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Höhenstufe (Geomorphologie)

Als geomorphologische Höhenstufen werden die ausschließlich in Hochgebirgen vorkommenden Bereiche gleichartiger Oberflächenformen bezeichnet, die in einer …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Grundprinzip
  2. 2. Glaziale Höhenstufe
  3. 3. Nivale Höhenstufe
  4. 4. Periglaziale Höhenstufe
  5. 5. „Insolations-Höhenstufe“
  6. 6. Bereich unterhalb der Waldgrenze

Begriff und Grundprinzip

Geomorphologische Höhenstufen sind Bereiche gleichartiger Oberflächenformen, die ausschließlich in Hochgebirgen vorkommen und vertikal übereinander angeordnet sind. Sie entstehen vor allem durch abiotisch-physikalische Vorgänge eines ausgeprägten Gebirgsklimas und werden anhand der Boden- und Reliefformen beschrieben. Die Höhengrenzen hängen von den örtlichen Bedingungen ab; die zugrunde liegenden Prozesse und die Ausprägung der Stufen sind weltweit vergleichbar.

Die allgemeine höhenzonale Gliederung von Gebirgen richtet sich vor allem nach der natürlichen Vegetation und wird in Vegetationshöhenstufen dargestellt. Oberhalb der Waldgrenze nimmt der Einfluss von Lebewesen – etwa biochemischer Bodenbildung, Durchwurzelung und Tieraktivitäten – ab. Stattdessen bestimmen Temperaturwechsel, Niederschläge, Eis und Wind zunehmend die Oberflächenformen. Deshalb sind besonders die Höhenstufen über der Waldgrenze geomorphologisch bedeutsam.

Grundsätzlich werden dort drei, beziehungsweise mit der „Insolations-Höhenstufe“ vier, geomorphologische Höhenstufen unterschieden. Ihre Übergänge sind meist fließend. Durch Klimaveränderungen, etwa die derzeitige globale Erwärmung, können sich die Grenzen im Laufe der Zeit verschieben. In humiden Regionen sind die drei klassischen Stufen vollständig ausgeprägt; in ariden Gebirgen fehlen sie wegen des Mangels an Wasser und Eis teilweise oder ganz.

Glaziale Höhenstufe

Die glaziale oder Gletscherstufe ist – abgesehen von der speziellen „Insolationsstufe“ – die oberste geomorphologische Höhenstufe. Ihre Abgrenzung richtet sich nach der vorhandenen beziehungsweise rezenten Vergletscherung.

Kennzeichnend sind räumlich sehr große Formen und das Relief vollständig überdeckender Gletscher. Als Leitform gilt die Talform der Kare. Zusätzlich ist das Relief durch Formen der vorzeitlichen Glazialerosion geprägt, darunter Rundhöcker, Tröge und Trogschultern. Fließende Eismassen wirken somit als wichtigste formbildende Kraft.

Nivale Höhenstufe

Die nivale oder Frostschuttstufe reicht von den Gletscherrändern abwärts bis zur klimatischen Schneegrenze. Ihre Landschaft wird durch Schneeflecken, Erosion durch Schnee mit Terrassenbildung und Frostschutthalden bestimmt. Im Vergleich zur tiefer gelegenen periglazialen Höhenstufe ist sie stärker gegliedert. Nivationsprozesse, also durch Schnee beeinflusste Abtragungsprozesse, und die Bildung von Runsen führen zu einer stärkeren Zuschärfung der Hänge.

Der Begriff nivale Höhenstufe wird auch in der Vegetationsökologie verwendet. Dort bezeichnet er die höchste Vegetationsstufe des Gebirges, die nach oben außerdem die Gletscherstufe umfasst. Nach unten wird sie nicht durch geomorphologische Erscheinungen, sondern durch das Fehlen bestimmter Pflanzenformationen oder Pflanzenarten begrenzt. Deshalb können die Stufengrenzen desselben Gebirges je nach Betrachtungsweise unterschiedlich liegen. „Subnival“ ist ebenfalls ein Begriff aus der Ökologie.

Periglaziale Höhenstufe

Die periglaziale oder Solifluktionsstufe ist die unterste und dominant geomorphologisch geprägte Höhenstufe. Sie reicht von der Schneegrenze abwärts bis zur Grenze des Bergwaldes. Ihr Relief ist meist sanft, gerundet und ausgeglichen. Es entsteht vor allem durch Bodenfließen über Permafrostböden, also durch Solifluktion.

Formenbildend wirken außerdem frostbedingte Verwitterung, die beispielsweise an Frostmusterböden sichtbar wird, sowie Bodenabtragung. Eine starke Durchwurzelung verringert diese Prozesse deutlich; deshalb beginnt die geomorphologische periglaziale Stufe erst oberhalb beziehungsweise nahe der Bergwaldgrenze. Je nach Gestein kann sie kleinräumig unterschiedlich ausgeprägt sein. Am Fuß von Steilhängen treten Blockhalden auf.

Vegetationsökologisch beginnt die Solifluktionsstufe bereits in der subalpinen Zone, umfasst die gesamte alpine Zone und reicht bis in die subnivale Zone. Diese ökologische Einteilung deckt sich daher nicht vollständig mit der geomorphologischen Abgrenzung.

„Insolations-Höhenstufe“

Für die Gipfelregionen der Achttausender im Karakorum und Himalaya sowie des Vinson-Massives in der Antarktis wird teilweise eine zusätzliche, vierte geomorphologische Höhenstufe angenommen. Sie ist nicht eindeutig benannt.

Dort findet ausschließlich direkte Insolationsverwitterung statt. Dabei führen die extremen täglichen Temperaturschwankungen zwischen −10 °C und −40 °C zur Verwitterung des Gesteins. Bei diesen Temperaturen sind keine glazialen Prozesse mehr möglich, weil weder die Umwandlung von Schnee zu Eis noch Tauvorgänge stattfinden.

Bereich unterhalb der Waldgrenze

Von der Tiefebene bis zur Waldgrenze dominieren biogene, also durch Lebewesen beeinflusste Faktoren. Geomorphologisch sind in diesem Bereich vor allem fluviale Einflüsse – Prozesse durch fließendes Wasser – und vulkanische Einflüsse relevant.

Der gesamte Bereich wird geomorphologisch nicht weiter in einheitlich benannte Höhenstufen untergliedert. Wenn eine Unterteilung erforderlich ist, werden dafür häufig die ökologisch definierten Vegetationshöhenstufen übernommen. Eine allgemein einheitliche geomorphologische Benennung gibt es unterhalb der Waldgrenze nicht.

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