 an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Von Anfang 2015 bis Ende 2018 war er Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät in Düsseldorf.
Besondere öffentliche Bedeutung erhielt Haucap durch die Monopolkommission, ein unabhängiges Beratungsgremium zu Fragen des Wettbewerbs. Ihr gehörte er von Juli 2006 bis Juli 2014 an; von Juli 2008 bis Juli 2012 war er Vorsitzender. Seit 2019 ist er federführender Herausgeber der Zeitschrift „Perspektiven der Wirtschaftspolitik“.
Wirtschaftspolitische Positionen
Haucap äußert sich häufig öffentlich zu Wettbewerb und Regulierung. Er kritisierte Wettbewerbsdefizite in den Bereichen Energie, Bahn und Telekommunikation. Außerdem wandte er sich gegen branchenspezifische Lohnuntergrenzen, das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und das Leistungsschutzrecht für Presseverleger. Er befürwortet eine Liberalisierung von Drogen wie Cannabis.
2010 gab er im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) das Buch „Behördenflut in Deutschland. 50 Ämter und Institutionen auf dem Prüfstand“ heraus. 2015 sprach er sich dafür aus, die Rundfunkgebühr abzuschaffen und die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zu privatisieren. Gesellschaftlich wichtige Programme sollten seiner Vorstellung nach öffentlich gefördert und von einem politikunabhängigen Gremium ausgewählt werden.
Für die INSM erstellte Haucap 2018 eine Studie zu den „Kosten der Energiewende“. Darin bezifferte er die Kosten bis 2025 auf 500 Milliarden Euro. Der Nutzen der Energiewende wurde nicht behandelt; eine Kosten-Nutzen-Analyse fand nicht statt. Haucap bezeichnete die Energiewende als „teuren Sonderweg“ und schrieb für die Frankfurter Allgemeine Zeitung den Artikel „Deutschlands teurer Energie-Irrweg“. In diesem Artikel verwies er auf die Studienergebnisse, ohne anzugeben, dass die Studie im Auftrag der INSM entstanden war.
Kontroverse um Uber
Im Zusammenhang mit den 2022 veröffentlichten Uber Files geriet Haucaps Auftragsforschung in die Kritik. Die DICE Consult GmbH, an der er als Gesellschafter beteiligt ist, und DIW Econ hatten im Auftrag von Uber eine ökonomische Studie erstellt. Sie wurde 2015 veröffentlicht, wobei die Finanzierung durch Uber offengelegt wurde. Haucap hatte nach den Uber Files erstmals im Oktober 2014 mit dem Unternehmen über den Auftrag gesprochen. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits aus der Monopolkommission ausgeschieden, hatte dort zuvor aber an einer kritischen Untersuchung der Regulierung des deutschen Taximarktes mitgewirkt.
Kritisiert wurde, dass Uber zahlreiche Änderungswünsche an der Studie vorgebracht habe. Außerdem war neben der Studie vertraglich ein Presseartikel vorgesehen, der später als „Newsletter-Artikel“ abgerechnet wurde. Es entstand der Verdacht, damit könne Haucaps am 6. Dezember 2014 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschienener Gastbeitrag „Die Taxipreise freigeben“ gemeint gewesen sein. Dieser enthielt keinen Hinweis auf eine Absprache mit Uber und erschien daher als unabhängige wissenschaftliche Stellungnahme. Lobbycontrol nannte den Vorgang ein „Musterbeispiel, wie Lobbyismus heutzutage funktioniert“. Der Journalistik-Professor Tanjev Schultz erklärte, falls sich der Fall wie von NDR und Süddeutscher Zeitung dargestellt zugetragen habe, liege ein medien- und wissenschaftsethischer Verstoß vor.
