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Imhotep
Imhotep (altägyptisch für „der in Frieden kommt“; griechisch-lateinisch Imuthes) war um 2700 v. Chr. ein hoher Würdenträger unter König Djoser (3.
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Historische Person und Belege
Imhotep, altägyptisch „Jj m ḥtp“ („der in Frieden kommt“), war um 2700 v. Chr. ein hoher Würdenträger unter König Djoser in der 3. Dynastie. Er gilt als der erste große Baumeister des Alten Reichs. Als Oberster Baumeister und Vorlesepriester Djosers war er vermutlich am Bau der Djoser-Pyramide beteiligt; außerdem deutet eine Inschrift auf eine Bauverantwortung unter Djosers Nachfolger Sechemchet hin. Seine genaue Tätigkeit ist jedoch nicht sicher bekannt, da nur Rang- und Versorgungstitel überliefert sind.
Lange Zeit wurde Imhotep für eine rein mythologische Figur gehalten. Seine historische Existenz wurde 1920 durch Cecil M. Firths Fund eines Statuensockels nachgewiesen. Zeitgenössische bildliche Darstellungen sind nicht bekannt. Imhotep ist durch zwei Inschriften belegt: durch die Statuenbasis JE 49889 einer Djoser-Statue aus Sakkara und durch ein Mauergraffito an der Umfassungsmauer der unvollendeten Sechemchet-Pyramide. Die Statuenbasis nennt seinen Namen und seine Titel. Sie ist bislang der einzige bekannte Fall, in dem Name und Titel einer nichtköniglichen Person auf der Plinthe einer Königsstatue stehen.
Seine genaue Abstammung bleibt ungeklärt. Die Inschrift „Die beiden Brüder des Königs von Unterägypten“ wurde von einigen Forschern als Hinweis auf eine Verwandtschaft mit Djoser, möglicherweise als Bruder oder Sohn, verstanden. Wahrscheinlicher ist nach anderer Deutung, dass damit die Götter Horus und Seth oder Thot gemeint sind. Der Titel Sedjauti-biti weist Imhotep dennoch als Prinzen oder zumindest als nahen Verwandten des Königs aus. Spätere Überlieferungen nennen ihn als Sohn des Architekten Khanofer und der Chereduanch sowie als Ehemann der Ronpetnofret; diese Angaben sind zeitgenössisch nicht bestätigt und gelten vermutlich als Teil der Legendenbildung.
Titel und Funktionen
Die Inschriften weisen Imhotep hohe Rang- und Versorgungstitel zu, auch wenn die genaue Funktion einzelner Titel umstritten ist. Sein wichtigster Titel war Sedjauti-biti, „Siegelbewahrer des Königs von Unterägypten“. Der Titel bezeichnete ursprünglich einen Versorgungsleiter des Palastes und wurde in der 3. Dynastie wahrscheinlich zu einem Rangtitel für Prinzen und Königsnachkommen. Er erscheint auf der Statuenbasis, dem Siegelabdruck aus Kammer B der Djoser-Pyramide und dem Graffito der Sechemchet-Pyramide.
Cheri-tep-nesu bedeutet „Der unter dem Kopf des Königs von Oberägypten ist“. Ursprünglich bezeichnete der Titel wahrscheinlich eine Tätigkeit im engen Umfeld des Königs, entwickelte sich aber vermutlich zu Beginn der 3. Dynastie zu einem hohen Rangtitel mit unklarer Funktion. Iri-pat bedeutet „Mitglied der Elite“. Nach Wolfgang Helck konnte dieser Titel einen Kronprinzen bezeichnen; Erika Endesfelder zeigte dagegen, dass er kein Prinzentitel sein musste. Da er nur auf der Statuenbasis vorkommt, könnte Imhotep ihn lediglich als zeremonielle Rolle beim Sedfest geführt haben.
Heqa-hut-aa, „Gutsverwalter“, war ein Versorgungstitel, der Imhotep Einkünfte aus bestimmten Gütern zusicherte. Maa-wer, „Der den Großen schaut“, bezeichnete im frühen Alten Reich wahrscheinlich einen Leiter von Expeditionen und Bauarbeiten. In späteren Zeiten war Maa-wer auch der Titel des Hohepriesters von Heliopolis. Aus dem Siegelabdruck lässt sich außerdem der Titel Medjh-nechen, „Vorsteher der Werft“, erschließen. Eine spätere Erläuterung verbindet diese Funktion mit dem Bau des Schiffes der Hathor, sodass sie möglicherweise mit Imhoteps Tätigkeit als Bauleiter zusammenhing.
Die Titel Medjh-qesti, „Vorsteher der Bildhauer“, und ein weitgehend zerstörter weiterer Titel bezogen sich wahrscheinlich nicht auf Imhotep, sondern auf den Künstler, der die Statue herstellte. Die Lesung „Hersteller von Gefäßen“ für den zweiten Titel ist spekulativ. Insgesamt zeigen die Inschriften, dass Imhotep höchste Würden innehatte; seine Stellung als Baumeister wird durch die Titel nahegelegt, ist aber nicht durch einen direkten Baumeistertitel bewiesen.
Die Djoser-Pyramide
Imhotep wird vor allem mit der Stufenpyramide des Königs Djoser in Sakkara verbunden. Djoser ließ das Monument während seiner 19-jährigen Herrschaft, etwa 2665–2645 v. Chr., errichten. Die Pyramide war ein Meilenstein der altägyptischen Architektur, weil sie als ältester aus behauenen Steinen errichteter Monumentalbau gilt.
