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Internet Corporation for Assigned Names and Numbers

Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (kurz: ICANN) koordiniert die Vergabe von einmaligen Namen und Adressen im Internet.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kernaufgabe und Arbeitsweise
  2. 2. Entstehung und Ende der US-Aufsicht
  3. 3. Aufbau und beteiligte Gruppen
  4. 4. Rechtsstellung und Finanzierung
  5. 5. Technische und organisatorische Weiterentwicklung
  6. 6. Kritik und umstrittene Machtstellung

Kernaufgabe und Arbeitsweise

Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) koordiniert weltweit eindeutige Namen, Nummern und Adressen im Internet. Diese Koordination ist notwendig, damit Daten zuverlässig das richtige Ziel erreichen und Domainnamen nicht mehrfach oder widersprüchlich vergeben werden. Die 1998 gegründete Organisation hat ihren Hauptsitz in Los Angeles und ist in Kalifornien als Non-Profit-Organisation eingetragen.

Ihre zentrale Aufgabe ist die sogenannte IANA-Funktion. Dazu gehören:

  • die Zuteilung großer IP-Adressblöcke an die fünf Regional Internet Registries (RIRs), die kleinere Bereiche an Local Internet Registries weitergeben;
  • die Vergabe von Nummern und Bezeichnern für Netzwerkprotokolle, beispielsweise Portnummern, sowie die Pflege der Zeitzonen-Datenbank;
  • die Zuteilung von Top-Level-Domains (TLDs), also Domainendungen wie .de oder .com, an Registries. Eine Registry verwaltet eine TLD, während Registrare die Registrierung einzelner Domains anbieten.

Außerdem koordiniert die ICANN die Root-Nameserver, die an der Spitze des Domain Name Systems (DNS) stehen, und betreibt selbst einen dieser Server. Sie verwaltet auch den DNSSEC-Schlüssel der Root-Zone. DNSSEC ist eine Sicherheitserweiterung, mit der DNS-Daten kryptografisch überprüft werden können. Nach ihrem Selbstverständnis arbeitet die ICANN von der Basis ausgehend („bottom up“), konsensgesteuert und nach einem Multi-Stakeholder-Modell, das unterschiedliche Interessengruppen einbezieht.

Entstehung und Ende der US-Aufsicht

Die IANA-Funktion war im Arpanet und später im Internet zunächst dem US-Informatiker Jon Postel übertragen. Auftraggeber war die DARPA, eine Forschungsagentur der US-Streitkräfte. Als die Förderprogramme von DARPA und der National Science Foundation in den 1990er Jahren ausliefen und sich das Internet zu einem kommerziellen Netzwerk entwickelte, ging die Aufsicht an die National Telecommunications and Information Administration (NTIA) im US-Handelsministerium über.

Im Februar 1998 schlug die NTIA in einem „Green Paper“ eine neue gemeinnützige Organisation für die IANA-Funktion vor. In einem „White Paper“ vom 5. Juni 1998 erklärte die US-Regierung ihre Bereitschaft, eine solche Organisation anzuerkennen und vertraglich zu beauftragen. Im Oktober 1998 wurde daraufhin die ICANN in Marina del Rey gegründet.

Ursprünglich sollte ein Teil des Vorstands direkt von der Internetöffentlichkeit gewählt werden. Im Jahr 2000 fand eine Onlinewahl für fünf Direktorenplätze statt. Nach internen Konflikten und einer erfolgreichen Klage des Direktors Karl Auerbach auf Einsicht in die Geschäftsbücher wurde die ICANN 2002 durch eine neue Satzung umgestaltet. Die öffentliche Direktwahl wurde abgeschafft; die Amtszeiten der fünf gewählten Vertreter endeten 2003.

Lange beruhte die US-Aufsicht auf einem befristeten Vertrag. Im März 2014 kündigte die NTIA an, diese Kontrolle abzugeben, sofern auch andere Regierungen keine Herrschaft über die ICANN erhielten. Beim 55. ICANN-Treffen im März 2016 in Marrakesch einigten sich die Gremien auf eine Selbstverwaltung der IANA-Funktion und der zentralen Rootzone. Vier US-Bundesstaaten versuchten noch im September 2016, die Übergabe gerichtlich zu stoppen; ihr Antrag wurde abgewiesen. Die Aufsicht der US-Bundesregierung endete wie vorgesehen am 30. September 2016.

