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Geographie Kirgisistans

Dennoch hat Kirgisistan aufgrund der ineffizienten Nutzung und Verschmutzung der Wasserressourcen, der Bodendegradation und unsachgemäßer landwirtschaftlicher …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Lage und Relief
  2. 2. Wasser, Flüsse und Seen
  3. 3. Geologische Grundlagen
  4. 4. Klima und Klimawandel
  5. 5. Pflanzen und Tiere
  6. 6. Naturgefahren und Umweltprobleme

Lage und Relief

Kirgisistan ist ein Binnenstaat in Zentralasien und ein Hochgebirgsland ohne Zugang zum Meer. Es grenzt im Südwesten an Usbekistan, im Osten an China, im Norden an Kasachstan und im Süden an Tadschikistan.

Das Land ist sehr gebirgig: Über 93 % der Fläche liegen höher als 1.000 Meter. Die durchschnittliche Höhe über dem Meer beträgt 2.750 m. Der höchste Punkt ist der Pik Pobeda, auf Kirgisisch Dschengisch Tschokusu, mit 7.439 m. Ein weiterer Siebentausender ist der Pik Lenin; im Artikel ist seine Höhe nur unvollständig als „7. m“ angegeben. Der tiefste Punkt liegt mit 410 m über dem Meer im Ferghanatal.

Die zwei großen Gebirgssysteme sind der Tien-Schan und der Pamir. Sie sind geologisch noch relativ jung. Deshalb ist das Relief, also die Form der Erdoberfläche, durch steile Wände, scharfe Erhebungen und tiefe Täler geprägt. Viele Gipfel sind vergletschert. Um die Täler Tschüi, Talas und Ferghana gibt es relativ flaches Land; dort ist großflächige Landwirtschaft möglich.

Wasser, Flüsse und Seen

Die hohen Gebirge halten Feuchtigkeit im Land zurück. Deshalb hat Kirgisistan weniger Dürreprobleme als Nachbarländer. Die Kirgisische Republik ist der einzige zentralasiatische Staat, dessen Wasserressourcen vollständig auf dem eigenen Staatsgebiet entstehen. Das Wasser kommt aus den oft stark vergletscherten Gebirgszügen.

Der Wasserreichtum ist wichtig für Landwirtschaft und Wasserkraft. Außerdem ist Kirgisistan ein Wasserreservoir für bewässerten Ackerbau in trockenen Flachlandgebieten. Die vergletscherte Berglandschaft hat auch touristisches Potenzial.

Der wasserreichste und längste Fluss Kirgisistans ist der Naryn. Er wird durch mehrere Staumauern aufgestaut und mündet in den Syrdarja. Im Norden sind der Tschüi und der Talas wichtige Flüsse. Der Tschüi ist besonders bedeutend für die Landwirtschaft im Tschüital.

Der größte See des Landes ist der Yssyk-Köl; zugleich ist er der wasserreichste Gebirgssee der Erde. Der zweitgrößte natürliche See ist der Song-Köl, an dritter Stelle steht der Tschatyrköl. Beim Ort Toktogul wird der Naryn zum größten künstlichen See des Landes aufgestaut.

Geologische Grundlagen

Die Gebirge Kirgisistans sind geologisch jung und bis heute aktiv. Sie besitzen eine große Reliefenergie, das heißt starke Höhenunterschiede mit steilen Hängen und hohen Bergen. Trotz Erosion wachsen sie weiterhin. Die geologische Aktivität führt regelmäßig zu Erdbeben.

Tien-Schan und Pamir sind ähnlich entstanden, unterscheiden sich aber in ihrer Gesteinsstruktur. Beide werden seit dem Oligozän bis heute aufgetürmt, weil der indische Subkontinent auf die Eurasische Platte stößt. Durch den großen Druck zerbricht die Eurasische Platte teilweise in mehrere Stücke, die nach Norden untereinandergeschoben werden. Dadurch haben Hochgebirgstäler und Gebirgsketten meist eine Ost-West-Ausrichtung. Abweichungen treten nur selten auf, etwa im Bereich der Talas-Ferghana-Störung beim Ferghanagebirge.

Der kirgisische Teil des Pamirs entstand durch Faltung flach liegender Gesteine. Er besteht aus Schollen mit Phylliten, Graniten und Sandsteinen.

