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Institut der deutschen Wirtschaft
Das IW erarbeitet Analysen und Stellungnahmen zu Fragen der Wirtschafts- und Sozialpolitik, des Bildungs- und Ausbildungssystems sowie der gesellschaftlichen …
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Überblick und Einordnung
Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln e. V. (IW) ist ein arbeitgebernahes Wirtschaftsforschungsinstitut mit Sitz in Köln sowie Büros in Berlin und Brüssel. Es wurde 1951 gegründet und hat die Rechtsform eines eingetragenen Vereins. Finanziert wird es von Verbänden und Unternehmen der Wirtschaft. Trägervereine sind die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und der Bundesverband der Deutschen Industrie. Mitglied können in der Regel die Mitgliedsverbände dieser Dachverbände sowie Unternehmen und Institutionen der privaten Wirtschaft werden.
Das IW erarbeitet Analysen und Stellungnahmen zu Fragen der Wirtschafts- und Sozialpolitik, des Bildungs- und Ausbildungssystems sowie der gesellschaftlichen Entwicklung. Es vertritt wirtschaftsliberale Positionen. Zugleich ist es Mutterorganisation der Lobbyorganisation Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und wissenschaftlicher Berater des Roman Herzog Instituts. Präsidentin ist seit Juni 2025 Angelique Renkhoff-Mücke, Direktor ist Michael Hüther, das Hauptstadtbüro leitet Knut Bergmann.
Aufbau des IW-Verbunds
Der IW-Verbund ist in mehrere Bereiche gegliedert: einen Wissenschaftsbereich, eine Gesellschaft für kommerzielle Forschung und Beratung, Unternehmen mit publizistischem Auftrag, Unternehmen für Lobbyismus im Auftrag der Wirtschaft sowie einen Anbieter von Seminaren für Führungskräfte.
Die wissenschaftliche Arbeit wird im Wissenschaftsbereich geleistet, der von Hubertus Bardt geleitet wird. Er ist in elf Felder unterteilt. Dazu gehören unter anderem Arbeitsmarkt und Arbeitswelt, berufliche Qualifizierung und Fachkräfte, Bildung, Zuwanderung und Innovation, Finanz- und Immobilienmärkte, internationale Wirtschaftsordnung und Konjunktur, öffentliche Finanzen und soziale Sicherung, Strukturwandel und Wettbewerb, Tarifpolitik und Arbeitsbeziehungen, Umwelt, Energie und Infrastruktur sowie Verhaltensökonomik und Wirtschaftsethik. Bereichsübergreifend arbeiten zwei Forschungsgruppen kontinuierlich zu Konjunktur sowie Mikrodatenanalyse.
Beratung, Medien und Lobbyarbeit
Die kommerzielle Forschung und Beratung ist in der IW Consult GmbH organisiert. Sie richtet sich an Unternehmen und Verbände, Ministerien und Stiftungen. Zu ihren Tätigkeitsfeldern zählen Branchen- und Regionalanalysen, Umfragen, empirische Untersuchungen sowie die Organisation von Netzwerken und Projekten. Beispiele sind die Geschäftsstelle des Klassifikationssystems eCl@ss und das Projekt PROZEUS zur Förderung des elektronischen Geschäftsverkehrs.
Publizistische und PR-Aktivitäten bündelt die Institut der deutschen Wirtschaft Köln Medien GmbH. Zu ihr gehören auch die Redaktionen des Instituts. Tochtergesellschaften sind der Kölner Universitätsverlag GmbH und die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft GmbH. Die IW Medien betreibt außerdem den iwd, den Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft, der als publizistisches Sprachrohr des Instituts beschrieben wird.
Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ist eine vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall finanzierte Lobbyorganisation. Sie will politische Botschaften durch Öffentlichkeitsarbeit bei Entscheidern und in der Bevölkerung verankern. Genannt werden wirtschaftsliberale Reformen, Deregulierung und Privatisierung in Arbeitsmarkt-, Sozial- und Tarifpolitik, eine wettbewerbsorientierte Bildungspolitik sowie häufig eine Abschwächung klimapolitischer Maßnahmen. Die INSM gibt auch Studien beim IW in Auftrag.
Internationale Einbindung
Das IW war bis 2009 Mitglied im „Network of Private Business Organizations“, dem Einrichtungen aus Europa, Amerika, Australien und Asien angehören. Es ist Mitglied im Advisory Board der Zeitschrift „Europe's World“ der Friends of Europe.