Aufbau und beteiligte Gruppen

Zentrales Organ der ICANN ist das Board of Directors mit 21 Mitgliedern, von denen 16 stimmberechtigt sind. Acht stimmberechtigte Mitglieder werden durch ein Nominierungskomitee bestimmt, sieben durch ICANN-Organe. Diese 15 wählen den Präsidenten und Chief Executive Officer, der ebenfalls stimmberechtigtes Vorstandsmitglied ist. Fünf weitere Mitglieder ohne Stimmrecht werden von beratenden Organen benannt. Die Satzung verlangt bei der Auswahl geografische und kulturelle Vielfalt.

Die wichtigsten unterstützenden Organisationen vertreten verschiedene Bereiche des Internets:

  • Die Address Supporting Organization (ASO) vertritt die Regional Internet Registries und wirkt an Regeln für die Vergabe von IP-Adressen mit. Seit Oktober 2004 werden ihre Aufgaben von der externen Number Resource Organization wahrgenommen.
  • Die Country Code Names Supporting Organization (ccNSO) vertritt Betreiber länderspezifischer Top-Level-Domains (ccTLDs) wie .at, .ch, .de und .lu. Die Zwei-Buchstaben-Kürzel übernimmt die ICANN aus ISO 3166. Hinzu kommen internationalisierte Endungen in anderen Schriftsystemen, etwa .中国 als Alternative zu .cn. Die ccTLD-Betreiber dürfen eigene Vergaberichtlinien festlegen.
  • Die Generic Names Supporting Organization (GNSO) entwickelt Regeln für generische Top-Level-Domains (gTLDs) wie .com, .info, .museum und .net. Sie behandelt unter anderem Wettbewerb, Namensstreitigkeiten, abgelaufene Registrierungen und neue Endungen. Anbieter von Registrierungen unter einer gTLD müssen von der ICANN kostenpflichtig als Registrar akkreditiert sein oder als Reseller eines akkreditierten Registrars handeln.

Mehrere Beiräte beraten den Vorstand. Im Governmental Advisory Committee (GAC) wirken Vertreter aus über 100 Staaten mit. Das At-Large Advisory Committee (ALAC) soll die Interessen einzelner Internetnutzer vertreten; Mitglied werden können jedoch nur Vereinigungen und Nutzergruppen. Seit einer Satzungsänderung im Oktober 2010 stellt es ein stimmberechtigtes Vorstandsmitglied. Das Security and Stability Advisory Committee und das Root Server System Advisory Committee behandeln Sicherheitsfragen und technische Risiken. Verbindungen zu technischen Normungsorganisationen bestehen unter anderem über die Internet Engineering Task Force und die Technical Liaison Group.

Rechtsstellung und Finanzierung

Als privatrechtliche Non-Profit-Organisation besitzt die ICANN keine staatlichen Befugnisse. Ihre Zusammenarbeit mit Registries und anderen Beteiligten beruht deshalb auf zivilrechtlichen Verträgen. Wegen ihres Sitzes in Kalifornien unterliegt sie der US-amerikanischen Rechtsprechung. Regierungsvertreter können über das Governmental Advisory Committee beratend mitwirken, sind im Multi-Stakeholder-Modell aber grundsätzlich neben anderen Interessengruppen beteiligt.

Vor dem Ende der US-Regierungsaufsicht war die Stellung der ICANN durch Vereinbarungen mit der US-Regierung und durch den IANA-Vertrag abgesichert. Seit dem 1. Oktober 2009 ersetzte die „Affirmation of Commitments“ das frühere Joint Project Agreement. Sie sah regelmäßige Prüfungen durch Regierungsvertreter und betroffene Interessengruppen vor. Nach dem damaligen IANA-Vertrag durfte die ICANN Änderungen an Top-Level-Domains in der Root-Zone nicht allein ausführen: Sie benötigte die Freigabe der NTIA, die anschließend Verisign als Betreiber des „A“-Root-Nameservers zur Umsetzung ermächtigte. Diese Aufsicht lief 2016 aus.

