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Geschichte des Internets
Die Geschichte des Internets lässt sich in drei Phasen einteilen. In der Frühphase ab Mitte der 1960er Jahre wurden die Grundlagen gelegt, die Technik …
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Grundzüge und frühe Ideen
Die Geschichte des Internets wird in drei Phasen eingeteilt: In der Frühphase ab Mitte der 1960er Jahre entstanden die technischen Grundlagen; Ende der 1970er Jahre folgten Wachstum und internationale Ausbreitung; mit der Abschaltung des ARPANET 1990 begann die kommerzielle Phase. Das Internet wurde dabei von einem Forschungsnetz zu einer weltweiten Infrastruktur für Kommunikation, Informationsaustausch und wirtschaftliche Angebote. Sein Anteil an den Informationsflüssen weltweiter Telekommunikationsnetze wird für 1993 auf 1 %, für 2000 auf 51 % und für 2007 auf 97 % der weltweit ausgetauschten Bytes geschätzt.
Eine frühe literarische Vorstellung einer weltweiten Computervernetzung enthielt Murray Leinsters Kurzgeschichte „A Logic Named Joe“ von 1946. Technisch wichtig war später J. C. R. Lickliders Sicht auf den Computer: Nicht nur als Rechenmaschine, sondern als Kommunikationsmittel zwischen Menschen. Seine Arbeit mit Timesharing-Systemen – mehreren Nutzern teilen sich die Rechenzeit eines Computers – förderte die Idee vernetzter Online-Gemeinschaften.
Parallel entstand die Paketvermittlung. Dabei wird eine Nachricht in kleine Datenpakete zerlegt; jedes Paket enthält Absender- und Zieladresse und kann seinen Weg durch das Netz finden. Dies ermöglichte eine verteilte, dezentrale Architektur. Im Gegensatz dazu nutzten nationale Telekommunikationsmonopole häufig zentral gesteuerte Netze mit virtuellen Kanälen. Der entsprechende ITU-Standard hieß seit 1976 X.25; die Bundespost bot ihn als Datex-P an.
ARPANET und Internetprotokolle
Die ARPA ließ Ende 1968 die Bestandteile des neuen Netzes entwickeln. Das Stanford Research Institute (SRI) erstellte Spezifikationen und richtete ein Network Information Center ein. Die University of California, Los Angeles (UCLA) erhielt ein Network Measurement Center. Bolt Beranek and Newman (BBN) entwickelte den Interface Message Processor (IMP), einen Vorläufer heutiger Router. IMPs stellten die unterste Verbindungsschicht zwischen über Telefonleitungen verbundenen Hosts, also Rechnern im Netz, her; die ersten wurden im Mai 1969 ausgeliefert.
Im Herbst 1969 wurden die Großrechner der UCLA, des SRI, der University of California, Santa Barbara und der University of Utah über Standleitungen mit 50 Kilobit verbunden. Am 29. Oktober 1969 gelang die erste Nachricht von UCLA zum SRI: „lo“. Der Rechner stürzte vor der vollständigen Übertragung von „login“ ab; der Befehl konnte noch am selben Tag vollständig gesendet werden.
Seit April 1969 dokumentieren Request for Comments (RFC) technische Spezifikationen. Sie waren zunächst offene Diskussionspapiere und sind bis heute teils Standards, teils informelle Dokumente. Die freie Verfügbarkeit von Spezifikationen und Referenzimplementierungen wurde zu einem Schlüsselfaktor. Aus den frühen RFCs entstand das Network Control Program (NCP) für die Host-zu-Host-Kommunikation. Darauf aufbauend wurden Telnet (RFC 318) und FTP, das File Transfer Protocol (RFC 454), beschrieben. Ray Tomlinson erweiterte SNDMSG zur Übertragung zwischen Hosts und schuf E-Mail mit der Schreibweise user@host.
