Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Habitattrennung
Es handelt sich dabei um eine Aufspaltung des Lebensraums von Tier- oder Pflanzenarten mit der Folge, dass ein genetischer Austausch zwischen den entstehenden …
Inhalt5 Abschnitte
Begriff und Bedeutung
Habitattrennung, auch Habitatfragmentierung oder Lebensraumzerschneidung, ist die Aufspaltung des Lebensraums von Tier- oder Pflanzenarten in getrennte Teilhabitate. Dadurch kann der genetische Austausch zwischen den Teilpopulationen unterbunden werden. Der Prozess beeinflusst Evolution und Biodiversität und kann zum Artenschwund beitragen. Die Verinselung von Festlandhabitaten führt zu kleineren Habitatflächen und zu stärkerer Isolation von Arten. Zusammen mit Habitatverlust steigert sie Extinktionsraten, also die Raten des Aussterbens, und zählt zu den Hauptgründen für lokalen, regionalen und globalen Diversitätsverlust.
Habitattrennung kann natürliche oder menschliche Ursachen haben. Geologische und klimatische Prozesse wie Grabenbrüche oder Vergletscherungen verursachen über lange Zeiträume geographische Isolation. Die dadurch getrennten Teilpopulationen sind eine wichtige Voraussetzung für Artbildung und für Aussterbewellen. Solche Prozesse können einmalig, wiederholt oder dynamisch wechselnd auftreten. Als Beispiele für einmalige Ereignisse werden Megafluten und Megavulkaneruptionen genannt. Nur bei der letzten Aussterbewelle kann eine Mitwirkung des Menschen vermutet werden. Wesentlich schneller wirken meist anthropogene, also durch Menschen verursachte, Veränderungen wie Rodungen, Straßenbau und Siedlungen.
Besonders anfällige Arten und Randeffekte
Habitatverlust und Fragmentierung betreffen Arten innerhalb derselben Artengruppe unterschiedlich stark. Besonders empfindlich sind seltene Arten, Arten mit hoher Populations-Variabilität oder niedrigen Populationsdichten, Nahrungsspezialisten, Arten mit geringer Ausbreitungsfähigkeit sowie Arten in höherer trophischer Position. Eine trophische Position beschreibt die Stellung einer Art in der Nahrungskette.
Wird ein Lebensraum in viele kleine Parzellen aufgeteilt, nehmen Randeffekte stark zu. Randbereiche unterscheiden sich häufig von den Bedingungen im Inneren eines Habitats. Für viele Arten liegen geeignete Lebensbedingungen nur in einem bestimmten Abstand zum Rand vor. Daher können kleine oder stark zerschnittene Flächen für diese Arten deutlich weniger nutzbaren Lebensraum bieten, als ihre Gesamtfläche vermuten lässt.
Folgen für Populationen und Lebensräume
Eine zentrale Folge ist die kleinere Habitatfläche. In den einzelnen Teilhabitaten werden die Populationen zwangsläufig kleiner. Wird die Mindestgröße stabiler Populationen unterschritten, kann eine Population langfristig aussterben. Zusätzlich verringert sich durch die Trennung der Genpool, also die Gesamtheit der genetischen Vielfalt einer Population. Diese genetische Verarmung wirkt sich negativ aus.
Zweitens wächst der Anteil der Randbereiche. Die besonders wertvollen inneren Bereiche eines Habitats werden überproportional verkleinert und können vollständig verschwinden. Drittens wird entlang der Trennlinie direkt Habitat zerstört. Davon können besonders wertvolle, zentral gelegene Flächen betroffen sein.
Korridore und Refugien
Viele Arten können weniger geeignete Räume überwinden, um zu geeigneten Habitatinseln zu gelangen. Solche biogeographischen Korridore müssen jedoch die Minimalanforderungen der jeweiligen Art erfüllen; dazu gehört beispielsweise eine ausreichende Mindestbreite. Korridore dienen auch als Verbindungswege bei Neubesiedelungen. Als Beispiel nennt der Artikel den „Beringiakorridor“ bei der Erstbesiedelung Nordamerikas durch Menschen, den zugleich Pflanzen und Tiere wie Elch oder Hund nutzten.
Von Korridorschließung spricht man, wenn eine Verbindung etwa für Weidetiere nicht mehr begehbar ist. Ursachen können Gebirgsfaltung, Gewässerausdehnung, Wüstenbildung oder eine dichte Taigaentwicklung sein.
Bei schrumpfenden Habitatflächen können Arten in Refugialräumen überleben. Diese müssen nicht Teil des ursprünglichen Habitats gewesen sein, weisen aber ähnliche Eigenschaften auf. Nach der letzten Kaltzeit konnten sich zahlreiche Pflanzen und Tiere der Mammutsteppe beispielsweise in polaren Tundren oder alpinen Regionen ansiedeln. Die Unterscheidung zwischen Korridoren und Refugien ist manchmal schwierig, weil ein Habitatrraum bei Fragmentierung beide Funktionen erfüllen kann.
Maßnahmen gegen menschliche Fragmentierung
Gegen anthropogene Fragmentierung werden vor allem Refugialräume und Korridore zwischen Habitatinseln geschaffen. Jede Maßnahme muss auf das vorhandene Arteninventar und besonders auf die Bedürfnisse der stark betroffenen Arten abgestimmt sein.
Eingriffe sollen möglichst in Randgebiete fern besonders wertvoller Naturlebensräume verlagert werden. So kann wenigstens eines der entstehenden Teilhabitate weitgehend intakt bleiben. Große zusammenhängende Lebensräume können außerdem durch Ausgleichsflächen erhalten oder gefördert werden, etwa durch Entsiegelung, Nutzungsaufgabe als Brache oder Aufforstung.
Ein Biotopverbund verbindet Teilhabitate durch überbrückende Korridore. Dazu zählen „Trittsteine“: kleinere Biotope, die keine stabile Population tragen können, aber das Übersiedeln zwischen Lebensräumen ermöglichen. Auch Hecken und Ackerrandstreifen können als linienförmige Vernetzungselemente dienen. Verkehrswege werden gelegentlich durch Grünbrücken überbrückt. Solche Maßnahmen schaffen keine neuen Kernzonen, können aber Populationssterben durch genetische Verarmung entgegenwirken. In dicht besiedelten Regionen Mitteleuropas sind großräumige Lebensräume für Großsäuger wie Wolf, Bär und Luchs jedoch nicht durchsetzbar.