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Fuerteventura
Hauptwirtschaftsfaktor ist der Tourismus. Der überwiegende Teil der jährlich mehr als zwei Millionen Touristen kommt aus Deutschland und dem Vereinigten …
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Überblick und Lage
Fuerteventura ist eine spanische Kanareninsel im Atlantischen Ozean, etwa 120 Kilometer westlich der marokkanischen Küste. Geologisch gehört sie zu Afrika. Mit 1659,74 km² und 22,15 % der Landfläche der Kanaren ist sie nach Teneriffa die zweitgrößte Insel des Archipels. 2024 lebten dort 127.043 Einwohner; Hauptort und Sitz des internationalen Flughafens ist Puerto del Rosario. Die Landessprache ist Spanisch.
Die Insel ist knapp 100 Kilometer lang, bis zu 31 Kilometer breit und wird am fünf Kilometer breiten Istmo de la Pared in den nördlichen Teil Maxorata und die südliche Halbinsel Jandía gegliedert. Der höchste Berg ist der Pico de la Zarza beziehungsweise Pico de Jandía mit 807 m. Fuerteventura und Lanzarote bilden die östliche Grenze der Kanaren und sind durch die etwa 11 Kilometer breite Meerenge La Bocayna getrennt.
Die gesamte Insel wurde am 26. Mai 2009 UNESCO-Biosphärenreservat und 2015 UNESCO-Lichtschutzgebiet.
Entstehung, Landschaft und Klima
Fuerteventura ist die älteste Kanareninsel und vulkanischen Ursprungs. Das Alter der über Wasser erstarrten Gesteine wurde mittels Ar/Ar-Datierung auf etwa 22 Millionen Jahre bestimmt; andere Forscher nennen 20,6 Millionen Jahre. Drei heute stark erodierte Schildvulkanstrukturen, 12–22 Millionen Jahre alt, bilden ihre Grundlage. Darunter liegen 22–48 Millionen Jahre alte unterseeische Vulkane oder später angehobene Strukturen; die ozeanische Kruste darunter ist 180 Millionen Jahre alt. Nach einer längeren Ruhephase setzte Vulkanismus vor rund fünf Millionen Jahren erneut ein; die letzten Eruptionen liegen einige Tausend Jahre zurück.
Wind, Wasser und besonders Meereserosion formten das heutige Relief. Die ältesten Inselteile liegen im Westen, die jüngsten im Osten. Große Teile früherer Strukturen wurden wahrscheinlich auch durch Flankenkollaps-Ereignisse zerstört. In Kaltzeiten lag der Meeresspiegel tiefer; Wind verfrachtete Material und bildete Dünen. Die Wanderdünen bei Corralejo bestehen überwiegend aus zerriebenen Gehäusen von Meerestieren, ergänzt durch Kalk vom ehemaligen Meeresboden und schwarze Vulkanpartikel.
Das ganzjährig milde Klima wird vom Meer ausgeglichen; Passatwinde halten heiße Saharaluft meist fern. Mit 147 mm Niederschlag pro Jahr ist Fuerteventura im Kanarenvergleich sehr trocken und gilt als Halbwüste mit Tendenz zur Wüste. Die niedrigen Berge halten Wolken kaum zurück. Wenig Vegetation, frühere Brennholzgewinnung und freilaufende Ziegen fördern die Erosion; starke Winterregen fließen oft ungenutzt ins Meer. Für Corralejo liegen die mittleren Tagesmaxima zwischen 20 °C im Januar und 29 °C im Juli/August, die mittleren Tagesminima zwischen 13 °C und 20 °C. Die mittlere Wassertemperatur beträgt 18,7 °C.
Bei Calima bringt ein heißer Ostwind aus der Sahara Staub, schlechte Sicht, sehr trockene Luft und teils einen Temperatursprung um 10 °C. Mit ihm können afrikanische Wanderheuschrecken kommen, etwa im November 2004 und Februar 2026. Langzeitmessungen seit 1979 zeigen steigende Temperaturen; dadurch sind Verluste endemischer Arten zu erwarten. Für 2050 werden rund 18 cm Meeresspiegelanstieg vorausgesagt. Ein Greenpeace-Bericht von 2024 nennt bis Ende des Jahrhunderts 27–75 cm und damit je nach Emissionsszenario etwa 48 % beziehungsweise 80 % Verlust der Strandfläche.