1972 bewies eine öffentliche ARPANET-Demonstration mit 36 Terminals die praktische Eignung paketvermittelter Netze. Verschiedene Netze wie ARPANET, SATNET und PRNET benötigten jedoch ein gemeinsames Verbindungsprotokoll. Robert Kahn und Vinton Cerf entwickelten dafür TCP; der erste Entwurf wurde 1973 vorgestellt, die letzte von vier Iterationen erschien 1978. TCP/IP verbindet unterschiedliche Netze; 1978 wurden TCP und IP getrennt. TCP sorgt durch erneutes Senden verlorener Pakete für zuverlässige Übertragung, während UDP für Anwendungen wie Sprachübertragung geeignet ist, bei denen geringe Verzögerung wichtiger als vollständige Übertragung ist.
Wachstum, offene Standards und neue Dienste
Nach der Übergabe des ARPANET an die Defense Communications Agency 1975 förderten neben der DARPA auch die National Science Foundation (NSF), das Energieministerium und die NASA Netze. Anfang 1975 hatte das ARPANET 61 Knoten. Mailinglisten und RFCs wurden zentrale Mittel offener Zusammenarbeit. UUCP, 1976 an den AT&T Bell Labs entwickelt, erlaubte Einrichtungen ohne Standleitung den Datenaustausch über Wählverbindungen.
Die offene Standardisierung wurde institutionell abgesichert: 1978 entstand das Internet Configuration Control Board, 1983 das Internet Activities Board, später Internet Architecture Board. Seit 1986 arbeiten unter ihm IETF und IRTF. Die IETF ist ein offenes, freiwilliges Forum; Entscheidungen erfolgen nicht durch Wahlen, sondern nach dem Prinzip „grober Konsens und ablauffähiger Code“. Standards werden früh im RFC-Format veröffentlicht und breit getestet. 1988 legte der Computerwurm von Robert Tappan Morris 6.000 von 60.000 Hosts lahm; daraufhin bildete die DARPA das Computer Emergency Response Team (CERT). 1992 wurde die Internet Society gegründet.
TCP/IP setzte sich praktisch als De-facto-Standard durch, während das von der ISO ab 1982 entwickelte OSI-Modell trotz staatlicher Förderung kaum in den Computereinsatz gelangte. 1983 wurde das Netz in öffentliches ARPANET und vertrauliches MILNET geteilt. Das Domain Name System (DNS) übersetzt Namen in Nummern; es führte zur heute üblichen Form [email protected]. 1988 wurde die Internet Assigned Numbers Authority (IANA) eingerichtet.
Die Integration von TCP/IP in BSD-Unix 1983, Ethernet und preiswerte Personal Computer unterstützten die Ausbreitung. Neue Kommunikationsdienste waren unter anderem Usenet ab 1979, textbasierte Multi User Dungeons (MUDs), Internet Relay Chat ab 1988 sowie Bulletin Board Systems und FidoNet. Für die Suche und Navigation entstanden Archie, Hytelnet, WAIS, Gopher und schließlich das World Wide Web: Tim Berners-Lee entwickelte dessen Grundidee 1989 am CERN, 1991 wurde eine erste WWW-Version freigegeben und 1992 erschien der Browser Mosaic. Weitere Dienste umfassten PGP zur Verschlüsselung ab 1991, Multimedia-E-Mail mit MIME seit 1993, Audio- und Video-Multicasts über MBONE sowie RealAudio ab 1995. Wikipedia startete 2001 als kollaborativ editiertes Online-Lexikon.
Forschungsnetze und internationale Ausbreitung
Das CSNET erhielt 1980 von der NSF fünf Millionen Dollar für fünf Jahre und nutzte TCP/IP zur Verbindung seiner Subnetze. 1982 wurde der Übergang aller ARPANET-Systeme von NCP zu TCP/IP beschlossen. Wegen fehlender Supercomputerzugänge finanzierte die NSF später mit einem Etat von 200 Millionen Dollar Supercomputer-Zentren und das NSFnet. Dessen Backbone begann 1986 mit 56 Kbps, wurde auf 1,5 Mbps und 1989 auf 44,7 Mbps ausgebaut. Von Anfang 1986 bis Ende 1987 stieg die Zahl der Netzwerke am Internet von 2.000 auf beinahe 30.000.
