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Joachim du Bellay

Joachim Du Bellay (* um 1522 in Liré nahe Angers; † 1. Januar 1560 in Paris) war ein französischer Autor. Er gilt neben Pierre de Ronsard als der bedeutendste …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und literarisches Programm
  2. 2. Herkunft, Bildung und frühe Dichtung
  3. 3. Rom: Dienst, Enttäuschung und dichterische Erfahrungen
  4. 4. Späte Hauptwerke und Nachwirkung

Bedeutung und literarisches Programm

Joachim du Bellay (* um 1522 in Liré nahe Angers; † 1. Januar 1560 in Paris) war ein französischer Autor und gilt neben Pierre de Ronsard als bedeutendster französischer Lyriker der Mitte des 16. Jahrhunderts. Er prägte besonders die französische Lyrik und setzte sich dafür ein, dass Französisch als vollwertige Literatursprache anerkannt und weiterentwickelt wird.

1547 kam er nach Paris, um mit Ronsard bei dem Gräzisten Jean Dorat am Collège de Coqueret auch altgriechische Literatur zu studieren. Mit Ronsard und weiteren Autoren gründete er den zunächst „la brigade“ genannten Dichterkreis, den Ronsard später, wohl 1556, „La Pléiade“ nannte.

Im März 1549 veröffentlichte Du Bellay La Défense et illustration de la langue française und die Gedichtsammlung L’Olive et quelques autres œuvres poétiques. Die Défense ist das programmatische Manifest der Gruppe. Sie erschien zehn Jahre nach dem Edikt von Villers-Cotterêts, durch das König Franz I. Französisch zur alleinigen Urkunden- und Verwaltungssprache Frankreichs gemacht hatte. Der erste Teil erklärt Französisch zu einer Sprache von gleicher Würde wie Griechisch, Latein und Italienisch. Seine Ausdrucksmöglichkeiten sollten jedoch durch Dichter erweitert werden, vor allem durch die produktive Aneignung wichtiger Werke dieser Sprachen.

Der zweite Teil ist eine Poetik, also eine Anleitung zum Dichten. Französische Literatur, besonders Lyrik, sollte sich an Themen und Formen der antiken und italienischen Literatur orientieren. Du Bellay fordert dabei eine konsequente Abkehr von der älteren französischen Tradition, für die vor allem Clément Marot und dessen Schüler standen. Die Défense wurde zunächst nur kurz diskutiert und danach mäßig beachtet; im 19. und 20. Jahrhundert stilisierten patriotische Literaturhistoriker sie wegen ihres selbstbewussten, quasi nationalistischen Tons zu einem Schlüsseltext.

Herkunft, Bildung und frühe Dichtung

Du Bellay stammte aus einer ärmeren Linie eines alten Adelsgeschlechts des Anjou und war der jüngere Sohn. Über seine Kindheit ist wenig bekannt. Offenbar verlor er früh seine Mutter, war mit zehn Jahren Vollwaise und wuchs kränklich unter der Vormundschaft seines 15 Jahre älteren Bruders René auf. Angeblich erhielt er keine solide Bildung, soll aber früh Verse geschrieben haben.

1540 begann er in Poitiers ein Jurastudium. Es sollte ihm vermutlich den Zugang zu einem Posten in königlicher Verwaltung oder Gerichtsbarkeit eröffnen; dabei konnte ihm die Protektion seines Verwandten Jean Du Bellay helfen, des Bischofs von Paris und späteren Kardinals. In Poitiers schloss er sich humanistisch gebildeten Literaten an, besonders Jacques Peletier du Mans, sowie neulateinischen Dichtern. Er schrieb dort Gedichte, teils auf Latein, lernte spätestens zu dieser Zeit Italienisch und beschäftigte sich mit Autoren der italienischen Renaissance, vor allem Francesco Petrarca und dessen Nachfolgern.

L’Olive war die erste Sonettsammlung der französischen Literatur und neben Maurice Scèves Délie von 1544 eine der ersten französischen Sammlungen petrarkistischer Lyrik. Petrarkismus bezeichnet hier eine an Petrarca orientierte Liebeslyrik. Die kunstvollen Sonette kreisen meist um die unerreichbare ideale Geliebte Olive; ihre Identität ist unbekannt und unerheblich. Du Bellay verbindet darin Vorstellungen des Neuplatonismus mitunter mit christlichen Ideen. Ende 1550 erschien eine von 50 auf 115 Gedichte erweiterte Ausgabe. In den folgenden Jahren übertrug er auch lateinische Klassiker frei, etwa 1552 Buch IV von Vergils Äneis, und veröffentlichte Anfang 1553 Recueil de poésie. Seine Gesundheit war offenbar schlecht; der Artikel nennt Tuberkulose nur als unsichere Möglichkeit. Zunehmende Schwerhörigkeit, Depressionen, Besitzprozesse und eine prekäre materielle Lage belasteten ihn zusätzlich.