Pflanzen, Tiere und Verwaltung
Die trockene Inselvegetation besteht vor allem aus Xerophyten, also an Wassermangel angepassten Pflanzen. Wegen der isolierten Lage gibt es zahlreiche endemische, nur dort oder auf wenigen Inseln vorkommende Arten. Typisch sind Strauch-Dornlattich (Launaea arborescens, auf den Kanaren aulaga), König-Juba-Wolfsmilch, Balsam-Wolfsmilch und Kanaren-Wolfsmilch. Die Jandía-Wolfsmilch kommt, abgesehen von einzelnen Pflanzen im Norden, nur auf Jandía vor. Natürliche Bestände der Kanarischen Dattelpalme gibt es unter anderem bei Vega de Río Palmas und im Barranco de la Madre del Agua. Bäume sind außerhalb kultivierter Anlagen kaum verbreitet. Feigenkaktus, Amerikanische Agave, Blaugrüner Tabak und Wunderbaum sind gebietsfremde Arten.
Fuerteventura ist ein wichtiges Vogelschutzgebiet; geschützt sind unter anderem die Dünen von Corralejo, Malpaís de la Arena, Barranco de los Molinos und Malpaís Grande. Besonders geschützt ist die Saharakragentrappe (Chlamydotis undulata fuerteventurae). Sie und die Jandía-Wolfsmilch sind die natürlichen Symbole der Insel. Atlashörnchen wurden 1965 aus Nordafrika eingeschleppt, vermehrten sich stark und schädigen teils die Vegetation. Außerdem leben Nordafrikanischer Igel, Fledermäuse, Crocidura canariensis, Kaninchen sowie verschiedene See- und Raubvögel auf der Insel. In Morro Jable werden verletzte Meeresschildkröten gepflegt und später freigelassen.
Fuerteventura gehört mit Lanzarote und Gran Canaria zur Provinz Las Palmas. Präsidentin der Inselregierung ist seit dem 26. Juni 2023 Lola García von der Coalición Canaria. Die Insel ist in die sechs Gemeindebezirke Antigua, Betancuria, La Oliva, Pájara, Puerto del Rosario und Tuineje gegliedert. Die Bevölkerung konzentriert sich vor allem an touristischen Küstenorten, während viele Verwaltungssitze im Inselinnern liegen.
Historische Entwicklung
Archäologische Funde weisen spätestens vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis zum 3. Jahrhundert n. Chr. auf enge Verbindungen zum Mittelmeerraum und Ansiedlungen von Menschen aus dem Gebiet beiderseits der Straße von Gibraltar hin. Von dem Ende des 3. Jahrhunderts bis zum Beginn des 14. Jahrhunderts bestanden keine Verbindungen zur Außenwelt oder zwischen den Inseln. Die Majoreros, die Ureinwohner Fuerteventuras, entwickelten in dieser etwa 1000-jährigen Isolation eine eigenständige Kultur.
1402 begannen Jean de Béthencourt und Gadifer de la Salle, Handelsstützpunkte aufzubauen, Europäer anzusiedeln, die Bevölkerung zu christianisieren und die Insel der Krone von Kastilien zu unterwerfen. Die zwei Herrschaftsgebiete der Majoreros waren durch eine quer über die Insel führende Mauer getrennt. Nach Konflikten unterwarfen sich die Herrscher: Guize aus dem Norden wurde am 18. Januar 1404 als Luis getauft, Ayoze aus dem Süden am 25. Januar 1404 als Alfonso. Betancuria wurde Verwaltungssitz; Grundbesitz wurde an neue Siedler und frühere Herrscher verteilt.
Die Herrschafts- und Eigentumsrechte wechselten später mehrfach. Ab 1452 besaßen Inés Peraza de las Casas und Diego García de Herrera y Ayala Rechte an Fuerteventura; danach übte die Familie Saavedra die Herrschaft aus. Die Feudalherrschaft der Señores wurde 1836 abgeschafft. Wirtschaftlich dominierten zunächst Viehprodukte, Orchilla und später Getreideüberschüsse. Hohe Abgaben begünstigten Abwanderung. 1740 wurden englische Korsaren bei Tuineje besiegt; zum Schutz vor Überfällen entstanden die Türme von El Cotillo und Caleta de Fuste.
1835 wurde der Verwaltungssitz nach Puerto de Cabras, dem heutigen Puerto del Rosario, verlegt; 1860 wurde es endgültig Hauptstadt. 1912 erhielten die Kanaren Selbstverwaltungsrechte durch das Cabildo Insular, 1927 wurde Fuerteventura Teil der Provinz Las Palmas. Seit 1982 besitzen die Kanaren Autonomiestatus. Erste Urlauber kamen 1966, und seit 1990 ist Fremdenverkehr die wichtigste Einnahmequelle.
Wirtschaft, Versorgung und Verkehr
Der Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftszweig und reicht von naturnahem Tourismus im Inselinneren bis zu großen Hotelanlagen an der Küste. Die größten Ferienzentren sind Corralejo, Caleta de Fuste, Costa Calma und Morro Jable. Von jährlich gut zwei Millionen Gästen sind 35 % Deutsche. Tourismus verbessert die Infrastruktur, kann aber Abwanderung junger Menschen in Touristenorte und steigende Immobilienpreise bewirken. Nach dem Rückgang in der COVID-19-Pandemie von 1,99 Millionen Touristen 2019 auf 1,01 Millionen 2021 erreichte die Insel 2023 mit knapp 2,3 Millionen Übernachtungsgästen einen Rekordwert. 2021 standen 33 % weniger Hotelbetten als 2019 und nur 6.522 statt 15.272 Apartmentbetten zur Verfügung.