In Europa entstanden früh UUCP-Netze wie EUnet (1982). Das 1984 gestartete EARN besaß einen E-Mail-Link in die USA und damit ein Gateway ins Internet. In Deutschland führten unter anderem die Universität Dortmund mit InterEUnet sowie die Universität Karlsruhe mit XLINK IP-Verbindungen in die USA ein. Das zunächst auf OSI ausgerichtete deutsche Forschungsnetz öffnete sich schrittweise für TCP/IP. 1989 entstand RIPE zur technischen und administrativen Koordination eines paneuropäischen IP-Netzes; ab 1991 wurde EBONE als europäische IP-Backbone-Struktur aufgebaut. 1992 überschritt die Zahl der Internet-Hosts eine Million.
China betrieb ab 1980 Rechnernetze des Eisenbahnministeriums. Die erste internationale Anbindung erfolgte im September 1987 über ein Gateway an der Universität Karlsruhe. Eine vollwertige TCP/IP-Verbindung wurde von chinesischen Behörden erst 1994 erlaubt. 1998 wurde das Ministerium für Informationsindustrie eingerichtet, das auch Internetzensur betrifft. Der Artikel nennt unterschiedliche Verbreitungsstände in Europa: In Island nutzen 97,8 % der Bevölkerung das Internet, im Kosovo 20,7 %.
Kommerzialisierung, Boom und Konflikte
Die NSF wollte einen Markt für kommerzielle Internetanbieter fördern. 1991 hob sie das Werbeverbot in der öffentlichen Netzinfrastruktur auf; CERFnet, PSINet und UUNET organisierten im Commercial Internet eXchange den Verkehr zwischen kommerziellen Netzen. In Deutschland wurden EUnet 1992 und XLINK 1993 in kommerzielle Strukturen überführt. Mit der Abschaltung des ARPANET 1990 und dem Rückzug der NSF aus der direkten Finanzierung akademischer Backbones wurde das Internet zunehmend zur Businessplattform.
1991 waren mehr als 100 Länder mit über 600.000 Hosts und fast 5.000 Netzen verbunden; im Januar 1993 gab es über 1,3 Millionen Rechner und über 10.000 Netzwerke. Die National Information Infrastructure Agenda for Action von Al Gore vom 15. September 1993 bezeichnete Netzwerke als Grundlageninfrastruktur für Wirtschaft, Bildung, Wissenschaft und Kultur. Zugleich entstanden Konflikte über Spam, Zugangskontrollen, Urheberrechte, Domain-Namen und staatliche Regulierung. Ein bekanntes frühes Spam-Beispiel waren Massen-Postings von Canter & Siegel 1994. Domain-Namen wurden durch Warenzeichen wirtschaftlich umkämpft; im Streit zwischen MTV Networks und Adam Curry gab Curry mtv.com schließlich im Rahmen einer außergerichtlichen Einigung auf.
Mitte der 1990er Jahre beschleunigten günstigere Zugänge, Modems, ISDN und schnellere Backbones die Verbreitung. Unternehmen boten Produkte auf Homepages an, reine Internetunternehmen gingen an die Börse; diese Phase hieß Dotcom-Boom. Im Jahr 2000 folgte ein Börsenkrach, weshalb sie rückblickend auch Dotcom-Blase heißt. Viele Start-ups scheiterten, während Amazon und eBay laut Artikel nicht existenzgefährdend betroffen waren. Der Artikel weist darauf hin, dass Teile dieses Abschnitts seit 2005 nicht aktuell zu sein scheinen.
Steigende Bandbreiten und Multimedia-Fähigkeiten erleichterten auch Urheberrechtsverletzungen. MP3-Dateien konnten schon mit ISDN in der zwei- bis dreifachen Spielzeit übertragen werden, mit DSL schneller als abgespielt. Tauschbörsen entwickelten sich nach dem Peer-to-Peer-Prinzip ohne zentrale kontrollierbare Instanz. Als legales Musikangebot startete 2003 der Apple iTunes Music Store in den USA zu 99 Cent pro Song; seit Juni 2004 war er auch in Deutschland, Großbritannien und Frankreich verfügbar. Die zunächst eingesetzte digitale Rechteverwaltung (DRM) wurde laut Artikel zunehmend schlechter angenommen und als weitgehend wirkungslos bewertet.