Rom: Dienst, Enttäuschung und dichterische Erfahrungen

Im April 1553 trat Du Bellay in die Dienste des Kardinals Jean Du Bellay, nachdem sein Bruder René gestorben war und er einen Neffen versorgen musste. Kurz darauf begleitete er den Kardinal nach Rom. Dieser sollte als Gesandter des französischen Königs den Papst beziehungsweise den Kirchenstaat im Konflikt mit Kaiser Karl V. für Frankreich gewinnen. Du Bellays Romaufenthalt dauerte vier Jahre; er war Majordomus, also Leiter des Haushalts seines Dienstherrn.

Rom eröffnete ihm zwar neue Eindrücke und Kontakte zu Literaten. Er freundete sich mit dem Dichter Olivier de Magny an und schrieb zahlreiche Gedichte. Sein Dienst beanspruchte ihn jedoch stärker als erwartet und schien ihm keine beruflichen Perspektiven zu bieten. Zudem enttäuschten ihn die Zustände am päpstlichen Hof und in der großen Politik. 1555 erlebte er zwei Papstwahlen mit ihren Intrigen; bei der zweiten war sein Dienstherr kurz Kandidat. 1556 fiel der Kardinal bei König Heinrich in Ungnade, als dieser überraschend mit dem spanischen König Philipp II. einen Waffenstillstand schloss.

Neben seinen Gedichten hatte Du Bellay in Rom ein reales Verhältnis mit Faustina. Im Spätsommer 1557 kehrte er mit dem Kardinal nach Paris zurück. Dieser versorgte ihn mit mehreren Pfründen, also Stellen beziehungsweise Einkünften aus kirchlichen Gütern; die Einnahmen musste Du Bellay mit den Priestern teilen, die ihn vor Ort vertraten.

Späte Hauptwerke und Nachwirkung

Nach der Rückkehr nach Paris knüpfte Du Bellay wieder an alte und neue Literatenkreise an. Mit Gedichten zu offiziellen und anderen Anlässen versuchte er auch, sich am Königshof zu etablieren. Dabei beneidete er offenbar Ronsard, dem dies während seiner Abwesenheit gelungen war.

Im Januar 1558 erschien sein wohl bedeutendstes Werk, Les regrets. Die Sammlung enthält 191 größtenteils in Rom verfasste Sonette. Ihr gemeinsamer Unterton besteht aus Nostalgie, Frustration und Desillusion. Viele Gedichte schildern auffallend bekenntnishaft Du Bellays existenzielle und psychische Nöte, vor allem Heimweh und enttäuschte Karrierehoffnungen. Andere kommentieren politische Ereignisse und Zustände in Rom, oft im Vergleich mit den vermeintlich besseren französischen Verhältnissen. Wieder andere karikieren Höflinge in Rom und nach der Rückkehr auch in Paris. Neuartig war, dass Les regrets das Sonett als Form nicht nur für Liebeslyrik, sondern für ein breites Themenspektrum etablierte. Viele Sonette sind wie Briefe an namentlich genannte Freunde und Bekannte, etwa Ronsard, gerichtet.

Ebenfalls im Januar 1558 veröffentlichte er Divers jeux rustiques, einen Sammelband mit Gedichten unterschiedlicher Gattungen und Themen, der eine heitere und teils witzige Seite zeigt. Im März folgte Le premier livre des antiquités de Rome mit 32 Sonetten über antike Ruinen in Rom und Umgebung. Sie vermitteln das Gefühl von Vergänglichkeit und Vergeblichkeit. Die beigefügten 15 Sonette Songe schildern eine Traumvision: Jede zunächst glanzvolle Erscheinung fällt am Ende unrühmlich in sich zusammen. 1558 erschienen außerdem vier Bücher lateinischer Gedichte, darunter Texte über Faustina, sowie seine Übertragung von Platons Symposion.

Noch 1558 erhielt Du Bellay einen höheren Posten in der Verwaltung des Erzbistums Paris. Er starb jedoch nach längerem Kränkeln, depressiv und mit 37(?) Jahren, in der Nacht vom 1. auf den 2. Januar 1560 an einem Herzschlag und wurde in Notre-Dame de Paris beigesetzt. Die dort 2019 bei Restaurierungsarbeiten entdeckten Gebeine eines unbeschrifteten Bleisargs konnten ihm 2024 zugeordnet werden. 1561 erschienen postum weitere Lyrik und andere Texte, darunter politisch ausgerichtete Discours in Versform. Die erste Gesamtausgabe seiner Werke erschien 1568/69 und wurde mehrfach nachgedruckt.

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