Haucap bestreitet die Vorwürfe. Änderungsvorschläge Ubers seien nur übernommen worden, wenn alle Studienautoren ihnen zugestimmt hätten. Der von Uber bezahlte Artikel sei nicht der FAZ-Beitrag vom 6. Dezember 2014 gewesen. Dieser habe Forschungsergebnisse aus seiner Zeit in der unabhängigen Monopolkommission behandelt; der Vertrag mit Uber sei erst am 19. Dezember 2014 unterzeichnet worden. Welcher Artikel tatsächlich abgerechnet wurde, ließ sich laut Haucap nicht mehr feststellen. Der NDR veröffentlichte jedoch Auszüge aus internen Uber-Aufzeichnungen, die seiner Darstellung widersprechen sollen.
Infolge der Berichterstattung gab Haucap seinen Posten im Kuratorium der Fazit-Stiftung auf. Die Stiftung, die mehr als 90 % an der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hält, soll unter anderem deren redaktionelle Unabhängigkeit sichern.
Weitere Transparenzkritik
Auch bei Cannabis und Energiepolitik wurde Haucap mangelnde Transparenz vorgeworfen. Er setzte sich für die Legalisierung von Cannabis ein, ohne dabei nach Darstellung des Artikels seine Verbindungen zum Deutschen Hanfverband offenzulegen. Seit Ende 2020 gehört er außerdem dem wissenschaftlichen Beirat des Branchenverbandes Cannabiswirtschaft e. V. an.
Beim Erneuerbare-Energien-Gesetz trat Haucap in mehreren Rollen auf: In einer Auftragsstudie für das Land Sachsen empfahl er, die Förderung erneuerbarer Energien auf ein Quotenmodell umzustellen. Als Vertreter der Monopolkommission unterstützte er dieselbe Forderung. Zudem war er Gesicht einer Kampagne der INSM, die ebenfalls für dieses Modell warb. In Beiträgen für den Ökonomen-Blog der INSM und für die Frankfurter Allgemeine Zeitung berief er sich wiederholt auf eigene Auftragsstudien, ohne nach Darstellung des Artikels seine Autorenschaft und die jeweiligen Auftraggeber offenzulegen.
Fachliche Vernetzung, Veröffentlichungen und Auszeichnungen
Haucap ist oder war Mitglied zahlreicher wirtschaftswissenschaftlicher Fachgesellschaften und Beratungsgremien. Dazu zählen unter anderem die American Economic Association, die European Economic Association, die Royal Economic Society und der Verein für Socialpolitik. Seit 2014 gehört er der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften an. Weitere Funktionen umfassen wissenschaftliche Beiräte, etwa bei der Stiftung Marktwirtschaft, dem Wissenschaftlichen Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste und seit 2025 beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Seit 2015 ist er außerdem Mitglied des Wissenschaftlichen Arbeitskreises für Regulierungsfragen der Bundesnetzagentur. Seit 2023 sitzt er im Verwaltungsrat des Bundes der Steuerzahler Deutschland NRW.
Seine Veröffentlichungen behandeln vor allem Wettbewerb, Marktregulierung und wirtschaftspolitische Reformen. Themen sind beispielsweise die Datenökonomie, marktmächtige Unternehmen, Energiekartellrecht, Rundfunkordnung, Telekommunikationspolitik, Internetplattformen sowie die wirtschaftlichen Folgen einer Cannabislegalisierung. Zu den genannten Arbeiten zählen „Macht, Markt und Wettbewerb: Was steuert die Datenökonomie?“ von 2018 und die mit Heike Schweitzer, Wolfgang Kerber und Robert Welker verfasste Untersuchung „Modernisierung der Missbrauchsaufsicht für marktmächtige Unternehmen“, ebenfalls von 2018.
Zu seinen Auszeichnungen gehören die Wahl zum „Lehrstuhl des Jahres 2005“ an der Ruhr-Universität Bochum, der Grimme Online Award 2009 als Teil des Autorenkollektivs von Carta, der Gustav-Stolper-Preis des Vereins für Socialpolitik 2015 und der Ordnungspolitische Preis der Organisation „Die Familienunternehmer“ 2018.