Der Tien-Schan ist in drei geologische Zonen gegliedert. In der nördlichen Zone finden sich vor allem metamorphe und magmatische Gesteine wie Basalte und Amphibolite sowie Sedimente und Kalke. In der mittleren Zone kommen zusätzlich Gneise und Magmatite vor. Darüberliegende Gesteine wurden zu Konglomeraten, Brekzien und Sandstein, die über den gesamten Tien-Schan verteilt sind. Die südliche Zone besteht aus verschiedensten variszisch deformierten Gesteinen. Eine Besonderheit des Tien-Schan ist, dass auf kurzer Entfernung sehr unterschiedliche Gesteine vorkommen können.

Klima und Klimawandel

Das Klima Kirgisistans ist wegen der großen Entfernung zu den Meeren stark kontinental und semiarid. Kontinental bedeutet, dass die Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter groß sind; semiarid bedeutet halbtrocken. Wegen der großen Höhenunterschiede gibt es auf kurzen Distanzen starke klimatische Unterschiede.

Das Hochgebirge wird grob in vier Zonen eingeteilt: die Vorgebirgszone von 500 bis 1200 m, die mittlere Zone von 1200 bis 2200 m, die Hochgebirgszone und die Gletscher- und Geröllzone über 3500 m. In der unteren Zone ist das Klima deutlich milder. Im Hochgebirge wurden Tiefsttemperaturen von etwa −50 °C gemessen. In den Sommermonaten liegt die durchschnittliche Tagestemperatur im Gebirge bei etwa 10°, sie kann aber auch deutlich höher sein.

Der globale Klimawandel zeigt in Kirgisistan bereits Auswirkungen. Unter den Ländern Osteuropas und Zentralasiens ist Kirgisistan das Land, das am drittstärksten betroffen ist. Genannt werden Wetterveränderungen, die zu längeren Niederschlags- und Dürreperioden führen können. Die Durchschnittstemperatur ist in den letzten 20 Jahren von 5,8 °C auf 6 °C gestiegen. Die Weltbank schätzte 2013 einen wahrscheinlichen Anstieg der Durchschnittstemperatur um 2 °C bis 2060 und um 4–5 °C bis 2100. Außerdem stellte sie fest, dass die Gletscher des Landes deutlich zurückgegangen waren und voraussichtlich weiter zurückgehen werden. Kirgisistans Kohlenstoffdioxidemissionen sind jedoch relativ gering.

Pflanzen und Tiere

Kirgisistan besitzt wegen seiner Höhenstufen und unterschiedlichen Landschaftsräume eine vielfältige Natur. Etwa 3900 Pflanzenarten sind beheimatet. Rund 10 % der Arten, darunter die Tien-Schan-Fichte, sind endemisch, kommen also nur dort vor. Mit 3,5 % Waldfläche ist Kirgisistan waldarm. Trotzdem befinden sich in Arslanbob die größten Walnusswälder der Welt.

In den tiefer gelegenen Tälern Talas, Tschüi und Ferghana überwiegen Steppen- und Halbwüstenvegetation. Im Tschüital ermöglicht ein großes Bewässerungskanalnetz Landwirtschaft. In Hochgebirgsweiden und Hochsteppen ist die Flora reicher als in Halbwüsten und im Flachland. 65 Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht. Es gibt zahlreiche endemische Gattungen, darunter Paulita, Ugamia, Mediasia und Kozlovia.

Auch die Tierwelt ist an die starken Reliefunterschiede angepasst. Bei den Insekten werden etwa 25.000 Arten geschätzt. Mehr als die Hälfte kommt nur im Hochgebirge vor, etwa ein Viertel ist endemisch. Bei den Kamelhalsfliegen sind alle 23 Arten endemisch. Die Insektenwelt ist noch wenig erforscht; nur etwa die Hälfte der Arten wurde wissenschaftlich beschrieben. 17 Insektenarten und eine Spinnenart stehen auf der roten Liste Kirgisistans.

Bei den Säugetieren ist Kirgisistan ein wichtiges Verbreitungsgebiet des Schneeleoparden; etwa ein Viertel des Landes gilt als geeignet für ihn. Weitere Säugetiere sind sibirischer Steinbock, Manul, Tigeriltis, mittelasiatischer Fischotter, Braunbär und Wolf. Insgesamt gibt es 79 Säugetierarten.

