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Bastille

Der Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 wird als symbolischer Auftakt und Geburtsstunde der Französischen Revolution interpretiert. Die Bastille in den …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Entstehung
  2. 2. Bau und Architektur
  3. 3. Die Bastille als Staatsgefängnis
  4. 4. Die Erstürmung am 14. Juli 1789
  5. 5. Abriss und heutige Erinnerung

Bedeutung und Entstehung

Die Bastille war ursprünglich eine besonders befestigte Stadttorburg im Osten von Paris und wurde später als Staatsgefängnis genutzt. Der Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 gilt als symbolischer Auftakt und als Geburtsstunde der Französischen Revolution.

Die Bastille wurde im 14. Jahrhundert unter König Karl V. durch Hugues Aubriot errichtet. Die Grundsteinlegung erfolgte am 22. April 1370, beendet wurde der Bau im März 1383. Als Bastion de Saint-Antoine beziehungsweise Bastille Saint-Antoine diente sie als befestigtes östliches Tor und als Eckpfeiler der Pariser Stadtbefestigung gegen Angriffe englischer Truppen während des Hundertjährigen Krieges.

Bau und Architektur

Die Festung besaß acht Zinnentürme. Auf der Feldseite lagen von Norden nach Süden der Eckturm, der Kapellenturm, der Schatzturm und der Grafschaftsturm. Auf der Stadtseite folgten der Brunnenturm, der Freiheitsturm, der Bertaudièreturm und der Basinièreturm.

Zwischen Basinièreturm und Grafschaftsturm befand sich der südliche Eingang mit zwei Zugbrücken: einer für Fußgänger und einer für Kutschen. Zwischen Kapellen- und Schatzturm war ein zugemauertes ehemaliges Stadttor sichtbar. Ein mit Wasser gefüllter Festungsgraben umgab das Gebäude.

Die einheitliche Höhe der Gebäudeteile und Flügel, die ebenso hoch wie die Türme waren, verlieh der Bastille einen massiven und imposanten Charakter. Das flache, begehbare Dach war von einer vorspringenden Brustwehr mit Zinnenkranz umgeben. Die südfranzösische Burg Tarascon wurde nach dem Vorbild der Bastille konzipiert.

Die Bastille als Staatsgefängnis

Seit der Zeit Ludwigs XIII. in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts diente die Bastille als Staatsgefängnis. Sie verfügte über 80, teilweise unterirdisch gelegene Kerker. Die Gefangenen waren überwiegend Angehörige von Familien, die hohe königliche Ämter innehatten. Formal verbüßten sie meist keine Haftstrafe, sondern befanden sich in Präventiv- oder Untersuchungshaft. Die Einweisung wurde durch einen lettre de cachet, einen königlichen Haftbefehl, angeordnet.

Die Haftbedingungen unterschieden sich je nach sozialem Status und Zahlungsfähigkeit. René Auguste Constantin de Renneville beschrieb 1715 in Inquisition Françoise seine elfjährige Gefangenschaft und verschiedene Zellen. Gefangene erhielten eine Pension des Königs, aus der das Wachpersonal Besorgungen bezahlte. Das Gefängnis war als vom Staat verpachtetes kommerzielles Unternehmen organisiert. Verarmte Gefangene oder solche, deren Familien sie nicht mehr unterstützten, wurden in immer tiefer gelegene Zellen verlegt; die unmenschlichsten Bedingungen herrschten in den Kellern.

Die Gefangenschaft in der Bastille, das Embastillement, war gefürchtet, weil sie für viele den Entzug jeder Öffentlichkeit bedeutete. Andererseits durften adlige Gefangene teilweise Diener oder sogar ihre Ehefrau mitbringen. Berühmte Häftlinge waren Voltaire in den Jahren 1717/1718 und 1726 sowie der Marquis de Sade von 1784 bis 1789.

Die Erstürmung am 14. Juli 1789

Vor dem Sturm hatten wichtige Ereignisse der Französischen Revolution stattgefunden: das Zusammentreten der Generalstände am 5. Mai 1789, der Ballhausschwur des Dritten Standes am 20. Juni und die Einsetzung der verfassungsgebenden Nationalversammlung, der Konstituante, am 9. Juli. Nach der Absetzung des beliebten Finanzministers Jacques Necker am 12. Juli befürchtete die Bevölkerung, die revolutionäre Entwicklung könne gestoppt oder zurückgenommen werden. Es kam zu Unruhen und zur Sammlung von Waffen.

Am 14. Juli versammelte sich eine Menge vor der Bastille, um an die dort gelagerten Waffen zu gelangen. Der Kommandant Bernard-René Jordan de Launay ließ das Feuer eröffnen; dabei wurden mehr als 90 Menschen getötet. Als die Menge später mit stärkerer Bewaffnung zurückkehrte, kapitulierte die Wachmannschaft, und die Bastille wurde erstürmt. Der Kommandant und zwei weitere Personen wurden getötet; ihre Köpfe wurden unter Jubel auf Heugabeln durch die Straßen getragen.

Die sieben befreiten Gefangenen waren für die Revolution selbst unbedeutend, und der militärische Sieg über die aus Veteranen und Invaliden bestehende Wachmannschaft hatte nur geringe Bedeutung. Trotzdem wurde der Sturm zum Mythos und zu einem einschneidenden Ereignis. Seine Symbolwirkung beruhte vermutlich auf dem ersten Sieg über eine als Zeichen der Despotie verstandene Befestigung. Der französische Nationalfeiertag am 14. Juli erinnert an die Erstürmung.

Abriss und heutige Erinnerung

Die Bastille wurde als Symbol des Ancien Régime bereits zwei Tage nach dem Sturm abgerissen. Unter der Leitung des Bauunternehmers Pierre-François Palloy begann der Abriss am 16. Juli 1789 und dauerte bis in den Oktober des folgenden Jahres. Zunächst blieb ein 50 Zentimeter hoher Mauerrest stehen, der später ebenfalls entfernt wurde.

Aus Steinen der Bastille ließ Palloy detailgetreue Modelle des Gefängnisses anfertigen und in die 83 neuen Departement-Hauptstädte bringen. Aus eisernen Zellenschlössern sowie Ketten und Fußkugeln der Gefangenen wurden etwa 60.000 Medaillen mit Freiheitsmotiven geprägt. Die Abrisskosten von 568.148 Livres sollte nach einem Dekret der Nationalversammlung vom 4. Oktober 1790 der Staat übernehmen.

Heute ist von der Bastille fast nichts mehr erhalten. Auf ihrem früheren Standort liegt die Place de la Bastille. In ihrer Pflasterung ist der Verlauf der Festungsmauern nachgebildet. Auf dem Bahnsteig der Métro-Station Bastille sind außerdem Überreste der äußeren Mauer des ehemaligen Festungsgrabens, der Contrescarpe, sichtbar.

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