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Geographie Islands
Der höchste Punkt der Insel ist der Hvannadalshnúkur mit 2110 m. Die längsten Flüsse sind die Þjórsá mit 230 km und die Jökulsá á Fjöllum mit 206 km.
Inhalt6 Abschnitte
Lage und geologischer Grundaufbau
Island ist eine große Insel im Nordatlantik auf dem Reykjanesrücken, dem nordöstlichen Teil des Mittelatlantischen Rückens. Als einziger größerer Teil dieses Meeresrückens ragt sie über den Meeresspiegel. Sie liegt knapp südlich des Nördlichen Polarkreises, etwa 250 km südöstlich von Grönland. Die Fläche beträgt 103.125 km², davon 100.329 km² Land und 2.796 km² Wasser. Der höchste Punkt ist der Hvannadalshnúkur mit 2110 m. Die längsten Flüsse sind Þjórsá mit 230 km und Jökulsá á Fjöllum mit 206 km.
Geologisch ist Island etwa 17 bis 20 Millionen Jahre alt und damit vergleichsweise jung. Es besteht nicht aus kontinentaler Kruste, sondern hat rein ozeanischen Ursprung. Seine Gesteine sind überwiegend Basalte; die aufdringenden Magmen sind meist mafisch bis intermediär und besitzen einen SiO₂-Gehalt von 40 bis 65 %.
Plattengrenze und Island-Plume
Island liegt auf der Plattengrenze zwischen der Eurasischen und der Nordamerikanischen Platte. Mittelozeanische Rücken sind Gebiete, in denen sich Ozeanboden ständig neu bildet: Konvektionsvorgänge in der Asthenosphäre, einer zähflüssigen Schicht des Erdmantels, ziehen den Boden auseinander. In den entstehenden Riss strömt Magma nach; dieser Vorgang heißt Sea-floor-spreading. So entsteht ein unterseeisches Gebirge.
Magnetische Messungen zeigen beidseits des Mittelatlantischen Rückens parallele, weitgehend symmetrische Streifen mit wechselnder magnetischer Polarität. Sie entstehen, weil sich die Polarität des Erdmagnetfeldes durch Polsprünge etwa alle 500.000 bis 750.000 Jahre umkehrt. Mineralteilchen im basaltischen Magma richten sich beim Erstarren nach dem damaligen Magnetfeld aus. Das Alter des Ozeanbodens nimmt deshalb zur Achse des Rückens hin ab. Diese Alters- und Magnetstruktur ist auch auf Island erkennbar. Die Zentralspalte, auch Rift genannt, ist beispielsweise mit der Almannagjá im Þingvellir-Nationalpark an Land sichtbar.
Die Gesteine werden von West nach Ost jünger. Im Westen und Nordwesten liegen überwiegend mehr als 3 Millionen Jahre alte tertiäre Basalte. Auf Snæfellsnes endete die Aktivität vor 7 Millionen Jahren, begann aber vor 2 Millionen Jahren erneut; die letzten Ausbrüche fanden dort zur Landnahmezeit um 900 im Hnappadalur statt. Östlich folgen 700.000 bis 3 Millionen Jahre alte altpleistozäne Gesteine einer erloschenen Vulkanzone. Die Gesteine der aktiven Zone sind jünger als 700.000 Jahre und werden fortlaufend erneuert. Island wächst durch die Spreizung um etwa 2 cm jährlich in Ost-West-Richtung, stärker nach Westen als nach Osten.
Dass Island die mit Abstand größte Erhebung eines Mittelatlantischen Rückens ist, wird durch den Island-Plume erklärt: eine besonders heiße und starke aufsteigende Konvektionsströmung, auch Manteldiapir, unter der Insel. Ihr Ursprung wird vermutlich an der Grenze von Erdkern und Erdmantel in etwa 2880 km Tiefe vermutet. Der Plume bestand wohl schon vor Island und entstand möglicherweise vor rund 60 Millionen Jahren gegen Ende des Paläozäns unter Grönland. Er hebt den Ozeanboden an und verstärkt die Magmazufuhr. Dazu passen Geoidanomalien: Die Region um Island liegt etwa 70 m über dem geodätischen Referenzellipsoid. Eine umstrittene Alternative führt die Anomalie auf viel Eklogit im oberen Erdmantel zurück, das bei gleicher Temperatur mehr Schmelze bildet als Peridotit.
