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Historische Geographie
Historische Geographie ist eine Wissenschaft, die sich mit der Entstehungsgeschichte der materiellen und immateriellen Umwelt des Menschen beschäftigt.
Inhalt5 Abschnitte
Definition und Bedeutung
Historische Geographie ist eine Teildisziplin der Geographie. Sie untersucht, wie die materielle und immaterielle Umwelt des Menschen entstanden ist. Dabei fragt sie nach Prozessen, Ursachen und Randbedingungen im Verhältnis von Raum und Zeit und rekonstruiert raumzeitliche Strukturen, also räumliche Ordnungen in ihrer zeitlichen Entwicklung.
Sie ist eng mit den Geschichtswissenschaften verbunden und arbeitet sowohl in der Physischen Geographie, die natürliche Umweltbedingungen betrachtet, als auch in der Humangeographie, die menschliches Handeln und gesellschaftliche Räume untersucht.
Mensch, Raum und Zeit
Als historische Raumwissenschaft beschäftigt sich die Historische Geographie mit dem Verhältnis von Mensch und natürlicher Umwelt in früheren Zeiten. Ihre Perspektive ist diachron, das heißt: Sie betrachtet Entwicklungen über längere Zeiträume hinweg.
Eine zentrale Frage lautet, wie Individuen, Gruppen und Gesellschaften in der Vergangenheit durch Handlungen und Praktiken räumliche Strukturen beeinflussten. Umgekehrt untersucht sie auch, wie diese räumlichen Strukturen wieder auf Menschen und Gesellschaften zurückwirkten.
Neuere konstruktivistische Ansätze der poststrukturalistischen Neuen Kulturgeographie betrachten Raum nicht nur als materielle Gegebenheit. Sie fragen auch danach, wie räumliche Phänomene sozial und kommunikativ konstruiert werden, also durch gesellschaftliche Vorstellungen, Bedeutungen und Kommunikation entstehen.
Aufgaben
Die Aufgabe der Historischen Geographie ist es, relevante wirtschaftliche, demografische, soziale, politische und natürliche Prozesse in ihrer räumlichen und zeitlichen Differenzierung zu erfassen, zu beschreiben und zu erklären.
Ein wichtiges Ziel ist die Rekonstruktion vergangener Landschaftszustände. Durch den Vergleich solcher früheren Zustände versucht die Historische Geographie, Regelmäßigkeiten bei der Entstehung von Kulturlandschaften zu erkennen. Kulturlandschaften sind Landschaften, die durch menschliches Handeln mitgeprägt wurden.
Forschungsschwerpunkte
Wichtige Schwerpunkte der Historischen Geographie sind die Historische Siedlungsforschung, die Geographie des ländlichen Raumes, die Flur- und Siedlungsnamenkunde, die Wüstungsforschung und die Flurformenforschung.
Historische Siedlungsforschung untersucht die Entstehung und Entwicklung von Siedlungen. Flur- und Siedlungsnamenkunde beschäftigt sich mit Namen von Feldern, Fluren und Orten. Wüstungsforschung untersucht aufgegebene Siedlungen. Flurformenforschung betrachtet Formen und Strukturen landwirtschaftlich genutzter Flächen.
Ein weiteres Teilgebiet ist die Stadtmorphologie, also die Untersuchung der Form und Struktur von Städten. Laut Artikel ist sie besonders im englischen Sprachraum stärker entwickelt als in Deutschland.
Verwandte und angewandte Ansätze
Ein verwandter wissenschaftlicher Ansatz ist die Genetische Kulturlandschaftsforschung. Sie versucht, heutige räumliche Strukturen und Prozesse aus ihrer Vergangenheit heraus zu erklären. Eine wichtige Teildisziplin ist dabei traditionell die Genetische Siedlungsforschung.
Die Angewandte Historische Geographie möchte Erkenntnisse der Historischen Geographie und der Genetischen Kulturlandschaftsforschung für heutige Planung und Umwelterziehung nutzbar machen. Ein Ziel ist die Pflege und Weiterentwicklung des historischen Erbes in Form der Kulturlandschaftspflege.
Als Studienfach wird Historische Geographie in Deutschland an den Universitäten Berlin, Bonn und Bamberg angeboten.