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Harald Lesch

Harald Lesch (* 28. Juli 1960 in Gießen) ist ein deutscher Astrophysiker, Naturphilosoph, Wissenschaftsjournalist, Fernsehmoderator und Hörbuchsprecher.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Profil und wissenschaftlicher Werdegang
  2. 2. Lehre, Forschung und Wissenschaftsvermittlung
  3. 3. Fernsehen, Radio und digitale Formate
  4. 4. Gesellschaftliches Engagement und Privates
  5. 5. Bücher, Hörbücher und weitere Schriften

Profil und wissenschaftlicher Werdegang

Harald Lesch (* 28. Juli 1960 in Gießen) ist deutscher Astrophysiker, Naturphilosoph, Wissenschaftsjournalist, Fernsehmoderator und Hörbuchsprecher. Er ist Professor für Astrophysik an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Lehrbeauftragter für Naturphilosophie an der Hochschule für Philosophie München.

Lesch wuchs in Nieder-Ohmen in Hessen als Sohn einer Gastwirtsfamilie auf; sein Vater war Starkstromelektriker. In der Schule benötigte er zunächst Förderunterricht in Mathematik. Nach einem Fahrradunfall in der Oberstufe, bei dem er einen Riss der Schädeldecke erlitt, beschloss er während eines mehrwöchigen Krankenhausaufenthalts, sich stärker auf die Abiturprüfung vorzubereiten. Die Darstellung, er sei seit dem Unfall „mathematisch hochbegabt“, weist er zurück.

Nach dem Abitur 1978 an der Theo-Koch-Schule in Grünberg studierte er Physik und Philosophie zunächst an der Justus-Liebig-Universität Gießen und anschließend an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. 1984 schloss er sein Diplomstudium mit einer Arbeit über die Wechselwirkung des Sonnenwindes mit dem interstellaren Medium ab. 1987 promovierte er am Max-Planck-Institut für Radioastronomie über Nichtlineare Plasmaprozesse in aktiven galaktischen Kernen zum Dr. rer. nat. Von 1988 bis 1991 war er Forschungsassistent an der Landessternwarte Heidelberg-Königstuhl, von 1991 bis 1995 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. 1992 war er Gastprofessor an der University of Toronto. 1994 habilitierte er sich an der Universität Bonn mit einer Schrift über Galaktische Dynamik und Magnetfelder.

Lehre, Forschung und Wissenschaftsvermittlung

Seit 1995 ist Harald Lesch Professor für Astrophysik am Lehrstuhl für Astronomie und Astrophysik – Beobachtende und Experimentelle Astronomie an der Universitätssternwarte der Ludwig-Maximilians-Universität München. Zusätzlich unterrichtet er Naturphilosophie an der Hochschule für Philosophie München. Seine wichtigsten Forschungsgebiete sind kosmische Plasmaphysik, Schwarze Löcher und Neutronensterne.

Als Fachgutachter für Astrophysik der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und als Mitglied der Astronomischen Gesellschaft ist Lesch auch in der wissenschaftlichen Selbstverwaltung tätig. Laut Scopus hatte er 2026 einen h-Index von 29. Zusammen mit unter anderem Josef M. Gaßner, Andreas Müller und Hartmut Zohm betreibt er den YouTube-Kanal „Urknall, Weltall und das Leben“.

Ein zentrales Merkmal seiner Arbeit ist die verständliche Erklärung komplexer naturwissenschaftlicher und philosophischer Sachverhalte. In Vorträgen, Gesprächen, Büchern und Sendungen verbindet er wissenschaftliche Inhalte mit Fragen der Philosophie, Religion, Kultur und gesellschaftlichen Verantwortung.

Fernsehen, Radio und digitale Formate

Bekannt wurde Lesch vor allem durch seine Fernsehauftritte. Seine Medienpräsenz begann insbesondere mit der Sendereihe alpha-Centauri, die von 1998 bis 2007 ausgestrahlt wurde und astrophysikalische Themen behandelte. Bereits 1994 nahm er gemeinsam mit Ranga Yogeshwar, Illobrand von Ludwiger und Heinz Rohde an der ARD-Live-Talkrunde „UFOs: Gibt es sie wirklich?“ teil. Anlass war Rohdes umstrittener Dokumentarfilm „UFOs … und es gibt sie doch!“. In der Fortsetzung „Von UFOs entführt? – Begegnungen der vierten Art“ von 1996 war Lesch als Professor der Universitäts-Sternwarte München zu sehen.