Erdbeben und aktive Vulkanzone
Das Auseinanderdriften der Platten erzeugt Spannungen und zahlreiche Erdbeben. Auf Reykjanes im Südwesten können bis zu zwei Dutzend Mikroerdbeben täglich auftreten. Sehr starke Beben sind seltener. Das stärkste ermittelte Erdbeben ereignete sich am 14. August 1784 im Südwesten Islands und erreichte Stärke 8,0 auf der Richter-Skala. Berghänge rutschten ab, neue Geysire entstanden, etwa 500 Bauernhöfe wurden zerstört oder schwer beschädigt, und Menschen kamen ums Leben.
Erdbebenherde liegen besonders im Südwesten und Norden. Dort befinden sich Transform-Störungen beziehungsweise Blattverschiebungen: Durch Scherkräfte versetzte Abschnitte des Mittelatlantischen Rückens, die den Rücken meist quer zu seiner Streichrichtung zerteilen.
Die aktive Vulkanzone folgt der Plattengrenze, weil dort frisches Magma aufsteigt. Sie ist überwiegend nur wenige Dutzend Kilometer breit. In Südisland besitzt sie zwei Äste, im Norden einen Streifen; alle drei Bereiche treffen im Gebiet des Vatnajökull zusammen. Die alten Basaltfelder im Osten und Westen gehen auf früheren Vulkanismus zurück. Ihre Vulkane wurden durch das Wachstum der Insel von der Zentralspalte getrennt und ohne Magmanachschub inaktiv. Die meisten aktiven Vulkane liegen im unbewohnten Hochland, etwa bei Landmannalaugar oder der Krafla-Caldera. Vergletscherte Vulkangebiete sind unter anderem Vatnajökull (8100 km²), Langjökull (953 km²), Hofsjökull (930 km²), Mýrdalsjökull (595 km²), Drangajökull (199 km²) und Eyjafjallajökull (107 km²). Weitere Vulkaninseln sind Heimaey und Surtsey. Als bisher letzte Eruptionen nennt der Text 2000 am Hekla, 2004 und 2011 am Grímsvötn, 2010 am Eyjafjallajökull, 2014 am Bárðarbunga und 2021 am Fagradalsfjall beziehungsweise Krýsuvík.
Vulkanformen und Geysire
Während Kaltzeiten lagen teils mehrere hundert Meter mächtige Gletscher über Island. Traf effusiv, also ruhig ausfließend, gefördertes Magma unter dem Eis auf Wasser, kühlte es rasch ab und bildete Kissenlava oder Pillowlava. Bei weiterer Förderung konnten Pillowrücken und anschließend durch Ascheeruptionen Palagonittuff entstehen. Durchbrach ein Vulkan das Eis, entstanden Schildvulkane mit dünnflüssigen, weitfließenden Laven und geringer Hangneigung von etwa 8°, etwa bei Kjalhraun. Durchbrach Lava den Eispanzer und blieb nach dessen Abschmelzen ein steilwandiges Basaltplateau zurück, entstand ein Tafelvulkan wie die Herðubreið.
Häufig sind Spalteneruptionen, bei denen Magma entlang kilometerlanger Risse austritt. Die Spalte Eldgjá ist 30 km lang und brach im Jahr 930 aus. Konzentriert sich die Tätigkeit auf einzelne Stellen einer Spalte, entstehen Kegelketten, sogenannte Kraterreihen. Bei der Lakispalte bildete sich 1783 auf rund 25 km Länge eine Kraterkette mit mehr als hundert Schloten.
Stratovulkane sind selten; sie fördern große Mengen rhyolitischer Asche und haben eine Kegelform, zum Beispiel Snæfellsjökull. Hekla gilt als Mischform aus Spalten- und Stratovulkan. Tuffringe entstehen durch eine einmalige phreatomagmatische Explosion, also den Kontakt von Lava und Wasser; Hverfjall am Mývatn ist ein Beispiel. Eldborgir sind Schweißschlackenkegel, die einzeln oder in Reihen auf Vulkanspalten vorkommen.