Die ICANN finanziert sich hauptsächlich durch Gebühren von gTLD-Registries und -Registraren, ccTLD-Registries sowie Regional Internet Registries. Hinzu kommen in geringem Umfang Sponsorengelder im Zusammenhang mit ICANN-Treffen. Für das Fiskaljahr 2012 waren Einnahmen von 90 Millionen US-Dollar vorgesehen: 71 Millionen aus den üblichen Tätigkeiten und 19 Millionen als erster Anteil aus Bewerbungen um neue gTLDs. Die NTIA bezahlte die ICANN nicht für die IANA-Funktion. In der Gründungszeit erhielt die Organisation Darlehen und Spenden; die Markle Foundation stellte 200.000 US-Dollar bereit.

Technische und organisatorische Weiterentwicklung

Die ICANN erweiterte das System der generischen Top-Level-Domains schrittweise. Im Jahr 2000 wurden .aero, .biz, .coop, .info, .museum, .name und .pro zugelassen. 2004 folgten .asia, .cat, .jobs, .mobi, .post, .tel und .travel. Seit Juli 2010 unterstützen die Root-Nameserver DNSSEC.

Im Februar 2011 verteilte die ICANN die letzten freien IPv4-Adressblöcke an die Regional Internet Registries und verwies auf IPv6, das ausreichend freie Adressen bieten sollte. Im Juni 2011 beschloss sie ein offenes, kostenpflichtiges Bewerbungsverfahren für weitere gTLDs. Vom 12. Januar bis zum 20. April 2012 gingen 1.930 Bewerbungen ein; die ersten neuen Endungen wurden ab dem 23. Oktober 2013 schrittweise eingeführt. Beispiele sind .xyz, .shop, .app, .swiss und .berlin. Jede Bewerbung kostete 185.000 Dollar, weitere Einnahmen entstanden bei einer tatsächlichen Zulassung. Das „New gTLD“-Programm brachte insgesamt mehrere Millionen ein.

Im Juni 2012 verlegte die ICANN ihren Hauptsitz von Marina del Rey nach Playa Vista in Los Angeles.

Kritik und umstrittene Machtstellung

Kritiker bezeichneten die ICANN als „Weltregierung des Internets“. Die Organisation selbst weist diese Rolle nicht für sich aus, sondern beschreibt ihre Tätigkeit als Koordination und Verwaltung technischer Parameter. Kritisiert wurden besonders ihre Kontrolle über die Root-Zone und die frühere Abhängigkeit von der US-Regierung. Als Reaktion entstanden alternative Root-Zonen und Root-Server-Netze.

Kontrovers waren einzelne Entscheidungen über länderspezifische Endungen. Während des Afghanistankriegs wurde die Verwaltung von .af ausgesetzt, bis eine neue Regierung im Amt war. Die nordkoreanische Endung .kp wurde wegen Formfehlern drei Jahre lang nicht aktiviert. Die irakische Endung .iq blieb nach der Verhaftung ihrer Betreiber bis zur Übergabe an die irakische Übergangsregierung im Jahr 2005 inaktiv.

Das Open Root Server Network (ORSN) sollte den Einfluss der ICANN auf Root-Zone und DNS verringern. Es war von 2002 bis 2008 aktiv und nahm 2013 den Betrieb erneut auf. ORSN kopierte die Root-Zone der ICANN, prüfte Änderungen manuell und verwendete keine eigenen Top-Level-Domains.

Früher wurde außerdem kritisiert, dass 9 der 13 Root-Nameserver in den USA standen und dadurch die Stabilität für andere Länder gefährdet sein könnte. Durch die breite Einführung von Anycast, bei dem derselbe Dienst über weltweit verteilte Serverstandorte erreichbar ist, sind die Standorte inzwischen global verteilt.

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