Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Friede von Münster (Gemälde)
Der Friede von Münster ist ein Ölgemälde von Gerard ter Borch. Das Bild wird als Beschwörung des Westfälischen Friedens (The swearing of the oath of …
Inhalt6 Abschnitte
Kern des Gemäldes
Der Friede von Münster ist ein Ölgemälde von Gerard ter Borch aus dem Jahr 1648. Es ist auf Kupfer gemalt, misst 45,4 × 58,7 cm und befindet sich heute im Rijksmuseum Amsterdam. In Katalogen wird es auch als Beschwörung des Westfälischen Friedens, Der Vertrag von Münster oder Westfälischer Friede in Münster geführt.
Das Bild zeigt einen konkreten politischen Moment: die feierliche Beeidigung eines Friedensvertrags zwischen Spanien und den Niederlanden am 15. Mai 1648 im Rathaus von Münster. Weil ter Borch selbst anwesend war und die Beteiligten, den Raum und die Handlung sehr genau darstellte, gilt das Gemälde nicht nur als Kunstwerk, sondern auch als historisches Dokument.
Politischer Hintergrund
Der dargestellte Vertrag war ein separater Friedensvertrag, der 1648 im Rahmen der Friedensverhandlungen in Münster geschlossen wurde. Er beendete nach vier Jahren zäher Verhandlungen die seit 80 Jahren andauernde Revolte der Niederländer gegen die spanische Oberherrschaft, also den Niederländischen Aufstand.
Das wichtigste Ziel der Niederländer war ihre staatliche Unabhängigkeit von Spanien. Spanien wollte vor allem die nördlichen Niederlande aus dem französischen Bündnissystem herauslösen. Mit dem Vertrag erkannte Spanien die volle Souveränität der nördlichen Niederlande an und verzichtete auf die Sieben Provinzen, einschließlich der Scheldemündung. Außerdem akzeptierte Spanien den Calvinismus in den sieben Provinzen, hob Beschränkungen für niederländische Handelsfahrer in Ost- und Westindien auf und stimmte zu, die Schifffahrt in der Scheldemündung durch Zölle zu regulieren.
Ter Borch kam durch Adriaan Pauw nach Münster. Pauw war holländischer Gesandter, später Verhandlungsführer und Ratspensionär. 1645 lud er ter Borch ein, ihn nach Münster zu begleiten. Dort malte ter Borch unter anderem den Einzug Pauws in die Stadt und mehrere kleinformatige Porträts beteiligter Diplomaten, darunter Don Gaspar de Bracamonte, Conde de Peneranda. Dieser nahm ter Borch als Hofmaler in seine Dienste und vermittelte ihm später Aufträge in Spanien.
Dargestellte Szene
Das Gemälde zeigt den Moment, in dem das Vertragswerk feierlich beschworen wird. Der Staatsakt findet im Rathaussaal von Münster statt. Die vielen Beteiligten sind mit Porträtgenauigkeit wiedergegeben und stehen über die ganze Breite des Saals hinter einem Tisch. Ter Borch vermeidet eine eintönige Reihung, indem er Vordergrundfiguren und Hintergrundfiguren leicht asymmetrisch gruppiert.
Am runden Tisch stehen die sechs niederländischen Verhandlungsführer Willem Ripperda, Frans van Donia, Adriaan Clant tot Stedum, Adriaan Pauw, Jan van Mathenesse und Barthold van Gent sowie drei spanische Vertreter. Die Niederländer beeiden den Vertrag mit erhobener Schwurhand. Die Spanier legen ihre rechte Hand auf eine aufgeschlagene Bibel mit einem metallenen Kreuz. Auf dem Tisch liegen außerdem die mit Siegeln versehenen Verträge und eine kostbare Kassette mit Metallbeschlägen. Der Tisch ist mit einer schweren grünen Samtdecke mit Goldbordüre bedeckt, die bis auf den Boden reicht.
Ter Borch hat sich selbst am linken Bildrand dargestellt. Er steht dort in grauer Kleidung, trägt blondes schulterlanges Haar und blickt die Betrachter an. Damit verweist er auf seine eigene Augenzeugenschaft.
Raum und Bedeutung der Details
Der Rathaussaal ist detailgenau wiedergegeben. Zu sehen sind dunkle hölzerne Wandvertäfelungen aus dem 16. Jahrhundert, Schnitzereien an den Lehnen der Magistratsbänke und immergrüne Sträucher in den beiden Ecken des Saals. Helles Tageslicht fällt von rechts durch hohe Fenster auf die Versammlung, sodass die einzelnen Gesichter gut erkennbar sind.
Einige Figuren setzen farbliche Akzente: ein Vertreter der Stadtwache mit Stulpenstiefeln und Federhut, ein Mann mit weitem rotem Mantel und blauen Strümpfen sowie ein Franziskaner aus dem Gefolge der Spanier. Über der Versammlung hängt ein goldener Kronleuchter mit einer gekrönten Madonna im Strahlenkranz, die den Jesusknaben auf dem Arm trägt. Ter Borch hebt die Bedeutung der Muttergottes hervor, indem er die Figur vergrößert darstellt; ihr Segen für den Frieden von Münster wird dadurch sinnbildlich betont.
Besitzgeschichte
Ter Borch konnte oder wollte das Gemälde offenbar nicht verkaufen; er hatte 6000 Fl. als Verkaufspreis angesetzt. Bei seinem Tod befand es sich in seinem Nachlass. Später gelangte es durch Erbschaft an den Rentenmeister Hornbraken († 1780), wurde verkauft und wechselte danach häufig den Besitzer.
Aus der Sammlung van Leyen in Amsterdam wurde es 1804 für 16.000 Francs an Talleyrand verkauft. Nach weiteren Stationen ging es für 45.000 Francs an den russischen Mäzen Anatole Demidow. Danach gelangte es nach England. 1871 war es im Besitz von Sir Richard Wallace, der es der National Gallery in London schenkte. Im Jahr 2000 gab die National Gallery das Bild als Leihgabe an das Rijksmuseum in Amsterdam, wo es heute ausgestellt wird.
Verbreitung durch Kupferstich
1648 beauftragte ter Borch den Haarlemer Kupferstecher Jonas Suyderhoef (1613–1689), einen Stich im Format des Originals anzufertigen. Dieser Kupferstich wurde in hohen Auflagen verbreitet und machte die Darstellung einem größeren Publikum zugänglich.
Der Stich wurde erst 1650 fertiggestellt. Er enthielt den Zusatz „ICON EXACTISSIMA. QUA AD VIVUM EXPRIMITUR SOLENNIS CONVENTUS […]“, also den Anspruch, die feierliche Versammlung lebensnah und sehr genau wiederzugeben. An der Wand stand außerdem die Inschrift „PAX OPTIMA RERUM“, auf Deutsch: „der Friede ist das Beste aller Dinge“. Die ausführliche Beischrift betonte die Authentizität der Szene: Sie beschrieb die bevollmächtigten Gesandten König Philipps IV. von Spanien und der Generalstände der Vereinigten Niederlande, die den kurz zuvor geschlossenen ewigen Frieden im Rathaus zu Münster am 15. Mai 1648 durch Beschwörung bestätigten.