Die Vogelwelt umfasst etwa 392 Arten und gilt im Vergleich zu anderen Ländern als artenarm, hat aber einige Besonderheiten. Als Nationalvogel gilt der Steinadler. Je nach Landschaftszone kommen unterschiedliche Arten vor, zum Beispiel Steppenarten, Hochgebirgstaiga-Arten, subalpine und hochalpine Arten. Zu den Greifvögeln gehören Bartgeier, Mönchsgeier, Gänsegeier, Schneegeier, Steinadler, Steppenadler, Fischadler, Seeadler, Sakerfalke und Wanderfalke.

Bei den Fischen sind 67 Arten nachgewiesen; Karpfenfische stellen mit 39 Arten den größten Anteil. In der Sowjetzeit wurden nicht heimische Fischarten eingeführt, um die Fischerei zu fördern. Viele Arten kommen im Land nur im Yssyk-Köl vor. Heimische Amphibien sind unter anderem Seefrosch, mittelasiatischer Frosch, Pewzow-Kröte und Turanische Kröte. Die Reptilienfauna umfasst 39 Arten, darunter Levanteotter und Mittelasiatische Kobra.

Naturgefahren und Umweltprobleme

Kirgisistan ist stark von Naturgefahren geprägt. Der Tianshan ist tektonisch aktiv, deshalb kommen Erdbeben häufig vor. Das gesamte Land und die gesamte Bevölkerung sind einem mittleren bis hohen Erdbebenrisiko ausgesetzt. Wegen der geringen wirtschaftlichen Kraft ist die Bevölkerung besonders verwundbar. Schwere Erdbeben trafen Kirgisistan unter anderem 1885 mit Epizentrum Bjelowodsk, 1907 mit Epizentrum Karatag, 1948, 1949 mit Epizentrum Hait, 2008 mit 72 Todesopfern und 2011 mit Epizentrum im Ferganatal und mindestens 13 Toten. Das Erdbeben von 1885 führte zur Aufgabe von Pischpek und zur Neugründung von Bischkek.

Zusätzlich treten wegen großer Reliefenergie, starker Seismizität, Klima, Böden und menschlich verursachtem Landnutzungswandel schwere Massenbewegungen auf, etwa Schlamm- oder Gerölllawinen. Nach Erdbeben entstehen viele Todesopfer oft nicht direkt durch das Beben, sondern durch solche Folgen. Gefahren werden durch schlecht gesicherte Lagerstätten von radioaktivem oder giftigem Bergbauabraum verstärkt, besonders im Mailuu-Suu-Tal und im Einzugsgebiet des Syrdarja.

In den Gebirgen gibt es etwa 2200 Gletscher, die im Zuge der globalen Erwärmung zurückgehen. Durch den Rückzug entstehen häufiger Gletscherseen. Wenn solche Seen hoch im Gebirge anwachsen und ausbrechen, können sie ganze Täler überfluten. Naturkatastrophen kosten Kirgisistan im Jahresdurchschnitt 0,53 % des Bruttoinlandsproduktes.

Kirgisistan blieb von vielen sehr großen Umweltproblemen seiner zentralasiatischen Nachbarn verschont, weil es im Sowjetsystem weder stark auf Schwerindustrie noch auf großflächige Baumwollproduktion ausgerichtet war. Trotzdem gibt es ernste Probleme: ineffiziente Nutzung und Verschmutzung der Wasserressourcen, Bodendegradation und unsachgemäße landwirtschaftliche Praktiken. Während der Schneeschmelze kommt es zu großen Überschwemmungen.

Die Wassernutzung ist politisch und wirtschaftlich wichtig. Obwohl Kirgisistan reichlich Wasser besitzt, wird seine Wasserversorgung durch ein postsowjetisches Aufteilungsabkommen der fünf zentralasiatischen Republiken bestimmt. Wie in der Sowjetzeit hat Kirgisistan Anspruch auf 25 % des Wassers, das auf seinem Territorium entspringt. Das neue Abkommen erlaubt Turkmenistan und Usbekistan aber die unbegrenzte Nutzung des Wassers, das ihnen aus Kirgisistan zufließt, ohne dafür zu zahlen. 1994 entfielen etwa 88 % des Wasserverbrauchs auf Landwirtschaft, 8 % auf Industrie und 4 % auf kommunale Wasserverteilungssysteme. Laut Weltbank verfügt Kirgisistan bei umsichtiger Verwaltung über genug hochwertiges Wasser für künftige Nutzung. Zugleich werden Wasserverteilung, Wassernutzung und die Rolle der Landwirtschaft als Hauptverbraucher in Zentralasien immer wichtigere Entwicklungsfragen.

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