Landwirtschaft hat wegen Wassermangels geringe Bedeutung: Der Ackerbau sank von rund 3,5 % der Fläche 1970 auf 0,1 %. Beim Trockenfeldanbau speichert picón, ein Gemisch vor allem aus Vulkanasche und Lapilli, Wasser. Angebaut werden unter künstlicher Bewässerung besonders Tomaten; weitere Produkte sind Papas Arrugadas, Gofio, geringe Mengen Olivenöl und Meersalz. Bedeutend ist die Ziegenhaltung mit prämiertem Käse. Fischfang ist nachrangig. Aloe-vera-Produkte sind durch falsch deklarierte Importe bedroht; für 2015 wurde der Schaden auf 21 Millionen Euro jährlich geschätzt.
Trotz geeigneter Sonne und Wind lieferten Solar- und Windenergie 2021 nur 18,7 % der Bruttostromerzeugung, nach 11,7 % 2019. Der übrige Strom stammt überwiegend aus Erdöl im Kraftwerk Las Salinas in Puerto del Rosario, zu einem kleinen Anteil aus Erdgas. Fast der gesamte Wasserbedarf wird heute durch energieintensive Meerwasserentsalzung gedeckt. Wasserknappheit verschärft sich durch Tourismus; für Hotels in Spanien werden 400–1000 Liter Tagesverbrauch je Gast genannt.
Der internationale Flughafen verbindet die Insel mit mehreren europäischen Ländern. Puerto del Rosario ist der größte Hafen. Fähren fahren von Corralejo nach Playa Blanca auf Lanzarote sowie von Morro Jable nach Las Palmas auf Gran Canaria. Die direkte Linie nach Tarfaya in Marokko endete 2008 nach dem Untergang der Autofähre Assalama am 30. April 2008. Das Straßennetz ist gut ausgebaut; FV-1 und FV-2 werden zur Nord-Süd-Autobahn ausgebaut. Regionalbusse verbinden größere Orte, zentrale Drehscheibe ist Puerto del Rosario.
Freizeit, Sehenswürdigkeiten und Umweltprobleme
Prägend sind kilometerlange Sandstrände wie Playas Grandes bei Corralejo und Playas de Sotavento auf Jandía. Die Westküste hat dagegen häufig Steilküsten und teils lebensgefährliche ablandige Strömungen. Weitere Ziele sind die autofreie Insel Lobos mit begrenztem Zugang, Betancuria mit der Kirche Iglesia de Santa Maria, die Cuevas de Ajuy und der Arco del Jurado, historische Windmühlen wie in Tiscamanita, die Ureinwohnersiedlung Poblado de La Atalayita sowie Ecomuseo La Alcogida. Die Villa Winter bei Cofete hat laut Artikel eine undurchsichtige Vergangenheit.
Wassersport ist wegen der Strände, Winde und Wassertemperaturen von mindestens 18 °C wichtig. Windsurfen und Kitesurfen werden besonders in Corralejo und an der Playa Barca betrieben; dort finden seit 1985 jährlich internationale Meisterschaften statt. Gute Reviere für Wellenreiten liegen bei Corralejo, El Cotillo und La Pared. Tauchen ist vor Playa del Matorral sowie zwischen Lobos und Corralejo beliebt. Traditionelle Sportarten sind Kanarisches Ringen in Sandarenen, Juego del Palo als Stockkampf ohne Körperkontakt und Bolos Canarios, bei dem Kugeln möglichst nahe an mingue oder boliche geworfen werden. Ein Wegenetz ermöglicht Küsten- und Bergwanderungen; der GR 131 durchquert die Insel auf etwa 155 km in neun Tagesetappen.
Umweltprobleme sind veraltete und überlastete Abwassersysteme. Bei Starkregen kann unzureichend gereinigtes Abwasser ins Meer gelangen, was Strandschließungen und Gesundheitsrisiken verursachen kann. Meeresströmungen tragen Plastikmüll an die Küsten; im ersten Halbjahr 2023 sammelte das Programm El Cabildo Mima su Isla durchschnittlich mehr als eine Tonne Abfall pro Monat. Der Anteil von Feuchttüchern stieg. Fuerteventura zählt wegen geringer erneuerbarer Energieerzeugung zu den Kanareninseln mit hohem CO_{2}-Fußabdruck. 2025 berichtete AM-CC zudem über unkontrollierte Sandimporte aus Afrika und einen inaktiven Grenzkontrollpunkt in Puerto del Rosario.