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Jugendmusikbewegung
Die Jugendmusikbewegung (in den 1920er und 1930er Jahren oft auch Singbewegung) war eine von der Jugendbewegung beeinflusste musikpädagogische Richtung des …
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Kernidee
Die Jugendmusikbewegung, in den 1920er und 1930er Jahren oft auch Singbewegung genannt, war eine musikpädagogische Richtung des beginnenden 20. Jahrhunderts. Sie war von der Jugendbewegung beeinflusst und wollte das aktive Musizieren auch unter Laien fördern. Besonders wichtig war dabei die Pflege traditioneller Volkslieder.
Typisch für die Bewegung waren gemeinsames Singen, einfache Instrumente und musikalische Bildung außerhalb fester professioneller Strukturen. Als charakteristisches Instrument wird die Gitarrenlaute genannt. Teile der Bewegung vertraten und verbreiteten zugleich völkisches Gedankengut.
Entstehung und Praxis
Ein Ausgangspunkt war die Wiederentdeckung des deutschen Volkslieds um 1900 durch die Jugendbewegung „Wandervogel“. Große Verbreitung fanden das von Hans Breuer herausgegebene Liederbuch „Der Zupfgeigenhansl“ und die Gitarrenlaute. Außerdem wurden alte oder teilweise vergessene Instrumente wieder beliebt, darunter Blockflöte, Waldzither und Mandoline.
Nach Dorothea Kolland gilt 1918 als eigentliches Geburtsjahr der Jugendmusikbewegung. In diesem Jahr erschien Fritz Jödes Buch „Musikalische Jugendkultur, Anregungen aus der Jugendbewegung“. Schriften von Fritz Jöde, Walther Hensel, Hans Breuer und anderen erweiterten die Jugendbewegung um einen ausdrücklich musikalischen Aspekt.
Die Musikpraxis der Wandervögel sollte über das Singen aus dem „Zupfgeigenhansl“ beim Wandern und am Lagerfeuer hinausgehen. Ziel wurde ein Musikideal der Chormusik. Dieses wurde in offenen Singstunden und Singwochen umgesetzt, oft in Verbindung mit Aufenthalten in Jugendherbergen. Die Singwochen prägten die außerschulische Musikerziehung und die musikpädagogische Landschaft Deutschlands bis in die Zeit des Nationalsozialismus.
Organisationen und Beispiele
Walter Hensel veröffentlichte ab 1923 zahlreiche Bearbeitungen oder Vertonungen von Volksliedern. In Finkenstein, in der Nähe seines Geburtsorts Mährisch-Trübau, führte er die erste Singwoche durch. Er war außerdem der erste Autor des neu gegründeten Bärenreiter-Verlags.
Fritz Jöde gründete 1924 den „Finkensteiner Bund“. Dieser repräsentierte den völkischen Flügel der Jugendmusikbewegung. Der Bund gab die Zeitschrift „Singgemeinde“ heraus, veröffentlichte sechs Hefte „Die Musikanten, Lieder für die Schule“ und veranstaltete zahlreiche Singwochen.
Als Beispiel für die Singbewegung in Deutschland nennt der Artikel die Kantatensonntage mit 300, 600 und bis zu 1000 Teilnehmern sowie über 50 Singwochen im Hohenloher Land. Diese wurden von dem Pfarrer Heinrich Mohr de Sylva (1891–1989) oder mit ihm von 1929 bis 1962 geleitet.
Bezug zum Nationalsozialismus
Die Jugendmusikbewegung wirkte bis in die Zeit des Nationalsozialismus hinein. Der nationalsozialistische Musikhistoriker Joseph Müller-Blattau, der eng mit dem Finkensteiner Bund verbunden war, schrieb 1938 in seiner „Geschichte der deutschen Musik“: „Das Dritte Reich ist nicht nur erkämpft, sondern auch ersungen worden.“
Dieser Satz zeigt, dass zumindest Teile der Bewegung und ihrer musikalischen Praxis im Zusammenhang mit nationalsozialistischer Ideologie gesehen wurden. Der Artikel betont außerdem, dass Teile der Jugendmusikbewegung völkisches Gedankengut vertraten und verbreiteten.
Genannte Personen
Als wichtige oder mit der Bewegung verbundene Persönlichkeiten nennt der Artikel Hans Breuer, Richard Gölz, Georg Götsch, Hans Grischkat, Walther Hensel, Reinhold Heyden, Fritz Jöde, Johannes Jehle, Jens Rohwer, Adolf Seifert, Gottfried Wolters und Eduard Zuckmayer.
Besonders hervorgehoben werden im Artikel Hans Breuer als Herausgeber des Liederbuchs „Der Zupfgeigenhansl“, Fritz Jöde als Musikpädagoge und Gründer des Finkensteiner Bundes sowie Walther Hensel als Bearbeiter und Vertoner von Volksliedern und Initiator der ersten Singwoche in Finkenstein.