Island besitzt rund 600 größere heiße Quellen. Geysire sind Springquellen mit einem engen Eruptionskanal. Magma erhitzt Sickerwasser unter dem Druck der Wassersäule auf weit über 100 °C. Aufsteigende Blasen drücken Wasser heraus, der Druck sinkt und überhitztes Wasser wird schlagartig zu Dampf. Dieser kann Wasser weit über 100 m hoch schleudern, was jedoch selten ist. Geysire sind oft kurzlebig, weil Kanäle verschüttet oder erweitert werden; sie können dann zu heißen Quellen werden. Erdbeben und neue Spalten können umgekehrt Geysire entstehen lassen. Bekannt sind Strokkur und der Große Geysir.
Gletscher, Flüsse und Meer
Island wird wegen seiner 33 aktiven Vulkansysteme und der Gletscher auch Insel aus Feuer und Eis genannt. Bis vor 10.000 Jahren lagen Gletscher der letzten Eiszeit auf der Insel. In Kaltzeiten war das Land von bis zu 2000 m dicken Eisschichten bedeckt. Von etwa vor 10.000 bis vor 2.500 Jahren war das Klima milder und wärmer als heute; die Eisschicht schmolz. Danach kühlte es wieder ab, und Inlandseisschilde wie der Vatnajökull entstanden. Während der Kolonisierung im 9. und 10. Jahrhundert war es erneut etwas wärmer als heute. Vom 13. bis Ende des 19. Jahrhunderts folgte die Kleine Eiszeit.
Gletscher fließen und schaben dabei Gestein ab. Sie formten Trogtäler bei Akureyri, Kare in den Westfjorden, Täler schmaler Seen wie des Skorradalsvatn und Fjorde. Fjorde sind landwärts tiefer, da das Eis dort länger und schwerer lag. Gegenwärtig bedecken Gletscher etwa 8 % Islands, ihre Fläche nimmt durch die globale Erwärmung ab. Der Vatnajökull verlor in den letzten 100 Jahren mehr als 10 % seines Volumens. Der Text vermutet, dass dünner werdendes Eis, Landhebung sowie neue Spalten und Öffnungen die vulkanische Aktivität verstärken könnten.
Flüsse erodieren ebenfalls und erweitern beispielsweise am Gullfoss tektonische Spalten. Quellflüsse wie die Hvítá im Borgarfjörður haben einen relativ gleichmäßigen Wasserstand. Gletscherflüsse wie die Skeiðará schwanken besonders im Sommer und bei vulkanischen Einflüssen stark. Sammelflüsse wie die Norðurá im Borgarfjörður nehmen Wasser anderer Bäche und Flüsse auf und schwellen bei Tauwetter an. Beim Gletscherlauf von 1996 transportierte die Skeiðará große Geröllmengen und verlagerte die Küstenlinie seewärts: Flüsse tragen somit Material ab und bauen es zugleich ab.
Auch der Nordatlantik formt die Küste. Vor der Südküste können Wellen bis zu 20 m hoch werden. Bei Dyrhólaey schleift das Meer Felsen ab; frühere Kaps sind im Süden noch erkennbar. Flussablagerungen können die Küstenlinie später wieder verlagern. Angeschwemmte Sandbänke bildeten in den Westfjorden viele Eyri genannten Halbinseln, auf denen Orte wie Þingeyri und Flateyri liegen.
Winderosion
Stürme verursachen in Island starke Bodenerosion. Wind kann Asphalt auf Straßen hochklappen oder zermahlen und fortwehen. Besonders leicht wird Boden abgetragen, wenn Überweidung sowie Wasser und Vulkanismus Böden und Pflanzenbewuchs bereits geschädigt haben. Dies trägt zum wüstenhaften Erscheinungsbild großer Gebiete im Inselinneren bei.
Besonders stark ist die Winderosion auf Sanderebenen, weil Gletscherflüsse wie Skeiðará, Kúðafljót und Jökulsá á Fjöllum ständig neues Ablagerungsmaterial liefern. In langen Trockenzeiten entstehen auf Mýrdalssandur oder in der Wüste Möðrudalsöræfi Sandstürme. Sand kann dabei Hunderte Kilometer weit transportiert werden und im Borgarfjörður diesige Luft verursachen. Wind formt außerdem Palagonitfelsen, etwa in der Þórsmörk. Dünen gibt es kaum, allenfalls an Stränden.
Typisch sind Rofaborð, auf Deutsch Erosionstische. Bei ihnen höhlt der Wind bereits brüchigen Boden weiter aus. Es bleiben angefressen wirkende Bodenwellen, die nur an der Oberseite noch etwas Gras tragen.