Die Bauform entstand aus einer Verbindung älterer Begräbnisformen Ober- und Unterägyptens. Sie entwickelte die königlichen Grabanlagen der 1. und 2. Dynastie in Abydos weiter und übernahm zugleich Elemente aus der Nekropole von Sakkara. Die Pyramide kann als Weiterentwicklung des Grabhügels verstanden werden, der den mythologischen Urhügel symbolisierte.
Der Bau wurde während der Ausführung mehrfach verändert und erweitert. Begonnen wurde er als quadratische Mastaba mit 63 m Kantenlänge und 8 m Höhe. In sechs Bauphasen entstand daraus zunächst eine vierstufige und schließlich eine sechsstufige Pyramide mit Basismaßen von 121 m × 109 m und einer Höhe von 63 m. Baumaterial war Kalkstein. Der unterirdische Bereich mit der Grabkammer stellte einen symbolischen Palast für die Ewigkeit dar und war teilweise mit blauen Fayencekacheln geschmückt.
Eine gewaltige Einfassungsmauer umgab die Pyramide. Auf dem Gelände lagen zahlreiche symbolische Kultbauten, die dem verstorbenen König ermöglichen sollten, das Sedfest im Jenseits zu feiern und seinen Herrschaftsanspruch dauerhaft zu bewahren. Spätere Pyramiden veränderten und verbesserten Bautechnik und Ausführung, doch Imhoteps Bauwerk blieb über Jahrhunderte ein Vorbild für königliche Bestattungsriten und Monumentalarchitektur.
Die Sechemchet-Pyramide
Das Graffito an der unfertigen Sechemchet-Pyramide nennt Imhoteps Namen und den Titel Sedjauti-biti. Daraus wird geschlossen, dass er den Titel auch unter Djosers Nachfolger Sechemchet, auch Djoserteti genannt, behielt und wahrscheinlich die Bauverantwortung für dessen Pyramide trug.
Die Anlage war als Weiterentwicklung der Djoser-Pyramide geplant, jedoch von Anfang an mit quadratischem Grundriss und als Stufenpyramide. Bei Basismaßen von 115 × 115 m hätte sie nach ihrer Fertigstellung sechs oder sieben Stufen und nach der Rekonstruktion von Jean-Philippe Lauer eine Höhe von etwa 70 m erreicht. Das Mauerwerk bestand aus lokalem Kalkstein mit nach innen geneigten Schichten. Vierzehn Schichten, die um 15 Grad nach innen geneigt waren, bildeten den Kern der ersten Stufe. Eine Verkleidung aus feinem Kalkstein war vorgesehen, wurde aber offenbar nicht angebracht, da keine Überreste gefunden wurden.
Beim Tod des Herrschers war die Pyramide nur etwa acht Meter hoch; fertiggestellt war lediglich die erste Stufe. Dadurch hatte sie den Charakter einer riesigen quadratischen Mastaba. Der gesamte Unterbau war unterirdisch aus dem Fels gehauen. Anders als bei der Djoser-Pyramide gab es keinen großen offenen Schacht für die Grabkammer. Gänge und Kammern waren deutlich einfacher ausgeführt, und umfangreiche weitere Gebäude des Pyramidenkomplexes sind nicht nachweisbar.
Legende, Kult und Nachleben
Imhotep wurde in den Jahrhunderten nach seinem Tod zunehmend als Weiser und Magier verehrt. Im Mittleren Reich wurden ihm Weisheitssprüche zugeschrieben, die nicht erhalten sind. Die Hungersnotstele aus der 18. Dynastie bezeichnet ihn als Berater Djosers. Spätere Überlieferungen machten ihn unter anderem zum Erfinder der Hieroglyphenschrift, der Medizin, des ägyptischen Kalenders und der Mumifizierung mit getrennter Bestattung der Organe in Kanopengefäßen. Diese Zuschreibungen gelten als Legendenbildung, da es dafür keine zeitgenössischen Belege gibt und die Hieroglyphenschrift bereits vor Imhoteps Zeit verwendet wurde. In der Aegyptiaca des Manetho aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. erscheint er als „Erfinder der Kunst des Bauens mit behauenen Steinen“.
Ein eigentlicher Imhotep-Kult ist erst seit der saitischen Zeit belegt. In der griechisch-römischen Zeit entstanden zahlreiche Bronzefiguren, die ihn als Priester mit kahlem Kopf, schlichtem Schurz und Papyrusrolle zeigen. Als Kultzentren galten ein bei Memphis vermuteter Imhotep-Tempel und sein Grab; beide sind heute nicht bekannt. In ptolemäischer Zeit entstanden weitere Kultorte, darunter eine Imhotep-Kapelle im Tempel von Karnak. Imhotep wurde als Heilgott verehrt, und seine Tempel wurden zu Wallfahrtsorten für Kranke. Zugleich erfolgte eine Gleichsetzung mit dem griechischen Heilgott Asklepios. In der Spätzeit galt Imhotep als „Sohn des Ptah“ und wurde besonders in Memphis und Theben verehrt.
Sein Grabmal wird in späteren Texten erwähnt und in der Nähe der Djoser-Pyramide vermutet, ist aber nicht gefunden worden. Das Harfnerlied des Antef aus der 18. Dynastie berichtet, dass es bereits damals zerstört war. In der Moderne wurde Imhotep unter anderem als erster namentlich bekannter Universalgelehrter bezeichnet; eine gelegentliche Gleichsetzung mit der biblischen Gestalt Josef findet in der Geschichtswissenschaft keine Rezeption. Nach ihm wurden ein Asteroid, ein Krater auf Merkur, eine Region auf dem Kometen Tschurjumow-Gerassimenko und der Mount Imhotep in der Antarktis benannt. 2006 wurde in Sakkara das Imhotep-Museum eröffnet.