Außerdem steht das Institut in regelmäßigem Austausch über wirtschafts- und gesellschaftspolitische Themen mit Einrichtungen in Österreich und der Schweiz sowie im Rahmen der OECD. Seit dem 1. Juli 2015 unterhält das IW ein Büro in Brüssel.
Entstehung und Entwicklung
Das Institut wurde am 16. Januar 1951 als Deutsches Industrie-Institut gegründet. Es sollte laut Gründungsbeschluss eine „breitgefächerte volkswirtschaftliche Aufklärungsarbeit über Leistungen und Grundsätze der freien Unternehmerwirtschaft auf der Grundlage von wissenschaftlich einwandfreien Erkenntnissen“ leisten. Am 2. Mai 1951 nahm es in Köln seine Arbeit auf. Noch 1951 entstanden erste Periodika, darunter der Unternehmerbrief, der ab 1975 als iwd weiterentwickelt wurde. Am 19. September 1951 wurden Satzung und erster Vorstand beschlossen, am 16. Oktober 1951 erfolgte die Eintragung ins Vereinsregister. 1973 wurden das Deutsche Industrieinstitut in Institut der deutschen Wirtschaft Köln und die Deutsche Industrieverlags-GmbH in Deutscher Instituts-Verlag GmbH umbenannt.
Das Institut wuchs in den folgenden Jahrzehnten. 1961 hatte es rund 160 feste Mitarbeiter, darunter 50 wissenschaftlich oder publizistisch ausgewiesene Fachleute. Bis zur Jahrtausendwende stieg die Zahl auf rund 330 Beschäftigte, etwa je zur Hälfte im wissenschaftlichen Bereich und in den Verlagen. Seit 1990 gibt es ein Büro in Berlin, das zunächst die marktwirtschaftliche Transformation in Ostdeutschland begleiten sollte und später zur Repräsentanz in der Bundeshauptstadt wurde.
Zur Geschichte gehören auch Medien- und Datenbankaktivitäten. Ab 1957 sammelte das Institut Publikationen und Medien in einer eigenen Bibliothek. 1962 entstand die Deutsche Industriefilmzentrale, die bis 1998 betrieben wurde. 1980 begann mit PRODIS der Aufbau einer arbeitswissenschaftlichen Datenbank; seit 1989 wurde in Kooperation mit dem Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung die Datenbank REHADAT aufgebaut. In den 1950er Jahren waren im Institut auch politisch schwer belastete NS-Funktionäre tätig, darunter Fritz Arlt, der von 1954 bis 1957 eine Abteilung des Instituts leitete und zuvor Funktionen im nationalsozialistischen Herrschafts- und Besatzungsapparat innehatte.
Kooperationen und Ausgründungen
Das IW übernahm 1965 mit Einrichtung der Bundesarbeitsgemeinschaft Schule-Wirtschaft die Betreuung der seit 1953 bestehenden Arbeitskreise Schule-Wirtschaft; seit 1976 werden sie gemeinsam mit der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände geführt. 1984 begann ein regelmäßiger Dialog Kirche-Wirtschaft. Das IW befasst sich in einem eigenen Referat mit dem Verhältnis von Kirche und Wirtschaft sowie mit Fragen der Wirtschaftsethik. Seit 1991 wird im zweijährlichen Turnus der Max-Weber-Preis für Wirtschaftsethik vergeben.
In der Forschungsarbeit wurde das IW 1967 Mitglied bei der Arbeitsgemeinschaft deutscher wirtschaftswissenschaftlicher Forschungsinstitute. 1969 entstand die Arbeitsgruppe „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung und Prognosen“, 1970 folgte die Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft Sozialwissenschaftlicher Institute. Später kamen unter anderem eine Forschungsstelle Immobilienökonomik im Jahr 2005 und 2012 die IW Akademie GmbH hinzu, die Forschung zu ethischen Fragen betreibt und Executive Education zum integren Wirtschaften anbietet.
Seit den 1970er Jahren gründete oder übernahm das IW mehrere Gesellschaften. Dazu gehörten 1974 die edition agrippa GmbH, 1988 die Fortbildungsakademie der Wirtschaft gGmbH und 1998 die Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult GmbH. 1999 entstand die berolino.pr gmbh, die seit 2007 als INSM-Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft GmbH firmiert. Das Projekt JUNIOR, in dem Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden Schulen in einjährigen Modellphasen an unternehmerische Tätigkeiten herangeführt werden, wurde 2008 in die Institut der deutschen Wirtschaft Köln Junior gGmbH ausgelagert.