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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Institutioneller Flächenstaat

Als institutionellen Flächenstaat bezeichnet man einen mittelalterlichen bzw. (früh-)neuzeitlichen Staat, der über ein zusammenhängendes Territorium, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Abgrenzung und Forschung
  3. 3. Entwicklung des Begriffs
  4. 4. Verwandte Begriffe
  5. 5. Beispiele

Begriff und Bedeutung

Ein institutioneller Flächenstaat ist ein mittelalterlicher beziehungsweise frühneuzeitlicher Staat mit einem zusammenhängenden Territorium und öffentlichen Institutionen. Seine politische Ordnung wird vor allem durch dieses zusammenhängende Gebiet bestimmt. Damit steht der Begriff nahe beim Territorialstaat.

Der Begriff ist wichtig, weil er eine Form von Herrschaft beschreibt, bei der nicht nur persönliche Bindungen zwischen Herrscher und Gefolgsleuten entscheidend sind, sondern auch Gebiet, Verwaltung und Institutionen.

Abgrenzung und Forschung

Der österreichische Historiker Theodor Mayer entwickelte den Begriff als Gegensatz zum Personenverbandsstaat. Ein Personenverbandsstaat beruht stärker auf persönlichen Bindungen und Verbänden von Personen, während der institutionelle Flächenstaat stärker durch Territorium und Institutionen geprägt ist.

Der Begriff setzte sich in den 1950er Jahren in der Forschung durch. Er gilt als bewusster Anachronismus, weil das Wort „Staat“ erst in der italienischen Literatur des 15. Jahrhunderts nachweisbar ist. Deshalb unterscheidet die Forschung zwischen mittelalterlichen Rechtsbewahrungsstaaten, zu denen der institutionelle Flächenstaat gezählt wird, und modernen Gesetzgebungsstaaten.

Entwicklung des Begriffs

Theodor Mayer entwickelte den Begriff in den 1930er Jahren, um eine Staatsform des Mittelalters zu bestimmen. Der institutionelle Flächenstaat soll dabei nicht einfach als spätere Entwicklungsstufe nach dem Personenverbandsstaat verstanden werden. Er ist eine eigene Bezeichnung für Staatsformen, die bis in die fränkische Zeit zurückreichen können.

Beide Formen konnten gleichzeitig bestehen; dies wird als „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ bezeichnet. Mayer sah idealtypisch dennoch einen Übergang vom aristokratischen, dezentralistischen zum zentralistisch feudalen Personenverbandsstaat und weiter zum modernen anstaltlichen oder institutionellen Flächenherrschaftsstaat.

Verwandte Begriffe

Dem Begriffspaar Personenverbandsstaat und institutioneller Flächenstaat ging in der Forschung die Unterscheidung zwischen genossenschaftlichem und herrschaftlichem Prinzip voraus. Nach Otto von Gierke gibt es in einem Staat immer einen Gegensatz und zugleich ein Miteinander dieser beiden Prinzipien.

Sowohl diese ältere Unterscheidung als auch Mayers Begriffspaar sehen das genossenschaftliche Prinzip beziehungsweise den Personenverbandsstaat als niedrigere Entwicklungsstufe gegenüber dem herrschaftlichen beziehungsweise institutionellen Prinzip der Staatsverfassung.

Beispiele

Heute sind die meisten Staaten der Welt institutionelle Flächenstaaten.

England wird bereits seit dem frühen Mittelalter zu den institutionellen Flächenstaaten gezählt. Es wurde von einem Herrscher regiert, der die gesamte Staatsmacht innehatte. Parlamentarismus und Bürokratisierung gelten dort als Folgen der Institutionalisierung des Staatswesens und zugleich als Merkmale dieser Entwicklung.

Deutschland schloss die Entwicklung zu dieser Staatsform erst im späten 19. Jahrhundert ab, im Zusammenhang mit der Gründung des zweiten deutschen Kaiserreiches.

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