Beim Sender BR-alpha moderierte oder gestaltete er unter anderem „Lesch & Co.“ (2001–2006), „Denker des Abendlandes“ (ab 2005) und „Alpha bis Omega“ (2003–2008). In „Denker des Abendlandes“ sprach er mit dem Philosophieprofessor Wilhelm Vossenkuhl über philosophische Fragen; „Alpha bis Omega“ behandelte im Gespräch mit dem katholischen Theologen Thomas Schwartz das Verhältnis von Religion und Naturwissenschaft. Weitere Reihen waren die achtteilige „Die Physik Albert Einsteins“ zum Einsteinjahr 2005, „Die 4 Elemente“ (ab August 2007, 16 Folgen) und „LeschZug“ (2007), von der nur eine Folge über die Herausforderung des Klimawandels produziert wurde.

2006 erklärte Lesch in der 15-teiligen Vortragsserie „Star Trek – Science vs. Fiction“ für den Sender SciFi, welche Bestandteile von „Star Trek“ wissenschaftlich begründet und welche erfunden sind. Von April bis Ende 2007 moderierte er außerdem die wöchentliche fünfminütige Sendung „sci xpert – Leschs Universum“, die insgesamt 35 Folgen umfasste. Sie beantwortete Zuschauerfragen zur Realisierbarkeit von Science-Fiction-Konzepten und behandelte auch allgemeine Themen wie Gravitation.

Im ZDF übernahm Lesch ab September 2008 als Nachfolger von Joachim Bublath die Moderation von „Abenteuer Forschung“. Die Sendung wurde 2014 in „Leschs Kosmos“ umbenannt. Für „Drillen oder Chillen? Der Weg zum Superkind“ erhielt er 2012 den Bayerischen Fernsehpreis. 2009 moderierte er außerdem die zweieinhalbstündige Sondersendung „Wie das Licht in die Welt kam: die Lange Nacht mit Harald Lesch“ zum Internationalen Jahr der Astronomie. Seit 2009 führt er durch die ZDF-Terra-X-Reihe „Faszination Universum“. Weitere Terra-X-Reihen waren 2017 „Der große Anfang. 500 Jahre Reformation“ und 2018 „Ungelöste Fälle der Archäologie“.

Von 2010 bis 2017 moderierte Lesch auf ZDFneo die viertelstündige Sendung „Leschs Kosmos“, die ab der zweiten Staffel 2013 „Frag den Lesch“ hieß. Daraus entstand 2016 der YouTube-Kanal „Terra X Lesch & Co“. 2016 widerlegte Lesch Aussagen aus dem Wahlprogramm der AfD zur Leugnung der menschengemachten globalen Erwärmung. Daraufhin erhielt er Hassmails, und es gab Beschwerden bei der Ludwig-Maximilians-Universität München; besonders stark wurde er von Vertretern des Vereins EIKE angegriffen. In einer Terra-X-Folge untersuchte er anschließend die Psychologie des Hasses.

Bei der Bewertung von Elektroautos änderte Lesch seine Einschätzung: 2019 kritisierte er den Stromnetzbedarf und die Ökobilanz von Lithium-Ionen-Akkumulatoren und forderte, die Brennstoffzellen-Technologie gleichberechtigt zu berücksichtigen. 2022 erklärte er, der Strombedarf sei kein Problem und Elektroautos seien wegen ihrer guten CO2-Bilanz über den gesamten Lebenszyklus rein physikalisch die besten.

Gesellschaftliches Engagement und Privates

Seit 2014 engagiert sich Lesch im Beirat der Heraeus Bildungsstiftung; seit Oktober 2015 ist er Mitglied des Bayerischen Klimarats. 2023 kritisierte er das behördliche Vorgehen gegen Klimaaktivisten der „Letzten Generation“ als ungerechtfertigt und überzogen und nahm selbst an Demonstrationen teil.

Seit August 2020 ist Lesch mit der promovierten Astronomin Cecilia Scorza-Lesch (* 1961 in Hamburg) verheiratet. Aus erster Ehe hat er einen erwachsenen Sohn, der als Ingenieur für erneuerbare Energien arbeitet. Lesch bezeichnet sich selbst als „vom Scheitel bis zur Sohle“ als Protestant. Für ihn stehen Naturwissenschaft und Religion nicht im Widerspruch. Er sagt, die Welt müsse mehr sein als das Messbare, und bekennt sich zu einem persönlichen Gott sowie zu einem „schöpferischen Prinzip“, von dem das Universum durchsetzt sei.

Zu den wichtigen Auszeichnungen gehören die Otto-Hahn-Medaille der Max-Planck-Gesellschaft (1988), der Bennigsen-Foerder-Preis des Landes Nordrhein-Westfalen (1994, 75.000 Euro), der Preis für Wissenschaftspublizistik der Grüter-Stiftung (2004, 10.000 Euro), der Communicator-Preis von DFG und Stifterverband (2005, 50.000 Euro) sowie die Medaille für naturwissenschaftliche Publizistik der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (2005). 2009 erhielt er mehrere Ehrungen, darunter die Goldmedaille „Bene Merenti de Astronomia Norimbergensi“, den Deutschen IQ-Preis und den Bruno-H.-Bürgel-Preis. Der 1997 entdeckte Asteroid (35357) Haraldlesch wurde 2010 nach ihm benannt.

Weitere Auszeichnungen waren unter anderem „Hochschullehrer des Jahres“ und der Bayerische Fernsehpreis (2012), die Bayerische Verfassungsmedaille in Silber (2016), die Lorenz-Oken-Medaille (2017), der Deutsche Fernsehpreis in der Kategorie „Bestes Infotainment“ (2018 und 2020), der Bayerische Verdienstorden und der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis (2019), der Bayerische Buchpreis als Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten und die Ehrennadel der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (2020), das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (2023), der Deutsche Rednerpreis (2023), der Bayerische Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst (2024) sowie die Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt München (2025).

Bücher, Hörbücher und weitere Schriften

Lesch veröffentlichte zahlreiche populärwissenschaftliche Bücher, Hörbücher und Werke im Dialog mit Fachleuten aus Philosophie, Theologie, Biologie, Bildungsforschung und Umweltwissenschaften. Inhaltliche Schwerpunkte sind Kosmologie, Sterne, das Leben im All, Quantenmechanik, Evolution, Religion, Zeit, Bildung, Klimawandel und erneuerbare Energien.

Zu den frühen kosmologischen Veröffentlichungen mit Jörn Müller gehören „Big Bang, zweiter Akt. Auf den Spuren des Lebens im All“ (2003), „Kosmologie für helle Köpfe. Die dunklen Seiten des Universums“ (2006) und „Weißt du, wie viel Sterne stehen? Wie das Licht in die Welt kommt“ (2008). „Kosmologie für Fußgänger. Eine Reise durchs Universum“ erschien 2001 als Hörbuch und 2014 als aktualisierte und erweiterte Neuausgabe. Weitere populärwissenschaftliche Titel sind „Der Außerirdische ist auch nur ein Mensch“ (2010), „Urknall, Weltall und das Leben“ mit Josef M. Gaßner (2012), „Die Entdeckung des Higgs-Teilchens“ (2013), „Kosmologisch: Der Anfang von Allem“ (2017), „Universum für Neugierige“ (2017) und „Die Entdeckung der Gravitationswellen“ (2017).

Gemeinsam mit Gesprächspartnern schrieb Lesch auch über philosophische und gesellschaftliche Fragen, etwa „Philosophie im Dialog“ mit Wilhelm Vossenkuhl (2011), „Reden über Gott und die Welt“ mit Thomas Schwartz (2013), „Die Menschheit schafft sich ab – Die Erde im Griff des Anthropozän“ mit Klaus Kamphausen (2016), „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ (2018), „Denkt mit!“ (2021), „Über dem Orinoco scheint der Mond“ (2022) und „Die unheimliche Stille“ mit Harald Zaun (2023). Für Kinder entstanden mit Gudrun Mebs und Catharina Westphal unter anderem „Erzähl mir was vom Himmel und der Erde“ (2011), „Philosophieren ist wie Kitzeln im Kopf“ (2013), „Evolution ist, wenn das Leben endlos spielt“ (2015) und „Mit Mathe kann man immer rechnen“ (2016). Fachwissenschaftliche Ausgangspunkte seiner Laufbahn bleiben die Dissertation „Nichtlineare Plasmaprozesse in aktiven galaktischen Kernen“ (1987) und die Habilitationsschrift „Galaktische Dynamik und Magnetfelder“ (1994).

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